Kategorie: A1443 RHÖN

A 1443 RHÖN – Betriebsstofftransporter der Klasse 704

Die A 1443 RHÖN ist das Typschiff der aus zwei Einheiten bestehenden Rhön-Klasse, Klasse 704. Seit ihrer Indienststellung im Jahr 1977 versorgt sie deutsche und verbündete Marineschiffe während der Fahrt mit Kraftstoff, Frischwasser und Schmierstoffen.

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Mehr als vier Jahrzehnte lang gehörte die RHÖN zu den wichtigsten schwimmenden Tankstellen der Bundesmarine und später der Deutschen Marine. Sie unterstützte nationale und multinationale Marineverbände in Nord- und Ostsee, im Atlantik, im Mittelmeer und in weiteren internationalen Einsatzgebieten.

Das Schiff wird von einer zivilen Besatzung gefahren. Bei Einsätzen in gefährdeten Seegebieten können zusätzlich militärische Sicherungskräfte eingeschifft werden.

Von der OKENE zur RHÖN

Die spätere RHÖN wurde ursprünglich als ziviler Tanker unter dem Namen OKENE gebaut.

Das Schiff entstand auf der Kröger-Werft in Rendsburg und war für eine dänische Reederei vorgesehen. Es sollte unter liberianischer Flagge im internationalen Tankerverkehr eingesetzt werden.

Gemeinsam mit dem Schwesterschiff OKAPI wurde die OKENE jedoch bereits nach kurzer Zeit zum Verkauf angeboten. Die Bundesmarine erwarb beide Schiffe am 18. März 1976 und ließ sie für die militärische Versorgung auf See umbauen.

Die ehemalige OKENE wurde am 23. September 1977 unter dem Namen RHÖN und mit der Kennung A 1443 in Dienst gestellt.

Zur Rhön-Klasse gehören:

A 1442 SPESSART
A 1443 RHÖN

Die beiden Schiffe wurden nach den deutschen Mittelgebirgen Spessart und Rhön benannt.

Auftrag als Betriebsstofftransporter

Die Hauptaufgabe der RHÖN besteht in der Versorgung von Marineschiffen mit flüssigen Betriebsstoffen.

Dazu gehören insbesondere:

  • Schiffsdieselkraftstoff,

  • Flugkraftstoff,

  • Schmierstoffe,

  • sowie Frischwasser.

Fregatten, Zerstörer und andere Einheiten können ihre Vorräte während der Fahrt ergänzen. Dadurch müssen sie ihr Einsatzgebiet nicht für jeden Tankvorgang verlassen und können wesentlich länger in See bleiben.

Der Betriebsstofftransporter erhöht damit die Reichweite und Durchhaltefähigkeit eines gesamten Marineverbandes. Ohne eine regelmäßige Versorgung auf See müssten Kampfschiffe deutlich häufiger einen Hafen anlaufen.

Versorgung auf See

Bei einem Versorgungsmanöver fahren die RHÖN und das zu versorgende Schiff mit möglichst gleicher Geschwindigkeit auf parallelem Kurs.

Zwischen beiden Einheiten werden Leinen und Versorgungsschläuche ausgebracht. Der eigentliche Schlauch wird über eine Hochleine zum Empfängerschiff geführt und dort angeschlossen.

Anschließend kann der Kraftstoff von den Tanks der RHÖN zum anderen Schiff gepumpt werden.

Während des gesamten Vorgangs müssen Kurs, Geschwindigkeit und Abstand möglichst genau eingehalten werden. Wind, Seegang, Strömung und die gegenseitige Sogwirkung der beiden Schiffe erschweren das Manöver.

Die Brückenbesatzungen, das Maschinenpersonal und die Arbeitsgruppen an den Versorgungsstationen müssen eng zusammenarbeiten. Bereits geringe Kursabweichungen können die Schläuche und Verbindungseinrichtungen stark belasten.

Vorbereitung eines Versorgungsmanövers

Die Vorbereitung einer Versorgung auf See beginnt lange vor dem eigentlichen Anschließen der Schläuche.

