Kategorie: Marinefliegergeschwader 5 – MFG 5

Marinefliegergeschwader 5 – MFG 5

Das Marinefliegergeschwader 5 ist der zentrale Hubschrauberverband der Deutschen Marine. Vom Marinefliegerstützpunkt Nordholz aus übernimmt das Geschwader ein breites Spektrum maritimer Aufgaben: Such- und Rettungsdienst, Transport von Personal und Material, Unterstützung von Schiffen und Einsatzkräften, Seeraumüberwachung sowie die U-Boot-Jagd und Bekämpfung von Überwasserzielen.

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Das MFG 5 verbindet damit zwei besonders wichtige Bereiche der Marinefliegerei. Einerseits stellt es rund um die Uhr Hubschrauber für die Rettung von Menschen aus Luft- und Seenot bereit. Andererseits betreibt es die Bordhubschrauber der Fregatten und unterstützt dadurch unmittelbar die schwimmenden Einheiten der Flotte.

Entstehung und Standort Kiel-Holtenau

Die Wurzeln des Marinefliegergeschwaders 5 reichen bis in die Aufbaujahre der Bundesmarine zurück. Bereits 1958 stellte die Marine in Kiel-Holtenau ihr erstes Kommando für den Such- und Rettungsdienst auf. Seit Oktober 1963 führte der Verband die Bezeichnung Marinefliegergeschwader 5.

Über Jahrzehnte war Kiel-Holtenau untrennbar mit dem MFG 5 verbunden. Von dort aus starteten die Hubschrauber zu Rettungs-, Transport- und Unterstützungseinsätzen über Nordsee, Ostsee und den angrenzenden Küstengebieten.

Zum Geschwader gehörten nicht nur die fliegenden Besatzungen. Techniker, Fluggerätmechaniker, Flugleitung, Einsatzführung, Logistik, Feuerwehr, Sanitätsdienst und zahlreiche weitere Bereiche sorgten gemeinsam dafür, dass die Maschinen jederzeit einsatzbereit waren.

Verlegung nach Nordholz

Im Zuge der Neuordnung der Bundeswehr wurde entschieden, die Marineflieger am Standort Nordholz zusammenzuführen. Das MFG 5 verlegte deshalb ab 2012 schrittweise von Kiel-Holtenau nach Nordholz bei Cuxhaven. Dort befindet sich seitdem gemeinsam mit dem Marinefliegergeschwader 3 und dem Marinefliegerkommando das Zentrum der deutschen Marineflieger.

Mit der Verlegung gingen auch die zuvor beim MFG 3 betriebenen Bordhubschrauber des Typs Sea Lynx an das MFG 5 über. Seitdem sind sämtliche Hubschrauber der Deutschen Marine in einem Geschwader zusammengefasst.

Such- und Rettungsdienst

Eine der bekanntesten und verantwortungsvollsten Aufgaben des MFG 5 ist der militärische Such- und Rettungsdienst, international als Search and Rescue – SAR bezeichnet.

Die Hubschrauberbesatzungen stehen an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr bereit. Nach einer Alarmierung starten sie zur Suche nach vermissten Luftfahrzeugen, zur Rettung von Besatzungen und zur Unterstützung ziviler Rettungsorganisationen. Die Koordination der Einsätze erfolgt durch die zuständige Rettungsleitstelle in Glücksburg. Bereitschaftsplätze befinden beziehungsweise befanden sich unter anderem auf Helgoland, Borkum und in Rostock-Warnemünde.

Die Besatzungen müssen auch bei Dunkelheit, Sturm, schlechter Sicht und hohem Seegang sicher operieren können. Die Rettungswinde ermöglicht es, Menschen von Schiffen, Inseln, Küstenabschnitten oder direkt aus dem Wasser aufzunehmen.

Rettungs- und Katastropheneinsätze

Das MFG 5 unterstützt nicht nur die militärische und zivile Seenotrettung. Seine Hubschrauber kommen auch bei Naturkatastrophen, Hochwasserlagen, Schneekatastrophen und weiteren Notfällen zum Einsatz.

Bereits in den Anfangsjahren bewährten sich die Marineflieger bei Sturmfluten und schweren Eiswintern. Später unterstützten sie unter anderem bei der Schneekatastrophe 1978/79 sowie bei Hochwassereinsätzen an Oder und Elbe.

Bei solchen Einsätzen transportieren die Hubschrauber Menschen, Hilfsgüter, medizinisches Personal oder technische Ausrüstung. Sie erreichen Gebiete, die auf dem Landweg nicht oder nur schwer zugänglich sind.

Frühe Hubschraubermuster

In der Aufbauzeit setzte das Geschwader unterschiedliche Flugzeug- und Hubschraubermuster ein. Dazu gehörten unter anderem die Bristol Sycamore, die Sikorsky H-34 und zeitweise auch das Amphibienflugzeug Grumman HU-16 Albatross.

Mit diesen Maschinen entwickelte die Bundesmarine ihre Fähigkeiten zur Seenotrettung und zur Unterstützung der Flotte weiter. Die damaligen Besatzungen mussten häufig unter schwierigen Bedingungen und mit deutlich einfacherer Navigations- und Rettungstechnik arbeiten als heute.

