Kategorie: Mij.-Boot M1099 HERTEN

M 1099 HERTEN – Schnelles Minensuchboot und Minenjagdboot der Kulmbach-Klasse

Bau und Indienststellung

M 1099 HERTEN wurde auf der Kröger-Werft in Schacht-Audorf bei Rendsburg gebaut. Das Boot trug die Baunummer 3549 beziehungsweise 13549 und lief im Dezember 1989 vom Stapel.

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Bei den genauen Daten bestehen Abweichungen zwischen den Quellen. Das Historische Marinearchiv nennt den 22. Dezember 1989 als Stapellauf und den 26. Februar 1991 als Indienststellung. Die ausführlichere Schiffschronik und weitere Darstellungen nennen dagegen den 21. Dezember 1989 als Stapellauf, die Übergabe durch die Werft am 26. Februar 1991 und die eigentliche Indienststellung am 26. März 1991.

Für den Schiffsfinder sollte deshalb der 26. März 1991 als Indienststellungsdatum verwendet werden. Der 26. Februar 1991 war sehr wahrscheinlich das Datum der formellen Übergabe des Bootes durch die Werft.

Die HERTEN führte das internationale Rufzeichen DRFP. Namensgeber und Patenstadt war die nordrhein-westfälische Stadt Herten.

Dienst als Schnelles Minensuchboot der Klasse 343

Die HERTEN wurde als letztes der zehn Schnellen Minensuchboote der Hameln-Klasse, Klasse 343, in Dienst gestellt. Sie gehörte zunächst zum 5. Minensuchgeschwader in Olpenitz.

Die Erstbesatzung begann im September 1990 mit der Bordeinweisung und den Funktionsnachweisen. Bereits im Oktober 1990 besuchte sie die künftige Patenstadt Herten. Die ersten Erprobungs- und Ausbildungsfahrten fanden noch vor der offiziellen Übergabe und Indienststellung statt.

Die Hameln-Klasse war als vielseitiger Einheitstyp für die Seeminenabwehr entwickelt worden. Die Boote konnten sowohl Minen räumen als auch selbst Seeminen ausbringen.

Zu den ursprünglichen Aufgaben der HERTEN gehörten:

  • die Sicherung von Häfen und Seewegen,

  • die Minenabwehr in küstennahen Gewässern,

  • das Ausbringen eigener Minensperren,

  • die Seeraumüberwachung,

  • die Teilnahme an Übungen und NATO-Manövern.

Der Rumpf bestand aus amagnetischem Stahl, um das eigene Magnetfeld möglichst gering zu halten und die Gefährdung durch Magnetminen zu reduzieren.

Erste Dienstjahre

Eine der ersten größeren Auslandsreisen führte die HERTEN 1992 nach Schottland, Irland und in die Niederlande. In den folgenden Jahren nahm das Boot regelmäßig an nationalen und internationalen Übungen, Ausbildungsreisen und Verbandsvorhaben teil.

Die ursprüngliche Bezeichnung der Klasse lautete zeitweise Minenkampfboot. Später wurden die Einheiten als Schnelle Minensuchboote geführt. Der Auftrag umfasste nicht nur defensive Räumaufgaben, sondern ausdrücklich auch das Minenlegen unter möglicher militärischer Bedrohung.

Umbau zum Minenjagdboot der Klasse 333

Nach dem Ende des Kalten Krieges wurden die zehn Boote der Hameln-Klasse für unterschiedliche Aufgaben modernisiert.

Fünf Boote wurden zu Hohlstablenkbooten der Ensdorf-Klasse 352 umgebaut. Die übrigen fünf Einheiten – darunter die HERTEN – erhielten eine moderne Minenjagdausrüstung und bildeten anschließend die Kulmbach-Klasse, Klasse 333.

Der Umbau der HERTEN erfolgte 1999 und 2000 auf der Peene-Werft in Wolgast. In den Unterlagen des Historischen Marinearchivs wird der 8. Juli 2000 als Datum für die Dienstphase als Minenjagdboot der Klasse 333 genannt. Das Boot blieb jedoch während des Umbaus formal im Dienst und wurde nicht als völlig neue Einheit erneut in Dienst gestellt.

Mit dem Umbau verlagerte sich der Schwerpunkt von der klassischen Minenräumung zur gezielten Ortung, Identifizierung und Vernichtung einzelner Seeminen.

Minenjagd mit SEEFUCHS

Als Minenjagdboot suchte die HERTEN den Meeresboden mit einem hochauflösenden Minenjagdsonar systematisch nach verdächtigen Objekten ab.

Nach der Ortung eines möglichen Minenkontakts konnte eine ferngelenkte Unterwasserdrohne des Typs SEEFUCHS eingesetzt werden.

Dabei standen grundsätzlich zwei Varianten zur Verfügung:

  • eine wiederverwendbare Identifizierungsdrohne mit Kamera und Sonar,

  • eine Einwegdrohne mit Sprengladung zur Vernichtung einer bestätigten Mine.

