Die Tiger-Klasse stellte einen bedeutenden Technologiesprung gegenüber den bisherigen Torpedoschnellbooten dar. Anstelle der klassischen Torpedobewaffnung verfügte die Iltis über vier Seezielflugkörper des Typs MM38 Exocet, wodurch gegnerische Überwassereinheiten erstmals auf große Entfernung bekämpft werden konnten.
Die Iltis gehörte von Beginn an zum 3. Schnellbootgeschwader in Flensburg. Während des Kalten Krieges nahm sie regelmäßig an NATO-Manövern, Verbandsübungen und Ausbildungsfahrten in Nord- und Ostsee teil. Gemeinsam mit ihren Schwesterschiffen bildete sie über viele Jahre einen wesentlichen Bestandteil der maritimen Abschreckung im Ostseeraum.
Nach der Außerdienststellung des 3. Schnellbootgeschwaders im Jahr 1998 wechselte die Iltis zum 5. Schnellbootgeschwader nach Olpenitz und blieb dort bis zum Ende ihrer Dienstzeit im Einsatz.
Am 18. Dezember 2002 wurde die Iltis gemeinsam mit den letzten Booten der Tiger-Klasse außer Dienst gestellt.
Aufgabe und Besonderheiten
Die Iltis war als Flugkörperschnellboot für die schnelle Bekämpfung gegnerischer Überwasserstreitkräfte vorgesehen. Dank ihrer hohen Geschwindigkeit, ihrer geringen Silhouette und der Exocet-Flugkörper konnte sie Ziele weit außerhalb der Sichtweite angreifen.
Die Tiger-Klasse verband die bewährten Seeeigenschaften der Jaguar-Klasse mit moderner Lenkflugkörpertechnik und gehörte während des Kalten Krieges zu den schlagkräftigsten Schnellbootverbänden der NATO.
Technische Daten
Klasse: 148, Tiger-Klasse
Typ: Flugkörperschnellboot
Kennung: S42 / P6142
Indienststellung: 20. Juli 1972
Außerdienststellung: 18. Dezember 2002
Länge: 47,20 m
Breite: 7,80 m
Tiefgang: ca. 2,50 m
Verdrängung: ca. 265 t
Antrieb: 4 MTU-Dieselmotoren
Leistung: rund 16.000 PS
Geschwindigkeit: über 40 kn
Besatzung: 38 Soldaten
Bewaffnung
- 4 × MM38 Exocet-Flugkörper
- 1 × 76-mm-OTO-Melara
- 1 × 40-mm-Bofors L/70
- Minenlegefähigkeit bei Bedarf
Geschwaderzugehörigkeit
-
1972–1998: 3. Schnellbootgeschwader, Flensburg
-
1998–2002: 5. Schnellbootgeschwader, Olpenitz
Rufzeichen
Internationales Funkrufzeichen: DRBB
Verbleib
Nach ihrer Außerdienststellung wurde die Iltis über die VEBEG verkauft. Weitere Angaben zu einer späteren Nutzung werden nur aufgenommen, wenn sie eindeutig und zuverlässig belegt sind.
Von Kameraden für Kameraden
Die Iltis gehörte zu den ersten deutschen Schnellbooten, die mit modernen Seezielflugkörpern ausgerüstet waren. Sie stand damit für den Wandel der Schnellbootwaffe von der klassischen Torpedotaktik hin zu präzisen Lenkflugkörpern mit großer Reichweite.
Für ihre Besatzungen bedeutete der Dienst auf der Iltis höchste Einsatzbereitschaft, anspruchsvolle Ausbildung und Kameradschaft auf engstem Raum. Über drei Jahrzehnte war das Boot ein fester Bestandteil des 3. und später des 5. Schnellbootgeschwaders und steht bis heute stellvertretend für die Leistungsfähigkeit der deutschen Schnellbootwaffe – von Kameraden für Kameraden. ⚓