Kategorie: Minenjagdboote FRANKENTHAL-Klasse
Frankenthal-Klasse – Minenjagdboote der Klasse 332
Die Minenjagdboote der Frankenthal-Klasse, in der Deutschen Marine als Klasse 332 beziehungsweise MJ 332 geführt, bilden die dritte Generation deutscher Minenjagdboote nach dem Zweiten Weltkrieg. Insgesamt wurden zwölf Einheiten gebaut und zwischen 1992 und 1998 in Dienst gestellt. Sie lösten vor allem die zu Minenjagdbooten umgebauten Boote der Lindau-Klasse ab und leiteten einen grundlegenden technischen Generationswechsel in der deutschen Seeminenabwehr ein.
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Entwicklung und Bau
Die Klasse 332 entstand gemeinsam mit den schnellen Minensuchbooten der Hameln-Klasse auf Grundlage einer einheitlichen Plattform. Ihr Bootskörper besteht aus amagnetischem beziehungsweise nicht magnetisierbarem Stahl. Dadurch wird die magnetische Signatur des Bootes reduziert und das Risiko verringert, beim Einsatz in minengefährdeten Gewässern selbst eine Magnetmine auszulösen.
An Entwicklung und Bau waren mehrere deutsche Werften und Unternehmen beteiligt. Die Boote entstanden bei der Lürssen-Werft in Bremen-Vegesack, bei Abeking & Rasmussen in Lemwerder sowie bei der Kröger-Werft in Schacht-Audorf. Trotz des weitgehend gemeinsamen Rumpfes unterscheiden sich die verschiedenen Minenabwehrklassen vor allem durch ihre Aufbauten, ihre technische Ausrüstung und das jeweilige Einsatzprofil.
Die ersten zehn Boote wurden Ende der 1980er-Jahre beauftragt. Zwei weitere Einheiten, Fulda und Weilheim, folgten als Nachbauten und wurden 1998 in Dienst gestellt. Insgesamt umfasste die Frankenthal-Klasse damit zwölf Boote.
Aufgabe der Minenjagdboote
Die Hauptaufgabe der Klasse 332 ist das gezielte Aufspüren, Identifizieren und Vernichten von Seeminen. Anders als klassische Minensuchboote, die mit mechanischen, magnetischen oder akustischen Räumgeräten ein größeres Seegebiet bearbeiten, suchen Minenjagdboote den Meeresboden systematisch mit einem hochauflösenden Sonar ab.
Verdächtige Objekte werden anschließend genauer untersucht. Dafür standen zunächst ferngelenkte Minenjagddrohnen vom Typ Pinguin B3 zur Verfügung. Später wurden sie durch Einwegdrohnen beziehungsweise Effektoren des Typs Seefuchs ergänzt oder ersetzt. Auch Minentaucher können zur Identifizierung und Beseitigung von Minen eingesetzt werden.
Neben der eigentlichen Minenjagd können die Boote Unterwasserhindernisse, Wrackteile und andere Gegenstände auf dem Meeresboden orten. Ebenso sind sie grundsätzlich in der Lage, selbst Seeminen zu legen.
Schutz vor Seeminen
Für den Einsatz in unmittelbarer Nähe zu Seeminen müssen die Boote eine möglichst geringe magnetische und akustische Signatur besitzen. Neben dem amagnetischen Rumpf verfügen sie deshalb über eine Magnet-Eigenschutzanlage, welche die von elektrischen Anlagen und anderen technischen Einrichtungen verursachten Magnetfelder weitgehend ausgleicht.
Während der Minenjagd können die Boote mit besonders geringer Geschwindigkeit und reduzierter Geräuschentwicklung fahren. Diese sogenannte Schleichfahrt ermöglicht ein präzises Manövrieren im Minenfeld und verringert gleichzeitig die Gefahr, akustisch oder magnetisch wirkende Minen auszulösen.
Varianten innerhalb der Klasse
Im Laufe ihrer Dienstzeit wurden mehrere Boote für besondere Aufgaben umgebaut. Dadurch entstanden unterschiedliche Varianten der Klasse 332.
