Am 18. Dezember 1990 wurde die PASSAU im Marinestützpunkt Olpenitz für die Bundesmarine in Dienst gestellt. Sie gehörte zunächst als Schnelles Minensuchboot zur Hameln-Klasse, Klasse 343, und führte das internationale Rufzeichen DRFJ.
Die Stadt Passau übernahm die Patenschaft für das Boot. Bis zur Außerdienststellung bestand ein enger Austausch zwischen der Besatzung, der Stadt und der Marinekameradschaft Passau.
Dienst als Schnelles Minensuchboot der Klasse 343
In ihrer ersten Dienstphase wurde die PASSAU als Schnelles Minensuchboot eingesetzt. Die Hameln-Klasse war als vielseitige Plattform für die Seeminenabwehr konzipiert worden.
Zu den Aufgaben gehörten:
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das Räumen von Seeminen,
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das Ausbringen eigener Minensperren,
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die Überwachung und Sicherung von Seegebieten,
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die Teilnahme an nationalen und internationalen Manövern,
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die Zusammenarbeit mit Minenabwehrverbänden der NATO.
Die Boote der Klasse 343 verfügten über einen amagnetischen Stahlrumpf, eine leistungsfähige Maschinenanlage und eine für Minenabwehrboote vergleichsweise starke Bewaffnung.
Die PASSAU war zunächst mit zwei 40-mm-Bofors-Geschützen ausgerüstet. Darüber hinaus verfügte sie über elektronische Führungs-, Navigations- und Feuerleitsysteme sowie über Einrichtungen zum Aufnehmen und Ausbringen von Seeminen.
Umbau zum Minenjagdboot der Klasse 333
Nach dem Ende des Kalten Krieges wurden die zehn Boote der Hameln-Klasse für neue Aufgaben umgebaut. Fünf Einheiten entstanden als Hohlstablenkboote der Ensdorf-Klasse 352, fünf weitere als Minenjagdboote der Kulmbach-Klasse 333.
Die PASSAU wurde zwischen 1999 und 2000 grundlegend modernisiert und zum Minenjagdboot umgerüstet. Während dieses Umbaus blieb sie formal im Dienst. Eine erneute Indienststellung als Boot der Klasse 333 erfolgte daher nicht.
Mit dem Umbau änderte sich der Schwerpunkt von der klassischen Minenräumung zur gezielten Ortung, Identifizierung und Bekämpfung einzelner Seeminen.
Minenjagd mit dem System SEEFUCHS
Als Minenjagdboot suchte die PASSAU den Meeresboden mit einem Minenjagdsonar nach verdächtigen Objekten ab.
Gefundene Kontakte konnten anschließend mit ferngelenkten Unterwasserdrohnen des Typs SEEFUCHS untersucht werden. Dabei standen unterschiedliche Ausführungen zur Verfügung:
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wiederverwendbare Identifizierungsdrohnen mit Kamera und Sonar,
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Einwegdrohnen mit Sprengladung zur Vernichtung einer Mine.
Die Drohne wurde vom Boot zum verdächtigen Objekt geführt. Nach der Identifizierung konnte eine mit Sprengstoff ausgerüstete Variante unmittelbar an der Mine gezündet werden.
Durch dieses Verfahren musste das Minenjagdboot die Mine nicht selbst überlaufen und konnte den Abstand zur Gefahrenstelle vergrößern.
Bewaffnung und Eigenschutz
Die PASSAU behielt zunächst die beiden 40-mm-Bofors-Geschütze aus ihrer Zeit als Schnelles Minensuchboot.
Im Zuge späterer Modernisierungen wurden diese durch zwei fernbedienbare 27-mm-Marineleichtgeschütze ersetzt. Zusätzlich verfügte das Boot über Flugabwehrwaffen des Typs Stinger und Handwaffen für Wach- und Sicherungsaufgaben.
Die Bewaffnung ermöglichte neben der Minenjagd auch Einsätze zur Seeraumüberwachung, zum Eigenschutz und zur Sicherung ziviler und militärischer Schifffahrt.
Verbandszugehörigkeit und Heimathafen
Die PASSAU gehörte zuletzt zum 3. Minensuchgeschwader und war im Marinestützpunkt Kiel beheimatet. Das Geschwader war der Einsatzflottille 1 unterstellt.
Im Laufe ihrer Dienstzeit nahm die PASSAU mehrfach an Einsätzen und Ausbildungsabschnitten der ständigen Minenabwehrverbände der NATO teil.
