Kategorie: Mij.-Boot M1078 CUXHAVEN

M 1078 CUXHAVEN – Küstenminensuchboot und Minenjagdboot der Lindau-Klasse

Die CUXHAVEN mit der Kennung M 1078 gehörte zu den 18 Küstenminensuchbooten der Lindau-Klasse, Klasse 320. Nach mehr als 17 Jahren im ursprünglichen Minensuchdienst wurde sie zum Minenjagdboot der Klasse 331B umgebaut. Nach ihrer deutschen Außerdienststellung setzte sie ihre Laufbahn noch mehrere Jahre unter estnischer Flagge fort.

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Die CUXHAVEN entstand bei der Burmester-Werft in Bremen-Burg unter der Baunummer 5439. Der Stapellauf erfolgte am 10. April 1958, die Indienststellung bei der Bundesmarine am 11. März 1959.

Dienst als Küstenminensuchboot

Die CUXHAVEN wurde zunächst für die klassische Minenräumung in den Küstengewässern von Nord- und Ostsee eingesetzt. Ihre Aufgaben umfassten die Sicherung von Hafenzufahrten und Schifffahrtswegen sowie die Teilnahme an Übungen und Ausbildungsfahrten der Minenabwehrkräfte.

Wie alle Boote der Lindau-Klasse besaß die CUXHAVEN einen weitgehend amagnetischen Holzrumpf. Dadurch sollte das magnetische Eigenfeld des Bootes möglichst gering gehalten und die Gefahr reduziert werden, Magnetminen während der Räumarbeiten unbeabsichtigt auszulösen.

Als Küstenminensuchboot gehörte die CUXHAVEN zunächst zum 4. Minensuchgeschwader. Die Boote der Lindau-Klasse waren während ihrer deutschen Dienstzeit in der Nordsee stationiert; die Verbände lagen zunächst in Wilhelmshaven beziehungsweise Cuxhaven.

Umbau zum Minenjagdboot

Am 29. Oktober 1976 wurde die CUXHAVEN für den Umbau zum Minenjagdboot außer Dienst gestellt. Sie wurde anschließend umfassend modernisiert und der Klasse 331B zugeordnet.

Der Umbau veränderte die Arbeitsweise des Bootes grundlegend. Während ein Küstenminensuchboot größere Seegebiete mit mechanischen, magnetischen oder akustischen Räumgeräten bearbeitete, konnte ein Minenjagdboot verdächtige Unterwasserobjekte gezielt suchen, klassifizieren und bekämpfen.

Zur neuen Ausrüstung gehörten insbesondere:

  • ein Minenjagdsonar zur Suche nach Unterwasserobjekten,

  • zwei ferngelenkte Minenjagddrohnen des Typs PAP 104,

  • eine präzise Navigationsanlage,

  • ein Kran zum Aussetzen und Einholen der Drohnen,

  • modernisierte Führungs- und Ortungssysteme.

Die CUXHAVEN behielt nach dem Umbau ihren Namen und die Kennung M 1078.

Einsatz als Minenjagdboot

Nach ihrer Modernisierung gehörte die CUXHAVEN zu den Minenjagdbooten des
4. Minensuchgeschwaders in Wilhelmshaven. Nach der späteren Auflösung dieses Verbandes wurden die verbliebenen Minenjagdboote in ihren letzten Dienstjahren dem
6. Minensuchgeschwader zugeordnet.

Die CUXHAVEN nahm während ihrer langen Dienstzeit an zahlreichen nationalen und internationalen Übungen teil. Ihre Hauptaufgabe bestand in der gezielten Ortung und Bekämpfung von Grund- und Ankertauminen.

Die enge Verbindung zur namensgebenden Stadt Cuxhaven wurde durch eine Patenschaft gepflegt. Besuche von Besatzungsangehörigen sowie Kontakte zwischen Stadt und Boot hielten die Verbindung über viele Jahre lebendig.