Die Rottweil und die Bad Rappenau wurden als Minentaucher-Einsatzboote für die Unterstützung von Minentauchern ausgerüstet. Sie verfügen über zusätzliche Einrichtungen für Tauchereinsätze und dienen als schwimmende Einsatzplattform für spezialisierte Kräfte.
Die Bad Bevensen, Grömitz und Datteln wurden zur Variante 332 CL umgebaut. Diese Boote können zusätzlich ferngelenkte Hohlstablenkboote vom Typ Seehund einsetzen. Die unbemannten Räumboote erzeugen magnetische und akustische Signaturen größerer Schiffe und können dadurch entsprechend eingestellte Minen zur Detonation bringen. Damit verbinden diese Einheiten die gezielte Minenjagd mit der Fähigkeit zum großflächigeren Minenräumen.
Bewaffnung und Eigenschutz
Die Boote führten ursprünglich ein 40-mm-Geschütz auf dem Vorschiff. Dieses wurde später durch das Marineleichtgeschütz MLG 27 ersetzt. Ergänzend stehen leichte Waffen und tragbare Flugabwehrsysteme für den Eigenschutz zur Verfügung.
Die Bewaffnung ist jedoch nicht der bestimmende Bestandteil der Klasse. Ihre besondere Leistungsfähigkeit liegt in der spezialisierten Ortungs-, Führungs- und Minenjagdausrüstung sowie in der Fähigkeit, auch in stark verminten Küstengewässern präzise zu operieren.
Verbandszugehörigkeit
Die Frankenthal-Klasse war zunächst eng mit dem 1. Minensuchgeschwader verbunden. Mit der Einführung der neuen Boote verlegte das Geschwader 1992 von Flensburg nach Olpenitz, das zum Typstützpunkt der Klasse 332 ausgebaut wurde.
Durch mehrere Umgliederungen wurden die Boote später auf das 1., 3. und 5. Minensuchgeschwader verteilt. Nach der Auflösung des 1. Minensuchgeschwaders im Dezember 2005 und des 5. Minensuchgeschwaders Ende 2015 wurden die verbliebenen deutschen Einheiten schließlich im 3. Minensuchgeschwader in Kiel zusammengeführt. Dieses bündelt heute die Fähigkeiten der Deutschen Marine zur verbundenen Seeminenabwehr.
Verkauf von Frankenthal und Weiden
Die beiden Boote M 1060 Weiden und M 1066 Frankenthal wurden 2006 außer Dienst gestellt und an die Marine der Vereinigten Arabischen Emirate abgegeben.
Die ehemalige Weiden wurde dort als Al Hasbah weiterverwendet, die ehemalige Frankenthal als Al Murjan. Damit verblieben zehn Einheiten der Klasse 332 bei der Deutschen Marine.
Einheiten der Frankenthal-Klasse
Zur Klasse 332 gehörten insgesamt zwölf Boote:
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M 1058 FULDA
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M 1059 WEILHEIM
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M 1060 WEIDEN
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M 1061 ROTTWEIL
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M 1062 SULZBACH-ROSENBERG
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M 1063 BAD BEVENSEN
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M 1064 GRÖMITZ
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M 1065 DILLINGEN
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M 1066 FRANKENTHAL
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M 1067 BAD RAPPENAU
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M 1068 DATTELN
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M 1069 HOMBURG
Die niedrigeren Kennungen von Fulda und Weilheim erklären sich daraus, dass diese beiden Boote erst als zusätzliche Einheiten des zweiten Bauloses bestellt wurden.
Bedeutung der Klasse
Die Frankenthal-Klasse verbindet einen besonders signaturarmen Bootskörper mit präziser Sonartechnik, ferngelenkten Unterwasserfahrzeugen, Minentauchern und – bei einzelnen Booten – ferngelenkten Räumbooten. Durch diese Kombination kann die Klasse sowohl einzelne Minen gezielt bekämpfen als auch größere Seegebiete räumen.
Mehr als drei Jahrzehnte nach der Indienststellung des ersten Bootes bildet die Klasse 332 weiterhin den Kern der deutschen Seeminenabwehr. Die wiederholten Umbauten und Modernisierungen zeigen, wie anpassungsfähig die gemeinsame Plattform konstruiert wurde und welche Bedeutung die Boote bis heute für den Schutz von Häfen, Küstengewässern und wichtigen Seeverbindungen besitzen.