S 80 HYÄNE wurde am 13. November 1984 für die Bundesmarine in Dienst gestellt. Das internationale Rufzeichen des Bootes lautete DRCN. Während seiner gesamten aktiven Laufbahn gehörte es zum 7. Schnellbootgeschwader.
Auftrag und Konzeption
Die Gepard-Klasse war ursprünglich für den schnellen und überraschenden Kampf gegen gegnerische Überwassereinheiten vorgesehen. Ihr hauptsächliches Einsatzgebiet lag während des Kalten Krieges in der Ostsee und ihren Zugängen.
S 80 HYÄNE sollte gemeinsam mit weiteren Schnellbooten in taktischen Verbänden operieren. Die hohe Geschwindigkeit, geringe Silhouette und starke Flugkörperbewaffnung ermöglichten schnelle Angriffe gegen größere gegnerische Einheiten.
Das automatische Gefechts- und Informationssystem AGIS unterstützte den Austausch taktischer Lageinformationen und den koordinierten Waffeneinsatz innerhalb eines Schnellbootverbandes.
Im Unterschied zur vorausgegangenen Klasse 143 besaßen die Boote der Klasse 143A keine Torpedorohre und kein zweites 76-mm-Geschütz auf dem Achterschiff. Stattdessen war dort die Aufnahme eines Flugkörperabwehrsystems vorgesehen. Außerdem konnten die Boote Seeminen mitführen und ausbringen.
Bewaffnung und Ausrüstung
Die Hauptbewaffnung von S 80 HYÄNE bestand aus vier französischen Seezielflugkörpern des Typs MM 38 Exocet. Sie dienten der Bekämpfung größerer gegnerischer Überwassereinheiten.
Auf dem Vorschiff befand sich ein vollautomatisches 76-mm-Mehrzweckgeschütz OTO Melara Compact. Es konnte gegen See- und Luftziele sowie begrenzt gegen Ziele an Land eingesetzt werden.
Auf dem Achterschiff wurde später das Flugkörperabwehrsystem RIM-116 Rolling Airframe Missile – RAM eingebaut. Der Starter verfügte über 21 Flugkörper und verbesserte insbesondere den Eigenschutz gegen anfliegende Seezielflugkörper.
Ergänzt wurde die Bewaffnung durch zwei schwere Maschinengewehre sowie die Fähigkeit zum Minenlegen. Vier MTU-Dieselmotoren mit einer Gesamtleistung von rund 18.000 PS ermöglichten eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 42 Knoten.
Dienst im 7. Schnellbootgeschwader
S 80 HYÄNE gehörte von seiner Indienststellung bis zur Außerdienststellung zum 7. Schnellbootgeschwader. Mit seiner Indienststellung im November 1984 war die Ausstattung des Verbandes mit den zehn Booten der Gepard-Klasse abgeschlossen.
Der ursprüngliche Heimathafen war Kiel. Im Zuge der Neuordnung der Deutschen Marine nach der Wiedervereinigung verlegte das 7. Schnellbootgeschwader 1995 nach Warnemünde.
Die Laufbahn von S 80 HYÄNE umfasste damit sowohl die letzten Jahre des Kalten Krieges als auch den grundlegenden Wandel der Deutschen Marine hin zu internationalen Einsätzen.
Wandel des Einsatzprofils
Nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes verlor der ursprünglich vorgesehene Einsatz gegen gegnerische Überwasserverbände in der Ostsee an Bedeutung. Die Schnellboote wurden zunehmend zur Seeraumüberwachung, zur Kontrolle des Schiffsverkehrs und innerhalb multinationaler Marineverbände eingesetzt.
Für lang andauernde Auslandseinsätze waren die Boote nur eingeschränkt ausgelegt. Die kleine Besatzung, das Einwachensystem, die räumliche Enge und die begrenzte Durchhaltefähigkeit stellten Mannschaft und Material vor besondere Herausforderungen.
In küstennahen und stark befahrenen Seegebieten konnten sie jedoch weiterhin ihre Geschwindigkeit, geringe Größe und gute Manövrierfähigkeit wirkungsvoll einsetzen.
Erster UNIFIL-Einsatz 2006 bis 2007
S 80 HYÄNE gehörte zum ersten deutschen Schnellbootkontingent im Rahmen der United Nations Interim Force in Lebanon – UNIFIL.
Am 19. September 2006 lief das Boot gemeinsam mit S 74 NERZ, S 77 DACHS, S 78 OZELOT und dem Tender ELBE aus Warnemünde aus. Die Einheiten verlegten in das östliche Mittelmeer und wurden vor der libanesischen Küste eingesetzt.
Die Aufgaben bestanden in der Überwachung des Seegebietes, der Identifizierung von Schiffsbewegungen und der Unterstützung der libanesischen Behörden beim Aufbau eines maritimen Lagebildes sowie bei der Sicherung ihrer Seegrenzen.