Außerdienststellung und Übergabe an Estland

Am 8. Februar 2000 wurde die CUXHAVEN nach fast 41 Jahren unter deutscher Flagge endgültig außer Dienst gestellt. Noch im selben Jahr wurde sie an die estnische Marine übergeben.

In Estland erhielt das Boot den Namen WAMBOLA und die Kennung M 311.
Am 23. März 2000 wurde es bei der estnischen Marine in Dienst gestellt.

Die WAMBOLA wurde weiterhin als Minenjagdboot verwendet. Zu ihren Aufgaben gehörten:

  • Minenabwehr in estnischen Gewässern,

  • Teilnahme an internationalen Übungen,

  • Zusammenarbeit mit den baltischen und anderen NATO-Marinen,

  • Ausbildungsaufgaben,

  • Beteiligung an der baltischen Minenabwehrkooperation.

Die Übernahme ehemaliger deutscher Minenjagdboote ermöglichte der estnischen Marine, nach Wiedererlangung der staatlichen Unabhängigkeit eigene moderne Minenabwehrfähigkeiten aufzubauen.

Außerdienststellung in Estland

Am 26. März 2009 wurde die ehemalige CUXHAVEN auch bei der estnischen Marine außer Dienst gestellt. Damit endete ihre aktive Laufbahn nach insgesamt rund 50 Jahren unter deutscher und estnischer Flagge.

Nach der Außerdienststellung lag das Boot zunächst im Bereich des estnischen Meeresmuseums im Wasserflugzeughafen Lennusadam. Später wurde es in den Noblessner Hafen in Tallinn verlegt und zeitweise als Veranstaltungsort genutzt.

Verbleib

Die ehemalige CUXHAVEN blieb nach dem Ende ihrer militärischen Nutzung zunächst erhalten. Anders als die ebenfalls an Estland übergebene LINDAU, die als Museumsschiff SULEV öffentlich zugänglich wurde, diente die WAMBOLA zeitweise als Ersatzteilreserve und später als stationär genutztes Schiff.

Damit gehört die CUXHAVEN zu den Einheiten der Lindau-Klasse, deren Rumpf nach der aktiven Dienstzeit nicht unmittelbar abgewrackt wurde.

Technische und historische Einordnung

  • Name: CUXHAVEN

  • Kennung: M 1078

  • Ursprüngliche Klasse: Klasse 320 – Lindau-Klasse

  • Ursprüngliche Verwendung: Küstenminensuchboot

  • Spätere Klasse: Klasse 331B

  • Spätere Verwendung: Minenjagdboot

  • Bauwerft: Burmester-Werft, Bremen-Burg

  • Baunummer: 5439

  • Stapellauf: 10. April 1958

  • Indienststellung: 11. März 1959

  • Außerdienststellung vor dem Umbau: 29. Oktober 1976

  • Späterer Verband: 4. Minensuchgeschwader, zuletzt 6. Minensuchgeschwader

  • Endgültige deutsche Außerdienststellung: 8. Februar 2000

  • Übergabe an Estland: 2000

  • Estnischer Name: WAMBOLA

  • Estnische Kennung: M 311

  • Estnische Indienststellung: 23. März 2000

  • Estnische Außerdienststellung: 26. März 2009

  • Verbleib: Nach der Außerdienststellung zunächst in Tallinn erhalten und später stationär genutzt

Die CUXHAVEN steht beispielhaft für die lange und erfolgreiche Einsatzgeschichte der Lindau-Klasse. Aus einem klassischen Küstenminensuchboot wurde ein modernes Minenjagdboot, das nach mehr als vier Jahrzehnten bei der Deutschen Marine noch weitere neun Jahre zum Aufbau der estnischen Minenabwehr beitrug.

Ein Stück deutscher und estnischer Marinegeschichte – für alle, die auf der CUXHAVEN, im 4. Minensuchgeschwader, im 6. Minensuchgeschwader oder später auf der WAMBOLA ihren Dienst geleistet haben.