Kategorie: KM-Boot M1086 FULDA

M 1086 FULDA – Küstenminensuchboot und Minenjagdboot der Lindau-Klasse

Die FULDA mit der Kennung M 1086 gehörte zu den 18 Küstenminensuchbooten der Lindau-Klasse, Klasse 320. Innerhalb der Klasse nahm sie eine besondere Stellung ein: Sie wurde als erstes Boot zum Minenjagdboot der frühen Klasse 331A umgebaut – und zwar ohne eine formale Außerdienststellung zwischen den beiden Verwendungsphasen.

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Die FULDA entstand bei der Burmester-Werft in Bremen-Burg unter der Baunummer 5497. Der Stapellauf erfolgte am 19. August 1959. Am 5. März 1960 wurde das Boot bei der Bundesmarine in Dienst gestellt.

Dienst als Küstenminensuchboot

Die FULDA wurde ursprünglich für die klassische Minenräumung in Küstengewässern, Hafenzufahrten und wichtigen Schifffahrtswegen gebaut. Ihre Aufgabe bestand darin, unterschiedliche Arten von Ankertau- und Grundminen zu räumen und sichere Wege durch verminte Seegebiete zu schaffen.

Wie alle Einheiten der Lindau-Klasse besaß sie einen weitgehend amagnetischen Holzrumpf. Die Konstruktion sollte das magnetische Eigenfeld des Bootes möglichst gering halten und damit die Gefahr reduzieren, magnetisch ausgelöste Seeminen während der Räumarbeiten unbeabsichtigt zur Detonation zu bringen. Die insgesamt 18 Boote der Klasse wurden zwischen 1957 und 1959 bei Burmester in Bremen-Burg gebaut.

Zur ursprünglichen Ausrüstung gehörten mechanische, magnetische und akustische Räumgeräte. Damit konnten sowohl verankerte Seeminen als auch am Meeresboden liegende Einflussminen bekämpft werden.

Dienst im 8. Minensuchgeschwader

Nach ihrer Indienststellung gehörte die FULDA zunächst zum 8. Minensuchgeschwader. Der Verband verlegte im April 1962 von Cuxhaven nach Borkum, blieb dort jedoch nur kurze Zeit. Nach seiner Auflösung im Juli 1963 wurde die FULDA gemeinsam mit der FLENSBURG und der VÖLKLINGEN an das 4. Minensuchgeschwader in Wilhelmshaven abgegeben.

Damit gehörte sie anschließend zu jenem Verband, in dem später alle zwölf zu Minenjagdbooten umgebauten Einheiten der Lindau-Klasse zusammengefasst wurden.

Umbau zum Minenjagdboot

Die FULDA war das erste Boot der Lindau-Klasse, das zum Minenjagdboot umgebaut wurde. Sie wurde danach als Klasse 331/01A geführt. Anders als bei den später umgebauten Schwesterschiffen erfolgte dabei keine formale Außerdienststellung und anschließende Wiederindienststellung. Ihre Dienstzeit wurde durchgehend vom 5. März 1960 bis zum 26. März 1992 geführt.

Der Umbau markierte den Übergang von der klassischen Minenräumung zur gezielten Minenjagd. Während ein Küstenminensuchboot größere Seegebiete mit Räumgeräten bearbeitete, konnte ein Minenjagdboot verdächtige Unterwasserobjekte gezielt suchen, untersuchen und bekämpfen.

Besonderheiten der Klasse 331A

Die FULDA gehörte gemeinsam mit der später umgebauten FLENSBURG zur frühen Variante 331A. Diese Boote unterschieden sich technisch von den späteren Minenjagdbooten der Klasse 331B.

Die frühen Minenjagdboote erhielten zusätzliche Antriebs- und Manövriereinrichtungen, mit denen sie während der Sonarsuche und Minenbekämpfung besonders genau auf Position gehalten werden konnten. Die mit diesen Booten gewonnenen Erfahrungen flossen in die weiteren Umbauten der Lindau-Klasse ein.

