Kategorie: Fregatte 124 - SACHSEN -Klasse
Sachsen-Klasse – Luftverteidigungsfregatten der Klasse 124
Die Sachsen-Klasse, militärische Klassenbezeichnung Klasse 124 beziehungsweise F124, umfasst drei Luftverteidigungsfregatten der Deutschen Marine:
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F 219 SACHSEN
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F 220 HAMBURG
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F 221 HESSEN
Die zwischen November 2004 und April 2006 in Dienst gestellten Schiffe gehören zum 2. Fregattengeschwader der Einsatzflottille 2 und sind in Wilhelmshaven stationiert. Gemeinsam mit den Fregatten der Brandenburg-Klasse bilden sie den Kern der großen Mehrzweckkampfschiffe dieses Verbandes.
Die Sachsen-Klasse wurde vor allem für die weiträumige Überwachung des Luftraums und den Schutz größerer Marineverbände vor Bedrohungen aus der Luft entwickelt. Innerhalb der NATO werden die Schiffe wegen dieser Schwerpunktfähigkeit als Major Air Defender eingeordnet.
Neben der Verbandsflugabwehr können sie andere Kriegsschiffe führen, Seeziele bekämpfen, U-Boote orten und angreifen sowie weltweit an nationalen und multinationalen Einsätzen teilnehmen.
Entwicklung und historische Einordnung
Die Entwicklung der Klasse 124 begann vor dem Hintergrund der absehbaren Außerdienststellung der drei Zerstörer der Lütjens-Klasse.
Diese hatten seit Ende der 1960er-Jahre die weitreichende Flugabwehr der Bundesmarine getragen. Mit der Außerdienststellung des letzten Zerstörers im Jahr 2003 entstand vorübergehend eine Lücke bei der spezialisierten Verbandsflugabwehr. Die Sachsen-Klasse wurde entwickelt, um diese Fähigkeit mit moderner Radar-, Führungs- und Flugkörpertechnik wiederherzustellen.
Obwohl die Einheiten offiziell als Fregatten bezeichnet werden, übernahmen sie damit einen wesentlichen Teil der Aufgaben früherer Lenkwaffenzerstörer. Ihre Größe, Bewaffnung, Führungsfähigkeit und Hauptaufgabe unterscheiden sie deutlich von älteren deutschen Fregatten, deren Schwerpunkt häufig auf U-Boot-Jagd oder allgemeinem Geleitschutz lag.
Die Klasse 124 stellt daher weniger eine direkte Fortentwicklung einer einzelnen älteren Fregattenklasse dar. Sie ist vielmehr der funktionale Nachfolger der deutschen Luftverteidigungszerstörer.
Bauprogramm
Die drei Schiffe wurden im Rahmen eines gemeinsamen deutschen Werftenprogramms gebaut. Als Grundlage diente die bereits bei der Brandenburg-Klasse bewährte Schiffskonstruktion, die jedoch für die neuen Radar-, Führungs- und Flugabwehrsysteme erheblich weiterentwickelt wurde.
Die Indienststellungen erfolgten:
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F 219 SACHSEN am 4. November 2004
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F 220 HAMBURG am 13. Dezember 2004
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F 221 HESSEN am 21. April 2006
Mit der HESSEN war die Klasse vollständig in die Deutsche Marine übernommen.
Eine ursprünglich erwogene vierte Einheit wurde nicht gebaut. Die Klasse besteht deshalb aus drei Schiffen.
Hauptauftrag: Verbandsflugabwehr
Die wichtigste Aufgabe der Sachsen-Klasse ist der Schutz eines Marineverbandes vor Angriffen aus der Luft.
Bedrohungen können ausgehen von:
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Kampfflugzeugen,
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Hubschraubern,
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Drohnen,
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Seezielflugkörpern,
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Marschflugkörpern,
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unter bestimmten Voraussetzungen ballistischen Flugkörpern.
Die Schiffe sollen solche Ziele möglichst früh erkennen, verfolgen, bewerten und bei Bedarf bekämpfen. Sie schützen dabei nicht nur sich selbst, sondern auch andere Schiffe im Verband.
Eine einzelne Fregatte der Klasse 124 kann mit ihrem Weitbereichsradar einen sehr großen Luftraum überwachen. Die Bundeswehr beschreibt die Fähigkeit sinngemäß damit, dass ein Schiff den Luftraum über der gesamten Nordsee erfassen könnte. Das Radar kann mehr als 1.000 Luftziele gleichzeitig verfolgen.
