Kategorie: A1442 SPESSART

A 1442 SPESSART – Betriebsstofftransporter der Rhön-Klasse

Die A 1442 SPESSART ist ein Betriebsstofftransporter der Rhön-Klasse, Klasse 704. Mehr als 46 Jahre lang versorgte sie Schiffe der Bundesmarine und später der Deutschen Marine mit Kraftstoff und Frischwasser.

Mehr über diese Kollektion erfahren Beschreibung schließen

Mit einer Tankkapazität von rund 11.500 Kubikmetern war die SPESSART über Jahrzehnte ein wichtiger Bestandteil der schwimmenden Logistik. Sie unterstützte deutsche und multinationale Marineverbände in Nord- und Ostsee, im Atlantik, im Mittelmeer, im Roten Meer und am Horn von Afrika.

Das Schiff wurde von einer zivilen Besatzung gefahren. Bei Einsätzen in gefährdeten Seegebieten konnten zusätzlich militärische Sicherungskräfte eingeschifft werden.

Von der OKAPI zur SPESSART

Die SPESSART wurde ursprünglich als ziviler Tanker unter dem Namen OKAPI gebaut. Das Schiff entstand auf der Kröger-Werft in Rendsburg und war zunächst für eine ausländische Reederei vorgesehen.

Noch bevor der Tanker dauerhaft im zivilen Frachtverkehr eingesetzt wurde, erwarb ihn die Bundesmarine gemeinsam mit dem Schwesterschiff OKENE.

Nach dem Umbau für die militärische Seeversorgung wurde die ehemalige OKAPI am 5. September 1977 unter dem Namen SPESSART und mit der Kennung A 1442 in Dienst gestellt. Das Schwesterschiff folgte als A 1443 RHÖN.

Zur Rhön-Klasse gehören:

A 1442 SPESSART
A 1443 RHÖN

Auftrag als Betriebsstofftransporter

Die Hauptaufgabe der SPESSART bestand darin, Schiffe eines Marineverbandes während der Fahrt mit flüssigen Betriebsstoffen zu versorgen.

Dazu gehörten insbesondere:

  • Schiffsdieselkraftstoff,

  • Flugkraftstoff,

  • Schmierstoffe,

  • sowie Frischwasser.

Durch die Versorgung auf See konnten Fregatten, Zerstörer, Schnellboote und andere Einheiten länger in ihrem Einsatzgebiet bleiben. Sie mussten nicht für jede Kraftstoffaufnahme einen Hafen anlaufen.

Der Tanker übernahm damit eine Aufgabe, die für die Reichweite und Durchhaltefähigkeit eines gesamten Marineverbandes von entscheidender Bedeutung war.

Versorgung auf See

Bei einem Versorgungsmanöver fuhren die SPESSART und das zu versorgende Schiff mit möglichst gleicher Geschwindigkeit auf parallelem Kurs.

Zwischen beiden Einheiten wurden Leinen und Schläuche ausgebracht. Anschließend konnten Kraftstoff oder Frischwasser von einem Schiff zum anderen gepumpt werden.

Während des gesamten Manövers mussten Kurs, Geschwindigkeit und Abstand genau eingehalten werden. Wind, Seegang und die Sogwirkung zwischen den Schiffen erschwerten die Arbeit zusätzlich.

Brücke, Maschinenraum und die Besatzungen der Versorgungsstationen mussten eng zusammenarbeiten. Bereits geringe Abweichungen konnten die Schläuche und Verbindungseinrichtungen stark belasten.

Tankkapazität

Die SPESSART konnte rund 11.500 Kubikmeter flüssige Ladung aufnehmen.

Die Tanks waren so unterteilt, dass unterschiedliche Betriebsstoffe getrennt voneinander transportiert werden konnten. Pumpen, Rohrleitungen und Übergabeeinrichtungen ermöglichten die Abgabe der Ladung während der Fahrt.

Neben Kraftstoff konnte das Schiff auch Frischwasser an andere Einheiten übergeben.

Die große Ladekapazität machte die SPESSART zu einem wichtigen Bestandteil nationaler und multinationaler Marineverbände. Ein einzelner Tanker konnte mehrere Schiffe nacheinander versorgen und dadurch die Einsatzdauer des gesamten Verbandes verlängern.

