Kategorie: Flottendienstboot A1449 HANS BÜRKNER

A 1449 HANS BÜRKNER – Schul- und Erprobungsboot der Klasse 421

Ein ungewöhnliches Spezialschiff der Bundesmarine

Die HANS BÜRKNER war ein in vieler Hinsicht ungewöhnliches Fahrzeug der Bundesmarine. Sie blieb das einzige gebaute Schiff der Klasse 421 und war konstruktiv eng mit den U-Jagd-Booten der Thetis-Klasse 420 verwandt. Aufgrund ihrer größeren Abmessungen und ihrer besonderen Aufgabenstellung bildete sie jedoch eine eigene Klasse.

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Die amtliche Bezeichnung lautete zunächst „Torpedofangboot, groß, Typ B“. Später wurde das Schiff als Schul-, Versuchs- und Erprobungsboot verwendet und zeitweise amtlich unter den Flottendienstbooten geführt.

Das Bundesarchiv weist die Einheit ausdrücklich als HANS BÜRKNER, A 1449, Klasse 421 in den Schiffstagebüchern der Bundesmarine nach.

Bau und Indienststellung

Die HANS BÜRKNER wurde bei den Atlas-Werken in Bremen gebaut. Der Stapellauf erfolgte 1961, die Indienststellung bei der Bundesmarine am 18. Mai 1963.

Das Schiff erhielt zunächst die Kennung Y 879 und wurde später unter der Kennung A 1449 geführt. In historischen Fotografien und Verzeichnissen finden sich daher beide Kennungen.

Die Klasse 421 war größer als die fünf Boote der Thetis-Klasse 420. Sie war als vielseitig nutzbare Plattform für Ausbildungs-, Torpedofang- und Erprobungsaufgaben ausgelegt.

Namensgeber Hans Bürkner

Namensgeber war der deutsche Schiffbauingenieur Hans Friedrich Hermann Bürkner. Er war über viele Jahre im Reichsmarineamt tätig und an der Konstruktion zahlreicher Großkampfschiffe und Kreuzer der Kaiserlichen Marine beteiligt.

Die Benennung eines technischen Spezialschiffes nach einem bedeutenden Schiffskonstrukteur entsprach der besonderen Aufgabe der Einheit als Versuchs- und Erprobungsträger.

Erste Verwendung als Schul- und Torpedofangboot

Nach ihrer Indienststellung wurde die HANS BÜRKNER zunächst als Schulboot bei der Marineunterwasserwaffenschule in Eckernförde eingesetzt.

Zu ihren Aufgaben gehörten Ausbildungs- und Erprobungsvorhaben im Bereich der Unterwasserwaffen. Als Torpedofangboot konnte sie Übungstorpedos nach ihrem Lauf orten und wieder aufnehmen. Übungstorpedos waren so eingerichtet, dass sie nach Abschluss des Übungslaufes geborgen, untersucht und erneut verwendet werden konnten.

Die HANS BÜRKNER war jedoch nicht nur ein Bergungsfahrzeug. Sie verfügte über Räume und technische Einrichtungen für die Ausbildung, Messung und Auswertung von Versuchen im Bereich der Unterwasserortung und U-Boot-Abwehr.

Für den Mobilmachungsfall war vorgesehen, sie dem Flottendienstgeschwader zu unterstellen. Aufgrund ihrer Größe sollte sie dort vermutlich als Führungs- und Unterstützungsschiff für die kleineren Boote der Klasse 420 dienen. Tatsächlich blieb sie im Frieden jedoch der Marineunterwasserwaffenschule beziehungsweise später dem wehrtechnischen Bereich zugeordnet.

Wechsel zur Erprobungsstelle 71

Im Jahr 1969 wurde die HANS BÜRKNER der Erprobungsstelle 71 des Bundesamtes für Wehrtechnik und Beschaffung zugeordnet. Aus dieser Dienststelle entwickelte sich später die Wehrtechnische Dienststelle 71 in Eckernförde.

Mit diesem Wechsel begann die entscheidende zweite Phase ihres langen Dienstlebens. Die HANS BÜRKNER wurde fortan vor allem als Erprobungsträger für neue Systeme und Geräte der Unterwasserortung eingesetzt.

Die militärische Besatzung wurde reduziert beziehungsweise durch eine zivile Besatzung des wehrtechnischen Bereichs ersetzt. Vorhandene Geschütze wurden entfernt, da das Schiff nun nicht mehr als bewaffnetes Schul- oder U-Jagd-Boot verwendet wurde.

Erprobung von Unterwasserortungssystemen

Die Hauptaufgabe der HANS BÜRKNER bestand nun in der Erprobung neuer Sonar-, Wasserschall- und Unterwasserortungssysteme.

