Marinefliegergeschwader 1 – MFG 1
Das Marinefliegergeschwader 1 gehörte zu den prägenden fliegenden Verbänden der Bundesmarine. Von seinem Standort auf dem Fliegerhorst Schleswig-Jagel aus leistete das Geschwader über Jahrzehnte einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung, Seezielbekämpfung und Sicherung der deutschen und verbündeten Seegebiete.
Seine fliegenden Besatzungen, Techniker und die zahlreichen Soldaten des Bodenpersonals standen für die enge Verbindung von Marine und Luftfahrt. Ihr Auftrag führte sie regelmäßig über Nordsee, Ostsee und Nordatlantik, wo sie gemeinsam mit Schiffen, Booten und weiteren Marinefliegerverbänden operierten.
Aufbau und Standort
Das Marinefliegergeschwader 1 wurde Ende der 1950er-Jahre im Zuge des Aufbaus der Marinefliegerkräfte aufgestellt. Seine Heimat wurde der Fliegerhorst Schleswig-Jagel nahe Schleswig.
Der Standort entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Einsatzflugplätze der Bundesmarine. Neben den fliegenden Staffeln gehörten umfangreiche technische, logistische und militärische Bereiche zum Geschwader. Nur durch das Zusammenspiel von Besatzungen, Wartungspersonal, Flugbetrieb, Einsatzführung und Versorgung konnten die Maschinen jederzeit einsatzbereit gehalten werden.
Flugzeugmuster
In der Anfangszeit setzte das MFG 1 unter anderem die britische Hawker Sea Hawk ein. Das strahlgetriebene Kampfflugzeug diente vor allem der Seezielbekämpfung und gehörte zu den ersten modernen Einsatzmustern der jungen Bundesmarine.
In den 1960er-Jahren erfolgte die Umrüstung auf die Lockheed F-104G Starfighter. Das MFG 1 war damit Teil einer neuen Generation der Marineflieger. Bundesarchivaufnahmen belegen den Einsatz der Marine-Starfighter beim Geschwader in Schleswig-Jagel bereits für das Jahr 1965. (bild.bundesarchiv.de)
Später erhielt das Geschwader den Panavia Tornado. Mit diesem zweistrahligen Mehrzweckkampfflugzeug standen den Marinefliegern moderne Fähigkeiten zur weitreichenden Aufklärung und zur Bekämpfung von Seezielen zur Verfügung.
Auftrag
Der Hauptauftrag des Marinefliegergeschwaders 1 lag in der Bekämpfung gegnerischer Seestreitkräfte aus der Luft. Die Flugzeuge sollten Schiffe und maritime Verbände aufklären, identifizieren und im Verteidigungsfall angreifen.
Zu den Aufgaben gehörten insbesondere:
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die See- und Gefechtsfeldaufklärung,
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die Bekämpfung von Überwasserzielen,
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der Schutz eigener und verbündeter Seeverbindungen,
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die Zusammenarbeit mit Schiffen und Booten der Bundesmarine,
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die Teilnahme an nationalen und internationalen Übungen,
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die Einbindung in die Luft- und Seestreitkräfte der NATO.
Das MFG 1 gehörte zu den der NATO zugeordneten Marinefliegergeschwadern und war damit fest in die gemeinsame Verteidigungsplanung des Bündnisses eingebunden. (open-data.bundesarchiv.de)
Dienst im Kalten Krieg
Während des Kalten Krieges lag der Einsatzschwerpunkt des Geschwaders auf Nord- und Ostsee sowie den angrenzenden Seegebieten. Die Besatzungen trainierten Tiefflug, Navigation über See, Aufklärung und Angriffe gegen maritime Ziele.
Der Dienst stellte hohe Anforderungen an Mensch und Material. Flüge in geringer Höhe, wechselnde Wetterlagen über See und der Umgang mit technisch anspruchsvollen Flugzeugen verlangten eine enge Zusammenarbeit zwischen den fliegenden Besatzungen und dem Bodenpersonal.
Neben dem täglichen Flugbetrieb nahm das MFG 1 regelmäßig an Übungen der Bundesmarine und der NATO teil. Dabei arbeitete das Geschwader mit Marineeinheiten und Luftstreitkräften verschiedener Bündnispartner zusammen.
Außerdienststellung
Mit dem Ende des Kalten Krieges und der anschließenden Neuordnung der Bundeswehr veränderte sich auch die Struktur der Marineflieger. Das Marinefliegergeschwader 1 wurde 1993 aufgelöst.
Die noch vorhandenen Tornados und Teile der Aufgaben wurden beim Marinefliegergeschwader 2 in Eggebek zusammengeführt. Damit endete nach mehr als drei Jahrzehnten die Geschichte des MFG 1 als selbstständiger Verband der Bundesmarine.
Der Fliegerhorst Schleswig-Jagel blieb militärischer Flugplatz und wurde anschließend durch die Luftwaffe weitergenutzt.
Von Kameraden für Kameraden
Das Marinefliegergeschwader 1 war weit mehr als ein Verband aus Flugzeugen und technischen Anlagen. Es war für Generationen von Marinefliegern, Technikern und Soldaten des Bodenpersonals ein gemeinsamer Arbeitsplatz und ein prägender Abschnitt ihrer Dienstzeit.
Ob im Cockpit, auf dem Vorfeld, in den Hallen, in der Einsatzführung oder in den zahlreichen technischen und unterstützenden Bereichen – jeder Einzelne trug dazu bei, den Flugbetrieb und die Einsatzbereitschaft des Geschwaders sicherzustellen.
Unsere Artikel zum MFG 1 erinnern an die Marineflieger von Schleswig-Jagel, an Sea Hawk, Starfighter und Tornado sowie an die Kameraden, die diesen Verband über Jahrzehnte geprägt haben. Sie stehen für fliegerisches Können, technische Leistungsfähigkeit und eine Kameradschaft, die bis heute verbindet.