Kategorie: EGV A1411 BERLIN

A 1411 BERLIN – Einsatzgruppenversorger der Klasse 702

Der Einsatzgruppenversorger A 1411 BERLIN ist das Typschiff der Berlin-Klasse, Klasse 702. Seit seiner Indienststellung im Jahr 2001 unterstützt das Schiff nationale und multinationale Marineverbände mit Kraftstoff, Frischwasser, Proviant, Munition, Ersatzteilen, medizinischer Versorgung und zusätzlichen Führungsmöglichkeiten.

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Mit einer Länge von rund 174 Metern und einer Verdrängung von mehr als 20.000 Tonnen gehört die BERLIN zu den größten Schiffen der Deutschen Marine. Ihre besondere Stärke liegt in der Verbindung mehrerer Fähigkeiten: Sie ist Tanker, Transportschiff, schwimmendes Lager, Hubschrauberplattform, Sanitätseinrichtung und Führungsschiff zugleich.

Bau, Taufe und Indienststellung

Die BERLIN wurde bei der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft gebaut.

Stapellauf und Taufe: 30. April 1999
Indienststellung: 11. April 2001
Kennung: A 1411
Internationales Rufzeichen: DRKA
Heimathafen: Wilhelmshaven
Verband: Trossgeschwader der Einsatzflottille 2

Taufpatin war Monika Diepgen, die Ehefrau des damaligen Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Eberhard Diepgen. Mit der Indienststellung der BERLIN begann ein neuer Abschnitt in der schwimmenden Logistik der Deutschen Marine.

Typschiff der Berlin-Klasse

Die BERLIN war der erste von drei Einsatzgruppenversorgern der Klasse 702. Ihr folgten:

A 1412 FRANKFURT AM MAIN
A 1413 BONN

Die Schiffe wurden entwickelt, um gemischte Marineverbände über längere Zeit fernab ihrer Heimatstützpunkte zu versorgen. Sie lösten dabei nicht nur ältere Troßschiffe und Tanker ab, sondern bündelten zahlreiche logistische und sanitätsdienstliche Aufgaben auf einer gemeinsamen Plattform.

Die Einsatzgruppenversorger verlängern die Zeit, die Fregatten, Korvetten und andere Einheiten in einem Einsatzgebiet verbringen können. Da Kraftstoff, Proviant und Material während der Fahrt übernommen werden können, müssen die versorgten Schiffe deutlich seltener einen Hafen anlaufen.

Versorgung auf See

Die Hauptaufgabe der BERLIN ist die Versorgung anderer Schiffe während der Fahrt.

Dazu fährt der Einsatzgruppenversorger mit dem Empfängerschiff auf parallelem Kurs. Zwischen beiden Einheiten werden Leinen, Schläuche und Versorgungseinrichtungen ausgebracht. Flüssige Betriebsstoffe werden durch Schlauchleitungen gepumpt, während Festgüter über Hochleinen oder andere Ladeeinrichtungen übergeben werden.

Die BERLIN kann gleichzeitig Schiffe an Backbord und Steuerbord versorgen. Zusätzlich ist die Abgabe von Kraftstoff über das Heck möglich. Solche Manöver verlangen von den beteiligten Brücken- und Maschinenbesatzungen eine sehr genaue Einhaltung von Kurs, Geschwindigkeit und Abstand.

Zur Versorgung gehören unter anderem:

  • Schiffsdieselkraftstoff,

  • Flugkraftstoff,

  • Schmierstoffe,

  • Frischwasser,

  • Proviant und Kühlgüter,

  • Munition,

  • Ersatzteile,

  • technische Verbrauchsgüter,

  • medizinisches Material,

  • sowie Gegenstände des täglichen Bordbedarfs.

Die BERLIN kann außerdem Abwasser, Müll und andere Rückstände von den versorgten Schiffen übernehmen. Damit dient sie nicht nur der Belieferung, sondern entlastet den gesamten Marineverband auch bei der Entsorgung.

Transportkapazität

Die BERLIN besitzt umfangreiche Tank-, Lager- und Containerkapazitäten.