Diese Fähigkeit macht die Klasse besonders wertvoll für den Schutz:
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von Flugzeugträgerverbänden,
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von amphibischen Verbänden,
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von Versorgungsschiffen,
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von Konvois,
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multinationaler Einsatzgruppen.
Die Schiffe wurden deshalb mehrfach in Kampfgruppen der US Navy integriert.
Mehrschichtige Flugabwehr
Die Flugabwehr der Sachsen-Klasse ist in mehrere Reichweitenbereiche gegliedert.
Für weit entfernte Ziele stehen Flugkörper des Typs Standard Missile 2 – SM-2 zur Verfügung. Sie werden aus der senkrechten Startanlage Mk 41 verschossen und dienen vor allem zur Bekämpfung von Flugzeugen und Flugkörpern auf größere Entfernung.
Für mittlere Entfernungen wird die Evolved Sea Sparrow Missile – ESSM eingesetzt. Sie kann ebenfalls aus dem Mk-41-Startsystem verschossen werden.
Zur unmittelbaren Selbstverteidigung besitzt jedes Schiff zwei Starter des Systems RIM-116 RAM. Ein Starter befindet sich auf dem Vorschiff, der andere auf dem Hangar. RAM dient besonders der Abwehr anfliegender Lenkflugkörper im Nahbereich.
Damit entsteht grundsätzlich ein gestaffelter Schutzschirm:
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SM-2 für die weiträumige Abwehr,
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ESSM für den mittleren Bereich,
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RAM für die unmittelbare Selbstverteidigung.
Senkrechtstartanlage Mk 41
Im Vorschiffsbereich befindet sich ein Vertical Launching System Mk 41 mit 32 Startzellen.
Aus diesen Zellen können Flugabwehrraketen vom Typ SM-2 und ESSM verschossen werden. Eine Zelle nimmt entweder einen SM-2-Flugkörper oder einen Vierfachbehälter mit vier ESSM auf.
Die tatsächliche Zusammenstellung der Flugkörper kann abhängig vom Auftrag variieren.
Der senkrechte Start ermöglicht es, Flugkörper in sehr kurzer Zeit gegen Bedrohungen aus unterschiedlichen Richtungen einzusetzen. Anders als bei schwenkbaren Startern muss die Abschussanlage nicht zunächst mechanisch auf das Ziel ausgerichtet werden.
SMART-L-Weitbereichsradar
Das auffälligste Sensorsystem der Klasse ist das auf dem achteren Aufbau montierte SMART-L-Radar.
SMART-L ist ein weitreichendes dreidimensionales Luftraumüberwachungsradar. Es erfasst Luftziele auf Entfernungen von mehr als 400 Kilometern und kann gleichzeitig über 1.000 Kontakte verfolgen.
Seine Aufgabe besteht vor allem darin:
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Luftziele frühzeitig zu entdecken,
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Bewegungsrichtung und Geschwindigkeit zu bestimmen,
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den Luftraum großflächig zu überwachen,
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Zieldaten für die weitere Bekämpfung bereitzustellen,
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Daten mit verbündeten Schiffen und Führungssystemen auszutauschen.
Die große Reichweite erlaubt es der Fregatte, nicht nur sich selbst, sondern einen weit auseinandergezogenen Verband zu schützen.
APAR-Multifunktionsradar
Ergänzt wird SMART-L durch das Active Phased Array Radar – APAR.
Die Sachsen-Klasse war der erste deutsche Kriegsschiffstyp mit einem solchen Radar. Anders als ein klassisches rotierendes Radar besitzt APAR vier fest am Mast montierte Antennenflächen. Dadurch kann das System den Luftraum ohne mechanische Drehung rund um das Schiff überwachen.
APAR dient unter anderem:
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der präzisen Zielverfolgung,
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der Feuerleitung,
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der Begleitung eigener Flugabwehrflugkörper,
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der Überwachung von See- und Luftzielen,
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der Unterstützung mehrerer gleichzeitiger Bekämpfungsvorgänge.
Das Zusammenspiel von SMART-L und APAR ist ein Kernelement der Luftverteidigungsfähigkeit:
SMART-L übernimmt die weitreichende Suche und Frühwarnung. APAR verfolgt ausgewählte Ziele mit hoher Genauigkeit und unterstützt die Bekämpfung.
