Kategorie: Mij.-Boot M1068 DATTELN

M 1068 DATTELN – Minenjagdboot und Führungsboot für Hohlstab-Räumboote der Frankenthal-Klasse

Das Boot M 1068 DATTELN gehört zur Frankenthal-Klasse, Klasse 332. Es wurde zunächst als klassisches Minenjagdboot in Dienst gestellt und später zur Variante 332 CL modernisiert. Seitdem kann die DATTELN neben der gezielten Minenjagd auch ferngelenkte Minenräumboote des Typs SEEHUND führen.

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Gemeinsam mit BAD BEVENSEN und GRÖMITZ verbindet sie damit zwei unterschiedliche Verfahren der Seeminenabwehr: die punktgenaue Bekämpfung einzelner Minen und das großflächigere Räumen magnetisch oder akustisch auslösender Minen.

Bau und Indienststellung

Die DATTELN wurde bei der Lürssen-Werft in Bremen-Vegesack gebaut. Sie trägt die Baunummer 6437 und innerhalb der Frankenthal-Klasse die Seriennummer 332/07.

Der Baubeginn erfolgte am 11. November 1991, der Stapellauf am 27. Januar 1994. Am 8. Dezember 1994 wurde M 1068 DATTELN in Dienst gestellt. Das Rufzeichen des Bootes lautet DRFA.

Ursprüngliche Verwendung als Minenjagdboot

Die ursprüngliche Hauptaufgabe der DATTELN bestand im gezielten Aufspüren, Identifizieren und Vernichten von Grund- und Ankertauminen.

Mit ihrem hochauflösenden Minenjagdsonar sucht die Besatzung den Meeresboden systematisch ab. Verdächtige Sonarkontakte werden ausgewertet und anschließend mit ferngelenkten Unterwasserfahrzeugen näher untersucht.

Bei ihrer Indienststellung gehörten Minenjagddrohnen des Typs PINGUIN B3 zur Ausrüstung. Später erfolgte die Umrüstung auf das System SEEFUCHS. Die Unterwasserdrohnen können gefundene Objekte optisch identifizieren und bestätigte Minen gezielt vernichten.

Wenn technische Systeme wegen geringer Wassertiefe, ungünstiger Bodenverhältnisse oder Hindernissen an ihre Grenzen stoßen, können zusätzlich Minentaucher eingesetzt werden.

Schutz im Minenfeld

Der Bootskörper der DATTELN besteht aus nicht magnetisierbarem Stahl. Dadurch wird die magnetische Signatur des Bootes reduziert und die Gefahr verringert, beim Einsatz selbst eine Magnetmine auszulösen.

Ergänzend besitzt die DATTELN eine Magnet-Eigenschutzanlage. Diese unterdrückt die Magnetfelder, die durch Maschinen, Leitungen sowie elektrische und elektronische Anlagen an Bord entstehen.

Während der Minenjagd kann das Boot besonders langsam und geräuscharm fahren. Diese Schleichfahrt ermöglicht ein genaues Manövrieren im Minenfeld und reduziert zugleich die akustische Signatur.

Modernisierung zur Variante 332 CL

Am 21. Dezember 2016 erhielt Atlas Elektronik den Auftrag, die drei Boote BAD BEVENSEN, GRÖMITZ und DATTELN umfassend zu modernisieren.

Zwischen 2017 und 2020 wurden diese Einheiten mit einem neuen Führungs- und Waffeneinsatzsystem des Typs IMCMS – Integrated Mine Countermeasures System ausgerüstet. Gleichzeitig wurden die älteren PINGUIN-Drohnen durch SEEFUCHS-Systeme ersetzt.

Zusätzlich erhielten die drei Boote die Fähigkeit, bis zu vier ferngelenkte Minenräumboote des Typs SEEHUND einzusetzen. Damit wurde die DATTELN zur Variante 332 CL und zum kombinierten Minenjagd- und Hohlstablenkboot weiterentwickelt.

Einsatz der SEEHUND-Räumboote

Die ferngelenkten SEEHUND-Boote dienen vor allem der Bekämpfung von Magnet- und Akustikminen.

In ihrem Rumpf befindet sich eine große magnetische Spule. Sie erzeugt ein künstliches Magnetfeld, das dem eines größeren Schiffes ähnelt. Ergänzend können akustische Signale erzeugt werden. Dadurch sollen entsprechend eingestellte Seeminen ausgelöst werden, während sich das bemannte Führungsboot außerhalb des unmittelbaren Gefahrenbereiches befindet.

Die DATTELN übernimmt dabei die Führung, Steuerung und Überwachung der eingesetzten Räumboote. Bis zu vier SEEHUNDE können von einem Boot der Variante 332 CL verwendet werden.

