Die SACHSEN wurde vor allem für die weiträumige Luftverteidigung größerer Marineverbände entwickelt. Ihre Radaranlagen können große Lufträume überwachen, zahlreiche Ziele gleichzeitig verfolgen und Flugabwehrflugkörper gegen Flugzeuge, Drohnen und anfliegende Lenkflugkörper einsetzen.
Neben der Luftverteidigung besitzt sie Fähigkeiten zur Verbandsführung, Seezielbekämpfung und U-Boot-Jagd. Die Bundeswehr zählt die Sachsen-Klasse zu den kampfstärksten Schiffstypen der Deutschen Marine.
Entwicklung und Bau
Die SACHSEN entstand als erstes Schiff eines Programms für drei neue Luftverteidigungsfregatten. Sie sollte gemeinsam mit ihren späteren Schwesterschiffen HAMBURG und HESSEN die Zerstörer der Lütjens-Klasse als Träger der deutschen Verbandsflugabwehr ablösen.
Der Bau erfolgte bei Blohm + Voss in Hamburg. Die Kiellegung wird mit dem 1. Februar 1999, der Stapellauf mit dem 20. Januar 2001 angegeben. Nach Werfterprobung, technischer Abnahme und umfassender militärischer Erprobung folgte 2004 die Indienststellung.
Die lange Zeitspanne zwischen Stapellauf und Indienststellung erklärt sich durch die umfangreiche Erprobung der damals neuen Radar-, Führungs- und Waffensysteme. Als Typschiff musste die SACHSEN zahlreiche Nachweise erbringen, bevor die Klasse regulär in den Einsatzbetrieb übernommen werden konnte.
Indienststellung
Am 4. November 2004 wurde die SACHSEN in Wilhelmshaven offiziell in Dienst gestellt.
Mit ihr erhielt die Deutsche Marine erstmals seit der Außerdienststellung der Zerstörer der Lütjens-Klasse wieder ein modernes Schiff für die weiträumige Verbandsflugabwehr. Bei der Indienststellung wurde zugleich die Patenschaft zwischen dem Schiff und dem Freistaat Sachsen bekräftigt.
Heimathafen wurde Wilhelmshaven. Dort gehört das Schiff zum 2. Fregattengeschwader der Einsatzflottille 2.
Namensgebung und Tradition
Namensgeber ist der Freistaat Sachsen.
Der Name SACHSEN besitzt eine lange deutsche Marinetradition. Bereits frühere deutsche Marinen führten Schiffe dieses Namens. Die moderne Fregatte knüpft an diese Traditionslinie an, ohne eine direkte organisatorische Nachfolge zu früheren Einheiten darzustellen.
Die Verbindung zum Patenland wird durch Besuche, Veranstaltungen und Kontakte zwischen der Besatzung und Vertretern des Freistaates gepflegt.
Nachfolger der Lütjens-Klasse
Die SACHSEN wurde nicht in erster Linie als klassische U-Boot-Jagdfregatte entwickelt. Ihr Hauptauftrag ist die Luftverteidigung eines gesamten Marineverbandes.
Die drei Zerstörer der Lütjens-Klasse hatten diese Aufgabe zuvor über Jahrzehnte für die Bundesmarine und Deutsche Marine erfüllt. Mit ihrer Außerdienststellung musste die Fähigkeit durch einen neuen Schiffstyp ersetzt werden.
Obwohl die SACHSEN offiziell als Fregatte bezeichnet wird, übernimmt sie funktional zahlreiche Aufgaben eines Lenkwaffenzerstörers:
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weiträumige Luftraumüberwachung,
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Schutz anderer Schiffe,
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Koordination der Verbandsflugabwehr,
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Einsatz weitreichender Flugabwehrflugkörper,
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Führung multinationaler Marineverbände.
Damit stellt sie den funktionalen Nachfolger der deutschen Luftverteidigungszerstörer dar.
SMART-L-Weitbereichsradar
Das auffälligste Sensorsystem der SACHSEN ist das achtere SMART-L-Weitbereichsradar.
Das Radar kann Luftziele in Entfernungen von mehr als 400 Kilometern erfassen und über 1.000 Ziele gleichzeitig verfolgen. Die Bundeswehr veranschaulicht die Leistungsfähigkeit damit, dass eine einzelne Fregatte der Sachsen-Klasse den Luftraum über der gesamten Nordsee überwachen könnte.
