Anders als ihre gleichnamige Vorgängerin der Klasse 422 entstand die heutige ALSTER nicht durch den Umbau eines Fischereifahrzeugs. Sie wurde von Anfang an als spezialisiertes Flottendienst- und Aufklärungsschiff entworfen.
Die drei Einheiten der Klasse wurden Ende der 1980er-Jahre in Dienst gestellt. OSTE und OKER folgten 1988, die ALSTER im Jahr 1989.
Bau und Indienststellung
Die ALSTER wurde bei der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft gebaut. Ihre Konstruktion war auf die Aufnahme umfangreicher Sensor-, Kommunikations- und Auswertetechnik sowie zusätzlichen Fachpersonals ausgerichtet.
Gegenüber den umgebauten Vorgängerschiffen der Klasse 422 boten die Neubauten bessere Voraussetzungen für längere Seefahrten, eine leistungsfähigere Energieversorgung und mehr Raum für die technische Informationsgewinnung.
Mit der Indienststellung der ALSTER war die aus drei Einheiten bestehende Klasse 423 vollständig.
Namensgebung und Traditionsfolge
Das Schiff ist nach der Alster benannt, einem Fluss in Schleswig-Holstein und Hamburg, der durch Binnen- und Außenalster das Hamburger Stadtbild prägt und schließlich in die Elbe mündet.
Name und Kennung wurden von der älteren A 50 ALSTER der Klasse 422 übernommen. Diese war aus dem ehemaligen Fischereifahrzeug MELLUM hervorgegangen und Ende der 1980er-Jahre aus dem Dienst der Bundesmarine ausgeschieden.
Die heutige ALSTER ist kein Umbau ihres Vorgängers, sondern ein eigenständiger Neubau. Die erneute Vergabe von Name und Kennung setzte jedoch die Tradition des älteren Flottendienstbootes fort.
Auftrag der ALSTER
Die ALSTER dient der strategischen Informationsgewinnung in See- und Küstengebieten.
Die Flottendienstboote der Oste-Klasse können Informationen aus verschiedenen Bereichen erfassen. Dazu gehören:
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elektromagnetische Aussendungen,
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Funk- und Fernmeldeverbindungen,
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Radar- und andere technische Signale,
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elektro-optische Beobachtungen,
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hydroakustische Signale und Geräuschquellen.
Die gewonnenen Daten tragen zum militärischen Nachrichten- und Lagebild bei. Sie können helfen, technische Systeme, militärische Einheiten und deren Aktivitäten zu erkennen und einzuordnen.
Die Bundeswehr bezeichnet Fernmelde- und elektronische Aufklärung als Hauptaufgaben der Flottendienstboote. Die Schiffe leisten damit einen wichtigen Beitrag zur strategischen Frühwarnung und zur Information politischer und militärischer Entscheidungsträger.
Elektronische Informationsgewinnung
Radargeräte, Funkanlagen und andere elektronische Systeme erzeugen charakteristische Aussendungen.
Durch die Erfassung von Frequenz, Signalform, Stärke, Dauer und Wiederholungsrate können Rückschlüsse auf ein technisches System oder dessen Träger gezogen werden. Wiederkehrende Signale lassen sich miteinander vergleichen und bestimmten Schiffen, Flugzeugen, Verbänden oder Küstenanlagen zuordnen.
Auf diese Weise können unter anderem:
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Funknetze beobachtet,
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Radarsysteme erkannt,
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Bewegungen militärischer Einheiten verfolgt,
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Übungen und Verlegungen dokumentiert,
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technische Veränderungen festgestellt werden.
Die genaue Ausstattung der ALSTER ist nicht öffentlich bekannt. Die Bundeswehr nennt für die Oste-Klasse elektronische, elektro-optische und hydroakustische Aufklärungssensoren.
Elektro-optische Aufklärung
Die elektro-optische Informationsgewinnung ergänzt die elektronische Erfassung.
Dabei können Schiffe, Flugzeuge, Küstenanlagen und andere Einrichtungen beobachtet und dokumentiert werden. Sichtbare Veränderungen an einer Einheit können Hinweise auf Umbauten, neue Sensoren, Waffenanlagen oder veränderte Einsatzverfahren geben.
Optische Beobachtungen helfen außerdem dabei, empfangene elektronische Signale einem konkreten Fahrzeug oder System zuzuordnen.
Hydroakustische Informationsgewinnung
Auch Geräusche unter Wasser können wichtige Erkenntnisse liefern.
Antriebsmaschinen, Propeller, Hilfsaggregate und Sonaranlagen erzeugen charakteristische akustische Signaturen. Durch die Aufnahme und Auswertung dieser Geräusche können Rückschlüsse auf Schiffstypen, technische Systeme und Betriebszustände gezogen werden.