Zunächst werden Kraftstoffart und benötigte Menge festgelegt. Pumpen, Leitungen, Ventile und Schläuche müssen kontrolliert werden. Außerdem werden der vorgesehene Kurs, die Geschwindigkeit und die Seite bestimmt, an der das Empfängerschiff längsseits gehen soll.

Auf beiden Schiffen werden Arbeitsgruppen bereitgestellt. Dazu gehören unter anderem:

  • Bediener der Leinen und Hochleinen,

  • Personal an den Schlauchanschlüssen,

  • Pumpenbediener,

  • Beobachter und Sicherheitsposten,

  • Angehörige der Brandabwehr,

  • sowie Verbindungspersonal zur Brücke und zur Maschine.

Während der Übergabe werden Pumpendruck, Durchflussmenge und Füllstände ständig überwacht.

Nach Abschluss des Tankvorgangs werden die Leitungen geleert, die Schläuche getrennt und die Verbindungen zwischen den Schiffen in einer festgelegten Reihenfolge eingeholt.

Versorgungskapazität

Die RHÖN kann große Mengen flüssiger Versorgungsgüter transportieren.

Zu ihren Kapazitäten gehören ungefähr:

  • 10.400 Kubikmeter Kraftstoff,

  • rund 200 Kubikmeter Frischwasser,

  • 55 Fässer Schmieröl,

  • sowie Stellplätze für zwei Standardcontainer.

In älteren Darstellungen wird die gesamte Tankkapazität häufig mit rund 11.500 Kubikmetern angegeben. Die tatsächlich nutzbare Beladung hängt von der Aufteilung der Tanks, der Kraftstoffart und dem jeweiligen Einsatzauftrag ab.

Die Tanks sind in mehrere Bereiche unterteilt. Dadurch können unterschiedliche Betriebsstoffe getrennt voneinander transportiert und abgegeben werden.

Pumpen, Rohrleitungen und Ventilsysteme ermöglichen es, die Ladung gezielt an andere Einheiten zu übergeben.

Kraftstoff als empfindliche Ladung

Der Transport großer Mengen Kraftstoff stellt besondere Anforderungen an Besatzung und Technik.

Die Tanks, Leitungen und Pumpen müssen regelmäßig kontrolliert und instand gehalten werden. Undichtigkeiten können nicht nur die Versorgung gefährden, sondern auch erhebliche Brand- und Umweltrisiken verursachen.

Während der Übernahme und Abgabe von Kraftstoff gelten deshalb strenge Sicherheitsbestimmungen.

Dazu gehören:

  • das Vermeiden von Zündquellen,

  • die Überwachung der Tankentlüftung,

  • die Bereitstellung von Feuerlöschmitteln,

  • die Kontrolle sämtlicher Schlauchverbindungen,

  • sowie die ständige Beobachtung der Wasseroberfläche auf mögliche Kraftstoffaustritte.

Für Notfälle stehen Absperrmöglichkeiten zur Verfügung, mit denen Pumpen und Leitungen schnell gestoppt werden können.

Technische Daten

Kennung: A 1443
Name: RHÖN
Klasse: 704
Klassenbezeichnung: Rhön-Klasse
Typ: Betriebsstofftransporter
Früherer Name: OKENE
Bauwerft: Kröger-Werft, Rendsburg
Baujahr: 1974
Erwerb durch die Bundesmarine: 18. März 1976
Indienststellung: 23. September 1977
Länge: 130,2 Meter
Breite: 19,3 Meter
Tiefgang: rund 8,2 Meter
Verdrängung: rund 14.200 Tonnen
Antrieb: ein Dieselmotor
Gesamtleistung: rund 5.900 Kilowatt beziehungsweise 8.000 PS
Anzahl der Propeller: einer
Propellertyp: Verstellpropeller
Höchstgeschwindigkeit: etwa 16 Knoten
Kraftstoffkapazität: rund 10.400 Kubikmeter
Frischwasserkapazität: rund 200 Kubikmeter
Stammbesatzung: 42 zivile Besatzungsangehörige
Zusätzliches Personal: bis zu 14 Personen
Heimathafen: Wilhelmshaven
Verband: Trossgeschwader
Rufzeichen: DRKM

Antrieb

Die RHÖN wird von einem Zwölfzylinder-Dieselmotor angetrieben.

