Kategorie: Mij.-Boot M1080 MARBURG

M 1080 MARBURG – Küstenminensuchboot und Minenjagdboot der Lindau-Klasse

Die MARBURG mit der Kennung M 1080 gehörte zu den 18 Küstenminensuchbooten der Lindau-Klasse, Klasse 320. Nach mehr als 17 Jahren als klassisches Minensuchboot wurde sie zum Minenjagdboot der Klasse 331B umgebaut. Während der Operation Südflanke beteiligte sie sich 1991 an der Räumung irakischer Seeminen im Persischen Golf. Nach ihrer deutschen Außerdienststellung setzte sie ihre Laufbahn bei der litauischen Marine fort.

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Die MARBURG entstand bei der Burmester-Werft in Bremen-Burg unter der Baunummer 5441. Der Stapellauf erfolgte am 4. August 1958. Am 11. Juni 1959 wurde sie bei der Bundesmarine in Dienst gestellt.

Dienst als Küstenminensuchboot

Nach ihrer Indienststellung gehörte die MARBURG zum 4. Minensuchgeschwader in Wilhelmshaven. Sie war eines von sechs Booten der Lindau-Klasse, die dem Verband in dieser Phase unmittelbar zuliefen.

Ihre ursprüngliche Aufgabe bestand in der klassischen Minenräumung. Dazu gehörten die Sicherung von Hafenzufahrten, Küstengewässern und wichtigen Schifffahrtswegen sowie die Teilnahme an nationalen und internationalen Übungen.

Wie alle Boote der Lindau-Klasse besaß die MARBURG einen weitgehend amagnetischen Holzrumpf. Dieser sollte das magnetische Eigenfeld des Bootes möglichst gering halten und dadurch das Risiko vermindern, Magnetminen während der Räumarbeiten unbeabsichtigt auszulösen.

Für die Bekämpfung unterschiedlicher Minenarten konnten mechanische, magnetische und akustische Räumgeräte eingesetzt werden.

Umbau zum Minenjagdboot

Am 22. Dezember 1976 wurde die MARBURG als Küstenminensuchboot außer Dienst gestellt. Anschließend erfolgte der umfangreiche Umbau zum Minenjagdboot der Klasse 331B. Am 28. Juni 1979 wurde sie in ihrer neuen Verwendung wieder in Dienst gestellt.

Mit dem Umbau änderte sich das Einsatzverfahren grundlegend. Statt ein größeres Seegebiet lediglich mit Räumgeräten zu bearbeiten, konnte die MARBURG nun verdächtige Unterwasserobjekte gezielt suchen, klassifizieren und bekämpfen.

Zur Ausrüstung der Minenjagdboote der Klasse 331B gehörten insbesondere:

  • ein Minenjagdsonar zur Suche nach Unterwasserobjekten,

  • ferngelenkte Minenjagddrohnen des Typs PAP 104,

  • ein Kran zum Aussetzen und Einholen der Drohnen,

  • eine präzise Navigationsanlage,

  • modernisierte Führungs- und Ortungssysteme.

Die Drohnen konnten zu einem georteten Objekt gesteuert werden. Handelte es sich um eine Mine, konnte eine Sprengladung abgelegt und anschließend aus sicherer Entfernung gezündet werden.

Dienst im 4. Minensuchgeschwader

Auch nach ihrem Umbau gehörte die MARBURG zum 4. Minensuchgeschwader in Wilhelmshaven. Mit ihrem Zulauf als Minenjagdboot war die Umrüstung der zwölf dafür vorgesehenen Einheiten der Lindau-Klasse im Jahr 1979 abgeschlossen.

Zwischen 1977 und 1984 waren das 4. und das 6. Minensuchgeschwader zeitweilig im Minenabwehrgeschwader Nordsee zusammengefasst. Anschließend wurde die frühere Geschwaderstruktur wiederhergestellt.

Während ihrer langen Dienstzeit nahm die MARBURG an zahlreichen Ausbildungsfahrten, Übungen und internationalen Minenabwehrvorhaben teil.

Operation Südflanke

Zu den bedeutendsten Abschnitten ihrer Laufbahn gehörte die Teilnahme am Minenabwehrverband Südflanke.

Die MARBURG lief am 16. August 1990 mit dem deutschen Verband in Richtung Mittelmeer aus. Nach dem Ende der Kampfhandlungen im Zweiten Golfkrieg beschloss die Bundesregierung im März 1991, die deutschen Minenabwehrkräfte in den Persischen Golf zu verlegen. Dort sollten die irakischen Minenfelder geräumt und die Schifffahrtswege nach Kuwait wieder gesichert werden.