SMART-L dient vor allem:
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der frühzeitigen Entdeckung von Flugzeugen und Flugkörpern,
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der großräumigen Luftraumüberwachung,
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der Ermittlung von Kurs, Höhe und Geschwindigkeit,
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der Warnung des gesamten Marineverbandes,
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der Weitergabe von Zieldaten an eigene und verbündete Einheiten.
Durch den frühzeitigen Aufbau eines Luftlagebildes erhalten die Schiffe des Verbandes mehr Zeit, um angemessen auf eine Bedrohung zu reagieren.
APAR-Multifunktionsradar
Ergänzt wird SMART-L durch das APAR-Multifunktionsradar.
APAR besitzt vier fest am Mast montierte Antennenflächen. Diese decken gemeinsam den gesamten Raum um das Schiff ab. Das Radar übernimmt die präzise Zielverfolgung und unterstützt die Feuerleitung der Flugabwehrflugkörper.
Die Aufgabenverteilung lautet vereinfacht:
Durch das Zusammenspiel beider Systeme kann die SACHSEN zahlreiche Bedrohungen gleichzeitig erfassen, bewerten und bekämpfen.
Führungs- und Waffeneinsatzsystem
Die Daten der Radar-, Sonar-, Aufklärungs- und Kommunikationsanlagen laufen in der Operationszentrale zusammen.
Dort entsteht ein gemeinsames Lagebild über:
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Luftziele,
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Überwasserschiffe,
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U-Boote,
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eigene und verbündete Kräfte,
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zivile Schiffsbewegungen,
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mögliche elektronische Bedrohungen.
Die SACHSEN kann diese Informationen nicht nur für den eigenen Waffeneinsatz nutzen. Sie kann das Lagebild über taktische Datenverbindungen mit anderen Schiffen, Flugzeugen und übergeordneten Führungsstellen teilen.
Dadurch eignet sie sich besonders als Führungsschiff multinationaler Marineverbände.
Senkrechtstartanlage Mk 41
Auf dem Vorschiff befindet sich eine Senkrechtstartanlage des Typs Mk 41 Vertical Launching System.
Die Anlage besitzt 32 Startzellen. Aus ihnen können Flugabwehrflugkörper vom Typ:
verschossen werden.
Eine Startzelle kann entweder einen SM-2-Flugkörper oder einen Vierfachbehälter mit vier ESSM aufnehmen. Die tatsächliche Beladung richtet sich nach Auftrag und Verfügbarkeit.
Der senkrechte Start ermöglicht eine schnelle Bekämpfung von Zielen aus unterschiedlichen Richtungen, ohne dass der Starter zuvor mechanisch ausgerichtet werden muss.
Gestaffelte Flugabwehr
Die Luftverteidigung der SACHSEN besteht aus mehreren übereinanderliegenden Schutzbereichen.
SM-2
SM-2 dient der Bekämpfung von Luftzielen auf größere Entfernung. Der Flugkörper kann gegen Flugzeuge und anfliegende Lenkflugkörper eingesetzt werden.
ESSM
ESSM übernimmt die Flugabwehr auf mittlere Entfernung. Vier Flugkörper können gemeinsam in einer Zelle der Mk-41-Anlage untergebracht werden.
RAM
Für die unmittelbare Selbstverteidigung besitzt die SACHSEN zwei Starter des Systems RIM-116 RAM. Ein Starter befindet sich im Vorschiffsbereich, der zweite auf dem Hangar.
RAM dient vor allem als letzte Verteidigungslinie gegen:
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Seezielflugkörper,
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Flugzeuge,
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Hubschrauber,
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Drohnen.
Zusammen bilden SM-2, ESSM und RAM eine mehrschichtige Flugabwehr.
Seezielbekämpfung
Zur Bekämpfung gegnerischer Überwasserschiffe besitzt die SACHSEN Flugkörper des Typs RGM-84 Harpoon.
Sie werden aus zwei Vierfachstartern verschossen. Harpoon fliegt in geringer Höhe über der Wasseroberfläche und kann weit entfernte Seeziele bekämpfen. Die Bundeswehr nennt eine Reichweite von mehr als 220 Kilometern.