Dazu gehörten die Verbände:
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Mine Countermeasures Force North,
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Mine Countermeasures Force South,
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Standing NATO Mine Countermeasures Group 1,
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Standing NATO Mine Countermeasures Group 2.
Diese Verbände dienten der gemeinsamen Ausbildung, der Präsenz in europäischen Seegebieten und der schnellen Verfügbarkeit multinationaler Minenabwehrkräfte.
UNIFIL-Einsatz 2011 und 2012
Von Oktober 2011 bis März 2012 nahm die PASSAU an der maritimen Komponente der UN-Mission UNIFIL vor der Küste des Libanon teil.
Die Maritime Task Force überwachte die libanesischen Küstengewässer und sollte den unerlaubten Transport von Waffen auf dem Seeweg verhindern. Gleichzeitig unterstützte sie den Aufbau und die Ausbildung der libanesischen Marine.
Während des Einsatzes übernahm die PASSAU unter anderem Aufgaben der Seeraumüberwachung, der Kontrolle von Schiffsbewegungen sowie der Sicherung des Seegebietes vor der libanesischen Küste.
Am 9. März 2012 kehrte das Boot nach etwa fünf Monaten und rund 25.000 zurückgelegten Seemeilen in seinen Heimathafen Kiel zurück.
Auffinden eines abgestürzten Hubschraubers
Im Dezember 2012 war die PASSAU an der Suche nach einem norwegischen Hubschrauber beteiligt, der am 5. Dezember 2012 in die Neustädter Bucht gestürzt war.
Mithilfe ihrer Sonar- und Unterwasserortungsausrüstung gelang es der Besatzung, das Wrack des Hubschraubers auf dem Meeresboden zu lokalisieren.
Dieser Einsatz zeigte, dass die hochauflösenden Ortungssysteme eines Minenjagdbootes auch für die Suche nach versunkenen Luftfahrzeugen, Schiffen und anderen Unterwasserobjekten eingesetzt werden konnten.
Letzte Dienstphase
Nach dem UNIFIL-Einsatz und der Teilnahme an weiteren Übungen wurde die PASSAU Ende 2012 aus der regulären Fahrbereitschaft genommen.
Die Außerdienststellung fand am 27. September 2013 im Marinearsenal Kiel statt. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Boot fast 23 Jahre im Dienst der Bundesmarine und der Deutschen Marine gestanden.
Bei der Außerdienststellung wurden mehrere Traditionsgegenstände an die Patenstadt Passau und die Marinekameradschaft übergeben. Dazu gehörten unter anderem die Schiffsglocke, Namensschilder, Wappen und die Patenschaftsurkunde.
Verbleib
Nach der Außerdienststellung wurde die PASSAU dem Marinearsenal Kiel übergeben. Die Kennung M 1096 wurde übermalt und das Boot als EX PASSAU gekennzeichnet.
Für die Zeit unmittelbar nach der Außerdienststellung ist die weitere Aufliegezeit im Arsenalhafen Kiel dokumentiert. Ein endgültiger Verbleib durch Verkauf, Verschrottung oder eine andere dauerhafte Nutzung ist in den ausgewerteten Quellen jedoch nicht zuverlässig belegt.
Technische Daten
Kennung: M 1096
Name: PASSAU
Internationales Rufzeichen: DRFJ
Ursprüngliche Klasse: Hameln-Klasse, Klasse 343
Spätere Klasse: Kulmbach-Klasse, Klasse 333
Typ: Schnelles Minensuchboot, später Minenjagdboot
Bauwerft: Abeking & Rasmussen, Lemwerder
Baunummer: 6418
Stapellauf: 1. März 1990
Taufe: 13. März 1990
Indienststellung: 18. Dezember 1990
Außerdienststellung: 27. September 2013
Heimathafen: Kiel
Verbandszugehörigkeit: zuletzt 3. Minensuchgeschwader
Rumpf: amagnetischer Stahl
Länge: rund 54,4 Meter
Breite: rund 9,2 Meter
Tiefgang: abhängig von der Messweise etwa 2,5 bis 3,0 Meter
Einsatzverdrängung: etwa 635 Tonnen
Antrieb: zwei MTU-Dieselmotoren
Gesamtleistung: rund 4.480 Kilowatt
Höchstgeschwindigkeit: etwa 18 Knoten
Besatzung: etwa 37 bis 43 Soldaten
Minenjagdausrüstung: Minenjagdsonar und SEEFUCHS-Unterwasserdrohnen
Bewaffnung: zunächst zwei 40-mm-Bofors-Geschütze, später zwei 27-mm-Marineleichtgeschütze sowie Stinger-Flugabwehrwaffen und Handwaffen