Führungs- und Waffeneinsatzsystem
Alle Informationen der Radar-, Sonar-, Aufklärungs- und Kommunikationsanlagen laufen im Führungs- und Waffeneinsatzsystem zusammen.
Dieses verarbeitet:
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eigene Sensordaten,
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Meldungen verbündeter Schiffe,
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Informationen von Luftfahrzeugen,
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Daten aus militärischen Kommunikationsnetzen,
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taktische Lageinformationen über und unter Wasser.
Das System erstellt daraus ein gemeinsames Lagebild und unterstützt die Besatzung bei der Bewertung möglicher Bedrohungen. Die Rechen- und Führungsfunktionen sind redundant auf mehrere Rechner verteilt, damit das Schiff auch bei technischen Ausfällen oder Gefechtsschäden handlungsfähig bleibt.
Die Operationszentrale der Sachsen-Klasse gehört zu den größten der Deutschen Marine. Dort arbeiten im Gefechtsbetrieb zahlreiche Spezialisten für Radar, elektronische Kampfführung, Sonar, Navigation, Kommunikation und Waffeneinsatz zusammen.
Verbandsführung
Die Klasse 124 ist nicht nur für die eigene Gefechtsführung ausgelegt.
Durch ihre leistungsfähigen Funk-, Satelliten- und Datenverbindungen können die Schiffe größere nationale oder multinationale Marineverbände führen. Dazu kann zusätzliches Stabspersonal eingeschifft werden.
Die Fregatte stellt dann unter anderem:
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das gemeinsame Lagebild,
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die Kommunikation innerhalb des Verbandes,
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die Koordination der Luftverteidigung,
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die Planung von Operationen,
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die Verbindung zu höheren NATO- oder EU-Führungsstellen.
Diese Fähigkeit ist besonders bei ständigen NATO-Einsatzverbänden, Flugzeugträgerkampfgruppen und multinationalen Großübungen von Bedeutung.
Seezielbekämpfung
Zur Bekämpfung gegnerischer Überwasserschiffe verfügt die Sachsen-Klasse über Flugkörper des Typs RGM-84 Harpoon.
Die Flugkörper werden aus zwei Vierfachstartern auf den Aufbauten verschossen. Sie besitzen eine Reichweite von mehr als 140 Kilometern und fliegen ihr Ziel in geringer Höhe über der Wasseroberfläche an.
Darüber hinaus kann das 76-Millimeter-Geschütz gegen kleinere und mittlere Seeziele eingesetzt werden.
76-Millimeter-Geschütz
Auf dem Vorschiff befindet sich ein 76-Millimeter-Compact-Geschütz.
Es kann verwendet werden gegen:
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Überwasserschiffe,
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kleine schnelle Boote,
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Luftziele,
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Ziele in Küstennähe.
Die Bundeswehr gibt die Reichweite mit mehr als 18 Kilometern an.
Für die unmittelbare Abwehr kleiner Boote stehen zusätzlich zwei 27-Millimeter-Maschinenkanonen und mehrere schwere Maschinengewehre zur Verfügung.
U-Boot-Jagd
Obwohl die Luftverteidigung den Schwerpunkt bildet, besitzt die Sachsen-Klasse auch Fähigkeiten zur U-Boot-Jagd.
Zur Ausstattung gehören:
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Bugsonar DSQS-21Bmod,
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Leichtgewichtstorpedos MU90,
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Torpedorohre,
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bis zu zwei Bordhubschrauber Sea Lynx Mk 88A.
Das Bugsonar sucht das Unterwassergebiet vor und um das Schiff nach möglichen U-Booten ab. Für die Bekämpfung können Torpedos direkt vom Schiff oder von eingeschifften Bordhubschraubern eingesetzt werden.
Die Bordhubschrauber vergrößern den U-Boot-Jagd-Radius erheblich. Sie können weit außerhalb der Reichweite des bordeigenen Sonars operieren und dort Tauchsonar, Sonarbojen und Torpedos einsetzen.
In gemischten Verbänden ergänzt die Sachsen-Klasse damit besonders die stärker auf U-Boot-Jagd spezialisierten Fregatten der Brandenburg-Klasse.
Bordhubschrauber
Der Hangar bietet Platz für bis zu zwei Hubschrauber vom Typ Sea Lynx Mk 88A.