Zusätzlich steht das 76-Millimeter-Geschütz auf dem Vorschiff für die Bekämpfung kleinerer und mittlerer Seeziele zur Verfügung.
Artilleriebewaffnung
Die SACHSEN führt ein 76-Millimeter-Compact-Geschütz.
Es kann eingesetzt werden gegen:
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Überwasserziele,
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kleine schnelle Boote,
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Luftziele,
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Ziele in Küstennähe.
Zur unmittelbaren Abwehr kleiner Boote besitzt die Fregatte außerdem zwei 27-Millimeter-Maschinenkanonen und schwere Maschinengewehre.
U-Boot-Jagd
Obwohl die Luftverteidigung ihren Schwerpunkt bildet, verfügt die SACHSEN auch über Fähigkeiten zur U-Boot-Jagd.
Zur Ausstattung gehören:
Das Bugsonar überwacht den Unterwasserraum vor und um das Schiff. Ein geortetes U-Boot kann mit schiffsgestützten Torpedos oder durch einen Bordhubschrauber bekämpft werden.
Die U-Boot-Jagd-Fähigkeit ermöglicht es der SACHSEN, auch in gemischten Verbänden einen Beitrag zur Unterwasserverteidigung zu leisten.
Bordhubschrauber
Die Fregatte besitzt einen Hangar für bis zu zwei Bordhubschrauber.
Traditionell wurden auf der Klasse Hubschrauber vom Typ Sea Lynx Mk 88A eingesetzt. Ihre Aufgaben umfassen:
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U-Boot-Jagd,
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Aufklärung von Überwasserzielen,
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Zielzuweisung,
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Transport von Personal und Material,
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Seenotrettung,
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Unterstützung von Boardingoperationen.
Durch die Hubschrauber wird der Aufklärungs- und Wirkungsradius des Schiffes deutlich erweitert.
Antrieb
Die SACHSEN besitzt einen kombinierten Diesel- und Gasturbinenantrieb nach dem CODAG-Prinzip.
Für wirtschaftliche Marschfahrt stehen zwei Dieselmotoren zur Verfügung. Bei höheren Geschwindigkeiten kann zusätzlich eine Gasturbine zugeschaltet werden.
Die Gesamtleistung beträgt rund 38.300 Kilowatt. Damit erreicht die Fregatte eine Geschwindigkeit von etwa 29 Knoten.
Die Kombination ermöglicht sowohl wirtschaftliche Langstreckenfahrten als auch hohe Geschwindigkeiten innerhalb eines Einsatzverbandes.
Internationale Verbände und Einsätze
Seit ihrer Indienststellung nahm die SACHSEN regelmäßig an nationalen und multinationalen Übungen, NATO-Verbänden und internationalen Missionen teil.
Zu den typischen Aufgaben gehörten:
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Führung und Schutz von Marineverbänden,
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Luftverteidigung,
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Seeraumüberwachung,
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Begleitung anderer Kriegsschiffe,
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Ausbildung mit NATO-Partnern,
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Beteiligung an EU- und NATO-Missionen.
Öffentlich dokumentiert sind unter anderem ein Einsatz bei der EU-geführten Operation Atalanta im Indischen Ozean sowie wiederholte Beteiligungen an NATO-Verbänden und Einsätzen im Mittelmeer.
Operation Atalanta
Im Jahr 2012 wurde die SACHSEN im Rahmen der EU-geführten Operation Atalanta am Horn von Afrika und im westlichen Indischen Ozean eingesetzt.
Der Auftrag der Operation bestand vor allem darin:
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Schiffe des Welternährungsprogramms zu schützen,
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die internationale Handelsschifffahrt zu sichern,
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Piraterie vor der somalischen Küste zu bekämpfen,
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verdächtige Schiffe und Boote zu überwachen.
Für eine Luftverteidigungsfregatte stellte dieser Einsatz ein anderes Aufgabenprofil dar als die klassische Verbandsflugabwehr. Die SACHSEN wurde dort vor allem für Seeraumüberwachung, Führung und maritime Präsenz eingesetzt.
NATO-Verbände und Mittelmeer
Die SACHSEN wurde mehrfach in ständige NATO-Marineverbände integriert.
