Bau und Indienststellung
Die FRANKENTHAL wurde bei der Lürssen-Werft in Bremen-Vegesack gebaut. Der Bauauftrag war am 24. November 1988 erteilt worden. Der Baubeginn erfolgte am 5. Dezember 1989.
Der Stapellauf fand am 6. Februar 1992 statt. Am 16. Dezember 1992 wurde M 1066 FRANKENTHAL als erstes Boot der neuen Klasse in Dienst gestellt. Sie trug innerhalb der Baureihe die Seriennummer 332/01, die Baunummer 6431 und das Rufzeichen DREY.
Mit ihrer Indienststellung begann der Zulauf einer neuen Generation deutscher Minenjagdboote, die schrittweise die zu Minenjagdbooten umgebauten Einheiten der Lindau-Klasse ablöste.
Typschiff der Klasse 332
Obwohl die Kennung M 1066 höher lag als die Kennungen mehrerer später gebauter Einheiten, war die FRANKENTHAL das erste Boot der Klasse. Die Bezeichnung Frankenthal-Klasse leitet sich daher vom Namen dieses Typschiffes ab.
Die Klasse wurde speziell für die moderne Minenjagd entwickelt. Ihre Boote besitzen einen Rumpf aus nicht magnetisierbarem Stahl und eine spezialisierte Sonar- und Unterwasserausrüstung. Die Konstruktion bildete zugleich die Grundlage für weitere deutsche Minenabwehrklassen derselben Generation.
Auftrag und Minenjagdausrüstung
Die Hauptaufgabe der FRANKENTHAL bestand im gezielten Aufspüren, Identifizieren und Vernichten von See- und Grundminen.
Mit ihrem Minenjagdsonar konnte die Besatzung den Meeresboden systematisch absuchen. Verdächtige Kontakte wurden ausgewertet und anschließend mit ferngelenkten Unterwasserfahrzeugen näher untersucht.
Zur ursprünglichen Ausstattung gehörten Minenjagddrohnen des Typs PINGUIN B3. Diese wurden vom Boot aus gesteuert und konnten erkannte Objekte mit Kameras untersuchen sowie Sprengladungen zur Bekämpfung bestätigter Minen absetzen.
Zusätzlich konnten Minentaucher eingesetzt werden, wenn ein Objekt mit technischen Mitteln nicht sicher erreicht oder identifiziert werden konnte.
Schutz im Minenfeld
Der Rumpf der FRANKENTHAL bestand aus nicht magnetisierbarem Stahl. Dadurch wurde ihre magnetische Signatur deutlich reduziert und die Gefahr vermindert, selbst eine Magnetmine auszulösen.
Eine Magnet-Eigenschutzanlage glich zusätzlich die von Maschinen, Leitungen und elektrischen Anlagen erzeugten Magnetfelder aus. Während der Minenjagd konnte das Boot mit sehr geringer Geschwindigkeit und reduzierter Geräuschentwicklung fahren.
Diese Schleichfahrt erleichterte die genaue Positionierung über Sonarkontakten und verringerte zugleich die akustische Signatur. Die technischen Grunddaten der Klasse umfassen eine Länge von 54,4 Metern, eine Breite von 9,2 Metern, etwa 650 Tonnen Verdrängung und eine Geschwindigkeit von mehr als 18 Knoten.
Bewaffnung und weitere Fähigkeiten
Die FRANKENTHAL führte während ihrer deutschen Dienstzeit ein 40-mm-Bofors-Geschütz auf dem Vorschiff. Ergänzend standen tragbare Flugabwehrwaffen und leichte Waffen für den Eigenschutz zur Verfügung.
Auf dem Achterdeck konnten Minenschienen angebracht werden. Damit war das Boot nicht nur zur Beseitigung von Seeminen befähigt, sondern konnte bei entsprechendem Auftrag auch selbst Minen legen.
Seine eigentliche Stärke lag jedoch in der spezialisierten Minenjagdausrüstung mit Sonar, Unterwasserdrohnen und präzisen Manövriersystemen.
Verbandszugehörigkeit
Nach der Indienststellung wurde die FRANKENTHAL dem 1. Minensuchgeschwader unterstellt. Dieses war mit Einführung der neuen Klasse von Flensburg nach Olpenitz verlegt worden.
Olpenitz wurde zum wichtigsten deutschen Stützpunkt der Klasse 332. Von dort aus nahm die FRANKENTHAL an Ausbildungsfahrten, Geschwaderübungen und internationalen Minenabwehrmanövern teil.
Nach der Auflösung des 1. Minensuchgeschwaders im Dezember 2005 wurde sie formal dem 3. Minensuchgeschwader zugeordnet. Wegen ihres bereits geplanten Verkaufs blieb sie jedoch zusammen mit der WEIDEN und zeitweise der DILLINGEN in Olpenitz.
Bedeutung für Ausbildung und Erprobung
Als erstes Boot der neuen Klasse kam der FRANKENTHAL eine besondere Bedeutung bei der Einführung der modernen Minenjagdtechnik zu.
Auf ihr wurden Besatzungen mit der neuen Plattform, dem Minenjagdsonar und den ferngelenkten PINGUIN-Drohnen vertraut gemacht. Erfahrungen aus dem Fahrbetrieb und aus Übungen konnten in die Nutzung der nachfolgenden Boote einfließen.
