Kategorie: Mij.-Boot M1067 BAD RAPPENAU

M 1067 BAD RAPPENAU – Minenjagdboot und Minentaucher-Einsatzboot der Frankenthal-Klasse

Das Boot M 1067 BAD RAPPENAU gehört zur Frankenthal-Klasse, Klasse 332. Es wurde ursprünglich als klassisches Minenjagdboot in Dienst gestellt und später zum Minentaucher-Einsatzboot der Variante 332B weiterentwickelt.

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Gemeinsam mit der ROTTWEIL stellt die BAD RAPPENAU eine schwimmende Einsatzplattform für spezialisierte Minentaucher bereit. Damit verbindet sie die technische Minenjagd mit Sonar und Unterwasserfahrzeugen mit der unmittelbaren Kampfmittelbeseitigung durch Taucher.

Bau und Indienststellung

Die BAD RAPPENAU wurde bei Abeking & Rasmussen in Lemwerder gebaut. Sie trägt die Baunummer 6435 und innerhalb der Frankenthal-Klasse die Seriennummer 332/05.

Der Bauauftrag wurde am 24. November 1988 erteilt. Der Baubeginn erfolgte am 20. Februar 1991, der Stapellauf am 3. Juni 1993.

Am 19. April 1994 wurde M 1067 BAD RAPPENAU in Dienst gestellt. Das Rufzeichen des Bootes lautet DREZ.

Ursprüngliche Verwendung als Minenjagdboot

Die BAD RAPPENAU wurde zunächst für das gezielte Aufspüren, Identifizieren und Vernichten von Seeminen eingesetzt.

Mit ihrem Minenjagdsonar konnte die Besatzung den Meeresboden systematisch absuchen. Verdächtige Kontakte wurden ausgewertet und anschließend mit ferngelenkten Unterwasserfahrzeugen näher untersucht.

Zur ursprünglichen Minenjagdausrüstung gehörten Drohnen des Typs PINGUIN B3. Diese wurden später bei den Booten der Klasse schrittweise durch das System SEEFUCHS ergänzt beziehungsweise ersetzt.

Der Rumpf aus nicht magnetisierbarem Stahl und die Magnet-Eigenschutzanlage verringern die magnetische Signatur des Bootes. Durch eine besonders langsame und geräuscharme Schleichfahrt kann sich die BAD RAPPENAU vorsichtig innerhalb eines vermuteten Minenfeldes bewegen.

Verbandszugehörigkeit

Nach ihrer Indienststellung gehörte die BAD RAPPENAU zunächst zum 1. Minensuchgeschwader.

Im Zuge einer Umgliederung wechselte sie 1999 zum 3. Minensuchgeschwader. Später wurde sie zeitweise dem 5. Minensuchgeschwader zugeordnet. Nach dessen Auflösung Ende 2015 kehrte sie zum 3. Minensuchgeschwader zurück.

Seitdem gehört die BAD RAPPENAU zu den in Kiel zusammengefassten deutschen Minenabwehrbooten.

Umbau zum Minentaucher-Einsatzboot

Die BAD RAPPENAU wurde im Laufe ihrer Dienstzeit zum Minentaucher-Einsatzboot der Variante 332B umgerüstet. Das Historische Marinearchiv führt ihre Verwendung als Taucherboot ab dem Jahr 2015 auf. Ein genaues Datum für den Abschluss des Umbaus ist in den öffentlich zugänglichen Quellen nicht eindeutig belegt.

Für den Einsatz von Minentauchern erhielt das Boot zusätzliche Arbeits-, Unterkunfts- und Planungseinrichtungen. Dazu gehören insbesondere:

  • eine Taucherplattform,

  • zusätzliche Stauräume für Tauchausrüstung,

  • Arbeitsplätze zur Vorbereitung von Unterwassereinsätzen,

  • eine bordeigene Druck- und Dekompressionskammer,

  • Unterbringungsmöglichkeiten für zusätzliche Minentaucher und Fachpersonal.

Dadurch kann die BAD RAPPENAU eine spezialisierte Tauchergruppe aufnehmen und über einen längeren Zeitraum als deren schwimmende Einsatzbasis dienen.

Aufgaben der Minentaucher

Minentaucher werden vor allem dort eingesetzt, wo Sonargeräte und ferngelenkte Unterwasserfahrzeuge nicht ausreichen oder nicht sicher verwendet werden können.

Typische Einsatzgebiete sind:

  • Häfen und Hafeneinfahrten,

  • flache Küstengewässer,

  • Wracks und schwer zugängliche Unterwasserbereiche,

  • Strände und Anlandungszonen,

  • Bereiche in der Nähe von Pipelines und Seekabeln,

  • Unterwasseranlagen und maritime Infrastruktur.

Die Taucher können verdächtige Gegenstände unmittelbar untersuchen, Kampfmittel identifizieren und Sprengladungen zu ihrer kontrollierten Beseitigung anbringen.

Die bordeigene Druckkammer ermöglicht außerdem die medizinische Behandlung von Tauchunfällen und ist deshalb ein wesentlicher Bestandteil der Tauchsicherheit.

