Kategorie: Fregatte F 224 SACHSEN-ANHALT

F 224 SACHSEN-ANHALT – Fregatte der Baden-Württemberg-Klasse

Die Fregatte SACHSEN-ANHALT mit der Kennung F 224 ist die dritte Einheit der Baden-Württemberg-Klasse, Klasse 125. Sie wurde am 17. Mai 2021 in Wilhelmshaven in Dienst gestellt und gehört seitdem zum 4. Fregattengeschwader der Einsatzflottille 2.

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Die SACHSEN-ANHALT ist das erste Schiff einer deutschen Marine, das den Namen des Bundeslandes Sachsen-Anhalt trägt. Wie ihre Schwesterschiffe wurde sie für lang andauernde maritime Stabilisierungsoperationen, internationale Kriseneinsätze, Seeraumüberwachung und die Führung multinationaler Verbände entwickelt.

Bau und Kiellegung

Die SACHSEN-ANHALT entstand im Rahmen des Beschaffungsprogramms F125. Gebaut wurden die vier Einheiten durch die Arbeitsgemeinschaft ARGE F125, einem Konsortium aus thyssenkrupp Marine Systems und der damaligen Fr. Lürssen Werft.

Der Kiel der Fregatte wurde am 4. Juni 2014 in Hamburg gelegt. Bei modernen Marineschiffen bedeutet die Kiellegung in der Regel das Zusammenfügen größerer, bereits vorgefertigter Schiffssektionen.

Die einzelnen Module entstanden arbeitsteilig auf mehreren Werften und wurden anschließend zusammengebaut, ausgerüstet und für die Erprobung vorbereitet.

Taufe

Am 4. März 2016 wurde das Schiff auf den Namen SACHSEN-ANHALT getauft.

Taufpatin war Gabriele Haseloff, die Ehefrau des damaligen Ministerpräsidenten des Landes Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff. Mit der Taufe begann die offizielle Patenschaft zwischen dem Schiff, seinen Besatzungen und dem Bundesland.

Die SACHSEN-ANHALT ist ein Novum in der deutschen Marinegeschichte: Noch nie zuvor hatte ein deutsches Marineschiff diesen Namen getragen.

Erprobungsfahrten

Vor der Übernahme durch die Bundeswehr wurde die Fregatte umfangreichen technischen und nautischen Erprobungen unterzogen.

Im Sommer 2020 lief die SACHSEN-ANHALT erstmals Rostock-Warnemünde an. Zu diesem Zeitpunkt gehörte sie noch nicht offiziell zur Bundeswehr, sondern wurde von einer militärischen Fahrmannschaft während der Erprobungsphase gefahren.

Während dieser Erprobungen wurden unter anderem geprüft:

  • Antrieb und Energieversorgung,

  • Navigation und Schiffsführung,

  • Kommunikationsanlagen,

  • Sensoren und elektronische Aufklärung,

  • Waffen- und Selbstschutzsysteme,

  • Automatisierung der Schiffstechnik,

  • Brand- und Leckabwehr,

  • Flugdeck und Hubschrauberbetrieb.

Die Erfahrungen aus der langwierigen Erprobung des Typschiffes BADEN-WÜRTTEMBERG flossen dabei bereits in die Fertigstellung der dritten Einheit ein.

Abnahme durch die Bundeswehr

Am 30. März 2021 wurde die SACHSEN-ANHALT in Wilhelmshaven förmlich von der Industrie an das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr übergeben.

Sie war damit die dritte der vier Fregatten der Klasse 125, die von der Bundeswehr abgenommen wurde. Bis zur Indienststellung mussten noch die vollständige Betriebsbereitschaft hergestellt und das Schiff unter anderem an den Kommunikationsverbund der Marine angebunden werden.

Die Abnahme bedeutete noch nicht automatisch die volle militärische Einsatzbereitschaft. Anschließend folgten weitere technische Arbeiten, Ausbildungsvorhaben und militärische Fähigkeitsnachweise.

Indienststellung

Die offizielle Indienststellung erfolgte am 17. Mai 2021 in Wilhelmshaven.

Wegen der damals geltenden Maßnahmen während der Corona-Pandemie fand die Zeremonie nur mit einem begrenzten Kreis geladener Gäste statt. Dennoch gehörten traditionelle Bestandteile wie Ehrenzug, Marinemusikkorps, Kampfschwimmer und Bordhubschrauber zum militärischen Zeremoniell.

Mit dem Indienststellungsbefehl wurde die SACHSEN-ANHALT offiziell dem 4. Fregattengeschwader unterstellt.