Sie dienen unter anderem:
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der U-Boot-Jagd,
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der Aufklärung von Seezielen,
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der Zielzuweisung für Harpoon-Flugkörper,
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dem Transport von Personal und Material,
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der Seenotrettung,
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der Überwachung großer Seegebiete.
Für den regulären Einsatz der Hubschrauber kommt zusätzliches Personal des Marinefliegerkommandos an Bord.
Elektronische Kampfführung und Selbstschutz
Die Schiffe verfügen über Anlagen zur elektronischen Aufklärung und elektronischen Kampfführung.
Diese Systeme können:
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fremde Radarsignale erkennen,
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deren Richtung bestimmen,
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mögliche Bedrohungen klassifizieren,
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Warnungen an die Operationszentrale geben,
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Gegenmaßnahmen unterstützen.
Zur passiven Abwehr anfliegender Flugkörper besitzt die Klasse Täuschkörperwurfanlagen des Typs MASS. Diese können je nach Bedrohung unterschiedliche Radar-, Infrarot- oder kombinierte Täuschkörper ausbringen.
Ziel ist, einen anfliegenden Flugkörper vom Schiff abzulenken oder seine Zielerfassung zu stören.
Antrieb
Die Sachsen-Klasse besitzt einen kombinierten Diesel- und Gasturbinenantrieb nach dem CODAG-Prinzip.
Für wirtschaftliche Marschfahrt stehen zwei Dieselmotoren zur Verfügung. Bei hohen Geschwindigkeiten kann zusätzlich eine Gasturbine zugeschaltet werden.
Die Gesamtleistung beträgt rund 38.300 Kilowatt beziehungsweise etwa 52.100 PS. Über zwei Propeller erreichen die Schiffe eine Höchstgeschwindigkeit von ungefähr 29 Knoten.
Diese Antriebsform verbindet eine vergleichsweise wirtschaftliche Langstreckenfahrt mit der Möglichkeit, bei Bedarf schnell hohe Geschwindigkeiten zu erreichen.
Besatzung
Die Sachsen-Klasse gehört zu den personalintensivsten Schiffstypen der Deutschen Marine.
Die technische Übersicht der Bundeswehr nennt eine Stammbesatzung von etwa 214 Soldatinnen und Soldaten. Bei eingeschifften Bordhubschraubern kommen ungefähr 18 Angehörige der Marineflieger hinzu. Zusätzlich kann Stabs- oder Einsatzpersonal aufgenommen werden.
Die vergleichsweise hohe Besatzungsstärke ergibt sich insbesondere aus:
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der umfangreichen Operationszentrale,
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den komplexen Radar- und Flugabwehrsystemen,
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der Fähigkeit zur Verbandsführung,
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dem Flugdienst,
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der U-Boot-Jagd,
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der technischen Betreuung der zahlreichen Anlagen.
Einsätze und internationale Zusammenarbeit
Seit ihrer Indienststellung wurden die Schiffe weltweit eingesetzt.
Typische Aufgaben waren und sind:
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Integration in ständige NATO-Marineverbände,
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Schutz amerikanischer und französischer Flugzeugträger,
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Anti-Piraterie-Operationen,
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Seeraumüberwachung,
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Embargo- und Sicherungseinsätze,
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Teilnahme an internationalen Großübungen,
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Führung multinationaler Marineverbände.
Die HAMBURG und die HESSEN wurden mehrfach in Kampfgruppen amerikanischer Flugzeugträger integriert. Die SACHSEN nahm unter anderem an der EU-geführten Operation Atalanta zur Bekämpfung der Piraterie teil.
Die Klasse bewies dabei, dass deutsche Schiffe nicht lediglich Begleitschutz leisten, sondern zentrale Aufgaben bei der Luftverteidigung und taktischen Führung eines Verbandes übernehmen können.
EUNAVFOR ASPIDES
Eine besondere Bewährungsprobe stellte der Einsatz der HESSEN im Jahr 2024 bei EUNAVFOR ASPIDES im Roten Meer dar.
Die Mission dient dem Schutz der internationalen Handelsschifffahrt vor Angriffen aus dem von den Huthi kontrollierten Teil des Jemen. Die Fregatte musste dort Handelsschiffe und den eigenen Verband vor Drohnen und Flugkörpern schützen.