Die hydroakustische Erfassung ergänzt damit das Lagebild, besonders bei Zielen, die optisch oder durch andere Sensoren nur eingeschränkt erfasst werden können.
Besatzung und Aufklärungspersonal
Der Schiffsbetrieb wird durch eine Stammbesatzung der Deutschen Marine gewährleistet. Sie ist unter anderem verantwortlich für:
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Schiffsführung und Navigation,
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Maschinen- und Elektrotechnik,
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Decksdienst und Seemannschaft,
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Versorgung und Logistik,
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Kommunikation,
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Schiffssicherung und Schadensabwehr.
Zusätzlich wird ein spezialisiertes Bordeinsatzteam für die Aufklärungsaufgaben eingeschifft.
Die Bundeswehr nennt für die Klasse eine Stammbesatzung von 48 Personen sowie bis zu 39 zusätzliche Aufklärungsspezialisten. Das Aufklärungspersonal gehört heute zum Organisationsbereich Cyber- und Informationsraum.
Flottendienstgeschwader und Heimathafen Flensburg
Nach ihrer Indienststellung gehörte die ALSTER zum Flottendienstgeschwader. Ihr erster Heimathafen war Flensburg.
Das Flottendienstgeschwader fasste die spezialisierten Aufklärungseinheiten der Bundesmarine zusammen. Von Flensburg aus wurden ALSTER, OSTE und OKER für ihre Aufklärungsfahrten vorbereitet und eingesetzt.
Für Besatzungsangehörige aus der ersten Dienstphase ist die ALSTER daher eng mit dem Marinestandort Flensburg verbunden.
Das Flottendienstgeschwader wurde Ende 1992 beziehungsweise Anfang 1993 aufgelöst. Die drei Flottendienstboote wurden anschließend dem Marinefernmeldestab 70 übergeben. Das Bundesarchiv bestätigt diese Übergabe für ALSTER, OSTE und OKER.
Marinefernmeldestab 70
Nach der Auflösung des Flottendienstgeschwaders wurden die drei Boote ab Anfang 1993 dem Marinefernmeldestab 70 unterstellt.
Damit gehörten sie organisatorisch zum Bereich der Marineführungsdienste. Der Auftrag der Boote blieb die fernmeldeelektronische und maritime Informationsgewinnung.
Der Heimathafen blieb zunächst Flensburg.
Verlegung nach Kiel
Im Jahr 1995 wurde der Heimathafen der Flottendienstboote von Flensburg nach Kiel verlegt.
Die ALSTER war damit rund zehn Jahre in Kiel stationiert. Diese Phase umfasste sowohl die weitere Unterstellung unter den Marinefernmeldestab 70 als auch den späteren Wechsel zum 3. Ubootgeschwader.
Kiel war folglich kein gelegentlich angelaufener Hafen, sondern über einen längeren Zeitraum der reguläre Heimathafen der ALSTER.
Wechsel zum 3. Ubootgeschwader
Mit der Auflösung der Flottille der Marineführungsdienste wurden die drei Flottendienstboote Anfang 2002 dem 3. Ubootgeschwader unterstellt.
Die neue Unterstellung bedeutete keine Änderung des Schiffstyps oder des Auftrags. Die ALSTER blieb ein Flottendienstboot für strategische Informationsgewinnung.
Das 3. Ubootgeschwader bot den Booten nach der Auflösung ihrer bisherigen Führungsorganisation eine neue militärische Heimat. Der Heimathafen blieb zunächst Kiel.
Verlegung nach Eckernförde
Im Mai 2005 verlegten ALSTER, OSTE und OKER ihren Heimathafen von Kiel nach Eckernförde.
Damit wurden die Flottendienstboote auch räumlich am Standort ihrer damaligen Geschwaderzugehörigkeit zusammengeführt. Eckernförde ist seitdem der Heimathafen der Klasse 423.
Wechsel zum 1. Ubootgeschwader
Das 3. Ubootgeschwader wurde am 13. Februar 2006 außer Dienst gestellt.
Die ALSTER und ihre Schwesterboote wurden daraufhin dem 1. Ubootgeschwader übergeben. Dieses gehört zur Einsatzflottille 1 und ist in Eckernförde stationiert.
Die heutige Unterstellung unter ein Ubootgeschwader bedeutet nicht, dass die ALSTER ein U-Boot-Begleitschiff ist oder ausschließlich mit U-Booten zusammenarbeitet. Sie ergibt sich aus der Organisationsstruktur der Deutschen Marine.