Namensgebung und Patenschaft

Namensgeber ist das Bundesland Sachsen-Anhalt.

Ministerpräsident Reiner Haseloff bezeichnete die Fregatte bei der Indienststellung sinngemäß als Botschafterin ihres Bundeslandes auf den Weltmeeren. Die Patenschaft verbindet Schiff und Besatzungen mit dem Land und wird durch Besuche, Begegnungen und gemeinsame Veranstaltungen gepflegt.

Aufgrund des Mehrbesatzungskonzeptes ist diese Verbindung nicht ausschließlich an eine bestimmte Stammbesatzung gebunden. Sie gilt dem Schiff und allen Besatzungen, die darauf eingesetzt werden.

Einordnung in die Klasse 125

Die SACHSEN-ANHALT ist 149,5 Meter lang, 18,8 Meter breit und verdrängt rund 7.200 Tonnen. Damit gehört sie zu den größten Überwasserkampfschiffen, die bislang für eine deutsche Marine gebaut wurden.

Trotz ihrer Größe kommt sie mit einer vergleichsweise kleinen Stammbesatzung aus. Möglich wird dies durch die weitreichende Automatisierung von:

  • Antrieb und Energieerzeugung,

  • technischer Überwachung,

  • Navigation,

  • Schiffsführung,

  • Brand- und Leckabwehr,

  • Waffen- und Sensorsystemen.

Je nach Auftrag können zusätzliche Kräfte eingeschifft werden, darunter Boardingteams, Spezialkräfte, Sanitätspersonal, Hubschrauberbesatzungen und Führungsstäbe.

Mehrbesatzungskonzept

Die SACHSEN-ANHALT ist nicht dauerhaft einer einzigen Besatzung zugeordnet.

Für die vier Schiffe der Klasse 125 verfügt das 4. Fregattengeschwader über insgesamt acht Besatzungen. Diese können unabhängig vom jeweiligen Schiff ausgebildet und eingesetzt werden.

Ein Schiff kann dadurch während einer langen Mission im Einsatzgebiet verbleiben, während die Besatzung nach mehreren Monaten ausgewechselt wird. Dieses Konzept soll grundsätzlich Einsatzzeiten von bis zu zwei Jahren außerhalb des deutschen Heimathafens ermöglichen.

Bei der SACHSEN-ANHALT spielte insbesondere die Besatzung Bravo während der Ausbildung und Überprüfung eine öffentlich dokumentierte Rolle.

Aufgaben

Die Klasse 125 wurde vor allem für lang andauernde Stabilisierungsmissionen und internationale Kriseneinsätze entwickelt.

Zu den vorgesehenen Aufgaben der SACHSEN-ANHALT gehören:

  • Überwachung großer Seegebiete,

  • Schutz internationaler Seewege,

  • Durchsetzung von Embargos,

  • Bekämpfung von Piraterie und Schmuggel,

  • maritime Präsenz in Krisenregionen,

  • Einsatz von Boardingkräften,

  • Unterstützung von Spezialkräften,

  • Evakuierungs- und Rettungsoperationen,

  • Bekämpfung von See- und Landzielen,

  • Führung multinationaler Marineverbände.

Die Schiffe können zudem gemeinsam mit anderen Kampfeinheiten in intensiveren militärischen Auseinandersetzungen eingesetzt werden.

Bewaffnung

Die Hauptbewaffnung der SACHSEN-ANHALT besteht aus einem 127-Millimeter-Geschütz auf dem Vorschiff.

Das Geschütz kann gegen See- und Landziele eingesetzt werden und besitzt laut Bundeswehr eine Reichweite von mehr als 80 Kilometern.

Zur weiteren Bewaffnung gehören:

  • zwei Starter für Seezielflugkörper RGM-84 Harpoon,

  • zwei Starter für das Nahbereichsflugabwehrsystem RIM-116 RAM,

  • zwei 27-Millimeter-Maschinenkanonen,

  • fünf ferngesteuerte schwere Maschinengewehre im Kaliber 12,7 Millimeter,

  • vier Täuschkörperwurfanlagen des Typs MASS.

Die zahlreichen ferngesteuerten Waffen dienen insbesondere der Abwehr kleiner, schneller Boote und anderer asymmetrischer Bedrohungen im unmittelbaren Umfeld des Schiffes.

Sensoren und elektronische Aufklärung

Die SACHSEN-ANHALT verfügt über umfangreiche Radar-, Infrarot- und Aufklärungssysteme.