Die Maschine leistet rund 8.000 PS und wirkt über eine einzelne Welle auf einen Verstellpropeller. Damit erreicht das Schiff eine Höchstgeschwindigkeit von ungefähr 16 Knoten.

Bei einem Verstellpropeller können die Propellerblätter verändert werden. Dadurch lässt sich der erzeugte Schub anpassen, ohne die Drehrichtung des Motors wechseln zu müssen.

Diese Technik erleichtert das Manövrieren und hilft dabei, während einer Versorgung auf See eine möglichst gleichmäßige Geschwindigkeit zu halten.

Für einen Betriebsstofftransporter ist nicht die höchste Geschwindigkeit entscheidend. Wichtiger sind:

  • ein wirtschaftlicher Dauerbetrieb,

  • eine große Reichweite,

  • zuverlässige Maschinenanlagen,

  • sowie die Fähigkeit, auch bei schwierigen Wetterbedingungen einen konstanten Kurs zu halten.

Zivile Besatzung

Die RHÖN wird von einer zivilen Marinebesatzung betrieben.

Die Besatzungsangehörigen sind Beschäftigte der Bundeswehr, jedoch keine Soldaten. Sie fahren unter der Bundesdienstflagge und nehmen mit ihrem Schiff an militärischen Übungen, NATO-Verbänden und internationalen Operationen teil.

Zu den Aufgaben der zivilen Besatzung gehören:

  • Schiffsführung und Navigation,

  • Maschinenbetrieb,

  • Wartung und Instandsetzung,

  • Bedienung der Tank- und Pumpenanlagen,

  • Versorgung auf See,

  • Lade- und Containerarbeiten,

  • Brand- und Leckabwehr,

  • sowie der allgemeine Bordbetrieb.

Die Stammcrew besteht aus rund 42 Personen. Damit betreibt eine vergleichsweise kleine Mannschaft ein mehr als 130 Meter langes Schiff mit umfangreichen Tank-, Pumpen- und Versorgungseinrichtungen.

Jedes Besatzungsmitglied muss mehrere Aufgabenbereiche beherrschen. Gerade während eines Versorgungsmanövers werden nahezu alle verfügbaren Kräfte benötigt.

Militärische Sicherungskräfte

Als ziviler Betriebsstofftransporter besitzt die RHÖN keine fest eingerüstete schwere Schiffsbewaffnung.

Bei Einsätzen in gefährdeten Seegebieten können jedoch bis zu 14 zusätzliche Personen eingeschifft werden. Dazu gehören insbesondere militärische Sicherungskräfte.

Diese können das Schiff gegen Angriffe kleiner Boote oder andere Bedrohungen schützen.

Zur möglichen Ausrüstung gehören:

  • Handwaffen,

  • schwere Maschinengewehre,

  • Beobachtungs- und Kommunikationsmittel,

  • sowie tragbare Flugabwehrflugkörper des Typs Stinger.

In einem Marineverband übernehmen Fregatten und andere Kampfschiffe einen wesentlichen Teil des äußeren Schutzes. Der Betriebsstofftransporter bleibt dennoch ein besonders wichtiges Ziel, weil sein Ausfall die Versorgung des gesamten Verbandes beeinträchtigen kann.

Heimathafen Wilhelmshaven

Die RHÖN ist im Marinestützpunkt Wilhelmshaven beheimatet.

Sie gehört zum Trossgeschwader der Einsatzflottille 2. Dort sind die großen Versorgungsschiffe und weitere Unterstützungseinheiten der Deutschen Marine zusammengefasst.