Die Drohne wurde vom Boot aus zum Ziel gelenkt. Wurde das Objekt als Mine erkannt, konnte eine mit Sprengstoff ausgerüstete Variante direkt an der Mine zur Detonation gebracht werden.

Die Kulmbach-Klasse verband damit moderne Minenjagdfähigkeiten mit der weiterhin vorhandenen Möglichkeit, selbst Seeminen auszubringen.

Bewaffnung und Eigenschutz

Die HERTEN verfügte ursprünglich über zwei 40-mm-Bofors-Geschütze. Diese vergleichsweise starke Artilleriebewaffnung war auf den ursprünglichen Auftrag der Hameln-Klasse zurückzuführen.

Zusätzlich verfügten die Boote über:

  • Flugabwehrwaffen des Typs Stinger,

  • Maschinengewehre,

  • Handwaffen für Wach- und Sicherungsaufgaben,

  • elektronische Systeme zur Lagebilddarstellung und Datenübertragung.

Im Rahmen einer späteren Modernisierung wurden die älteren 40-mm-Geschütze durch zwei moderne 27-mm-Marineleichtgeschütze ersetzt.

Aufgrund ihrer Geschwindigkeit, Bewaffnung und Sensorik konnte die HERTEN neben der Minenjagd auch zur Seeraumüberwachung und zur Abwehr asymmetrischer Bedrohungen eingesetzt werden.

Wechsel zum 3. Minensuchgeschwader

Am 21. Dezember 2005 wurde die HERTEN dem 3. Minensuchgeschwader unterstellt. Im folgenden Jahr verlegte das Geschwader von Olpenitz in den Marinestützpunkt Kiel.

Kiel blieb bis zur Außerdienststellung der Heimathafen des Bootes.

Die organisatorische Veränderung stand im Zusammenhang mit der Zusammenfassung der deutschen Minenabwehrkräfte und der Aufgabe des Marinestützpunktes Olpenitz.

Vorbereitung auf NATO-Aufgaben

Das Jahr 2007 war zunächst von der Vorbereitung auf einen Einsatz in der Standing NATO Mine Countermeasures Group 2 geprägt.

Die HERTEN nahm an einem Verbandsausbildungsabschnitt mit dem Schwerpunkt Minenabwehr in strömenden Gewässern rund um Helgoland teil. Es folgten die Schadensabwehr- und Gefechtsausbildung in Neustadt in Holstein sowie ein Ausbildungs- und Prüfprogramm für Minenabwehrfahrzeuge im belgischen Zeebrügge.

Diese Ausbildung sollte das Boot und seine Besatzung auf die hohen Anforderungen eines multinationalen NATO-Verbandes vorbereiten.

UNIFIL-Einsatz mit der ÜBERHERRN

Im Sommer 2007 wurde die ursprüngliche Planung geändert. Statt mit der eigenen Hülle in den NATO-Verband zu gehen, sollte die Besatzung der HERTEN die Besatzung des Schwesterbootes M 1095 ÜBERHERRN im UNIFIL-Einsatz ablösen.

Ende Januar 2008 verlegte die Besatzung der HERTEN in zwei Kontingenten nach Zypern. Im Hafen Limassol übernahm sie die im Einsatz befindliche ÜBERHERRN von deren Stammbesatzung.

Dieses Verfahren wurde als Hüllentausch bezeichnet. Dabei blieb das Boot im Einsatzgebiet, während die Besatzung ausgewechselt wurde. Auf diese Weise konnte die Einsatzdauer der schwimmenden Einheit verlängert werden, ohne das Boot für den Personalwechsel nach Deutschland zurückführen zu müssen.

Die Besatzung der HERTEN führte den UNIFIL-Auftrag mit der ÜBERHERRN bis Anfang Juni 2008 fort. Zu den Aufgaben gehörten insbesondere:

  • die Überwachung des Seegebiets vor dem Libanon,

  • die Kontrolle von Schiffsbewegungen,

  • die Verhinderung unerlaubter Waffentransporte auf dem Seeweg,

  • die Zusammenarbeit mit den Einheiten des multinationalen Marineverbandes.

Währenddessen übernahm die Besatzung der ÜBERHERRN zeitweise die HERTEN in Deutschland und stellte sie der Besatzung der LABOE als Ausbildungsplattform zur Verfügung. Mitte Juni 2008 erhielt die Stammbesatzung der ÜBERHERRN ihr eigenes Boot im Einsatzgebiet zurück.

Weitere Ausbildung und Einsätze

Nach dem UNIFIL-Einsatz nahm die HERTEN weiterhin an Verbandsausbildungen und multinationalen Übungen teil.