Neben der MARBURG gehörten unter anderem die Minenjagdboote GÖTTINGEN, KOBLENZ und CUXHAVEN sowie die Hohlstablenkboote SCHLESWIG und PADERBORN zu den im Golf eingesetzten deutschen Minenabwehrfahrzeugen.

Die deutschen Einheiten beteiligten sich an der Ortung und Beseitigung von mehr als 100 Seeminen. Die MARBURG blieb während der gesamten Operation im Verband und kehrte am 13. September 1991 nach Deutschland zurück.

Der Einsatz war eine der wichtigsten Bewährungsproben der deutschen Minenabwehr und zugleich einer der ersten größeren Auslandseinsätze der Bundesmarine außerhalb des NATO-Vertragsgebietes.

Außerdienststellung und Übergabe an Litauen

Am 25. Mai 2000 wurde die MARBURG nach fast 41 Jahren unter deutscher Flagge endgültig außer Dienst gestellt.

Im Jahr 2001 wurde das ehemalige Minenjagdboot an die litauische Marine übergeben. Dort erhielt es den Namen KURŠIS und die Kennung M 51. Die Indienststellung bei den litauischen Seestreitkräften erfolgte am 27. April 2001.

Die KURŠIS wurde in das litauische Minenabwehrgeschwader eingegliedert. Zu ihren Aufgaben gehörten:

  • die Minenjagd in der Ostsee,

  • die Beseitigung von Altmunition und Seeminen,

  • die Teilnahme an internationalen Übungen,

  • die Zusammenarbeit mit den baltischen und anderen NATO-Marinen,

  • die Beteiligung an multinationalen Minenabwehrverbänden.

Im Jahr 2006 nahm die KURŠIS als erstes litauisches Marineschiff an der maritimen Komponente der NATO Response Force teil.

Verbleib

Nach dem Ende ihrer aktiven Laufbahn wurde die ehemalige MARBURG nicht als Museumsschiff erhalten. Das Historische Marinearchiv führt ihren Abbruch im Jahr 2017. Andere Bild- und Schiffsdokumentationen nennen 2017 als Außerdienststellung und 2018 als Abschluss der Verschrottung. Für unsere Beschreibung verwenden wir daher die vorsichtige Formulierung, dass das Boot ab 2017 abgewrackt wurde.

Technische und historische Einordnung

  • Name: MARBURG

  • Kennung: M 1080

  • Ursprüngliche Klasse: Klasse 320 – Lindau-Klasse

  • Ursprüngliche Verwendung: Küstenminensuchboot

  • Spätere Klasse: Klasse 331B

  • Spätere Verwendung: Minenjagdboot

  • Bauwerft: Burmester-Werft, Bremen-Burg

  • Baunummer: 5441

  • Stapellauf: 4. August 1958

  • Indienststellung: 11. Juni 1959

  • Erster Verband: 4. Minensuchgeschwader

  • Außerdienststellung vor dem Umbau: 22. Dezember 1976

  • Wiederindienststellung als Minenjagdboot: 28. Juni 1979

  • Einsatz: Minenabwehrverband Südflanke 1990–1991

  • Deutsche Außerdienststellung: 25. Mai 2000

  • Übergabe an Litauen: 2001

  • Litauischer Name: KURŠIS

  • Litauische Kennung: M 51

  • Litauische Indienststellung: 27. April 2001

  • Verbleib: ab 2017 abgewrackt

Die MARBURG steht beispielhaft für die lange und vielseitige Laufbahn der Lindau-Klasse. Als klassisches Küstenminensuchboot begonnen, wurde sie später zu einem leistungsfähigen Minenjagdboot umgebaut und bewährte sich 1991 im realen Minenräumeinsatz im Persischen Golf.

Nach mehr als vier Jahrzehnten bei der deutschen Marine leistete sie anschließend noch einen wichtigen Beitrag zum Aufbau der litauischen Minenabwehr und zur Zusammenarbeit Litauens mit den NATO-Marinen.

Ein Stück deutscher und litauischer Marinegeschichte – für alle, die auf der MARBURG, im 4. Minensuchgeschwader oder später auf der KURŠIS ihren Dienst geleistet haben.

Zusammenarbeit Litauens mit den NATO-Marinen.

Ein Stück deutscher und litauischer Marinegeschichte – für alle, die auf der MARBURG, im 4. Minensuchgeschwader oder später auf der KURŠIS ihren Dienst geleistet haben.