Während der langen Einsatzzeit wurden Besatzungen teilweise zwischen den verfügbaren Booten ausgetauscht. Dadurch konnten die Plattformen länger im Einsatzgebiet verbleiben, ohne jedes Mal nach Deutschland zurückkehren zu müssen.
UNIFIL-Einsatz 2010 bis 2011
Ab November 2010 befand sich S 80 HYÄNE erneut im UNIFIL-Einsatz vor dem Libanon. Anfang Januar 2011 stieß S 75 ZOBEL als zweites deutsches Schnellboot hinzu.
Die beiden Boote wurden durch den Tender MOSEL logistisch unterstützt. Zu dessen Kernaufgaben gehörte die Versorgung der Schnellboote mit Kraftstoff, Betriebsstoffen und weiteren Versorgungsgütern.
S 75 ZOBEL und S 80 HYÄNE kehrten am 25. Oktober 2011 gemeinsam in ihren Heimathafen Warnemünde zurück.
Besatzungstausch während des UNIFIL-Einsatzes 2012 bis 2013
Die Besatzung von S 80 HYÄNE wurde auch während des UNIFIL-Kontingents 2012/2013 eingesetzt. Dabei fuhr sie zeitweise auf S 71 GEPARD.
Dieses Verfahren ermöglichte es, die im Einsatzgebiet befindlichen Plattformen weiterzuverwenden und gleichzeitig die Abwesenheitsbelastung der einzelnen Besatzungen zu verringern. Die Besatzung von S 80 HYÄNE stellte dabei das letzte Drittel der Besatzungsrotation auf S 71 GEPARD.
Da in dieser Phase nicht S 80 HYÄNE selbst als Plattform eingesetzt wurde, sondern seine Besatzung auf einem Schwesterboot fuhr, wird dieser Zeitraum ausdrücklich nicht als eigener Bootseinsatz von S 80 HYÄNE gewertet.
Letzter UNIFIL-Einsatz 2015 bis 2016
Am 13. Juli 2015 lief S 80 HYÄNE erneut aus Warnemünde zum UNIFIL-Einsatz aus. Das Boot war kurzfristig als Standby-Einheit aktiviert worden und sollte vor der Küste des Libanon die Korvette ERFURT ablösen. An Bord befanden sich 41 Soldatinnen und Soldaten.
Der Auftrag umfasste erneut die Überwachung des Seeverkehrs und die Unterstützung bei der Sicherung der libanesischen Seegrenzen. Die Besatzung von S 80 HYÄNE beendete ihren Einsatz am 3. Dezember 2015 und wurde auf Zypern durch die Besatzung von S 73 HERMELIN abgelöst.
Das Boot selbst blieb weiterhin als Einsatzplattform im östlichen Mittelmeer. Erst am 31. März 2016 wurde S 80 HYÄNE endgültig aus dem UNIFIL-Einsatz herausgelöst und trat die Heimreise nach Warnemünde an.
Mit dieser Rückverlegung endete der letzte operative Auslandseinsatz eines deutschen Schnellbootes. S 80 HYÄNE schrieb damit das Schlusskapitel der deutschen Schnellbootgeschichte im internationalen Einsatz.
Patenschaft mit der Stadt Verden
S 80 HYÄNE unterhielt eine langjährige Patenschaft mit der niedersächsischen Stadt Verden an der Aller.
Die Verbindung war bereits am 16. April 1966 mit einem früheren Schnellboot namens HYÄNE begründet und später auf S 80 HYÄNE übertragen worden. Damit bestand die Patenschaft insgesamt 50 Jahre.
Sie wurde durch gegenseitige Besuche, gemeinsame Veranstaltungen und persönliche Kontakte zwischen der Besatzung, der Stadt und der Marinekameradschaft gepflegt.
Noch 2009 führte die Deutsche Marine Verden ausdrücklich als Patenstadt von S 80 HYÄNE.
Mit der Außerdienststellung des Bootes endete die offizielle Patenschaft im Jahr 2016. Die über Jahrzehnte entstandenen persönlichen und kameradschaftlichen Verbindungen blieben jedoch bestehen.
Auszeichnung der Besatzung
Im Jahr 2014 erhielt die Besatzung von S 80 HYÄNE den sogenannten Nikolauspreis. In der Einsatzausbildung hatte sie sich gegenüber rund 40 anderen Schiffs- und Bootsbesatzungen der Marine durchgesetzt.
Die Auszeichnung unterstrich den hohen Ausbildungsstand der Besatzung, die im folgenden Jahr kurzfristig für den erneuten UNIFIL-Einsatz bereitgestellt wurde.
Letzte Fahrten des Geschwaders
Nach der Rückkehr aus dem östlichen Mittelmeer nahm S 80 HYÄNE an den letzten Fahrten des 7. Schnellbootgeschwaders teil.
Im Juni 2016 liefen die verbliebenen Boote nochmals Kiel an. Im Sommer folgte die abschließende gemeinsame Fahrt des Verbandes, bevor die Fahrbereitschaft des Geschwaders beendet wurde.