Dazu gehören:

  • Multifunktionsradar TRS-3D/NR,

  • elektronische Aufklärungsanlage KORA 18,

  • zwei Video- und Infrarot-Zielverfolgungssysteme MSP 600,

  • 360-Grad-Infrarotüberwachung SIMONE,

  • vier Navigationsradare,

  • Freund-Feind-Kennung,

  • Taucher-Detektionssonar.

Das Multifunktionsradar besitzt nach Angaben der Bundeswehr eine Reichweite von mehr als 250 Kilometern und kann mehr als 1.500 Ziele verfolgen.

Ein klassisches weitreichendes U-Boot-Jagdsonar gehört nicht zur ursprünglichen Hauptausstattung der Klasse.

Bordhubschrauber und Einsatzboote

Die SACHSEN-ANHALT besitzt ein großes Flugdeck und einen Hangar für bis zu zwei Bordhubschrauber.

Die Hubschrauber können für folgende Aufgaben eingesetzt werden:

  • Seeraumüberwachung,

  • Aufklärung,

  • Transport von Personal und Material,

  • Unterstützung von Boardingoperationen,

  • Seenotrettung,

  • Bekämpfung von See- und U-Boot-Zielen.

Zusätzlich führt die Fregatte schnelle Einsatzboote mit. Sie dienen dem Transport von Boardingteams und Spezialkräften sowie Rettungs-, Verbindungs- und Kontrollaufgaben.

Antrieb

Die Fregatte besitzt einen kombinierten dieselelektrischen und Gasturbinenantrieb nach dem CODLAG-Prinzip.

Vier Dieselmotoren erzeugen elektrische Energie. Zwei Elektrofahrmotoren treiben bei wirtschaftlicher Fahrt die Verstellpropeller an. Für höhere Geschwindigkeiten kann zusätzlich eine Gasturbine zugeschaltet werden.

Die Gesamtleistung beträgt etwa 29.000 Kilowatt. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei mehr als 26 Knoten. Ein Bugstrahlruder erleichtert das Manövrieren im Hafen.

Ausbildung und Herstellung der Einsatzbereitschaft

Nach der Indienststellung stand zunächst die Ausbildung der Besatzungen im Mittelpunkt.

Dabei mussten Schiff und Besatzungen zahlreiche Fähigkeiten nachweisen:

  • Navigation und Seemannschaft,

  • technische Betriebsführung,

  • Waffen- und Sensoreinsatz,

  • Flugdienst,

  • Schadensabwehr,

  • ABC-Abwehr,

  • Versorgung auf See,

  • Einsatz der Boardingkräfte,

  • Zusammenarbeit in multinationalen Verbänden.

Da die Klasse 125 nach einem Mehrbesatzungskonzept betrieben wird, werden Schiff und jeweilige Besatzung teilweise getrennt beurteilt. Eine Besatzung muss ihre Einsatzbereitschaft daher unabhängig davon nachweisen, auf welchem der vier Schwesterschiffe sie später eingesetzt wird.

Erste ABC-Abwehrüberprüfung der Klasse 125

Anfang Februar 2023 absolvierte die Besatzung Bravo auf der SACHSEN-ANHALT als erste Besatzung auf einem Schiff der Klasse 125 eine vollständige ABC-Abwehrfähigkeitsüberprüfung.

ABC steht für atomare, biologische und chemische Bedrohungen. Die Überprüfung sollte nachweisen, dass Schiff und Besatzung auch unter einer möglichen Kontamination handlungs- und überlebensfähig bleiben.

Geprüft wurden unter anderem:

  • Erkennen einer ABC-Bedrohung,

  • Alarmierung der Besatzung,

  • hermetisches Verschließen des Schiffes,

  • Aufbau eines Überdrucks im Schiffsinneren,

  • Betrieb der Filteranlagen,

  • Anlegen der persönlichen Schutzausrüstung,

  • Dekontamination von Personal und Material,

  • Versorgung Verwundeter,

  • Weiterführung des Schiffsbetriebs unter Schutzbedingungen.

Die Fregatte kann gegen die Außenluft abgedichtet werden. Ein Überdruck verhindert das Eindringen kontaminierter Luft, während spezielle Filteranlagen die Luftversorgung im Inneren sicherstellen.

Die Überprüfung war ein wichtiger Meilenstein bei der Herstellung der Einsatzbereitschaft der gesamten Klasse 125.

Öffentlichkeitsarbeit 2026

Vom 2. bis 5. Juli 2026 lag die SACHSEN-ANHALT während des „Wochenendes an der Jade“ am Bontekai in Wilhelmshaven.