Der Einsatz zeigte, dass die ursprünglich für die klassische Verbandsflugabwehr konzipierten Fähigkeiten der Klasse auch für die Abwehr moderner asymmetrischer Luftbedrohungen von hoher Bedeutung sind. Das SMART-L-Radar kann Ziele über große Entfernungen erfassen; SM-2, ESSM und RAM bieten unterschiedliche Bekämpfungsmöglichkeiten.
Beitrag zur NATO-Raketenabwehr
Die Klasse 124 soll auch einen Beitrag zur integrierten Luft- und Raketenabwehr der NATO leisten.
Bei der Übung Formidable Shield 2017 wurde die SACHSEN in einen multinationalen Verband zur Abwehr ballistischer Flugkörper eingebunden. Ihre Aufgabe bestand dabei vor allem darin, den Verband gegen Flugzeuge und Seezielflugkörper zu schützen und mit ihren Sensoren zum gemeinsamen Lagebild beizutragen.
Für eine weitergehende Rolle als Frühwarn- und Zuweisungssensor gegen ballistische Flugkörper war beziehungsweise ist eine Modernisierung des SMART-L-Radars vorgesehen.
Die Schiffe sollen ballistische Flugkörper früh erkennen und deren Flugbahn bestimmen können. Die eigentliche Bekämpfung könnte anschließend durch entsprechend ausgerüstete verbündete Schiffe oder landgestützte Systeme erfolgen.
Modernisierungen und Obsoleszenzbeseitigung
Da elektronische Systeme und Rechnertechnik wesentlich schneller veralten als die Schiffskörper, benötigt die Klasse umfangreiche Modernisierungen.
Zu den wichtigen Bereichen gehören:
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Erneuerung des SMART-L-Radars,
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Modernisierung des Führungs- und Waffeneinsatzsystems,
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Ersatz veralteter Rechner und Kommunikationsanlagen,
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Anpassung der elektronischen Kampfführung,
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Erhalt der Flugkörperfähigkeit,
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Modernisierung der Senkrechtstartanlagen,
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Einbindung in moderne NATO-Datennetze.
Besonders bekannt wurde der Austausch der Senkrechtstartanlage auf der SACHSEN. Nach einem Munitionsunfall im Jahr 2018 wurde das betroffene Startsystem ersetzt. Ende 2023 meldete die Marine die erneute Einsatzbereitschaft des Schiffes mit der neuen Anlage.
Grenzen der Klasse
Trotz ihrer hohen Leistungsfähigkeit ist die Sachsen-Klasse nicht unbegrenzt einsetzbar.
Die Schiffe besitzen lediglich 32 Zellen im Mk-41-Startsystem. Die Zahl der mitgeführten weitreichenden Flugabwehrflugkörper ist daher begrenzt. Bei intensiven Einsätzen hängt die Durchhaltefähigkeit stark von der tatsächlichen Beladung, der Bedrohungslage und der Verfügbarkeit von Nachschubflugkörpern ab.
Zudem erreichen Schiffe, Sensoren und Waffen inzwischen ein Alter, das regelmäßige und teilweise umfangreiche Modernisierungen erforderlich macht.
Die Klasse wurde zu Beginn des 21. Jahrhunderts für damals erwartete Bedrohungen entwickelt. Drohnenschwärme, sehr schnelle Flugkörper und neue ballistische Bedrohungen stellen inzwischen zusätzliche Anforderungen an Sensorik, Bewaffnung und Munitionsvorrat.
Technische Daten
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Schiffstyp: Luftverteidigungsfregatte
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Klasse: Sachsen-Klasse
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Klassenbezeichnung: Klasse 124 beziehungsweise F124
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Anzahl der Einheiten: drei
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Heimathafen: Wilhelmshaven
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Verbandszugehörigkeit: 2. Fregattengeschwader, Einsatzflottille 2
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Länge über alles: 143,0 Meter
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Breite: 17,4 Meter
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Tiefgang: etwa 6,0 Meter
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Verdrängung: etwa 5.800 Tonnen
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Antrieb: CODAG
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Gasturbinen: eine
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Dieselmotoren: zwei
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Gesamtleistung: rund 38.300 Kilowatt beziehungsweise 52.100 PS
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Propeller: zwei
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Höchstgeschwindigkeit: etwa 29 Knoten
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Stammbesatzung: rund 214 Personen
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zusätzliches Hubschrauberpersonal: etwa 18 Personen
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Bordhubschrauber: bis zu zwei Sea Lynx Mk 88A
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Weitbereichsradar: SMART-L
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Multifunktionsradar: APAR
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Bugsonar: DSQS-21Bmod
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Hauptgeschütz: ein 76-Millimeter-Compact-Geschütz
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Senkrechtstartsystem: Mk 41 VLS mit 32 Zellen
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weitreichende Flugabwehr: SM-2
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mittlere Flugabwehr: ESSM
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Nahbereichsflugabwehr: zwei RIM-116-RAM-Starter
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Seezielflugkörper: RGM-84 Harpoon
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Torpedos: MU90
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weitere Bewaffnung: zwei 27-Millimeter-Maschinenkanonen und schwere Maschinengewehre
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Täuschkörpersystem: MASS
Einheiten der Klasse
F 219 SACHSEN
Die SACHSEN ist das Typschiff der Klasse und wurde am 4. November 2004 in Dienst gestellt.