S 80 HYÄNE gehörte gemeinsam mit S 73 HERMELIN, S 75 ZOBEL und S 76 FRETTCHEN zu den letzten aktiven Schnellbooten der Deutschen Marine.
Außerdienststellung
S 80 HYÄNE wurde am 16. November 2016 gemeinsam mit den letzten verbliebenen Booten der Gepard-Klasse außer Dienst gestellt.
Am selben Tag wurde das 7. Schnellbootgeschwader aufgelöst. Damit endete die aktive Geschichte der Schnellboote in der Deutschen Marine.
S 80 HYÄNE hatte zu diesem Zeitpunkt genau 32 Jahre und drei Tage im Dienst der Bundesmarine und der Deutschen Marine gestanden.
Verbleib
Nach der Außerdienststellung wurde S 80 HYÄNE im Marinearsenal Kiel aufgelegt.
Gemeinsam mit sechs weiteren ehemaligen Schnellbooten der Gepard-Klasse wurde das Boot 2023 durch die VEBEG zur Verwertung ausgeschrieben. Bestandteil der Verkaufsbedingungen war die Verpflichtung, die Einheiten zu verschrotten und eine erneute militärische oder zivile Nutzung auszuschließen.
Ein erster Abtransport im November 2024 scheiterte, weil starker Muschelbewuchs an den Unterwasserrümpfen eine sichere Verladung mit Hebegurten verhinderte.
Im August 2025 wurde S 80 HYÄNE schließlich gemeinsam mit S 72 PUMA, S 73 HERMELIN, S 75 ZOBEL, S 76 FRETTCHEN, S 78 OZELOT und S 79 WIESEL auf das Schwergutschiff HAPPY SKY verladen. S 80 HYÄNE befand sich dabei auf dem Oberdeck des Transportschiffes.
Die HAPPY SKY verließ Kiel am 14. August 2025. Am 1. September 2025 wurden die sieben Boote in Aliağa in der Türkei abgeliefert. Dort waren sie zur technischen Verwertung und anschließenden Verschrottung bestimmt.
Technische Daten
Klasse: Gepard-Klasse, Klasse 143A
Typ: Flugkörperschnellboot
Kennung: P 6130
Name: S 80 HYÄNE
Internationales Rufzeichen: DRCN
Indienststellung: 13. November 1984
Außerdienststellung: 16. November 2016
Verbandszugehörigkeit: 7. Schnellbootgeschwader
Heimathäfen: Kiel, ab 1995 Warnemünde
Länge über alles: 57,60 Meter
Breite: 7,76 Meter
Tiefgang: 2,60 Meter
Einsatzverdrängung: rund 391 Tonnen
Antrieb: vier MTU-Dieselmotoren auf vier Wellen
Gesamtleistung: rund 18.000 PS
Höchstgeschwindigkeit: etwa 42 Knoten
Reichweite: etwa 600 Seemeilen bei hoher Marschfahrt
Besatzung: regulär etwa 34 bis 36 Soldaten, im UNIFIL-Einsatz 2015 insgesamt 41 Soldatinnen und Soldaten
Bewaffnung: ein 76-mm-Geschütz, vier MM-38-Exocet-Seezielflugkörper, ein RAM-Starter, zwei schwere Maschinengewehre und Minenlegefähigkeit
Patenschaft: Stadt Verden an der Aller
Verbleib: 2025 zur Verwertung und Verschrottung nach Aliağa in die Türkei transportiert
Von Kameraden für Kameraden
S 80 HYÄNE stand mehr als 32 Jahre im Dienst der Bundesmarine und der Deutschen Marine. Als letztes in Dienst gestelltes Boot der Gepard-Klasse erlebte es die letzten Jahre des Kalten Krieges, die Verlegung des 7. Schnellbootgeschwaders von Kiel nach Warnemünde und den Wandel vom klassischen Ostseeschnellboot zum international eingesetzten Überwachungsfahrzeug.
Besondere Bedeutung erhielt S 80 HYÄNE durch seinen letzten UNIFIL-Einsatz. Mit der Rückkehr des Bootes im Frühjahr 2016 endete der operative Auslandseinsatz deutscher Schnellboote.
Der Dienst an Bord bedeutete Leben, Arbeiten und Wachegehen auf engstem Raum. Die offene Brücke, die hohe Geschwindigkeit und die unmittelbare Verantwortung jedes Einzelnen prägten den besonderen Schnellbootsgeist.
Jeder Kamerad musste sich auf den anderen verlassen können – auf der Brücke, im Maschinenraum, an den Waffenstationen und während der wenigen Ruhezeiten unter Deck.
Unser Motiv erinnert an S 80 HYÄNE und an alle Kameraden, die auf diesem Boot gefahren sind. Es bewahrt die Erinnerung an gemeinsame Seefahrten, lange Wachen, internationale Einsätze und das letzte Kapitel einer mehr als hundertjährigen deutschen Schnellboottradition.