Dabei übernahm sie Aufgaben in:
Auch im Mittelmeer wurde sie für NATO- und europäische Operationen eingesetzt. Die genauen Aufträge und Zeiträume unterschieden sich je nach Einsatzphase.
Ihre leistungsfähigen Führungs- und Kommunikationsanlagen machten sie besonders für die Rolle als Flagg- oder Führungsschiff geeignet.
Formidable Shield 2017
Eine besondere Bedeutung hatte die Teilnahme der SACHSEN an der NATO-Großübung Formidable Shield 2017 im Nordatlantik.
Vom 24. September bis zum 18. Oktober 2017 trainierten 14 Kriegsschiffe aus acht NATO-Staaten die integrierte Luft- und Raketenabwehr. Rund 2.800 Soldatinnen und Soldaten waren beteiligt.
Die SACHSEN übernahm dabei die Luftverteidigung des gesamten Übungsverbandes.
Während amerikanische Zerstörer die Abwehr ballistischer Flugkörper trainierten, schützte die deutsche Fregatte den Verband gegen:
Die Arbeitsteilung war notwendig, weil Radarsysteme für die Suche nach hoch fliegenden ballistischen Raketen anders eingestellt werden als für die Rundumüberwachung gegen tieffliegende Angreifer.
Die SACHSEN hielt deshalb den Schutzschirm über dem Verband aufrecht, während andere Schiffe ihre Sensoren und Flugkörper gegen die simulierte ballistische Bedrohung einsetzten.
Beitrag zur NATO-Raketenabwehr
Formidable Shield verdeutlichte die mögliche künftige Rolle der Sachsen-Klasse innerhalb der NATO-Raketenabwehr.
Dabei muss zwischen zwei Aufgaben unterschieden werden:
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Schutz der Raketenabwehrschiffe:
Die SACHSEN verteidigt den Verband gegen Flugzeuge und Seezielflugkörper.
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Erkennung ballistischer Flugkörper:
Mit modernisierter Radartechnik können Schiffe der Klasse künftig ballistische Flugkörper früh erkennen und Zieldaten an andere Systeme weitergeben.
Die SACHSEN selbst verfügte bei Formidable Shield nicht über Flugkörper zur Bekämpfung von Zielen außerhalb der Atmosphäre. Diese Aufgabe übernahmen amerikanische Zerstörer mit SM-3.
Ihre Rolle war dennoch entscheidend: Sie hielt die eigentlichen Raketenabwehreinheiten frei von Bedrohungen im niedrigeren Luftbereich und trug zum gemeinsamen Lagebild bei.
Flugkörperunfall vom 21. Juni 2018
Am 21. Juni 2018 ereignete sich während einer Flugkörperschießübung vor Norwegen ein schwerer Munitionsunfall an Bord der SACHSEN.
Beim Start eines Flugabwehrflugkörpers vom Typ SM-2 verließ der Flugkörper die Startzelle nicht ordnungsgemäß. Der Raketenmotor brannte innerhalb beziehungsweise unmittelbar oberhalb der Startanlage ab.
Durch Feuer, Rauch und Hitze wurde der Vorschiffsbereich erheblich belastet. Die Besatzung reagierte sofort und bekämpfte den Brand. Zwei Soldaten erlitten leichte Verletzungen.
Das Bundesministerium der Verteidigung bezeichnete das Ereignis anschließend als Munitionsunfall und leitete eine Untersuchung der Fehlfunktion des betroffenen SM-2-Flugkörpers ein.
Der Unfall zeigte eindrucksvoll, wie gefährlich der Umgang mit großen Flugabwehrflugkörpern ist. Zugleich bewährten sich die Brandabwehr und das schnelle Handeln der Besatzung.
Folgen des Unfalls
Die Mk-41-Senkrechtstartanlage war nach dem Unfall nicht mehr regulär nutzbar.
Damit verlor die SACHSEN vorübergehend einen wesentlichen Teil ihrer Hauptbewaffnung. Ohne Mk 41 konnte sie weder SM-2 noch ESSM aus der zentralen Startanlage verschießen.
