Kategorie: Marinefliegergeschwader 2 – MFG 2


Marinefliegergeschwader 2 – MFG 2

Das Marinefliegergeschwader 2 gehörte über Jahrzehnte zu den wichtigsten fliegenden Einsatzverbänden der Bundesmarine und später der Deutschen Marine. Von seinen Standorten in Schleswig-Holstein und Niedersachsen aus übernahm das Geschwader Aufgaben in der Seezielbekämpfung, der maritimen Aufklärung und der Sicherung der deutschen und verbündeten Seegebiete.

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Besonders eng verbunden ist die Geschichte des MFG 2 mit dem Fliegerhorst Eggebek und der zugehörigen Kaserne in Tarp. Generationen von Piloten, Waffensystemoffizieren, Technikern und Soldaten des Bodenpersonals versahen dort ihren Dienst mit Sea Hawk, Starfighter und Tornado.

Entstehung und erste Jahre

Die Geschichte des Verbandes begann 1958 mit der Aufstellung der 2. Marinefliegergruppe. Im Zuge einer Neuordnung der Marineflieger erhielt der Verband am 1. August 1960 die Bezeichnung 2. Marinefliegergeschwader.

In der Anfangszeit war das Geschwader zunächst im Raum Schleswig-Jagel stationiert. Zu seinen Flugzeugmustern gehörten unter anderem die britische Hawker Sea Hawk, Aufklärungsflugzeuge sowie zeitweise die Fairey Gannet für die U-Boot-Jagd.

Nach dem Ausbau des Marinefliegerstützpunktes verlegte das Geschwader 1963 nach Nordholz. Bereits kurze Zeit später erfolgte eine weitere Neuordnung: Die U-Jagd-Komponente wurde an das neu aufgestellte Marinefliegergeschwader 3 abgegeben. Das MFG 2 entwickelte sich dadurch zu einem auf Aufklärung und Seezielbekämpfung spezialisierten Jagdbombergeschwader.

Verlegung nach Eggebek

Mit der Einführung des Starfighters benötigte das Geschwader einen geeigneten Einsatzflugplatz mit ausreichend langer Start- und Landebahn sowie entsprechender technischer Infrastruktur. Der Fliegerhorst Nordholz erfüllte diese Anforderungen nur eingeschränkt.

Ab 1964 verlegte das Marinefliegergeschwader 2 deshalb nach Eggebek. Die zugehörigen Unterkünfte, Stabs- und Versorgungseinrichtungen befanden sich in Tarp. Der Fliegerhorst Eggebek und die spätere Friedrich-Wilhelm-Lübke-Kaserne wurden für mehr als vier Jahrzehnte zur Heimat des Verbandes.

Der Starfighter beim MFG 2

In Eggebek erfolgte die Umrüstung auf die Lockheed F-104G Starfighter. Neben der Jagdbomberversion setzte das Geschwader auch die Aufklärungsvariante RF-104G sowie zweisitzige Schulversionen ein.

Der Starfighter war für hohe Geschwindigkeiten, Tiefflug und Angriffe gegen maritime Ziele ausgelegt. Die Marineflieger nutzten ihn vor allem für:

  • die Aufklärung von Seegebieten,
  • die Bekämpfung gegnerischer Überwassereinheiten,
  • den Schutz eigener und verbündeter Seeverbindungen,
  • die Unterstützung von Flottenverbänden,
  • Übungen im Rahmen der NATO.

Flüge über Nord- und Ostsee, häufig in geringer Höhe und bei wechselnden Wetterbedingungen, verlangten den Besatzungen ein hohes Maß an fliegerischem Können ab. Gleichzeitig stellte das technisch anspruchsvolle Flugzeug große Anforderungen an Wartung und Bodenorganisation.

Ein schweres Kapitel der Verbandsgeschichte waren die Flugunfälle während der Starfighter-Zeit. Am 10. März 1970 kam Oberleutnant zur See Joachim von Hassel bei einem Absturz nach einer Luftkampfübung ums Leben. Das Bundesarchiv ordnet diesen Unfall in die umfassendere Starfighter-Krise der Bundeswehr ein.

Die „Vikings“

In den letzten Jahren des Starfighter-Betriebs stellte das MFG 2 das bekannte Vorführteam „Vikings“.

Zwei besonders lackierte F-104 demonstrierten bei Flugtagen und internationalen Veranstaltungen die Leistungsfähigkeit des Starfighters und das fliegerische Können der Marinepiloten. Die Vikings entwickelten sich zu einem weithin bekannten Aushängeschild der deutschen Marineflieger.

Bis 1986 gab das Geschwader seine letzten Starfighter ab und bereitete sich auf die Einführung eines neuen Waffensystems vor.

Umrüstung auf den Tornado

Ab September 1986 rüstete das Marinefliegergeschwader 2 auf den Panavia Tornado IDS um. Für den Betrieb des neuen Flugzeugmusters wurde die Start- und Landebahn in Eggebek erneuert. Während dieser Arbeiten nutzten Teile des Verbandes zeitweise den Fliegerhorst Jagel.

