Kategorie: KM-Boot M1076 PADERBORN

M 1076 PADERBORN – Küstenminensuchboot der Lindau-Klasse und Hohlstablenkboot der Schleswig-Klasse

Die PADERBORN mit der Kennung M 1076 gehörte zu den 18 Küstenminensuchbooten der Lindau-Klasse, Klasse 320. Nach mehr als 20 Jahren im klassischen Minensuchdienst wurde sie zum Hohlstablenkboot der Klasse 351 umgebaut. In dieser Funktion führte sie ferngelenkte SEEHUND-Räumdrohnen und gehörte damit zur später als Schleswig-Klasse bezeichneten Umbaugruppe.

Mehr über diese Kollektion erfahren Beschreibung schließen

Die PADERBORN entstand bei der Burmester-Werft in Bremen-Burg unter der Baunummer 5437. Der Stapellauf erfolgte am 5. Dezember 1957. Am 16. Dezember 1958 wurde das Boot bei der Bundesmarine in Dienst gestellt.

Dienst als Küstenminensuchboot

Die PADERBORN wurde zunächst als Küstenminensuchboot der Klasse 320 eingesetzt. Ihre Aufgabe bestand darin, verminte Küstengewässer, Hafenzufahrten und wichtige Schifffahrtswege von See- und Grundminen freizuhalten.

Wie alle Einheiten der Lindau-Klasse besaß sie einen weitgehend amagnetischen Holzrumpf. Dieser sollte das magnetische Eigenfeld des Bootes möglichst gering halten und damit das Risiko reduzieren, Magnetminen während der Räumarbeiten unbeabsichtigt auszulösen.

Die Boote verfügten über Ausrüstung zur mechanischen, magnetischen und akustischen Minenräumung. Dazu gehörten unter anderem Räumleinen, Scherdrachen, Schwimmer, Schleifenkabel und Geräuschbojen.

Die PADERBORN gehörte während ihrer ersten Dienstphase zum 4. Minensuchgeschwader. Das Geschwader war in Wilhelmshaven stationiert und bildete einen wichtigen Bestandteil der Minenabwehrkräfte der Bundesmarine.

Umbau zum Hohlstablenkboot

Am 31. August 1979 endete die Dienstzeit der PADERBORN als Küstenminensuchboot. Anschließend erfolgte der umfangreiche Umbau zum Hohlstablenkboot der Klasse 351.

Am 17. September 1981 wurde die modernisierte PADERBORN wieder in Dienst gestellt. Sie gehörte zunächst zum Minenabwehrgeschwader Nordsee und wurde nach dessen Auflösung am 29. Juni 1984 dem 6. Minensuchgeschwader in Wilhelmshaven unterstellt.

Das TROIKA-System

Als Hohlstablenkboot war die PADERBORN Bestandteil des deutschen Fernräumsystems TROIKA. Dieses System bestand aus einem bemannten Führungsschiff und mehreren ferngelenkten Minenräumdrohnen des Typs SEEHUND.

Die SEEHUNDE wurden vom Hohlstablenkboot aus gesteuert und fuhren in die gefährdeten Seegebiete hinein. Dort erzeugten sie künstliche magnetische und akustische Signaturen, die denen eines größeren Schiffes ähnelten. Dadurch sollten entsprechend eingestellte Grundminen ausgelöst werden, während das bemannte Führungsschiff möglichst außerhalb des eigentlichen Minenfeldes blieb.

Zu den Aufgaben der PADERBORN gehörten:

  • die Fernsteuerung und Führung der SEEHUND-Räumdrohnen,

  • die Navigation des Räumverbandes,

  • die Koordination der Räumwege,

  • die Überwachung der technischen Systeme,

  • die Auswertung der Räumergebnisse,

  • die Versorgung und Betreuung der eingesetzten Drohnen.

Die sechs umgebauten Hohlstablenkboote der Klasse 351 führten zusammen insgesamt 18 SEEHUND-Räumdrohnen.