Verbindung zweier Minenabwehrverfahren

Die DATTELN kann sowohl einzelne Minen gezielt jagen als auch größere Seegebiete mit Räumdrohnen bearbeiten.

Bei der Minenjagd wird ein verdächtiges Objekt zunächst mit Sonar geortet, anschließend identifiziert und schließlich mit einer Unterwasserdrohne oder durch Minentaucher beseitigt.

Beim Simulationsräumen fahren dagegen die ferngelenkten SEEHUND-Boote über ein größeres Gebiet und erzeugen die Signaturen eines Schiffes. Magnetisch oder akustisch auslösende Minen sollen dadurch zur Detonation gebracht werden.

Diese Kombination macht die DATTELN besonders vielseitig und unterscheidet sie von den ausschließlich für die klassische Minenjagd ausgerüsteten Booten der Klasse.

Verbandszugehörigkeit

Die DATTELN gehörte nach ihrer Indienststellung zunächst zum 1. Minensuchgeschwader in Olpenitz.

Nach dessen Auflösung wechselte sie zum 5. Minensuchgeschwader. Mit der Auflösung dieses Verbandes Ende 2015 wurde das Boot dem 3. Minensuchgeschwader in Kiel unterstellt.

Dort sind heute alle zehn verbliebenen deutschen Einheiten der Frankenthal-Klasse zusammengefasst.

Bewaffnung und weitere Fähigkeiten

Die DATTELN war ursprünglich mit einem 40-mm-Geschütz auf dem Vorschiff bewaffnet. Ab 2010 erfolgte die Umrüstung auf das 27-mm-Marineleichtgeschütz MLG 27.

Zum weiteren Eigenschutz gehören zwei schwere Maschinengewehre im Kaliber 12,7 Millimeter sowie tragbare Flugabwehrwaffen vom Typ FIM-92 Stinger.

Zusätzlich kann das Boot mit Minenschienen ausgerüstet werden und bei entsprechendem Auftrag selbst Seeminen legen. Seine wichtigste Ausrüstung bleibt jedoch das Zusammenspiel aus Sonar, Führungsanlage, SEEFUCHS-Unterwasserdrohnen und SEEHUND-Räumbooten.

Patenschaft mit der Stadt Datteln

Namensgeberin des Bootes ist die nordrhein-westfälische Stadt Datteln im Kreis Recklinghausen.

Die Patenschaft verbindet die Stadt mit der Besatzung des Bootes und wird traditionell durch Besuche, Veranstaltungen und persönliche Kontakte gepflegt. Der Städtename folgt der langen Tradition der deutschen Minenstreitkräfte, ihre Boote nach Städten und Gemeinden zu benennen.

Technische Daten

  • Klasse: 332 CL – Frankenthal-Klasse

  • Typ: Minenjagd- und Hohlstablenkboot

  • Kennung: M 1068

  • Rufzeichen: DRFA

  • Seriennummer: 332/07

  • Bauwerft: Lürssen-Werft, Bremen-Vegesack

  • Baunummer: 6437

  • Baubeginn: 11. November 1991

  • Stapellauf: 27. Januar 1994

  • Indienststellung: 8. Dezember 1994

  • Modernisierung zur Variante 332 CL: 2017 bis 2020

  • Länge: 54,4 Meter

  • Breite: 9,2 Meter

  • Tiefgang: 2,6 Meter

  • Verdrängung: etwa 644 bis 650 Tonnen

  • Antriebsleistung: rund 4.100 Kilowatt

  • Geschwindigkeit: mehr als 18 Knoten

  • Heimathafen: Kiel

  • Verband: 3. Minensuchgeschwader

  • Zusätzliche Räumboote: bis zu vier SEEHUND-Boote

Die technischen Grunddaten und das Indienststellungsdatum werden von der Deutschen Marine und dem Historischen Marinearchiv übereinstimmend angegeben.

Verbleib

M 1068 DATTELN befindet sich weiterhin im aktiven Dienst der Deutschen Marine. Sie gehört zum 3. Minensuchgeschwader in Kiel und wird als Minenjagd- und Hohlstablenkboot der Variante 332 CL geführt.

Bedeutung

Die DATTELN gehört zu den drei vielseitigsten Einheiten der Frankenthal-Klasse. Sie kann einzelne Seeminen mit Sonar und Unterwasserdrohnen gezielt aufspüren und vernichten. Gleichzeitig ist sie in der Lage, bis zu vier ferngelenkte SEEHUND-Räumboote zu führen.

Durch die Verbindung von Minenjagd und Simulationsräumen kann sie sowohl punktuelle Bedrohungen als auch größere verminte Seegebiete bearbeiten. Damit bildet M 1068 DATTELN einen wichtigen Bestandteil der modernen deutschen Seeminenabwehr.