Die H-34 stellte ab Mitte der 1960er-Jahre einen wesentlichen Teil der SAR-Bereitschaft. Hubschrauber waren unter anderem auf Sylt, Borkum und in Kiel stationiert.

Sea King Mk 41

Über fast fünf Jahrzehnte prägte der Westland Sea King Mk 41 das Bild des Marinefliegergeschwaders 5. Die Marine beschaffte das Muster in den 1970er-Jahren vor allem für den Such- und Rettungsdienst sowie für Transportaufgaben.

Der Sea King verfügte über eine große Reichweite, eine Rettungswinde und eine geräumige Kabine. Er konnte Menschen aus Seenot aufnehmen, Verletzte transportieren und Personal oder Material auf Schiffe und in schwer erreichbare Gebiete bringen.

Zu seinen Aufgaben gehörten:

  • Such- und Rettungsdienst,
  • Transport von Personal und Material,
  • medizinische Evakuierung,
  • Unterstützung von Spezialkräften,
  • Katastrophenhilfe,
  • Versorgung von Schiffen und Außenstellen,
  • Einsatz als Bordhubschrauber auf geeigneten Einheiten.

Der Sea King konnte auf zahlreichen Schiffen mit Flugdeck landen. Dauerhaft im Hangar untergebracht werden konnte er vor allem auf den Einsatzgruppenversorgern.

Am 15. August 2024 kehrte der letzte Sea King von seiner Einsatzbereitschaft nach Nordholz zurück. Ende August 2024 wurde das Muster nach fast fünf Jahrzehnten bei der Deutschen Marine außer Dienst gestellt.

Sea Lynx Mk 88A

Der Sea Lynx Mk 88A ist über Jahrzehnte der klassische Bordhubschrauber der deutschen Fregatten. Er erweitert deren Sensor- und Wirkbereich weit über den Horizont hinaus.

Von den Schiffen aus übernimmt der Sea Lynx insbesondere:

  • U-Boot-Jagd,
  • Seeraumüberwachung,
  • Aufklärung verdächtiger Schiffe,
  • Transport von Boardingteams,
  • Personen- und Materialtransport,
  • Unterstützung bei Rettungs- und Evakuierungsaufgaben.

Bei der U-Boot-Jagd arbeitet der Sea Lynx eng mit den Sensoren der Fregatten und den Seefernaufklärern zusammen. Er kann Unterwasserkontakte suchen, klassifizieren und mit leichten Torpedos bekämpfen.

Das MFG 5 betreibt den Sea Lynx weiterhin während des Übergangs zum neuen Sea Tiger. Seine Außerdienststellung ist für Ende 2026 vorgesehen.

NH90 NTH Sea Lion

Der NH90 NTH Sea Lion ist der moderne Mehrzweck- und Transporthubschrauber der Deutschen Marine. Er löst den Sea King in dessen bisherigen Hauptaufgaben ab.

Die Marine übernahm den Sea Lion 2020 offiziell in den Flugbetrieb. Seit Juli 2023 steht das Muster im Such- und Rettungsdienst über Nord- und Ostsee zur Verfügung.

Der Sea Lion übernimmt unter anderem:

  • militärischen Such- und Rettungsdienst,
  • Transport von Personal und Material,
  • medizinische Evakuierung,
  • Aufklärung und Seeraumüberwachung,
  • Unterstützung von Spezialkräften,
  • Versorgung und Unterstützung von Schiffen,
  • Katastrophenhilfe.

Der Hubschrauber erreicht Geschwindigkeiten von mehr als 300 Kilometern pro Stunde und kann bis zu 20 Passagiere transportieren. Moderne Sensoren, Kommunikationsanlagen und eine Rettungswinde machen ihn zu einem vielseitigen Einsatzmittel der Flotte.

NH90 MRFH Sea Tiger

Mit dem NH90 MRFH Sea Tiger führt das MFG 5 eine neue Generation von Bordhubschraubern ein. Der Sea Tiger ist speziell für den Einsatz auf Fregatten und für das maritime Gefechtsfeld ausgelegt.

Seine Hauptaufgaben sind:

  • U-Boot-Jagd,
  • Bekämpfung von Überwasserzielen,
  • Seeraumüberwachung,
  • Aufklärung,
  • Schutz von Flottenverbänden,
  • Unterstützung von Boarding- und Spezialkräften.

Der Sea Tiger verfügt über moderne Radar-, Sonar- und elektrooptische Sensoren sowie ein zeitgemäßes Waffenspektrum. Seit Dezember 2025 befindet sich das erste Exemplar in Nordholz. Bis 2030 sollen insgesamt 31 Hubschrauber an die Marine übergeben werden.

Der Sea Tiger löst schrittweise den Sea Lynx ab und arbeitet künftig eng mit den Fregatten und den Seefernaufklärern P-8A Poseidon zusammen.

Unbemannte Luftfahrzeuge

Zum Aufgabenspektrum des MFG 5 gehören außerdem unbemannte Luftfahrzeuge. Die Marine nutzt sie insbesondere zur Aufklärung und Seeraumüberwachung.