Während das Schwesterschiff SPESSART lange Zeit von Kiel aus eingesetzt wurde, stellte die RHÖN die Betriebsstoffversorgung von Wilhelmshaven aus sicher.

Die Lage an der Nordsee ermöglicht einen schnellen Zugang zu den Übungs- und Einsatzgebieten im Nordatlantik, im Europäischen Nordmeer und in den westlichen Seegebieten Europas.

Einsätze in NATO-Verbänden

Die RHÖN nahm während ihrer langen Dienstzeit wiederholt an den ständigen Marineverbänden der NATO teil.

Dazu gehörten insbesondere die:

  • Standing NATO Maritime Group 1,

  • Standing NATO Maritime Group 2,

  • NATO Response Force,

  • sowie weitere zeitlich befristete multinationale Verbände.

Die RHÖN versorgte dabei deutsche und verbündete Schiffe mit Kraftstoff und Frischwasser.

Ihre Einsatzgebiete reichten von Nord- und Ostsee über den Nordatlantik bis in das Mittelmeer.

Die Zusammenarbeit mit Schiffen unterschiedlicher Nationen erforderte einheitliche Verfahren, genaue Kommunikation und die Beherrschung internationaler NATO-Standards.

Zusammenstoß mit der USS HAYLER

Am 23. Oktober 1988 kam es während eines Manövers zu einer Kollision zwischen der RHÖN und dem amerikanischen Zerstörer USS HAYLER.

Der amerikanische Zerstörer wurde am Heck schwer beschädigt. Der Zwischenfall ereignete sich während enger Schiffsmanöver und zeigte die besonderen Risiken des Fahrens in einem Marineverband.

Bei Versorgungsmanövern und taktischen Übungen fahren große Schiffe teilweise über längere Zeit in geringem Abstand zueinander. Kurs- oder Geschwindigkeitsänderungen müssen deshalb genau abgestimmt werden.

Auch die Sogwirkung zwischen zwei Schiffsrümpfen kann deren Verhalten beeinflussen und erfordert eine hohe Aufmerksamkeit der Brückenbesatzungen.

Standing NATO Maritime Group 2

Von September bis November 2007 unterstützte die RHÖN die Standing NATO Maritime Group 2 im Mittelmeer.

Der Verband bestand aus Schiffen verschiedener NATO-Staaten und stand für Übungen, Krisenreaktionen und weitere maritime Aufgaben zur Verfügung.

Die RHÖN stellte die Betriebsstoffversorgung der beteiligten Einheiten sicher. Dadurch konnten die Kampfschiffe länger in See bleiben und mussten seltener einen Hafen zum Bunkern anlaufen.

Die Versorgung verbündeter Schiffe gehörte während der gesamten Dienstzeit zu den wichtigsten Aufgaben des Tankers.

Standing NATO Maritime Group 1

Die RHÖN gehörte mehrfach zur Standing NATO Maritime Group 1.

Dokumentierte Verwendungen fanden unter anderem statt:

  • von August bis November 2009,

  • von Januar bis März 2012,

  • von März bis Juni 2013,

  • sowie von März bis Juli 2020.

Die Standing NATO Maritime Group 1 operiert vor allem in Nord- und Ostsee, im Nordatlantik und im Europäischen Nordmeer.

Die RHÖN unterstützte den Verband durch die Versorgung mit Kraftstoff und Wasser und nahm zugleich an gemeinsamen Ausbildungs- und Manövervorhaben teil.

BALTOPS

Die RHÖN beteiligte sich mehrfach an der multinationalen Marineübung BALTOPS in der Ostsee.

BALTOPS gehört zu den größten regelmäßig stattfindenden Marineübungen im Ostseeraum. Schiffe, Flugzeuge und Landstreitkräfte zahlreicher NATO-Staaten und Partnernationen trainieren dabei das gemeinsame Handeln.

Zu den Übungsinhalten gehören unter anderem:

  • Seeraumüberwachung,

  • U-Boot-Jagd,

  • Flugabwehr,

  • Minenabwehr,

  • amphibische Operationen,

  • Versorgung auf See,

  • sowie die Führung multinationaler Verbände.