Zu den veröffentlichten Transportmöglichkeiten gehören unter anderem:

  • mehrere Tausend Tonnen Schiffsdieselkraftstoff,

  • Flugkraftstoff für eingeschiffte und verbundene Luftfahrzeuge,

  • Schmierstoffe,

  • Frischwasser,

  • rund 230 Tonnen Proviant,

  • mehr als 1.000 Tonnen Festgüter,

  • sowie zahlreiche Containerstellplätze.

Zwei große Bordkräne ermöglichen das eigenständige Laden und Löschen von Containern und schweren Versorgungsgütern. Dadurch kann das Schiff auch in Häfen eingesetzt werden, in denen keine ausreichende Infrastruktur zur Verfügung steht.

Hubschrauberbetrieb

Auf dem Achterschiff befinden sich ein großes Flugdeck und ein Hangar für bis zu zwei Marinehubschrauber.

Die Hubschrauber können Material und Personal zwischen den Schiffen eines Verbandes transportieren. Dieses Verfahren ergänzt die klassische Versorgung über Schläuche und Leinen und ermöglicht es, besonders dringend benötigte Güter schnell zu übergeben.

Darüber hinaus können die Luftfahrzeuge eingesetzt werden für:

  • Suche und Rettung,

  • Verwundetentransport,

  • Aufklärung,

  • Personenbeförderung,

  • Materialtransport,

  • sowie die Unterstützung medizinischer Notfälle.

Ursprünglich wurden auf den Einsatzgruppenversorgern vor allem Hubschrauber des Typs Sea King Mk 41 eingesetzt. Mit dem Zulauf des NH90 Sea Lion steht der Marine eine modernere Hubschrauberplattform zur Verfügung.

Medizinische Versorgung

Ein bedeutendes Merkmal der Berlin-Klasse ist ihre umfangreiche sanitätsdienstliche Ausstattung.

Die Schiffe können ein Marineeinsatzrettungszentrum aufnehmen. Diese Einrichtung ermöglicht die Versorgung schwer verletzter und erkrankter Menschen auf See. Dazu gehören abhängig vom jeweiligen Ausrüstungsstand unter anderem:

  • Operationsräume,

  • Intensivbehandlungsplätze,

  • diagnostische Einrichtungen,

  • Röntgentechnik,

  • Laborbereiche,

  • zahnmedizinische Behandlungsmöglichkeiten,

  • Pflege- und Bettenbereiche,

  • sowie Räume für medizinisches Personal.

Damit kann die BERLIN nicht nur die eigenen Besatzungsangehörigen versorgen, sondern auch Verwundete und Erkrankte anderer Schiffe aufnehmen. Die medizinische Fähigkeit ist sowohl für militärische Einsätze als auch für Evakuierungs-, Rettungs- und Katastrophenhilfsaufgaben von großer Bedeutung.

Führungsfähigkeit

Die BERLIN verfügt über zusätzliche Räume und Kommunikationseinrichtungen für eingeschiffte Führungsstäbe.

Dadurch kann sie nicht nur als Versorgungsschiff, sondern auch als Führungsschiff eines multinationalen Marineverbandes eingesetzt werden. Von Bord aus können Operationen geplant, koordiniert und überwacht werden.

Moderne Funk-, Daten- und Satellitenverbindungen ermöglichen den Austausch von Informationen mit anderen Schiffen, Flugzeugen, Hubschraubern und Führungsstellen an Land.

Diese Verbindung von Logistik, Medizin und Führungsfähigkeit macht die Einsatzgruppenversorger zu vielseitigen Multifunktionsschiffen.

Technische Daten

Kennung: A 1411
Name: BERLIN
Klasse: 702
Klassenbezeichnung: Berlin-Klasse
Typ: Einsatzgruppenversorger
Bauwerft: Flensburger Schiffbau-Gesellschaft
Stapellauf und Taufe: 30. April 1999
Indienststellung: 11. April 2001
Länge: rund 174 Meter
Breite: 24 Meter
Tiefgang: rund 7,4 Meter
Verdrängung: rund 20.200 Tonnen
Antrieb: zwei Dieselmotoren
Gesamtleistung: rund 10.600 Kilowatt beziehungsweise 14.400 PS
Anzahl der Wellen: zwei
Höchstgeschwindigkeit: mehr als 20 Knoten
Rufzeichen: DRKA
Heimathafen: Wilhelmshaven
Verband: Trossgeschwader.