Kleine bordgestützte Systeme können von Schiffen aus eingesetzt werden und liefern mit ihren Kameras und Sensoren Bilder aus Gebieten, die außerhalb der unmittelbaren Sichtweite des Schiffes liegen. Dadurch erweitern sie das Lagebild und unterstützen die Besatzungen bei der Identifizierung verdächtiger Kontakte.

Unterstützung der Flotte

Das Marinefliegergeschwader 5 arbeitet unmittelbar mit den Schiffen und Booten der Deutschen Marine zusammen. Bordhubschrauber werden mit ihren Besatzungen und Technikern zeitweise auf Fregatten eingeschifft und bilden dort einen eigenen fliegenden Einsatzverband.

Der Betrieb auf See stellt besondere Anforderungen an Mensch und Material. Start und Landung erfolgen auf einem bewegten Flugdeck, häufig bei Dunkelheit, schlechtem Wetter und hohem Seegang.

Die Hubschrauber unterstützen die Schiffe bei der Aufklärung, U-Boot-Jagd, Bekämpfung von Seezielen, Rettung und Versorgung. Dadurch vergrößern sie den Einsatzradius und die Reaktionsmöglichkeiten eines Marineverbandes erheblich.

Ausbildung und Einsatzbereitschaft

Das MFG 5 bildet Piloten, taktische Koordinatoren, Bordmechaniker, Operateure und technisches Personal für den Einsatz mit den verschiedenen Hubschraubermustern aus.

Simulatoren ermöglichen das Training komplexer Flug-, Rettungs- und Notfallsituationen. Seit 2023 steht in Nordholz auch ein moderner Simulator für den NH90 Sea Lion zur Verfügung.

Gleichzeitig hält das Geschwader die SAR-Bereitschaft aufrecht, unterstützt laufende Flotteneinsätze und führt parallel neue Luftfahrzeugmuster ein. Damit befindet sich der Verband in einer umfassenden Modernisierungsphase.

Dienst im Marinefliegerkommando

Das Marinefliegergeschwader 5 untersteht dem Marinefliegerkommando in Nordholz. Gemeinsam mit dem Marinefliegergeschwader 3 „Graf Zeppelin“ bildet es den fliegenden Kern der Deutschen Marine.

Während das MFG 3 schwerpunktmäßig die Seefernaufklärungs- und Umweltüberwachungsflugzeuge betreibt, sind im MFG 5 die Hubschrauberkräfte zusammengefasst. Rund 2.500 Soldatinnen, Soldaten und zivile Beschäftigte arbeiten insgesamt im Bereich des Marinefliegerkommandos.

Luftfahrzeugmuster des MFG 5

Zum Marinefliegergeschwader 5 gehören oder gehörten im Laufe seiner Geschichte unter anderem:

  • Bristol Sycamore,
  • Sikorsky H-34,
  • Grumman HU-16 Albatross,
  • Westland Sea King Mk 41,
  • Westland Sea Lynx Mk 88 und Mk 88A,
  • NH90 NTH Sea Lion,
  • NH90 MRFH Sea Tiger,
  • unbemannte Aufklärungssysteme.

Standort und Auftrag

Bezeichnung: Marinefliegergeschwader 5
Früherer Standort: Kiel-Holtenau
Heutiger Standort: Marinefliegerstützpunkt Nordholz
Unterstellung: Marinefliegerkommando
Aktuelle Hubschraubermuster: Sea Lynx Mk 88A, NH90 NTH Sea Lion und im Zulauf NH90 MRFH Sea Tiger
Hauptaufgaben: Such- und Rettungsdienst, Transport, Unterstützung der Flotte, U-Boot-Jagd, Bekämpfung von Überwasserzielen und Seeraumüberwachung

Von Kameraden für Kameraden

Das Marinefliegergeschwader 5 steht wie kaum ein anderer Verband für die Verbindung von fliegerischem Können, maritimer Einsatzbereitschaft und gelebter Hilfeleistung.

Viele Kameraden verbinden das MFG 5 mit Kiel-Holtenau, dem Klang der Rotoren über der Kieler Förde und den jahrzehntelangen Einsätzen des Sea King. Andere erleben den Verband heute in Nordholz mit Sea Lynx, Sea Lion und Sea Tiger als modernen Hubschrauberverband der Flotte.

Ob im Cockpit, an der Rettungswinde, auf dem Flugdeck einer Fregatte, in der Einsatzführung, auf dem Vorfeld oder in den Wartungshallen – jede Mission ist das Ergebnis gemeinsamer Ausbildung, gegenseitigen Vertrauens und enger kameradschaftlicher Zusammenarbeit.

Unsere Artikel zum MFG 5 erinnern an die Seenotretter, Bordflieger, Techniker und Kameraden des Geschwaders. Sie stehen für unzählige gerettete Menschen, anspruchsvolle Einsätze über See und eine Kameradschaft, die von Kiel-Holtenau bis Nordholz und weit über die aktive Dienstzeit hinaus verbindet.