Kategorie: Torpedo-Schnellboot P6077 S28 KORMORAN

P 6077 / S 28 KORMORAN – Schnellboot der Seeadler-Klasse

Das Schnellboot KORMORAN gehörte zu den zehn Torpedo-Schnellbooten der Klasse 141. Die nach ihrem ersten Boot auch als Seeadler-Klasse bezeichneten Einheiten bildeten von 1958 bis 1976 das 2. Schnellbootgeschwader der Bundesmarine.

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KORMORAN war das zuletzt in Dienst gestellte Boot der Klasse und beendete im November 1976 zugleich die Ära der Torpedo-Schnellboote im 2. Schnellbootgeschwader.

Bau und Indienststellung

KORMORAN wurde bei der Kröger-Werft in Schacht-Audorf unter der Baunummer 1148 gebaut.

Am 9. November 1959 wurde das Boot als S 28 KORMORAN für die Bundesmarine in Dienst gestellt. Die internationale NATO-Kennung lautete P 6077, das Rufzeichen des Bootes war DBSM.

Nach seiner Indienststellung wurde KORMORAN dem 2. Schnellbootgeschwader unterstellt. Mit seinem Zulauf war der Verband vollständig mit allen zehn Booten der Klasse 141 ausgerüstet.

Dienst im 2. Schnellbootgeschwader

Das 2. Schnellbootgeschwader war am 1. Juni 1958 aufgestellt worden. Die zehn Boote der Seeadler-Klasse versahen bis 1976 gemeinsam ihren Dienst in diesem Verband. Die Klasse 141 unterschied sich von der weitgehend baugleichen Klasse 140 vor allem durch ihre Motorisierung.

Der militärische Hauptauftrag von KORMORAN bestand darin, gegnerische Überwasserstreitkräfte aufzuklären, sich ihnen mit hoher Geschwindigkeit zu nähern und sie möglichst überraschend mit Torpedos anzugreifen.

Zum regelmäßigen Dienstbetrieb gehörten:

  • Torpedo- und Artillerieschießen

  • Gefechts- und Verbandsausbildung

  • Nacht- und Schlechtwetterfahrten

  • Aufklärungs- und Sicherungsaufgaben

  • nationale und internationale Manöver

  • Ausbildungsfahrten in Nord- und Ostsee

  • Hafenbesuche im In- und Ausland

Die Schnellboote operierten häufig in Rotten oder größeren Verbänden. Navigation, Waffenführung, Nachrichtenverbindungen und Maschinenanlage mussten dabei präzise zusammenarbeiten.

Bordleben und Kameradschaft

Der Dienst auf KORMORAN stellte hohe Anforderungen an die Besatzung. Die Unterkünfte und Arbeitsbereiche waren eng. Bei hoher Fahrt waren die Kameraden starken Vibrationen, erheblicher Geräuschentwicklung und den Bewegungen des Bootes im Seegang ausgesetzt.

Die Besatzung von etwa 39 Mann musste den umfangreichen Wach-, Übungs- und Gefechtsdienst auf engem Raum bewältigen. Die begrenzten Erholungsmöglichkeiten machten längere Einsatzfahrten besonders anspruchsvoll.

Unter diesen Bedingungen war gegenseitiges Vertrauen unverzichtbar. Die enge Kameradschaft der Schnellbootfahrer blieb daher vielfach weit über die aktive Dienstzeit hinaus bestehen.

Von Wilhelmshaven nach Olpenitz

Der erste Heimathafen von KORMORAN und des 2. Schnellbootgeschwaders war Wilhelmshaven.

Zum 1. November 1970 verlegte das Geschwader nach Olpenitz an die Ostsee. Von dort aus absolvierte KORMORAN seine letzten sechs Dienstjahre in der Bundesmarine.

Die Ostsee war während des Kalten Krieges das wichtigste vorgesehene Einsatzgebiet der deutschen Schnellboote. Ihre engen Seegebiete, Inseln und küstennahen Fahrwasser boten günstige Voraussetzungen für schnelle und überraschende Torpedoangriffe.