Besatzung und zusätzliches Personal

Die Stammbesatzung besteht abhängig vom jeweiligen Organisations- und Ausrüstungsstand aus etwa 160 Soldatinnen und Soldaten.

Bei Einsätzen kommen häufig weitere Kräfte hinzu. Dazu können gehören:

  • medizinisches Personal,

  • Hubschrauberbesatzungen und Techniker,

  • Verbandsstäbe,

  • Boardingteams,

  • Verbindungsoffiziere,

  • militärische Wachkräfte,

  • sowie Ausbildungspersonal und Offizieranwärter.

Dadurch kann die Gesamtzahl der Menschen an Bord deutlich über der eigentlichen Stammbesatzung liegen. Das Schiff verfügt entsprechend über zusätzliche Unterkünfte, Arbeitsräume und Versorgungskapazitäten.

Bewaffnung und Eigenschutz

Die BERLIN ist kein Kampfschiff im klassischen Sinne. Sie verfügt jedoch über Waffen und Schutzsysteme zur Selbstverteidigung.

Zur veröffentlichten Bewaffnung gehören:

  • vier 27-mm-Marineleichtgeschütze MLG 27,

  • vier schwere Maschinengewehre im Kaliber 12,7 Millimeter,

  • sowie tragbare Flugabwehrwaffen.

Die Marineleichtgeschütze dienen insbesondere der Abwehr kleiner und schneller Boote. Maschinengewehre können zur Sicherung des Schiffes, bei Hafenaufenthalten und in engen Küstengewässern eingesetzt werden.

Weitere Schutzmaßnahmen umfassen militärische Wachposten, Radar- und Navigationsanlagen, elektronische Kommunikationsmittel und die Einbindung in den Schutz eines gesamten Marineverbandes.

Heimathafen Wilhelmshaven

Die BERLIN ist im Marinestützpunkt Wilhelmshaven beheimatet.

Sie gehört zum Trossgeschwader der Einsatzflottille 2. In diesem Verband sind die großen Versorgungsschiffe, Tanker und weitere Unterstützungseinheiten der Deutschen Marine zusammengefasst.

Das Trossgeschwader stellt die schwimmende logistische Unterstützung für nationale und internationale Marineoperationen sicher. Seine Schiffe nehmen regelmäßig an NATO-Verbänden, Übungen und Auslandseinsätzen teil.

Einsätze und internationale Verbände

Seit ihrer Indienststellung nahm die BERLIN an zahlreichen multinationalen Übungen, NATO-Verbänden und internationalen Einsätzen teil.

Zu ihren Aufgaben gehörten dabei:

  • die Versorgung multinationaler Schiffsverbände,

  • die Seeraumüberwachung,

  • die Unterstützung von Embargo- und Sanktionskontrollen,

  • medizinische Einsatzunterstützung,

  • die Aufnahme von Führungsstäben,

  • die Bereitstellung von Hubschraubern,

  • sowie die logistische Unterstützung über große Entfernungen.

Die BERLIN wurde in Nord- und Ostsee, im Atlantik, im Mittelmeer, am Horn von Afrika und in weiteren internationalen Seegebieten eingesetzt.

NATO-Operation Sea Guardian

Im Jahr 2020 unterstützte die BERLIN die NATO-Operation Sea Guardian im Mittelmeer.

Der Auftrag umfasste Beiträge zur Seeraumüberwachung, zum Austausch maritimer Lageinformationen, zur Bekämpfung terroristischer Aktivitäten im maritimen Umfeld und zur Eindämmung von Waffenschmuggel.

Während dieses Einsatzes war das Schiff auch mit zusätzlichen medizinischen Fähigkeiten zur Erkennung von Corona-Infektionen ausgestattet. Dies war wegen der besonderen Bedingungen der COVID-19-Pandemie erforderlich.

EUNAVFOR MED Irini

Im März 2021 wurde die BERLIN im Rahmen der europäischen Operation EUNAVFOR MED Irini eingesetzt.

Die Hauptaufgabe der Operation war die Überwachung des von den Vereinten Nationen beschlossenen Waffenembargos gegen Libyen. Dazu wurden verdächtige Schiffe aufgeklärt und bei entsprechender Grundlage kontrolliert.

