Kategorie: Mij.-Boot M1095 ÜBERHERRN

M 1095 ÜBERHERRN – Schnelles Minensuchboot und Minenjagdboot der Kulmbach-Klasse

Bau und Indienststellung

Das Boot M 1095 ÜBERHERRN wurde bei der traditionsreichen Werft Abeking & Rasmussen in Lemwerder gebaut. Der Stapellauf erfolgte am 30. August 1988. Am 19. September 1989 wurde die ÜBERHERRN für die Bundesmarine in Dienst gestellt.

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Das Boot trug das Rufzeichen DRFS und gehörte ursprünglich zur Hameln-Klasse, Klasse 343. Diese Boote wurden als Schnelle Minensuchboote entwickelt und waren für unterschiedliche Aufgaben der Seeminenabwehr ausgelegt.

Benannt war das Boot nach der saarländischen Gemeinde Überherrn.

Dienst als Schnelles Minensuchboot der Klasse 343

In ihrer ersten Dienstphase wurde die ÜBERHERRN als Schnelles Minensuchboot eingesetzt. Die Boote der Hameln-Klasse sollten verminte Seegebiete räumen, Minen ausbringen und zugleich auch unter militärischer Bedrohung operieren können.

Für ein Minenabwehrboot verfügte die Klasse deshalb über eine vergleichsweise starke Bewaffnung und eine leistungsfähige elektronische Ausrüstung. Zur ursprünglichen Ausstattung gehörten unter anderem zwei 40-mm-Geschütze, eine Feuerleitanlage sowie Systeme zur taktischen Lagebilddarstellung und Datenübertragung.

Die Boote konnten außerdem eine größere Anzahl von Seeminen aufnehmen und selbst ausbringen. Damit waren sie nicht ausschließlich Räumfahrzeuge, sondern konnten auch für offensive Minenoperationen verwendet werden.

Umbau zum Minenjagdboot der Klasse 333

Nach dem Ende des Ost-West-Konflikts änderten sich die Anforderungen an die deutsche Seeminenabwehr. Die zehn Boote der Hameln-Klasse wurden deshalb aufgeteilt und für neue Aufgaben umgebaut.

Fünf Einheiten wurden zu Hohlstablenkbooten der Ensdorf-Klasse 352 umgerüstet. Die übrigen fünf Boote – darunter die ÜBERHERRN – erhielten eine moderne Minenjagdausrüstung und bildeten anschließend die Kulmbach-Klasse, Klasse 333.

Die ÜBERHERRN blieb während des Umbaus formal im Dienst. Es gab daher keine zweite Indienststellung als Klasse 333. Die häufig angegebene Indienststellung vom 19. September 1989 bezeichnet weiterhin die ursprüngliche Übernahme als Boot der Klasse 343.

Beim Umbau entfiel die klassische mechanische Minenräumausrüstung weitgehend. Stattdessen erhielt das Boot Systeme zur Ortung, Identifizierung und gezielten Bekämpfung einzelner Seeminen.

Aufgabe als Minenjagdboot

Als Minenjagdboot der Kulmbach-Klasse bestand die Hauptaufgabe der ÜBERHERRN darin, Seeminen mit einem Minenjagdsonar aufzuspüren und verdächtige Unterwasserobjekte genauer zu untersuchen.

Zur Bekämpfung identifizierter Minen wurden ferngelenkte Unterwasserdrohnen des Typs SEEFUCHS eingesetzt. Dabei standen unterschiedliche Ausführungen zur Verfügung:

  • wiederverwendbare Drohnen zur Identifizierung verdächtiger Objekte,

  • Einwegdrohnen mit Sprengladung zur gezielten Vernichtung einer Mine.

Die Drohne wurde vom Boot aus zum Ziel geführt. Nach der Identifizierung konnte eine mit Sprengstoff ausgerüstete Variante unmittelbar an der Mine zur Detonation gebracht werden.

Neben der Minenjagd blieb grundsätzlich auch die Fähigkeit zum Minenlegen erhalten. Die Kulmbach-Klasse wurde deshalb innerhalb der Marine als Zweirollenfahrzeug betrachtet.

Bewaffnung und Eigenschutz

Die ÜBERHERRN behielt zunächst die beiden 40-mm-Bofors-Geschütze ihrer ursprünglichen Ausführung. Diese für ein Minenabwehrboot ungewöhnlich starke Bewaffnung war ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal gegenüber den Minenjagdbooten der Frankenthal-Klasse.

Später wurden die älteren Geschütze durch moderne 27-mm-Marineleichtgeschütze ersetzt. Hinzu kamen Flugabwehrwaffen des Typs FIM-92 Stinger sowie verschiedene Handwaffen für Wach-, Sicherungs- und Eigenschutzaufgaben.

Die umfangreiche Bewaffnung ermöglichte es der ÜBERHERRN, neben klassischen Minenabwehraufgaben auch Überwachungs-, Sicherungs- und Patrouillenaufträge wahrzunehmen.