Verbandszugehörigkeiten und Heimathäfen
1989 bis Ende 1992:
Flottendienstgeschwader
Heimathafen Flensburg
Anfang 1993 bis Anfang 2002:
Marinefernmeldestab 70
zunächst Heimathafen Flensburg, ab 1995 Kiel
Anfang 2002 bis 13. Februar 2006:
3. Ubootgeschwader
zunächst Heimathafen Kiel, ab Mai 2005 Eckernförde
Seit 13. Februar 2006:
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Ubootgeschwader, Einsatzflottille 1
Heimathafen Eckernförde
Einsatzgebiete
Die Klasse 423 wurde noch während des Kalten Krieges entwickelt. Der ursprüngliche Schwerpunkt lag in der Beobachtung der Seestreitkräfte des Warschauer Paktes in Nord- und Ostsee.
Nach dem Ende des Ost-West-Konflikts erweiterte sich das Einsatzgebiet erheblich.
Die Bundeswehr nennt für die Flottendienstboote der Oste-Klasse unter anderem Einsätze:
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in Nord- und Ostsee,
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im Atlantik,
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im Mittelmeer,
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im Schwarzen Meer,
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am Horn von Afrika,
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in der Karibik.
Die ALSTER wurde damit von einem ursprünglich für den Ostseeraum entwickelten Aufklärungsschiff zu einer weltweit einsetzbaren Plattform der strategischen Informationsgewinnung.
Einsatz in internationalen Gewässern
Die ALSTER operiert bei ihren Aufklärungsfahrten grundsätzlich außerhalb fremder Hoheitsgewässer.
In internationalen Gewässern kann sie militärische Aktivitäten beobachten und technische Aussendungen erfassen, solange die Hoheitsrechte anderer Staaten eingehalten werden.
Aufklärungsschiffe werden dabei häufig selbst beobachtet, begleitet, überflogen oder fotografiert. Die Einsätze verlangen daher nautische Präzision, politische Sensibilität und besondere Verschwiegenheit.
Modernisierung und lange Dienstzeit
Die ALSTER befindet sich seit 1989 im Dienst.
Während dieser langen Nutzungszeit wurden technische Anlagen, Kommunikationssysteme und Sensoren wiederholt angepasst und modernisiert. Einzelheiten dieser Veränderungen werden aufgrund des besonderen Auftrags der Flottendienstboote nur eingeschränkt veröffentlicht.
Die robuste Konstruktion und die Möglichkeit zum Austausch technischer Systeme ermöglichten eine Dienstzeit von mehreren Jahrzehnten.
Technische Daten
Name: ALSTER
Kennung: A 50
Klasse: 423
Klassenname: Oste-Klasse
Typ: Flottendienstboot und Aufklärungsschiff
Werft: Flensburger Schiffbau-Gesellschaft
Indienststellung: 1989
Heimathafen: Eckernförde
Verband: 1. Ubootgeschwader
Status: in Dienst
Länge: 83,5 Meter
Breite: 14,6 Meter
Tiefgang: 6,2 Meter
Einsatzverdrängung: etwa 3.200 Tonnen
Antrieb: zwei Dieselmotoren und zwei Elektromotoren
Gesamtleistung: etwa 6.600 Kilowatt
Propeller: zwei
Geschwindigkeit: bis zu 20 Knoten
Sensoren: elektronische, elektro-optische und hydroakustische Aufklärungssysteme
Bewaffnung: vier schwere Maschinengewehre im Kaliber 12,7 Millimeter
Stammbesatzung: 48 Personen
Zusätzliches Aufklärungspersonal: bis zu 39 Personen
Geplante Ablösung durch die Klasse 424
Nach mehr als drei Jahrzehnten Einsatzzeit sollen ALSTER, OSTE und OKER durch drei neue Flottendienstboote der Klasse 424 ersetzt werden.
Nach Angaben der Bundeswehr sollen die neuen Einheiten ab 2029 in Betrieb genommen werden. Die Klasse 423 bleibt bis zur schrittweisen Übernahme ihrer Aufgaben weiterhin im Dienst.
Historische Bedeutung
Die A 50 ALSTER gehört zu den langlebigsten Spezialschiffen der Bundesmarine und Deutschen Marine.
Sie wurde noch während des Kalten Krieges entwickelt, erlebte die deutsche Wiedervereinigung und passte sich anschließend an grundlegend veränderte sicherheitspolitische Bedingungen an.
Auch ihre organisatorische Geschichte spiegelt den Wandel der Marine wider: vom Flottendienstgeschwader in Flensburg über den Marinefernmeldestab 70 und die Kieler Zeit bis zum 3. und schließlich zum 1. Ubootgeschwader in Eckernförde.
Für ehemalige Besatzungsangehörige können daher alle drei Standorte prägend sein:
Flensburg, Kiel und Eckernförde.
Ebenso gehören das Flottendienstgeschwader, der Marinefernmeldestab 70 sowie das 3. und das 1. Ubootgeschwader zur vollständigen Geschichte der ALSTER.