Die Fregatte wurde für mehrere Open-Ship-Termine geöffnet. Besucher konnten das Schiff besichtigen und sich von der Besatzung über das Leben und Arbeiten an Bord informieren.

Diese Teilnahme belegt zugleich, dass sich die SACHSEN-ANHALT Anfang Juli 2026 in Wilhelmshaven befand und weiterhin aktiv von der Deutschen Marine betrieben wurde.

Bisheriger Einsatzstand

Für die SACHSEN-ANHALT ist bis zum Stand Juli 2026 kein größerer eigenständiger Auslandseinsatz in den ausgewerteten offiziellen Quellen eindeutig dokumentiert.

Ihr bisher öffentlich nachvollziehbarer Lebenslauf ist vor allem geprägt durch:

  • technische Übernahme,

  • Indienststellung,

  • Ausbildung der Besatzungen,

  • Herstellung der Einsatzbereitschaft,

  • Fähigkeitsnachweise,

  • ABC-Abwehrüberprüfung,

  • nationale Ausbildungs- und Repräsentationsaufgaben.

Das bedeutet nicht, dass das Schiff ausschließlich im Hafen lag oder keine Übungen absolvierte. Es bedeutet lediglich, dass derzeit kein längerer Auslandseinsatz mit ausreichend belastbaren Einzelangaben für eine historische Dokumentation nachgewiesen werden kann.

Technische Daten

  • Schiffstyp: Fregatte

  • Klasse: Baden-Württemberg-Klasse

  • Klassenbezeichnung: Klasse 125

  • Kennung: F 224

  • Namensgeber: Bundesland Sachsen-Anhalt

  • Kiellegung: 4. Juni 2014

  • Taufe: 4. März 2016

  • Abnahme durch die Bundeswehr: 30. März 2021

  • Indienststellung: 17. Mai 2021

  • Heimathafen: Wilhelmshaven

  • Verbandszugehörigkeit: 4. Fregattengeschwader, Einsatzflottille 2

  • Länge über alles: 149,5 Meter

  • Breite: 18,8 Meter

  • Tiefgang: 5,4 Meter

  • Verdrängung: etwa 7.200 Tonnen

  • Antrieb: CODLAG

  • Gasturbine: eine

  • Dieselmotoren zur Stromerzeugung: vier

  • Elektrofahrmotoren: zwei

  • Gesamtleistung: rund 29.000 Kilowatt

  • Propeller: zwei Verstellpropeller

  • Bugstrahlruder: eines

  • Höchstgeschwindigkeit: mehr als 26 Knoten

  • Stammbesatzung: etwa 126 Personen

  • Bordhubschrauber: bis zu zwei

  • Hauptgeschütz: ein 127-Millimeter-Geschütz

  • Seezielflugkörper: RGM-84 Harpoon

  • Nahbereichsflugabwehr: RIM-116 RAM

  • weitere Bewaffnung: zwei 27-Millimeter-Maschinenkanonen und fünf ferngesteuerte 12,7-Millimeter-Maschinengewehre

  • Täuschkörpersystem: MASS.

Aktueller Status

Die Fregatte SACHSEN-ANHALT befindet sich weiterhin im aktiven Dienst der Deutschen Marine.

Sie gehört zum 4. Fregattengeschwader in Wilhelmshaven. Da das Schiff aktiv ist, entfallen die Abschnitte Außerdienststellung und Verbleib.

Historische Einordnung

Die SACHSEN-ANHALT ist das erste deutsche Marineschiff dieses Namens und repräsentiert damit einen neuen Traditionsnamen innerhalb der Marine.

Ihr bisheriger Lebenslauf zeigt zugleich, wie lang der Weg von der industriellen Fertigstellung eines modernen Kriegsschiffes bis zur vollständigen Einsatzbereitschaft sein kann. Mit der Indienststellung allein war die Ausbildung noch nicht abgeschlossen. Erst technische Nachweise, praktische Seeausbildung und Fähigkeitsüberprüfungen machten Schiff und Besatzungen einsatzfähig.

Besondere Bedeutung besitzt die erste vollständige ABC-Abwehrfähigkeitsüberprüfung einer Fregatte der Klasse 125 im Jahr 2023. Sie stellte nicht nur einen Meilenstein für die SACHSEN-ANHALT dar, sondern lieferte wichtige Erfahrungen für alle Schiffe und Besatzungen der Klasse.

Als aktive Einheit ist ihre Geschichte noch am Anfang. Künftige Übungen, Missionen und mögliche Auslandseinsätze werden den Lebenslauf der Fregatte weiter ergänzen.

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