Die Wiederherstellung erwies sich als umfangreiches Vorhaben. Eine einfache Reparatur einzelner beschädigter Komponenten war nicht ausreichend. Die Anlage musste letztlich vollständig ersetzt werden.
In der Zwischenzeit konnte das Schiff weiterhin für Ausbildung, Erprobung und andere Aufgaben verwendet werden, war jedoch in seiner eigentlichen Rolle als weiträumige Luftverteidigungsfregatte deutlich eingeschränkt.
Austausch der Senkrechtstartanlage
Während einer Depotinstandsetzung erhielt die SACHSEN eine vollständig neue Mk-41-Senkrechtstartanlage.
Die Bundeswehr meldete im Dezember 2023, dass die neue Anlage eingebaut und das Schiff damit wieder für den Einsatz von Flugabwehrflugkörpern befähigt worden sei. Rund fünf Jahre nach dem Unfall stand die zentrale Flugabwehrfähigkeit wieder zur Verfügung.
Bei der eingebauten Anlage handelt es sich um eine moderne Ausführung des Mk-41-Systems.
Der Austausch war nicht nur eine Reparaturmaßnahme. Er beseitigte zugleich Obsoleszenzen und brachte die Startanlage technisch auf einen neueren Stand.
Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft
Mit der neuen Senkrechtstartanlage musste die SACHSEN erneut umfangreiche Prüfungen und Erprobungen absolvieren.
Dazu gehörten:
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technische Funktionsprüfungen,
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Kontrolle der Schnittstellen zum Führungssystem,
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Sicherheitsnachweise,
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Erprobung der Startabläufe,
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Ausbildung der Besatzung,
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Vorbereitung auf scharfe Flugkörperschießen.
Erst nach diesen Nachweisen konnte die Fregatte wieder uneingeschränkt als Luftverteidigungsschiff eingesetzt werden.
Maritime Firing Exercise 2025
Vom 13. bis 24. Oktober 2025 nahm die SACHSEN an der Maritime Firing Exercise vor der norwegischen Insel Andøya teil.
Die Fregatte führte den Übungsverband als Flaggschiff. Zum Verband gehörten mehrere Fregatten, Korvetten, Versorgungsschiffe, ein U-Boot und ein Bordhubschrauber.
Während der Übung wurden insgesamt rund 50 Flugkörper gegen Ziele in der Luft, auf See und an Land abgefeuert. Hinzu kamen Artillerie- und Torpedoschießen. Nach Angaben der Bundeswehr wurde damit so intensiv trainiert wie seit Jahrzehnten nicht mehr.
Für die SACHSEN war die Übung von besonderer Bedeutung: Erstmals wurde ihre neue Mk-41-Anlage während einer großen Schießübung umfassend eingesetzt und getestet.
Die Bundeswehr bezeichnete die SACHSEN als weltweit erste seegehende Einheit mit dieser modernen Version der Starteranlage.
Flaggschiff und Verbandsführung
Dass die SACHSEN 2025 als Flaggschiff eingesetzt wurde, unterstreicht ihre Rolle über die reine Flugabwehr hinaus.
Als Führungsschiff stellt sie:
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Arbeitsplätze für einen eingeschifften Verbandsstab,
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Kommunikationsverbindungen zu anderen Schiffen und Flugzeugen,
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taktische Datenverbindungen,
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ein gemeinsames Luft-, See- und Unterwasserlagebild,
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die Koordination von Flugkörper-, Artillerie- und Torpedoschießen.
Die Fähigkeit, einen gemischten Verband aus unterschiedlichen Schiffstypen zu führen, gehört zu den wichtigsten Aufgaben der Klasse 124.