Im Juni 2019 unterstützte die RHÖN die Übung BALTOPS und wurde dafür zeitweise nach Kiel verlegt.

Auch im Jahr 2020 nahm der Betriebsstofftransporter an der Übung teil.

Versorgung der Fregatte NORDRHEIN-WESTFALEN

Während einer NATO-Verwendung im Jahr 2020 führte die RHÖN erstmals ein Versorgungsmanöver mit einer Fregatte der Klasse 125 durch.

Dabei wurde die F 223 NORDRHEIN-WESTFALEN auf See versorgt.

Die neuen Fregatten der Klasse 125 unterscheiden sich in Größe, Rumpfform und Manövrierverhalten deutlich von älteren Schiffsklassen. Solche ersten Versorgungsmanöver dienen deshalb auch dazu, Verfahren, Abstände und Geschwindigkeiten unter realistischen Bedingungen zu erproben.

Für beide Besatzungen war die erfolgreiche Versorgung ein wichtiger Schritt zur vollständigen Einbindung der neuen Fregatten in nationale und multinationale Marineverbände.

Weitere Ausbildungs- und Versorgungsfahrten

Neben großen NATO-Verwendungen absolvierte die RHÖN zahlreiche nationale Ausbildungsfahrten und Unterstützungsaufgaben.

Dazu gehörten:

  • Versorgung deutscher Fregatten und anderer Marineeinheiten,

  • Begleitung von Einsatz- und Ausbildungsverbänden,

  • Teilnahme an Geschwaderfahrten,

  • Erprobung neuer Versorgungsverfahren,

  • Ausbildung eigener und verbündeter Besatzungen,

  • sowie Hafenbesuche im europäischen Ausland.

Viele dieser Fahrten fanden außerhalb der öffentlichen Aufmerksamkeit statt. Für die Einsatzbereitschaft der beteiligten Schiffe waren sie dennoch von großer Bedeutung.

Technische Probleme der Rhön-Klasse

Das hohe Alter der beiden Betriebsstofftransporter führte in den letzten Dienstjahren zunehmend zu technischen Problemen.

Im Juni 2018 wurde beiden Schiffen der Rhön-Klasse vorübergehend die Betriebszulassung entzogen. Bei Überprüfungen waren erhebliche Mängel an Maschinenanlagen und weiteren sicherheitsrelevanten Bereichen festgestellt worden.

RHÖN und SPESSART mussten außerplanmäßig instand gesetzt werden.

Nach umfangreichen Reparaturen konnten beide Schiffe wieder in den Fahrbetrieb zurückkehren. Die Maßnahmen verursachten jedoch hohe Kosten und zeigten deutlich, dass die beiden in den 1970er-Jahren gebauten Tanker das Ende ihrer technischen Nutzungsdauer erreicht hatten.

Kritik des Bundesrechnungshofes

Der Bundesrechnungshof kritisierte die hohen Kosten für die Instandsetzung und den Weiterbetrieb der alten Tanker.

Für Reparaturen an RHÖN und SPESSART wurden erhebliche Haushaltsmittel aufgewendet, obwohl beide Schiffe bereits seit Jahrzehnten im Dienst standen und ein Ersatz erforderlich war.

Die Marine war dennoch auf die Tanker angewiesen. Ohne sie hätte Deutschland über längere Zeit keine ausreichende eigene Fähigkeit zur Betriebsstoffversorgung größerer Marineverbände besessen.

Die RHÖN blieb deshalb nach ihrer Reparatur weiter in Fahrt und nahm erneut an NATO-Übungen und internationalen Verbänden teil.

Nachfolge durch die Klasse 707

Als Ersatz für RHÖN und SPESSART werden zwei neue Marinebetriebsstoffversorger der Klasse 707 gebaut.