Patenschaft mit Mülheim an der Ruhr

Patenstadt von S 28 KORMORAN war Mülheim an der Ruhr. Die Patenschaft verband die Besatzung des Bootes mit der Bevölkerung und den Vertretern der Stadt.

Sie wurde durch gegenseitige Besuche, Empfänge und persönliche Kontakte gepflegt. Der Traditionsname KORMORAN wurde später vom Flugkörperschnellboot S 70 KORMORAN der Klasse 143 übernommen.

Außerdienststellung

Nach etwas mehr als 17 Jahren im Dienst der Bundesmarine wurde P 6077 / S 28 KORMORAN am 26. November 1976 außer Dienst gestellt.

KORMORAN war das letzte alte Torpedo-Schnellboot des 2. Schnellbootgeschwaders. Mit seiner Außerdienststellung endete die Nutzung der Klasse 141 im Verband.

Die Seeadler-Klasse wurde durch die neuen Flugkörperschnellboote der Albatros-Klasse 143 ersetzt. Damit wandelte sich das Einsatzkonzept von unmittelbaren Torpedoangriffen hin zur Bekämpfung gegnerischer Schiffe mit weitreichenden Seezielflugkörpern.

Weiterer Dienst in Griechenland

Nach seiner Außerdienststellung wurde KORMORAN an die griechische Marine abgegeben. Dort erhielt das Boot den Namen SKORPIOS, griechisch ΣΚΟΡΠΙΟΣ, und zunächst die Kennung P 229. Später wurde es als P 55 geführt.

SKORPIOS wurde 1977 in den aktiven Dienst der griechischen Marine übernommen und blieb dort bis 1995 im Einsatz.

Damit erreichte das ehemalige KORMORAN eine militärische Gesamtdienstzeit von rund 36 Jahren unter deutscher und griechischer Flagge.

Technische Daten der Klasse 141

  • Typ: Torpedo-Schnellboot

  • Klasse: 141, Seeadler-Klasse

  • Werft: Kröger-Werft, Schacht-Audorf

  • Baunummer: 1148

  • Länge: 42,62 Meter

  • Breite: 7,1 Meter

  • Tiefgang: maximal etwa 2,1 Meter

  • Konstruktionsverdrängung: etwa 183 Tonnen

  • Antrieb: vier Dieselmotoren auf vier Wellen

  • Maschinenleistung: etwa 12.000 bis 14.400 PS

  • Höchstgeschwindigkeit: etwa 42 Knoten

  • Besatzung: etwa 39 Mann

Bewaffnung

Die ursprüngliche Bewaffnung bestand aus:

  • vier fest eingebauten Torpedorohren im Kaliber 53,3 Zentimeter

  • zwei 40-mm-Bofors-Geschützen

  • bis zu vier Wasserbomben

  • optional einer Minenlegevorrichtung anstelle der achteren Torpedorohre

Da die Torpedorohre nicht geschwenkt werden konnten, musste das gesamte Boot auf den errechneten Schusskurs gebracht werden. Ein erfolgreicher Torpedoangriff verlangte deshalb hohe Geschwindigkeit, präzise Navigation und eine eng abgestimmte Zusammenarbeit der gesamten Besatzung.

Von Kameraden für Kameraden

P 6077 / S 28 KORMORAN stand mehr als 17 Jahre im Dienst der Bundesmarine und anschließend weitere 18 Jahre unter griechischer Flagge. Als letztes in Dienst gestelltes und letztes außer Dienst gestelltes Boot der Seeadler-Klasse markiert KORMORAN einen besonderen Abschnitt in der Geschichte des 2. Schnellbootgeschwaders.

Unsere Artikel zu P 6077 / S 28 KORMORAN erinnern an das Boot, seine Besatzungen, die Patenstadt Mülheim an der Ruhr und die Kameradschaft der Schnellbootfahrer.

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