Auf der BERLIN war während dieses Einsatzes unter anderem ein litauisches Boardingteam eingeschifft. Am 1. April 2021 kontrollierten die Einsatzkräfte den Frachter QUEEN SARA. Bei der Kontrolle wurden keine Verstöße gegen das Waffenembargo festgestellt.

NATO-Verpflichtungen und Nordatlantik

Die BERLIN wurde wiederholt für die schnellen und ständig verfügbaren Marineverbände der NATO bereitgestellt.

Im Jahr 2022 gehörte sie zu den deutschen Einheiten, die vor dem Hintergrund der verschärften Sicherheitslage in Europa zur NATO Response Force beziehungsweise zu verstärkten NATO-Aktivitäten entsandt wurden.

Im Jahr 2025 nahm das Schiff an multinationalen Manövern und Überwachungsaufgaben im Nordatlantik und vor der Küste der Vereinigten Staaten teil. Dabei versorgte die BERLIN verbündete Einheiten mit Kraftstoff und unterstützte den Verband mit Hubschrauber-, Sanitäts- und Ausbildungspersonal. Im Dezember 2025 kehrte sie nach Wilhelmshaven zurück.

Patenschaft mit dem Land Berlin

Zwischen dem Einsatzgruppenversorger und dem Land Berlin besteht seit der Taufe eine enge Verbindung.

Der Name, das Landeswappen und zahlreiche gegenseitige Besuche verbinden die Besatzung mit der deutschen Hauptstadt. Vertreterinnen und Vertreter des Landes besuchen das Schiff, während Delegationen der Besatzung an Veranstaltungen in Berlin teilnehmen.

Im Jahr 2021 erhielt das Schiff das Fahnenband des Landes Berlin. Diese Auszeichnung würdigte die besondere Verbindung zwischen dem Land, dem Schiff und seinen Besatzungen.

Werftliegezeiten und Modernisierung

Ein Schiff dieser Größe benötigt regelmäßig umfangreiche Instandhaltungs- und Modernisierungsarbeiten.

Von 2016 an durchlief die BERLIN eine längere Grundüberholung in Hamburg. Weitere größere Werftarbeiten fanden 2023 und 2024 in Kiel statt.

Dabei werden Maschinenanlagen, Tanks, Versorgungseinrichtungen, Elektronik, Unterkünfte und medizinische Bereiche überprüft, instand gesetzt oder modernisiert. Solche Arbeiten sind erforderlich, damit ein mehr als zwei Jahrzehnte altes Schiff weiterhin sicher und zuverlässig eingesetzt werden kann.

Aktueller Status

A 1411 BERLIN gehört weiterhin zum aktiven Bestand der Deutschen Marine und ist dem Trossgeschwader in Wilhelmshaven unterstellt.

Im April 2026 jährte sich ihre Indienststellung zum 25. Mal. Auch nach einem Vierteljahrhundert bleibt das Typschiff der Klasse 702 ein wichtiger Bestandteil der deutschen und multinationalen Flottenlogistik.

Kameraden für Kameraden

Die BERLIN ist weit mehr als ein großer Tanker.

Ihre Besatzung sorgt dafür, dass andere Schiffe länger im Einsatzgebiet bleiben können. Kraftstoff, Proviant, Munition und Ersatzteile müssen übernommen, gelagert, verwaltet und bei jedem Wetter sicher übergeben werden.

Gleichzeitig arbeiten an Bord Seeleute, Techniker, Sanitätspersonal, Hubschrauberbesatzungen, Logistiker und Führungsstäbe eng zusammen. Versorgung auf See, Flugbetrieb, medizinische Bereitschaft und der tägliche Schiffsbetrieb müssen jederzeit miteinander vereinbar sein.

Die langen Einsätze im Mittelmeer und im Atlantik, die Zusammenarbeit mit verbündeten Marinen und die enge Verbindung zum Land Berlin prägen die Geschichte dieses Schiffes.

Die Produkte zur A 1411 BERLIN erinnern an das Typschiff der Klasse 702 und an alle Kameradinnen und Kameraden, die seit 2001 auf diesem Einsatzgruppenversorger gefahren sind und bis heute auf ihm ihren Dienst versehen.