Besondere Rolle innerhalb der Seeminenabwehr

Die BAD RAPPENAU gehört gemeinsam mit der ROTTWEIL zu den beiden Minentaucher-Einsatzbooten des 3. Minensuchgeschwaders.

Die Deutsche Marine bezeichnet diese Boote als besonders wichtig für die Kampfmittelräumung unter schwierigen Bedingungen. Minentaucher sind regelmäßig mit an Bord und ergänzen die technischen Möglichkeiten des Bootes durch die unmittelbare Arbeit am Fundort.

Damit ist die BAD RAPPENAU nicht ausschließlich ein Minenjagdboot. Sie dient zugleich als Führungs-, Versorgungs-, Arbeits- und Sicherungsplattform für spezialisierte Unterwassereinsätze.

Altlastensuche vor Lubmin

Im Oktober 2022 wurde die BAD RAPPENAU gemeinsam mit der BAD BEVENSEN zur Untersuchung des Meeresbodens vor Lubmin eingesetzt.

Dort war die Errichtung eines schwimmenden Flüssigerdgas-Terminals vorgesehen. Die beiden Boote suchten das betroffene Seegebiet nach möglicher Altmunition und anderen gefährlichen Hinterlassenschaften ab.

Die BAD RAPPENAU brachte dabei ihre besonderen Fähigkeiten als Minentaucher-Einsatzboot ein. Der Auftrag zeigte, dass ihre Ausrüstung nicht nur für militärische Einsätze benötigt wird, sondern auch der Untersuchung und Absicherung wichtiger ziviler Infrastruktur dienen kann.

Bewaffnung und Eigenschutz

Die BAD RAPPENAU war ursprünglich mit einem 40-mm-Geschütz auf dem Vorschiff bewaffnet. Im Zuge der Modernisierung der Klasse wurde dieses durch das 27-mm-Marineleichtgeschütz MLG 27 ersetzt.

Ergänzend stehen schwere Maschinengewehre und tragbare Flugabwehrwaffen für den Eigenschutz zur Verfügung.

Die wichtigste Ausrüstung des Bootes besteht jedoch aus seiner Sonar- und Minenjagdtechnik sowie den Einrichtungen für den Einsatz der Minentaucher.

Patenschaft mit der Stadt Bad Rappenau

Namensgeberin des Bootes ist die baden-württembergische Stadt Bad Rappenau.

Die Patenschaft zwischen der Stadt und der Besatzung wird durch gegenseitige Besuche, gemeinsame Veranstaltungen und persönliche Kontakte gepflegt.

Die Stadt führt die BAD RAPPENAU auf ihrer offiziellen Internetseite als Minentaucher-Einsatzboot der Frankenthal-Klasse. Dort werden eine Länge von 54,4 Metern, eine Breite von 9,2 Metern und Kiel als Heimathafen angegeben.

Technische Daten

  • Klasse: 332B – Frankenthal-Klasse

  • Typ: Minenjagdboot und Minentaucher-Einsatzboot

  • Kennung: M 1067

  • Rufzeichen: DREZ

  • Seriennummer: 332/05

  • Bauwerft: Abeking & Rasmussen, Lemwerder

  • Baunummer: 6435

  • Bauauftrag: 24. November 1988

  • Baubeginn: 20. Februar 1991

  • Stapellauf: 3. Juni 1993

  • Indienststellung: 19. April 1994

  • Umbau zum Minentaucher-Einsatzboot: spätestens 2015 nachweisbar

  • Länge: 54,4 Meter

  • Breite: 9,2 Meter

  • Tiefgang: etwa 2,8 Meter

  • Einsatzverdrängung: etwa 660 Tonnen

  • Antriebsleistung: etwa 4.480 Kilowatt

  • Geschwindigkeit: etwa 18 Knoten

  • Besatzung: rund 41 Soldatinnen und Soldaten zuzüglich eingeschiffter Minentaucher

  • Heimathafen: Kiel

  • Verband: 3. Minensuchgeschwader

Die technischen Angaben können je nach Quelle und Ausrüstungsstand geringfügig voneinander abweichen. Die hier verwendeten Werte entsprechen weitgehend den Angaben der Patenstadt und den Grunddaten der Frankenthal-Klasse.

Verbleib

M 1067 BAD RAPPENAU befindet sich weiterhin im aktiven Dienst der Deutschen Marine.

Sie gehört zum 3. Minensuchgeschwader in Kiel und wird gemeinsam mit der ROTTWEIL als Minentaucher-Einsatzboot der Variante 332B eingesetzt. Eine endgültige Außerdienststellung ist nicht dokumentiert.

Bedeutung

Die BAD RAPPENAU verbindet die technischen Fähigkeiten eines modernen Minenjagdbootes mit den besonderen Möglichkeiten einer eingeschifften Minentauchergruppe.

Dadurch kann sie sowohl verdächtige Objekte mit Sonar und Unterwasserfahrzeugen untersuchen als auch Kampfmittel durch Taucher unmittelbar identifizieren und beseitigen lassen.

Vor allem in Häfen, flachen Küstengewässern, an Wracks und im Bereich empfindlicher Unterwasserinfrastruktur nimmt sie deshalb eine besonders wichtige Rolle innerhalb der deutschen Seeminenabwehr ein.