Die Neubauten sollen wesentlich größer und leistungsfähiger werden. Sie sollen unter anderem:

  • mehr Kraftstoff transportieren,

  • zwei Schiffe gleichzeitig versorgen,

  • höhere Geschwindigkeiten erreichen,

  • moderne Umwelt- und Sicherheitsvorgaben erfüllen,

  • militärisches und ziviles Personal aufnehmen,

  • sowie besser gegen Bedrohungen geschützt werden können.

Die Fertigstellung der neuen Tanker hat sich gegenüber den ursprünglichen Planungen verzögert. Die beiden Neubauten sollen voraussichtlich 2027 an die Marine übergeben werden.

Ende der Nutzungsdauer

Die RHÖN gehört im Sommer 2026 weiterhin zum Bestand der Deutschen Marine.

Das Ende der vorgesehenen Nutzungsdauer der Rhön-Klasse ist für August 2026 erreicht. Bis zum Zulauf der neuen Betriebsstoffversorger muss die Marine den Übergang zwischen den alten und den neuen Schiffen sicherstellen.

Ob die RHÖN unmittelbar nach Erreichen dieses Termins formell außer Dienst gestellt oder zunächst noch als Reserve beziehungsweise stationäre Unterstützungseinheit verwendet wird, ist noch nicht abschließend dokumentiert.

Aktueller Status

A 1443 RHÖN gehört zum Trossgeschwader und ist in Wilhelmshaven beheimatet.

Das Schiff befindet sich am Ende einer außergewöhnlich langen Dienstzeit. Seit 1977 hat es deutsche und verbündete Marineeinheiten in zahlreichen Übungen und internationalen Verbänden mit Kraftstoff und Wasser versorgt.

Mit dem Zulauf der Klasse 707 endet eine Epoche, in der die RHÖN und ihr Schwesterschiff SPESSART nahezu fünf Jahrzehnte lang die wesentliche deutsche Fähigkeit zur Betriebsstoffversorgung auf See sicherstellten.

Bedeutung der RHÖN

Die RHÖN war nie ein Kampfschiff und stand nur selten im Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit.

Ihre Leistung war dennoch für zahlreiche Einsätze unverzichtbar. Fregatten, Zerstörer und andere Einheiten konnten nur deshalb über längere Zeit in See bleiben, weil der Betriebsstofftransporter ihre Kraftstoffvorräte ergänzte.

Die RHÖN unterstützte NATO-Verbände, Übungen und nationale Ausbildungsfahrten. Sie arbeitete mit Schiffen zahlreicher Nationen zusammen und trug über Jahrzehnte zur Einsatzfähigkeit deutscher und verbündeter Marineverbände bei.

Zugleich steht sie für die besondere Arbeit der zivilen Marinebesatzungen. Diese fahren unter militärischen Einsatzbedingungen, bedienen komplexe technische Anlagen und übernehmen Verantwortung für ein Schiff mit Tausenden Kubikmetern Kraftstoff an Bord.

Kameraden für Kameraden

Die RHÖN war über Jahrzehnte die schwimmende Tankstelle ganzer Marineverbände.

Ihre zivile Besatzung hielt Maschine, Pumpen, Ventile und Tankanlagen einsatzbereit. Sie fuhr anspruchsvolle Versorgungsmanöver und sorgte dafür, dass Fregatten, Zerstörer und andere Schiffe ihren Auftrag fortsetzen konnten.

Das Leben an Bord wurde von langen Seefahrtsabschnitten, technischen Wachen, Wartungsarbeiten und der Verantwortung für eine besonders empfindliche Ladung geprägt.

Die NATO-Verwendungen, die Übungen in Nord- und Ostsee, die Versorgung deutscher und verbündeter Schiffe und die jahrzehntelange Verbindung zu Wilhelmshaven gehören zur Geschichte dieses Tankers.

Die Produkte zur A 1443 RHÖN erinnern an das Typschiff der Klasse 704 – und an alle zivilen und militärischen Besatzungsangehörigen, die seit 1977 auf ihm gefahren sind und für die Versorgung der Flotte gesorgt haben.

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