Der Tornado erweiterte die Fähigkeiten des Geschwaders erheblich. Seine große Reichweite, seine Tiefflugeigenschaften und die moderne Navigations- und Waffentechnik machten ihn zu einem leistungsfähigen maritimen Jagdbomber.

Zu den Aufgaben des MFG 2 gehörten nun insbesondere:

  • die weitreichende Seezielbekämpfung,
  • die maritime Aufklärung,
  • Angriffe gegen militärische Ziele an Land,
  • die Unterstützung nationaler und multinationaler Flottenverbände,
  • die Teilnahme an NATO-Übungen und Einsatzvorbereitungen.

Eine besondere Bedeutung hatte der Seezielflugkörper Kormoran, mit dem der Tornado gegnerische Schiffe aus größerer Entfernung bekämpfen konnte.

Zusammenlegung mit dem MFG 1

Nach dem Ende des Kalten Krieges wurden die deutschen Marinefliegerverbände verkleinert und neu gegliedert. Das Marinefliegergeschwader 1 in Schleswig-Jagel wurde 1993 aufgelöst.

Teile seines Personals, seiner Tornados und seiner Aufgaben gingen auf das MFG 2 über. Mit der Zusammenführung wurde Eggebek zum letzten Standort der deutschen Marine-Jagdbomber. Das Geschwader führte anschließend Traditionen und Elemente beider Verbände weiter.

Dienst nach dem Kalten Krieg

Mit der veränderten sicherheitspolitischen Lage wandelte sich auch der Auftrag des Geschwaders. Neben der klassischen Landes- und Bündnisverteidigung gewannen internationale Übungen, Krisenreaktion und Einsätze außerhalb der bisherigen Operationsräume an Bedeutung.

Besatzungen und Bodenpersonal des MFG 2 nahmen an multinationalen Übungen und Ausbildungsmissionen teil. Die Tornados wurden dabei weiterhin für maritime Aufgaben eingesetzt, konnten aber auch zur Aufklärung und Bekämpfung von Landzielen verwendet werden.

Das Geschwader blieb bis in die ersten Jahre des 21. Jahrhunderts der letzte fliegende Kampfflugzeugverband der Deutschen Marine.

Außerdienststellung

Im Zuge einer weiteren Neuausrichtung der Bundeswehr fiel die Entscheidung, die Kampfflugzeuge der Marine an die Luftwaffe abzugeben und die fliegenden Kräfte der Marine auf Seefernaufklärung und Bordhubschrauber zu konzentrieren.

Im Juni 2005 verließen die letzten Tornados den Fliegerhorst Eggebek. Am 9. August 2005 wurde das Marinefliegergeschwader 2 offiziell außer Dienst gestellt. Damit endete nach mehr als 47 Jahren die Geschichte des Verbandes.

Mit der Auflösung des MFG 2 endete zugleich die Ära der strahlgetriebenen Jagdbomber bei den deutschen Marinefliegern. Der Bundeswehrstandort Eggebek wurde anschließend geschlossen.

Flugzeugmuster des MFG 2

Zum Marinefliegergeschwader 2 gehörten im Laufe seiner Geschichte unter anderem:

  • Hawker Sea Hawk
  • Fairey Gannet
  • Fouga Magister
  • Piaggio P.149
  • Lockheed F-104G Starfighter
  • Lockheed RF-104G Starfighter
  • Lockheed TF-104G Starfighter
  • Panavia Tornado IDS

Standort und Auftrag

Aufstellung: 1958 als 2. Marinefliegergruppe
Umbenennung: 1. August 1960 zum 2. Marinefliegergeschwader
Hauptstandort: Eggebek mit Kaserne in Tarp
Zwischenzeitliche Standorte: Schleswig-Jagel und Nordholz
Außerdienststellung: 9. August 2005
Hauptaufgaben: maritime Aufklärung, Seezielbekämpfung, Unterstützung von Flottenverbänden und Beiträge zur Bündnisverteidigung

Von Kameraden für Kameraden

Das Marinefliegergeschwader 2 war weit mehr als ein Verband aus Flugzeugen, Hangars und technischen Einrichtungen. Für Generationen von Marinefliegern wurde Eggebek zu einem prägenden Teil ihrer Dienstzeit und für viele Kameraden zu einer zweiten Heimat.

Ob im Cockpit, auf dem Vorfeld, in der Flugleitung, in den Wartungshallen, in der Einsatzführung oder in den zahlreichen technischen und unterstützenden Bereichen – nur das Zusammenspiel aller Teile des Geschwaders ermöglichte einen sicheren und erfolgreichen Flugbetrieb.

Unsere Artikel zum MFG 2 erinnern an Sea Hawk, Starfighter und Tornado, an den Standort Eggebek und vor allem an die Kameraden, die diesen Verband über Jahrzehnte geprägt haben. Sie stehen für fliegerisches Können, technische Leistungsfähigkeit, Einsatzbereitschaft und eine Kameradschaft, die bis heute verbindet.