Die FRANKENTHAL war damit nicht nur eine reguläre Einsatzplattform, sondern zugleich ein wichtiges Boot für die Einführung und Weiterentwicklung der gesamten Klasse.
Vorbereitung des Verkaufs
Anfang 2006 begann in Olpenitz die Vorbereitung der FRANKENTHAL und der WEIDEN auf die Übergabe an die Vereinigten Arabischen Emirate.
Besatzungsangehörige der Marine der Emirate wurden mehrere Monate lang auf den deutschen Booten ausgebildet. Die Schulung umfasste sowohl den allgemeinen Fahrbetrieb als auch die Bedienung der komplexen Minenjagd-, Sonar- und Antriebssysteme.
Damit sollte sichergestellt werden, dass die neuen Besatzungen die Boote nach der Übergabe selbstständig betreiben konnten.
Außerdienststellung und Übergabe
Das Historische Marinearchiv nennt den 28. Juni 2006 als formelles Außerdienststellungsdatum der FRANKENTHAL. Zwei Tage später, am 30. Juni 2006, erfolgte die Übergabe an die Marine der Vereinigten Arabischen Emirate.
Damit endete die rund dreizehneinhalbjährige Dienstzeit des Typschiffes unter deutscher Flagge.
Für unsere Datenbank sollten beide Vorgänge getrennt erfasst werden:
Außerdienststellung: 28. Juni 2006
Übergabe an die Vereinigten Arabischen Emirate: 30. Juni 2006
Weiterverwendung als AL MURJAN
Nach der Übergabe erhielt die ehemalige FRANKENTHAL den Namen AL MURJAN. Der Name bedeutet sinngemäß „Koralle“.
Das Boot wurde von der Marine der Vereinigten Arabischen Emirate weiterverwendet. In öffentlich zugänglichen Übersichten wird für die AL MURJAN teilweise die Kennung M 02 genannt. Die Quellenlage zur genauen Verteilung der Kennungen zwischen AL MURJAN und AL HASBAH ist jedoch nicht überall einheitlich.
Gesichert ist, dass die ehemalige FRANKENTHAL 2006 an die Vereinigten Arabischen Emirate verkauft und dort als AL MURJAN in Dienst gestellt wurde.
Über ihren aktuellen Einsatzstatus liegen keine ausreichend eindeutigen amtlichen Angaben vor. Deshalb sollte im Schiffsfinder kein gegenwärtiger Status behauptet werden.
Patenschaft mit der Stadt Frankenthal
Namensgeberin des Bootes war die rheinland-pfälzische Stadt Frankenthal (Pfalz).
Die Patenschaft verband die Stadt mit der Besatzung des Bootes und wurde durch gegenseitige Besuche sowie gemeinsame Veranstaltungen gepflegt. Durch die Stellung als Typschiff wurde der Name Frankenthal zugleich zur Bezeichnung der gesamten Klasse.
Damit besitzt die Stadt innerhalb der deutschen Marinegeschichte eine besondere Bedeutung, die über die Patenschaft zu einem einzelnen Boot hinausgeht.
Technische Daten
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Klasse: 332 – Frankenthal-Klasse
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Typ: Minenjagdboot
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Kennung: M 1066
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Rufzeichen: DREY
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Seriennummer: 332/01
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Bauwerft: Lürssen-Werft, Bremen-Vegesack
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Baunummer: 6431
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Bauauftrag: 24. November 1988
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Baubeginn: 5. Dezember 1989
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Stapellauf: 6. Februar 1992
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Indienststellung: 16. Dezember 1992
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Außerdienststellung: 28. Juni 2006
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Übergabe an die VAE: 30. Juni 2006
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Späterer Name: AL MURJAN
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Länge: 54,4 Meter
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Breite: 9,2 Meter
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Tiefgang: etwa 2,6 Meter
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Verdrängung: etwa 650 Tonnen
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Geschwindigkeit: mehr als 18 Knoten
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Deutscher Heimathafen: Olpenitz
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Deutscher Verband: 1. Minensuchgeschwader, zuletzt 3. Minensuchgeschwader
Verbleib
M 1066 FRANKENTHAL wurde am 28. Juni 2006 außer Dienst gestellt und am 30. Juni 2006 an die Marine der Vereinigten Arabischen Emirate übergeben.
Dort wurde das Boot unter dem Namen AL MURJAN weitergeführt. Sein aktueller Status ist anhand öffentlich zugänglicher amtlicher Quellen nicht eindeutig feststellbar und wird deshalb nicht näher bezeichnet.
Bedeutung
Die FRANKENTHAL war das erste in Dienst gestellte Boot der Klasse 332 und wurde zum Namensgeber einer der wichtigsten deutschen Minenabwehrklassen.
Sie markierte den Übergang von umgebauten Minensuchbooten zu speziell entwickelten, signaturarmen Minenjagdplattformen mit moderner Sonar- und Unterwassertechnik. Auch nach dem Ende ihrer deutschen Dienstzeit blieb sie durch ihre Weiterverwendung in den Vereinigten Arabischen Emiraten Teil der internationalen Seeminenabwehr.