Verbandszugehörigkeit und Heimathafen

Die ÜBERHERRN war in Kiel stationiert. Als Minenjagdboot gehörte sie zeitweise zum 3. Minensuchgeschwader.

Die Verbandsstrukturen der deutschen Minenstreitkräfte wurden während ihrer langen Dienstzeit mehrfach verändert. Mit der späteren Zusammenfassung der verbliebenen Minenabwehreinheiten in Kiel wurden die entsprechenden Boote schließlich gemeinsam im 3. Minensuchgeschwader geführt.

UNIFIL-Einsatz vor dem Libanon

Zu den bedeutendsten Abschnitten der Dienstzeit gehörte der Einsatz im Rahmen der multinationalen UN-Mission United Nations Interim Force in Lebanon – UNIFIL.

Die ÜBERHERRN verließ Kiel am 7. September 2007 gemeinsam mit dem Hohlstablenkboot M 1093 AUERBACH/OBERPFALZ. Anschließend wurde sie dem multinationalen Marineverband vor der Küste des Libanon unterstellt.

Die Aufgabe des Verbandes bestand vor allem darin, die Seewege vor der libanesischen Küste zu überwachen und den unerlaubten Transport von Waffen zu verhindern. Dabei arbeitete der Marineverband eng mit den libanesischen Behörden und der libanesischen Marine zusammen.

Während des Einsatzes wurde nicht das Boot selbst, sondern ein Teil der Besatzung ausgetauscht. Von Ende Januar bis Anfang Juni 2008 übernahm die Besatzung des Schwesterbootes M 1099 HERTEN die ÜBERHERRN im Einsatzgebiet. Dieses als Hüllentausch bezeichnete Verfahren ermöglichte es, das Boot über einen besonders langen Zeitraum vor Ort zu halten, ohne es für jeden Besatzungswechsel nach Deutschland zurückführen zu müssen.

Mitte Juni 2008 übernahm die eigene Besatzung das Boot wieder. Anfang August wurde die ÜBERHERRN durch das Minenjagdboot M 1097 LABOE abgelöst.

Am 26. August 2008 lief die ÜBERHERRN nach insgesamt 355 Tagen Abwesenheit wieder in Kiel ein. Damit hatte das Boot einen für eine schwimmende Einheit der Deutschen Marine außergewöhnlich langen zusammenhängenden Einsatz absolviert.

Letzte Dienstjahre

Nachdem mehrere Schwesterschiffe bereits zwischen 2012 und 2013 außer Dienst gestellt worden waren, verblieb die ÜBERHERRN gemeinsam mit M 1099 HERTEN zunächst weiter im Bestand der Marine.

Die ursprünglich geplante Außerdienststellung wurde für beide Boote verlängert. In ihrer letzten Dienstphase wurden sie unter anderem als schwimmende Plattformen für die Öffentlichkeitsarbeit und Personalwerbung der Marine genutzt.

Damit konnten Besucher weiterhin ein aktives Marineboot kennenlernen, obwohl die Kulmbach-Klasse für reguläre Minenjagdaufgaben zunehmend an Bedeutung verloren hatte.

Außerdienststellung und Verbleib

Am 30. Juni 2016 wurde M 1095 ÜBERHERRN nach fast 27 Dienstjahren gemeinsam mit dem Schwesterboot M 1099 HERTEN außer Dienst gestellt.

Mit der Außerdienststellung der beiden letzten Einheiten endete zugleich die aktive Dienstzeit der Kulmbach-Klasse in der Deutschen Marine.

 

Technische Daten als Minenjagdboot der Klasse 333

Kennung: M 1095
Name: ÜBERHERRN
Rufzeichen: DRFS
Ursprüngliche Klasse: Hameln-Klasse, Klasse 343
Spätere Klasse: Kulmbach-Klasse, Klasse 333
Typ: Schnelles Minensuchboot, später Minenjagdboot
Bauwerft: Abeking & Rasmussen, Lemwerder
Stapellauf: 30. August 1988
Indienststellung: 19. September 1989
Außerdienststellung: 30. Juni 2016
Heimathafen: Kiel
Länge: etwa 54,4 Meter
Breite: etwa 9,2 Meter
Tiefgang: etwa 2,5 Meter
Einsatzverdrängung: etwa 635 Tonnen
Antriebsleistung: rund 4.480 Kilowatt
Höchstgeschwindigkeit: etwa 18 Knoten
Besatzung: abhängig von Auftrag und Dienstphase etwa 35 bis 40 Soldaten
Minenjagdsystem: Minenjagdsonar und SEEFUCHS-Unterwasserdrohnen
Bewaffnung: ursprünglich zwei 40-mm-Bofors-Geschütze, später 27-mm-Marineleichtgeschütze, Flugabwehrsysteme Stinger und Handwaffen