Technische Daten

Kennung: A 1442
Name: SPESSART
Klasse: 704
Klassenbezeichnung: Rhön-Klasse
Typ: Betriebsstofftransporter
Früherer Name: OKAPI
Bauwerft: Kröger-Werft, Rendsburg
Indienststellung: 5. September 1977
Länge: 130,2 Meter
Breite: 19,3 Meter
Tiefgang: etwa 8,2 Meter
Verdrängung: rund 14.200 Tonnen
Tankkapazität: etwa 11.500 Kubikmeter
Antrieb: ein Dieselmotor
Leistung: rund 5.900 Kilowatt beziehungsweise 8.000 PS
Anzahl der Propeller: einer
Höchstgeschwindigkeit: etwa 16 Knoten
Besatzung: rund 40 bis 42 zivile Besatzungsangehörige
Heimathafen: Kiel
Verband: Trossgeschwader.

Antrieb

Die SPESSART wurde von einem Zwölfzylinder-Dieselmotor angetrieben.

Die Maschine leistete rund 8.000 PS und wirkte auf einen einzelnen Verstellpropeller. Das Schiff erreichte damit eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 16 Knoten.

Für einen Betriebsstofftransporter war nicht die höchstmögliche Geschwindigkeit entscheidend. Wichtiger waren ein wirtschaftlicher Dauerbetrieb, eine große Reichweite und die Fähigkeit, bei Versorgungsmanövern über längere Zeit einen gleichmäßigen Kurs und eine konstante Geschwindigkeit zu halten.

Die Antriebsanlage und die Energieversorgung mussten auch während der Abgabe großer Kraftstoffmengen zuverlässig arbeiten. Neben dem eigenen Schiffsbetrieb waren dabei zahlreiche Pumpen und Versorgungseinrichtungen in Betrieb.

Zivile Besatzung

Die SPESSART wurde von einer zivilen Marinebesatzung gefahren.

Diese Besatzungsangehörigen waren Beschäftigte der Bundeswehr, jedoch keine Soldaten. Sie übernahmen den vollständigen nautischen und technischen Betrieb des Schiffes.

Zu ihren Aufgaben gehörten:

  • Schiffsführung und Navigation,

  • Maschinenbetrieb,

  • Bedienung der Pumpen und Tankanlagen,

  • Wartung und Instandsetzung,

  • Versorgung auf See,

  • Brand- und Leckabwehr,

  • sowie der allgemeine Bordbetrieb.

Die Besatzung bestand aus rund 40 bis 42 Personen. Damit musste eine vergleichsweise kleine Mannschaft ein 130 Meter langes Schiff mit umfangreichen Tank- und Versorgungseinrichtungen betreiben.

Militärischer Schutz

Als ziviler Betriebsstofftransporter besaß die SPESSART keine fest eingerüstete schwere Schiffsbewaffnung.

Bei Einsätzen in gefährdeten Seegebieten konnten jedoch militärische Sicherungskräfte an Bord genommen werden. Sie verfügten über Handwaffen und weitere Ausrüstung zum Schutz gegen Angriffe kleiner Boote.

Darüber hinaus konnten tragbare Flugabwehrraketen des Typs Stinger mitgeführt werden.

Normalerweise operierte die SPESSART innerhalb eines geschützten Marineverbandes. Fregatten und andere Kampfschiffe übernahmen dabei einen wesentlichen Teil der Sicherung des wertvollen Versorgungsschiffes.

Heimathafen Kiel

Der Heimathafen der SPESSART war Kiel.

Das Schiff gehörte zum Trossgeschwader der Deutschen Marine. Während das Schwesterschiff RHÖN in Wilhelmshaven beheimatet war, stellte die SPESSART die Betriebsstoffversorgung von Kiel aus sicher.

Durch ihre Stationierung an der Ostsee konnte sie schnell an Übungen und NATO-Verwendungen in Nord- und Ostsee teilnehmen. Gleichzeitig führten zahlreiche Einsätze weit über die europäischen Heimatgewässer hinaus.

Zusammenstoß mit dem Zerstörer BAYERN

Am 8. Mai 1980 kam es während einer Übung zu einem Zusammenstoß zwischen der SPESSART und dem Zerstörer D 183 BAYERN.

Der Bug des Zerstörers wurde dabei schwer beschädigt. Die BAYERN musste anschließend in Toulon notdürftig repariert werden und erhielt einen provisorischen Vorsteven.