Einsatz im Persischen Golf

Zu den bedeutendsten Einsätzen der PADERBORN gehörte ihre Teilnahme am Minenabwehrverband Südflanke.

Am 22. Januar 1991 lief sie mit weiteren deutschen Minenabwehrfahrzeugen in Richtung östliches Mittelmeer aus. Nach dem Ende des Zweiten Golfkriegs wurde der Verband in den Persischen Golf verlegt. Dort begann die PADERBORN am 29. März 1991 mit dem Minenräumeinsatz.

Gemeinsam mit den anderen deutschen Minenabwehreinheiten räumte sie irakische Seeminen aus wichtigen Seegebieten und Zufahrtswegen. Dabei kamen auch die ferngelenkten SEEHUND-Drohnen des TROIKA-Systems zum Einsatz.

Am 13. September 1991 kehrte die PADERBORN nach Deutschland zurück. Dieser Einsatz gehörte zu den wichtigsten Bewährungsproben des deutschen Fernräumsystems und zeigte, dass Minenfelder auch mit ferngelenkten Fahrzeugen bearbeitet werden konnten, ohne das bemannte Führungsschiff unmittelbar der größten Gefahr auszusetzen.

Außerdienststellung und Übergabe an Südafrika

Am 30. Juni 2000 wurde die PADERBORN nach mehr als 41 Dienstjahren endgültig außer Dienst gestellt.

Im Jahr 2001 wurde das ehemalige Hohlstablenkboot an die südafrikanische Marine abgegeben. Dort erhielt es den Namen MANGAUNG und die Kennung M 1222.

Die MANGAUNG wurde später der Reserve zugeteilt. Ab 2009 lag das Boot aufgelegt und war nicht mehr für einen weiteren aktiven Einsatz vorgesehen.

Verbleib

Die ehemalige PADERBORN wurde schließlich im Jahr 2012 abgebrochen. Einzelne Darstellungen nennen 2013 als Abschluss des Abbruchs beziehungsweise als Ende der formalen Erfassung bei der südafrikanischen Marine. Das Historische Marinearchiv und die ausführliche Chronik der Klasse führen den Abbruch im Jahr 2012.

Damit endete die Geschichte eines Bootes, das zunächst als klassischer Küstenminensucher gedient und später als Hohlstablenkboot an der Entwicklung und praktischen Bewährung der ferngelenkten Minenräumung mitgewirkt hatte.

Technische und historische Einordnung

  • Name: PADERBORN

  • Kennung: M 1076

  • Ursprüngliche Klasse: Klasse 320 – Lindau-Klasse

  • Ursprüngliche Verwendung: Küstenminensuchboot

  • Spätere Klasse: Klasse 351 – Schleswig-Klasse

  • Spätere Verwendung: Hohlstablenkboot

  • Bauwerft: Burmester-Werft, Bremen-Burg

  • Baunummer: 5437

  • Stapellauf: 5. Dezember 1957

  • Indienststellung: 16. Dezember 1958

  • Erster Verband: 4. Minensuchgeschwader

  • Außerdienststellung vor dem Umbau: 31. August 1979

  • Wiederindienststellung als Hohlstablenkboot: 17. September 1981

  • Späterer Verband: 6. Minensuchgeschwader

  • Einsatz: Minenabwehrverband Südflanke 1991

  • Endgültige deutsche Außerdienststellung: 30. Juni 2000

  • Übergabe an Südafrika: 2001

  • Südafrikanischer Name: MANGAUNG

  • Südafrikanische Kennung: M 1222

  • Verbleib: 2012 abgebrochen

Die PADERBORN steht beispielhaft für die technische Entwicklung der deutschen Minenabwehr. Aus einem klassischen Küstenminensuchboot wurde ein Führungsschiff für ferngelenkte Minenräumdrohnen, das sich 1991 auch im realen Einsatz im Persischen Golf bewährte.

Ein Stück deutscher Marinegeschichte – für alle, die auf der PADERBORN, im 4. Minensuchgeschwader, im Minenabwehrgeschwader Nordsee oder später im 6. Minensuchgeschwader ihren Dienst geleistet haben.