Zur Minenjagdausrüstung gehörten insbesondere:

  • ein Minenjagdsonar zur Ortung verdächtiger Unterwasserobjekte,

  • Einrichtungen zur genauen Positionsbestimmung,

  • zusätzliche Manövrierhilfen für langsame und präzise Bewegungen,

  • ferngelenkte Geräte zur Untersuchung und Bekämpfung georteter Minen,

  • ein Kran zum Aussetzen und Einholen der Minenjagdausrüstung.

Die FULDA war damit eines der Erprobungs- und Pionierboote für die moderne Minenjagd der Bundesmarine.

Einsatz als Minenjagdboot

Als Minenjagdboot gehörte die FULDA zum 4. Minensuchgeschwader in Wilhelmshaven. Ab 1968 wurden insgesamt zwölf Boote der Klasse 320 zu Minenjagdbooten der Klassen 331A und 331B umgebaut und anschließend in diesem Geschwader zusammengefasst.

Zwischen 1977 und 1984 waren das 4. und das 6. Minensuchgeschwader zeitweilig im Minenabwehrgeschwader Nordsee zusammengefasst. Nach Beendigung dieses Truppenversuchs kehrten die Minenjagdboote wieder in die frühere Geschwaderstruktur zurück.

Während ihrer langen Dienstzeit nahm die FULDA an zahlreichen Ausbildungsfahrten sowie nationalen und internationalen Minenabwehrübungen teil. Als erstes umgebautes Minenjagdboot der Klasse lieferte sie wichtige praktische Erkenntnisse für die technische und taktische Weiterentwicklung der deutschen Minenabwehr.

Außerdienststellung und Verbleib

Am 26. März 1992 wurde die FULDA nach mehr als 32 Jahren Dienstzeit endgültig außer Dienst gestellt. Sie gehörte damit zu den ersten Minenjagdbooten der ursprünglichen Lindau-Klasse, deren aktive Laufbahn endete.

Anders als mehrere ihrer Schwesterschiffe wurde die FULDA nicht an eine ausländische Marine abgegeben und auch nicht als Museumsschiff erhalten. Nach ihrer Verwertung über die VEBEG wurde sie im Jahr 1995 abgewrackt.

Technische und historische Einordnung

  • Name: FULDA

  • Kennung: M 1086

  • Ursprüngliche Klasse: Klasse 320 – Lindau-Klasse

  • Ursprüngliche Verwendung: Küstenminensuchboot

  • Spätere Klasse: Klasse 331/01A

  • Spätere Verwendung: Minenjagdboot

  • Bauwerft: Burmester-Werft, Bremen-Burg

  • Baunummer: 5497

  • Stapellauf: 19. August 1959

  • Indienststellung: 5. März 1960

  • Erster Verband: 8. Minensuchgeschwader

  • Späterer Verband: 4. Minensuchgeschwader

  • Besonderheit: erstes zum Minenjagdboot umgebautes Boot der Lindau-Klasse

  • Umbau: ohne formale Außerdienststellung

  • Spätere Klasse: Klasse 331A

  • Endgültige Außerdienststellung: 26. März 1992

  • Verbleib: 1995 abgewrackt

Die FULDA nimmt innerhalb der Lindau-Klasse eine besondere Stellung ein. Als erstes umgebautes Minenjagdboot war sie ein technischer Wegbereiter für die spätere Modernisierung von insgesamt zwölf Booten der Klasse.

Von der klassischen Minenräumung bis zur gezielten Suche und Bekämpfung einzelner Seeminen verkörpert ihre Geschichte den grundlegenden Wandel der deutschen Minenabwehr während des Kalten Krieges.

Ein Stück deutscher Marinegeschichte – für alle, die auf der FULDA, im
8. Minensuchgeschwader, im 4. Minensuchgeschwader oder im Minenabwehrgeschwader Nordsee ihren Dienst geleistet haben.