Der Zwischenfall zeigte, wie anspruchsvoll das Fahren großer Schiffe in engem Verband sein konnte. Bei Versorgungsmanövern und taktischen Übungen waren die Einheiten häufig nur durch einen vergleichsweise geringen Abstand voneinander getrennt.

Operation Southern Cross

Von Januar bis April 1994 gehörte die SPESSART zur deutschen Task Group 500.02.

Der Verband unterstützte die Rückverlegung des Deutschen Unterstützungsverbandes Somalia. Soldaten und Material wurden im Rahmen der Operation Southern Cross aus Mogadischu nach Mombasa gebracht.

Die SPESSART stellte dabei die Kraftstoffversorgung der beteiligten Marineschiffe sicher.

Diese Verwendung gehörte zu den frühen größeren Auslandseinsätzen der Bundeswehr nach der Wiedervereinigung.

Hilfe nach einem Vulkanausbruch

Am 30. September 2007 befand sich die SPESSART als Teil der Standing NATO Maritime Group 1 im Roten Meer.

Während der Fahrt in Richtung Suezkanal brach auf der jemenitischen Insel Dschabal at-Tair ein Vulkan aus. Die NATO-Schiffe beteiligten sich daraufhin an der Suche nach vermissten Angehörigen der jemenitischen Streitkräfte.

Auch die SPESSART unterstützte die Rettungsmaßnahmen. Der Einsatz zeigte, dass ein Betriebsstofftransporter neben seiner logistischen Hauptaufgabe auch bei Seenotfällen und Katastrophenhilfe eingesetzt werden konnte.

Piratenangriff am Horn von Afrika

Zu den bekanntesten Ereignissen in der Geschichte der SPESSART gehört ein Piratenangriff am 29. März 2009.

Das Schiff befand sich im Golf von Aden und unterstützte deutsche Einheiten bei der europäischen Operation Atalanta. Ein kleines Boot näherte sich dem Tanker, und mehrere Angreifer eröffneten mit Handfeuerwaffen das Feuer.

Das an Bord befindliche militärische Sicherungskommando erwiderte den Angriff. Die SPESSART erhöhte ihre Geschwindigkeit und nahm die Verfolgung des flüchtenden Piratenbootes auf.

Mehrere Kriegsschiffe und Hubschrauber beteiligten sich anschließend an der Suche. Ein Boardingteam der Fregatte RHEINLAND-PFALZ nahm die sieben mutmaßlichen Angreifer fest.

Der Vorfall machte deutlich, wie verwundbar ein großer und vergleichsweise langsam fahrender Tanker ohne eingeschiffte Sicherungskräfte gewesen wäre.

Operation Atalanta

Die SPESSART wurde mehrfach bei der europäischen Operation Atalanta am Horn von Afrika eingesetzt.

Der Auftrag der Operation bestand vor allem im Schutz von Schiffen des Welternährungsprogramms und anderer gefährdeter Handelsschiffe vor Piratenangriffen.

Die SPESSART versorgte die beteiligten Kriegsschiffe mit Kraftstoff. Dadurch konnten diese länger im weitläufigen Einsatzgebiet vor Somalia und im Golf von Aden verbleiben.

Von April bis August 2016 nahm sie erneut an der Operation teil und unterstützte den multinationalen Verband als schwimmende Tankstelle.

NATO-Verbände

Die SPESSART gehörte während ihrer langen Dienstzeit wiederholt zu den ständigen Marineverbänden der NATO.

Sie unterstützte unter anderem die:

  • Standing NATO Maritime Group 1,

  • Standing NATO Maritime Group 2,

  • NATO Response Force,

  • sowie die besonders schnell verfügbaren maritimen Eingreifkräfte des Bündnisses.

Die Einsatzgebiete reichten vom Nordatlantik und Europäischen Nordmeer über Nord- und Ostsee bis in das Mittelmeer und an das Horn von Afrika.

Die zivile Besatzung arbeitete dabei regelmäßig mit Soldatinnen und Soldaten zahlreicher verbündeter Nationen zusammen.

Technische Ausfälle

Das hohe Alter der SPESSART führte in den letzten Dienstjahren zunehmend zu technischen Problemen.

Im April 2017 musste das Schiff einen NATO-Einsatz wegen eines Maschinenschadens vorzeitig abbrechen. Im Februar 2018 folgten Schäden an der elektrischen Energieversorgung.