Auf See konnten neue Geräte unter realistischen Bedingungen geprüft werden. Dabei ging es unter anderem um:

  • die Ortung und Verfolgung von Unterwasserzielen,

  • die Messung und Auswertung von Wasserschallsignalen,

  • die Erprobung neuer Sonaranlagen,

  • die Untersuchung von Stör- und Eigengeräuschen,

  • die technische Vorbereitung neuer Systeme für andere Schiffe und Boote.

Viele Einzelheiten der an Bord durchgeführten Versuche waren militärisch oder technisch eingestuft und wurden nicht öffentlich dokumentiert. Die lange Einsatzzeit zeigt jedoch, dass sich das Schiff als vielseitige Erprobungsplattform bewährte.

War die HANS BÜRKNER wirklich ein Flottendienstboot?

Die Einordnung ist nicht ganz einfach.

Im amtlichen Sprachgebrauch wurde sie später als „Flottendienstboot des Bundesamtes für Wehrtechnik und Beschaffung, groß, Typ B“ bezeichnet. Auch in Schiffsverzeichnissen und Archivalien erscheint sie unter den Flottendienstbooten.

Ihre tatsächliche Aufgabe unterschied sich jedoch deutlich von derjenigen der späteren ALSTER, OSTE und OKER. Diese Schiffe dienten vor allem der optischen, akustischen und elektronischen Aufklärung fremder Streitkräfte.

Die HANS BÜRKNER war dagegen in erster Linie:

  • Schulboot,

  • Torpedofangboot,

  • Versuchs- und Messplattform,

  • Erprobungsboot der Wehrtechnischen Dienststelle 71.

Sie sollte deshalb im Schiffsfinder zwar unter den Flottendienstbooten erscheinen, dort aber deutlich als Schul- und Erprobungsboot gekennzeichnet werden.

Außerdienststellung

Die HANS BÜRKNER blieb bis in das Jahr 1990 im Dienst. Für die Außerdienststellung werden zwei leicht voneinander abweichende Daten genannt.

Das Schiffsnummernverzeichnis nennt den:

21. Oktober 1990

Andere Darstellungen nennen den:

26. Oktober 1990

Das Bundesarchiv bestätigt die Existenz der Einheit und ihre Einordnung als Klasse 421, nennt in dem öffentlich zugänglichen Datensatz jedoch kein konkretes Außerdienststellungsdatum. Für den Schiffsfinder sollte daher der 21. Oktober 1990 verwendet und der abweichende Quellenstand intern vermerkt werden.

Verbleib

Nach ihrer Außerdienststellung wurde die HANS BÜRKNER über die VEBEG verkauft. Als Käufer wird die belgische Firma Bakker genannt. Das Schiff wurde anschließend in Belgien abgewrackt.

Technische Daten

Name: HANS BÜRKNER
Klasse: 421
Einheiten der Klasse: 1
Kennungen: zunächst Y 879, später A 1449
Typ: Torpedofangboot, Schul- und Erprobungsboot
Werft: Atlas-Werke, Bremen
Stapellauf: 16. Juli 1961
Indienststellung: 18. Mai 1963
Außerdienststellung: 21. Oktober 1990
Verdrängung: etwa 1.200 Tonnen
Antrieb: vier Dieselmotoren
Höchstgeschwindigkeit: etwa 25 Knoten
Erste Verwendung: Marineunterwasserwaffenschule Eckernförde
Spätere Verwendung: Erprobungsstelle 71 beziehungsweise WTD 71
Hauptaufgabe: Erprobung von Unterwasserortungs- und Wasserschallsystemen
Verbleib: Verkauf über die VEBEG und Abbruch in Belgien

Historische Bedeutung

Die HANS BÜRKNER war kein klassisches Aufklärungsschiff und auch kein reguläres U-Jagd-Boot. Ihre Bedeutung lag in ihrer Vielseitigkeit und in ihrer jahrzehntelangen Verwendung als technische Erprobungsplattform.

Sie verband die Entwicklungslinien des Torpedofangbootes, des Schulbootes und des wehrtechnischen Versuchsschiffes. Damit nahm sie innerhalb der Bundesmarine eine einmalige Stellung ein.

Für viele ehemalige Marineangehörige blieb sie weitgehend unbekannt, weil sie nicht in einem der großen Einsatzgeschwader fuhr und ihre Arbeit häufig im technisch abgeschirmten Bereich der Wehrtechnischen Dienststelle stattfand.

Gerade deshalb gehört die HANS BÜRKNER in den Schiffsfinder: als selten dokumentiertes Spezialschiff, das über viele Jahre zur Entwicklung der Unterwasserortungs- und Sonartechnik der Bundesmarine beitrug.

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