Kategorie: KM-Boot M1077 WEILHEIM

M 1077 WEILHEIM – Küstenminensuchboot und Minenjagdboot der Lindau-Klasse

Die WEILHEIM mit der Kennung M 1077 gehörte zu den 18 Küstenminensuchbooten der Lindau-Klasse, Klasse 320. Nach mehr als 17 Jahren im klassischen Minensuchdienst wurde sie zum Minenjagdboot der Klasse 331B umgebaut. Bis 1995 blieb sie im Dienst der Deutschen Marine und wurde anschließend als Museumsschiff in Wilhelmshaven erhalten.

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Die WEILHEIM entstand bei der Burmester-Werft in Bremen-Burg unter der Baunummer 5438. Der Stapellauf erfolgte am 4. Februar 1958, die Indienststellung bei der Bundesmarine am 28. Januar 1959.

Dienst als Küstenminensuchboot

Die WEILHEIM wurde ursprünglich als Küstenminensuchboot der Klasse 320 eingesetzt. Ihre Aufgabe bestand darin, Seeminen in Küstengewässern, Hafenzufahrten und wichtigen Schifffahrtswegen aufzuspüren und zu räumen.

Wie alle Einheiten der Lindau-Klasse besaß sie einen weitgehend amagnetischen Holzrumpf. Dadurch wurde das magnetische Eigenfeld des Bootes möglichst gering gehalten, um das Risiko einer unbeabsichtigten Auslösung magnetisch reagierender Seeminen zu vermindern.

Die WEILHEIM gehörte während ihrer ersten Dienstphase zum 4. Minensuchgeschwader in Wilhelmshaven. Die dort stationierten Boote bildeten über viele Jahre einen wichtigen Bestandteil der Minenabwehrkräfte der Bundesmarine.

Umbau zum Minenjagdboot

Am 30. Juli 1976 wurde die WEILHEIM als Küstenminensuchboot außer Dienst gestellt. Anschließend erfolgte der umfangreiche Umbau zum Minenjagdboot der Klasse 331B.

Zwischen 1976 und 1978 erhielt das Boot eine grundlegend neue Minenjagdausrüstung. Die wesentlichen Veränderungen umfassten ein Minenjagdsonar, ferngelenkte Minenjagddrohnen des Typs PAP 104, vergrößerte Aufbauten sowie einen hydraulisch betriebenen Kran auf dem Achterdeck.

Mit dem Umbau änderte sich das Einsatzverfahren entscheidend. Als Minensuchboot hatte die WEILHEIM größere Seegebiete mit Räumgeräten bearbeitet. Als Minenjagdboot konnte sie nun einzelne verdächtige Unterwasserobjekte gezielt suchen, klassifizieren und bekämpfen.

Die WEILHEIM behielt auch nach ihrem Umbau ihren Namen und die Kennung M 1077.

Einsatz als Minenjagdboot

Nach Abschluss der Modernisierung kehrte die WEILHEIM als Minenjagdboot in den aktiven Dienst zurück. Sie gehörte zunächst zum zeitweilig bestehenden Minenabwehrgeschwader Nordsee.

Nach dessen Auflösung am 1. Juli 1984 wurden die zwölf Minenjagdboote erneut im 4. Minensuchgeschwader zusammengefasst. Die sechs Hohlstablenkboote bildeten dagegen das wieder aufgestellte 6. Minensuchgeschwader.

Während ihrer langen Dienstzeit nahm die WEILHEIM an zahlreichen Übungen, Ausbildungsfahrten und Minenabwehrvorhaben teil. Ihre Aufgabe bestand insbesondere in der Suche, Identifizierung und Vernichtung von Grund- und Ankertauminen.

Außerdienststellung

Am 30. Juni 1995 wurde die WEILHEIM nach mehr als 36 Dienstjahren endgültig außer Dienst gestellt. Das Historische Marinearchiv führt dieses Datum als offizielles Ende ihrer aktiven Dienstzeit.

Nach ihrer Außerdienststellung blieb das Boot erhalten. Im Jahr 1998 wurde die ehemalige WEILHEIM als schwimmendes Großexponat in das Deutsche Marinemuseum in Wilhelmshaven übernommen. Dort erinnerte sie über viele Jahre an die Geschichte der deutschen Minenabwehr und die Entwicklung vom klassischen Minensuchboot zum spezialisierten Minenjagdboot.

Die Verbindung zwischen dem Boot, seiner Besatzung und der namensgebenden Stadt Weilheim wurde auch nach der Außerdienststellung weiter gepflegt. Die Marinekameradschaft Weilheim beteiligte sich über Jahre am Erhalt des Museumsbootes.

Verbleib

Die WEILHEIM war seit 1998 eines der bekanntesten Großexponate des Deutschen Marinemuseums. Aufgrund schwerer Schäden am hölzernen Unterwasserschiff entschied das Museum jedoch, das Boot aus seiner Sammlung auszusondern. Im Jahr 2026 wurde bekannt gegeben, dass die ehemalige WEILHEIM nicht dauerhaft erhalten werden kann und abgebrochen werden soll.

Damit endet die Geschichte eines der letzten in Deutschland erhaltenen Boote der ursprünglichen Lindau-Klasse. Über Jahrzehnte erinnerte die WEILHEIM in Wilhelmshaven an die Aufbaujahre der Bundesmarine, den Wandel der Minenabwehrtechnik und die Arbeit der Besatzungen auf den hölzernen Minensuch- und Minenjagdbooten.

Technische und historische Einordnung

  • Name: WEILHEIM

  • Kennung: M 1077

  • Ursprüngliche Klasse: Klasse 320 – Lindau-Klasse

  • Ursprüngliche Verwendung: Küstenminensuchboot

  • Spätere Klasse: Klasse 331B

  • Spätere Verwendung: Minenjagdboot

  • Bauwerft: Burmester-Werft, Bremen-Burg

  • Baunummer: 5438

  • Stapellauf: 4. Februar 1958

  • Indienststellung: 28. Januar 1959

  • Erster Verband: 4. Minensuchgeschwader

  • Außerdienststellung vor dem Umbau: 30. Juli 1976

  • Umbau zum Minenjagdboot: 1976 bis 1978

  • Späterer Verband: 4. Minensuchgeschwader

  • Endgültige Außerdienststellung: 30. Juni 1995

  • Übernahme durch das Deutsche Marinemuseum: 1998

  • Verbleib: Museumsboot in Wilhelmshaven; 2026 wegen schwerer Schäden zur Aussonderung und zum Abbruch vorgesehen

Die WEILHEIM steht beispielhaft für die außergewöhnliche Langlebigkeit und Wandlungsfähigkeit der Lindau-Klasse. Aus einem Küstenminensuchboot der Aufbaujahre wurde ein modernes Minenjagdboot, das mehr als dreieinhalb Jahrzehnte im Dienst blieb.

Als Museumsschiff war sie anschließend noch viele Jahre ein sichtbares Stück Marinegeschichte – für ehemalige Besatzungsangehörige, Angehörige der Minenabwehr und Besucher des Deutschen Marinemuseums.

Ein Stück deutscher Marinegeschichte – für alle, die auf der WEILHEIM oder im 4. Minensuchgeschwader ihren Dienst geleistet haben.