Im Juni 2018 wurde den beiden Schiffen der Rhön-Klasse zeitweilig die Betriebszulassung entzogen. Nach Reparaturen konnte die SPESSART jedoch wieder eingesetzt werden.

Auch in späteren Jahren kam es zu Ausfällen und zusätzlichen Reparaturaufenthalten. Die Besatzung und die Marine hielten das Schiff dennoch weiter in Betrieb, weil ein unmittelbarer Ersatz noch nicht zur Verfügung stand.

Letzte NATO-Verwendungen

Im Januar 2021 schloss sich die SPESSART erneut der Standing NATO Maritime Group 1 an.

Im Jahr 2022 unterstützte sie die besonders schnell verfügbaren maritimen NATO-Kräfte in Nord- und Ostsee. Nach rund 13.000 zurückgelegten Seemeilen kehrte das Schiff am 2. Dezember 2022 nach Kiel zurück.

Ihre letzte größere Seefahrt absolvierte die SPESSART 2023 innerhalb der Standing NATO Maritime Group 1. Während dieser Verwendung legte sie mehr als 19.000 Seemeilen zurück und versorgte zahlreiche verbündete Schiffe.

Ende der Fahrbereitschaft

Nach Abschluss ihres letzten NATO-Einsatzes im Dezember 2023 wurde die Fahrberechtigung der SPESSART nicht mehr verlängert.

Damit endete nach mehr als 46 Jahren der aktive Seefahrtsdienst des Betriebsstofftransporters. Die Marine kündigte an, das Schiff zunächst aus der Fahrbereitschaft zu nehmen und später außer Dienst zu stellen.

Seitdem wird die SPESSART nicht mehr für reguläre Einsätze oder Seefahrten verwendet. Das Schiff blieb jedoch zunächst erhalten und wurde als stationäres Tanklager genutzt.

Verbleib

Die SPESSART liegt nach dem Ende ihrer Fahrbereitschaft weiterhin im Bereich des Marinestützpunktes Kiel beziehungsweise zeitweise an Werftliegeplätzen.

Eine formelle Außerdienststellungszeremonie oder ein endgültiger Verkauf zum Abbruch ist öffentlich bislang nicht eindeutig dokumentiert. Das Schiff gilt jedoch als stillgelegt und wird nicht mehr für den regulären Fahrbetrieb eingesetzt.

Als Nachfolger sind zwei neue Marinebetriebsstoffversorger der Klasse 707 vorgesehen. Die Indienststellung dieser Neubauten hat sich gegenüber den ursprünglichen Planungen verzögert.

Bedeutung der SPESSART

Die SPESSART war über Jahrzehnte eine der wichtigsten schwimmenden Tankstellen der Bundesmarine und Deutschen Marine.

Sie versorgte deutsche und verbündete Schiffe während Übungen, NATO-Verwendungen und Auslandseinsätzen. Ihre Kraftstofflieferungen ermöglichten es den Kampfschiffen, über lange Zeit in weit entfernten Einsatzgebieten zu bleiben.

Die SPESSART war zugleich ein besonderes Beispiel für die Arbeit ziviler Marinebesatzungen. Eine kleine Mannschaft betrieb ein großes Versorgungsschiff unter militärischen Einsatzbedingungen und fuhr dabei in Seegebiete vom Nordkap bis zum Horn von Afrika.

Kameraden für Kameraden

Die SPESSART war ein Arbeitsschiff, dessen Bedeutung sich oft erst zeigte, wenn andere Einheiten Kraftstoff benötigten.

Ihre zivile Besatzung hielt Maschine, Pumpen und Tankanlagen einsatzbereit, fuhr anspruchsvolle Versorgungsmanöver und sorgte dafür, dass Fregatten, Zerstörer und andere Schiffe ihren Auftrag fortsetzen konnten.

Mehr als 46 Jahre Dienst, weltweite Einsätze, technische Rückschläge und der Piratenangriff von 2009 prägten die außergewöhnliche Geschichte dieses Schiffes.

Die Produkte zur A 1442 SPESSART erinnern an den Betriebsstofftransporter der Rhön-Klasse – und an alle zivilen und militärischen Besatzungsangehörigen, die seit 1977 auf ihm gefahren sind.

Keine Produkte gefunden
Verwende weniger Filter oder entferne alle