Sie nahm an internationalen Übungen, NATO-Verbänden und der EU-Mission Atalanta teil. 2017 erprobte sie bei Formidable Shield die Zusammenarbeit innerhalb der NATO-Raketenabwehr. Nach dem Munitionsunfall von 2018 musste ihre Senkrechtstartanlage ersetzt werden. Seit Ende 2023 steht das Flugabwehrsystem wieder zur Verfügung.
F 220 HAMBURG
Die HAMBURG wurde am 13. Dezember 2004 in Dienst gestellt.
Sie wurde mehrfach in multinationale Verbände integriert und übernahm unter anderem den Schutz amerikanischer Flugzeugträger. 2013 gehörte sie zur Kampfgruppe der USS DWIGHT D. EISENHOWER. Auch bei NATO-Übungen und Einsätzen stellte sie ihre Fähigkeiten zur Luftverteidigung und Verbandsführung unter Beweis.
F 221 HESSEN
Die HESSEN wurde am 21. April 2006 als dritte Einheit der Klasse in Dienst gestellt.
Sie nahm mehrfach an amerikanischen Flugzeugträgerverbänden teil. Im Frühjahr 2024 wurde sie bei EUNAVFOR ASPIDES im Roten Meer eingesetzt und schützte dort die Handelsschifffahrt vor Drohnen- und Flugkörperangriffen. Dieser Einsatz gehört zu den bedeutendsten und gefährlichsten Einsätzen eines Schiffes der Deutschen Marine seit ihrer Gründung.
Aktueller Status
Alle drei Fregatten der Sachsen-Klasse befinden sich weiterhin im aktiven Dienst der Deutschen Marine und gehören zum 2. Fregattengeschwader in Wilhelmshaven.
Da es sich um aktive Schiffe handelt, entfallen in der Klassenbeschreibung Angaben zur Außerdienststellung und zum endgültigen Verbleib.
Historische Bedeutung
Die Sachsen-Klasse markiert die Rückkehr der Deutschen Marine zur spezialisierten weiträumigen Luftverteidigung nach der Außerdienststellung der Lütjens-Klasse.
Ihre Bedeutung liegt vor allem in der Verbindung mehrerer Fähigkeiten:
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großräumige Luftraumüberwachung,
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gestaffelte Flugabwehr,
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Führung multinationaler Verbände,
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Schutz von Flugzeugträgergruppen,
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Seezielbekämpfung,
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U-Boot-Jagd,
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weltweite Einsatzfähigkeit.
Die Einsätze in amerikanischen Flugzeugträgerkampfgruppen zeigen die hohe internationale Anerkennung der Schiffe. Der Einsatz der HESSEN im Roten Meer machte gleichzeitig deutlich, dass moderne Luftverteidigungsfregatten nicht mehr nur gegen klassische Kampfflugzeuge und Seezielflugkörper eingesetzt werden. Auch Drohnen, asymmetrische Angriffe und ballistische Bedrohungen bestimmen zunehmend ihr Aufgabenbild.
Die Klasse 124 steht damit zwischen zwei Epochen:
Sie wurde als moderner Nachfolger der Luftverteidigungszerstörer des Kalten Krieges entworfen. Heute muss sie zugleich den Anforderungen einer neuen Phase der Landes- und Bündnisverteidigung sowie realer Flugkörper- und Drohnenbedrohungen gerecht werden.
Die drei Schiffe SACHSEN, HAMBURG und HESSEN gehören deshalb weiterhin zu den militärisch wichtigsten und kampfstärksten Einheiten der Deutschen Marine.