Im Herbst 2008 beteiligte sie sich an einem gemeinsamen Ausbildungsabschnitt des 3. und 5. Minensuchgeschwaders. Neben der Minenabwehr lagen die Schwerpunkte auf dem Aufbau eines taktischen Lagebildes und der Abwehr asymmetrischer Bedrohungen auf See.

In den späteren Dienstjahren wurde das Boot zunehmend auch für repräsentative Aufgaben, Informationsveranstaltungen und die Nachwuchswerbung der Marine genutzt. Gemeinsam mit der ÜBERHERRN gehörte die HERTEN zu den letzten aktiven Einheiten der Kulmbach-Klasse.

Patenschaft mit der Stadt Herten

Zwischen dem Boot und seiner Patenstadt bestand über rund 25 Jahre eine enge Verbindung.

Besatzungsmitglieder besuchten regelmäßig die Stadt, während Vertreter der Stadt, der Marinekameradschaft und weitere Gäste aus Herten an Bordveranstaltungen und wichtigen Ereignissen des Bootes teilnahmen.

Die Patenschaft endete formal mit der Außerdienststellung. Traditionsgegenstände des Bootes wurden anschließend an die Patenstadt und die Marinekameradschaft übergeben.

Letzte Dienstphase

Zum Ende des Jahres 2015 wurde die HERTEN aus der Fahrbereitschaft genommen.

Am 10. Februar 2016 wurde der letzte Kommandant von seinen Aufgaben entpflichtet. Bis zur Außerdienststellung nahm anschließend der Schiffstechnische Offizier die entsprechenden Aufgaben wahr.

Die HERTEN wurde damit nicht mehr regulär für operative Fahrten eingesetzt, blieb jedoch bis zur formellen Außerdienststellung Bestandteil der Deutschen Marine.

Außerdienststellung

Am 30. Juni 2016 wurde M 1099 HERTEN gemeinsam mit dem Schwesterboot M 1095 ÜBERHERRN im Marinearsenal Kiel außer Dienst gestellt.

An der Zeremonie nahmen acht der zehn früheren Kommandanten, zahlreiche ehemalige Besatzungsangehörige sowie eine große Delegation aus der Patenstadt Herten teil.

Die Schiffsglocke, ein Wappen, ein Namensschild, die Patenschaftsurkunde und die letzte Dienstflagge wurden an die Patenstadt übergeben. Auch das seit der Indienststellung geführte Gästebuch gelangte zur Marinekameradschaft Herten.

Mit der gleichzeitigen Außerdienststellung von HERTEN und ÜBERHERRN endete die aktive Dienstzeit der Kulmbach-Klasse 333 in der Deutschen Marine.

Verbleib

Nach der Außerdienststellung verblieb die ehemalige HERTEN im Marinearsenal Kiel.

Eine neuere Dokumentation nennt das Boot noch am 5. April 2025 als dort liegend. Ein Verkauf, eine Übergabe an eine andere Marine oder eine Verschrottung ist damit bislang nicht zuverlässig dokumentiert.

Am 30. Juni 2016 außer Dienst gestellt. Anschließend im Marinearsenal Kiel aufgelegt und dort noch im April 2025 nachweisbar. Ein endgültiger weiterer Verbleib ist nicht dokumentiert.

Technische Daten

Kennung: M 1099
Name: HERTEN
Internationales Rufzeichen: DRFP
Ursprüngliche Klasse: Hameln-Klasse, Klasse 343
Spätere Klasse: Kulmbach-Klasse, Klasse 333
Typ: Schnelles Minensuchboot, später Minenjagdboot
Bauwerft: Kröger-Werft, Schacht-Audorf
Baunummer: 3549 beziehungsweise 13549
Stapellauf: 21. oder 22. Dezember 1989
Übergabe durch die Werft: 26. Februar 1991
Indienststellung: 26. März 1991
Umbau zum Minenjagdboot: 1999 bis 2000
Außerdienststellung: 30. Juni 2016
Erster Heimathafen: Olpenitz
Letzter Heimathafen: Kiel
Verbandszugehörigkeit: zunächst 5. Minensuchgeschwader, ab 21. Dezember 2005 3. Minensuchgeschwader
Rumpf: amagnetischer Stahl
Länge: 54,4 Meter
Breite: 9,2 Meter
Tiefgang: etwa 2,5 bis 2,6 Meter
Einsatzverdrängung: je nach Quelle etwa 635 bis 680 Tonnen
Antrieb: zwei MTU-Dieselmotoren
Gesamtleistung: etwa 4.480 Kilowatt
Höchstgeschwindigkeit: etwa 18 Knoten
Besatzung: abhängig vom Auftrag bis zu etwa 45 Soldaten
Minenjagdausrüstung: Minenjagdsonar und SEEFUCHS-Unterwasserdrohnen
Bewaffnung: ursprünglich zwei 40-mm-Bofors-Geschütze, später zwei 27-mm-Marineleichtgeschütze sowie Stinger-Flugabwehrwaffen, Maschinengewehre und Handwaffen