Technische Daten
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Schiffstyp: Luftverteidigungsfregatte
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Klasse: Sachsen-Klasse
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Klassenbezeichnung: Klasse 124 beziehungsweise F124
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Kennung: F 219
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Rufzeichen: DRAA
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Namensgeber: Freistaat Sachsen
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Bauwerft: Blohm + Voss, Hamburg
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Kiellegung: 1. Februar 1999
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Stapellauf: 20. Januar 2001
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Indienststellung: 4. November 2004
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Heimathafen: Wilhelmshaven
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Verbandszugehörigkeit: 2. Fregattengeschwader, Einsatzflottille 2
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Länge über alles: 143 Meter
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Breite: 17,4 Meter
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Tiefgang: etwa 6 Meter
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Verdrängung: etwa 5.800 Tonnen
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Antrieb: CODAG
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Dieselmotoren: zwei
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Gasturbine: eine
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Gesamtleistung: rund 38.300 Kilowatt
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Propeller: zwei
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Höchstgeschwindigkeit: etwa 29 Knoten
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Stammbesatzung: rund 236 Personen
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zusätzliches Hubschrauberpersonal: etwa 18 Personen
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Bordhubschrauber: bis zu zwei
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Weitbereichsradar: SMART-L
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Multifunktionsradar: APAR
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Senkrechtstartanlage: Mk 41 mit 32 Zellen
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weitreichende Flugabwehr: SM-2
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mittlere Flugabwehr: ESSM
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Nahbereichsflugabwehr: zwei Starter RIM-116 RAM
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Seezielflugkörper: RGM-84 Harpoon
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Hauptgeschütz: 76 Millimeter Compact
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weitere Bewaffnung: zwei 27-Millimeter-Maschinenkanonen und schwere Maschinengewehre
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U-Boot-Jagd: Bugsonar und Leichtgewichtstorpedos
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Täuschkörpersystem: MASS.
Aktueller Status
Die Fregatte SACHSEN befindet sich weiterhin im aktiven Dienst der Deutschen Marine.
Nach dem Austausch und der erfolgreichen Erprobung ihrer Mk-41-Senkrechtstartanlage steht sie wieder als vollwertige Luftverteidigungsfregatte zur Verfügung. Bei der Maritime Firing Exercise 2025 führte sie einen größeren deutschen Marineverband und erprobte die neue Anlage unter realistischen Schießbedingungen.
Da das Schiff weiterhin aktiv ist, entfallen die Abschnitte Außerdienststellung und Verbleib.
Bedeutung für die Deutsche Marine
Die SACHSEN gehört zu den wichtigsten Kampfschiffen der Deutschen Marine.
Mit ihrer Indienststellung begann eine neue Epoche der deutschen maritimen Luftverteidigung. Sie führte Radar- und Waffensysteme ein, die eine großräumige Überwachung und den Schutz ganzer Marineverbände ermöglichten.
Ihre historische Bedeutung beruht besonders auf folgenden Punkten:
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Typschiff der Klasse 124,
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Wiederherstellung der deutschen weiträumigen Verbandsflugabwehr,
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Nachfolgerin der Luftverteidigungszerstörer der Lütjens-Klasse,
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Einführung des Zusammenspiels von SMART-L und APAR,
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Einsatz von SM-2, ESSM und RAM in einer gestaffelten Flugabwehr,
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Fähigkeit zur Führung multinationaler Marineverbände,
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Einbindung in die NATO-Luft- und Raketenabwehr,
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Bewährung in internationalen Einsätzen und Übungen,
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schwerer Flugkörperunfall 2018,
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vollständiger Austausch der zentralen Senkrechtstartanlage,
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Rückkehr als vollwertige Luftverteidigungsfregatte,
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Flaggschiff der Maritime Firing Exercise 2025.
Der Unfall von 2018 bildet einen einschneidenden Abschnitt ihres Lebenslaufs. Er schränkte die Hauptfähigkeit des Schiffes über mehrere Jahre ein und machte eine ungewöhnlich umfangreiche technische Erneuerung notwendig.
Die erfolgreiche Rückkehr in den Flugkörperbetrieb zeigt zugleich die Bedeutung des Schiffes für die Marine. Statt die beschädigte Fähigkeit nur eingeschränkt zu erhalten, wurde eine neue und modernere Startanlage eingebaut.
Die SACHSEN steht damit sowohl für den technologischen Aufbruch der Deutschen Marine zu Beginn des 21. Jahrhunderts als auch für die Herausforderungen, komplexe Waffensysteme über Jahrzehnte einsatzbereit zu halten.
Als aktive Fregatte ist ihr Lebenslauf noch nicht abgeschlossen. Ihre weitere Geschichte wird vor allem durch Modernisierungen, die NATO-Luftverteidigung und die wachsende Bedrohung durch Drohnen, Marschflugkörper und ballistische Raketen geprägt werden.