Kategorie: P6075 S26 HABICHT

P 6075 / S 26 HABICHT – Schnellboot der Seeadler-Klasse

Das Schnellboot HABICHT gehörte zu den zehn Torpedo-Schnellbooten der Klasse 141. Die nach dem Typschiff auch als Seeadler-Klasse bezeichneten Boote waren für schnelle und überraschende Torpedoangriffe gegen gegnerische Überwasserstreitkräfte vorgesehen.

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HABICHT stand während seiner gesamten deutschen Dienstzeit im 2. Schnellbootgeschwader und gehörte damit zu jener frühen Schnellbootgeneration, die den Aufbau der Bundesmarine und ihren Auftrag während des Kalten Krieges wesentlich mitprägte.

Bau und Indienststellung

HABICHT wurde unter der Baunummer 1146 gebaut.

Am 21. Mai 1959 wurde das Boot als S 26 HABICHT für die Bundesmarine in Dienst gestellt. Die internationale NATO-Kennung lautete P 6075, das Rufzeichen des Bootes war DBRR.

Nach der Indienststellung wurde HABICHT dem 2. Schnellbootgeschwader zugeteilt und zunächst in Wilhelmshaven stationiert.

Dienst im 2. Schnellbootgeschwader

Das 2. Schnellbootgeschwader war mit Wirkung vom 1. Juni 1958 in Wilhelmshaven aufgestellt worden. Es erhielt alle zehn Boote der Seeadler-Klasse und wurde ab 1976 schrittweise auf die neuen Flugkörperschnellboote der Klasse 143 umgerüstet.

Der Hauptauftrag von HABICHT bestand darin, gegnerische Überwassereinheiten aufzuklären, sich ihnen mit hoher Geschwindigkeit zu nähern und sie möglichst überraschend mit Torpedos anzugreifen.

Zum regelmäßigen Dienstbetrieb gehörten:

  • Torpedo- und Artillerieschießen

  • Gefechts- und Verbandsausbildung

  • Nacht- und Schlechtwetterfahrten

  • Aufklärungs- und Sicherungsaufgaben

  • nationale und internationale Manöver

  • Ausbildungsfahrten in Nord- und Ostsee

  • Hafenbesuche im In- und Ausland

Die Boote operierten häufig in Rotten oder größeren Schnellbootverbänden. Dabei mussten Navigation, Waffenführung, Nachrichtenverbindungen und Maschinenanlage präzise zusammenwirken.

Bordleben und Kameradschaft

Der Dienst auf HABICHT war von den besonderen Bedingungen eines kleinen und leistungsstarken Kampfbootes geprägt. Die Unterkünfte und Arbeitsbereiche waren eng, während die Besatzung bei hoher Fahrt starken Vibrationen, erheblicher Geräuschentwicklung und den Bewegungen des Bootes im Seegang ausgesetzt war.

Lange Wachen, Übungen bei Nacht und der anspruchsvolle technische Betrieb verlangten von jedem Besatzungsmitglied hohe Aufmerksamkeit und Zuverlässigkeit. Die Kameraden mussten sich auch unter schwierigen Bedingungen uneingeschränkt aufeinander verlassen können.

Diese gemeinsamen Erfahrungen begründeten eine enge Verbundenheit, die bei vielen ehemaligen Schnellbootfahrern weit über die aktive Dienstzeit hinaus bestehen blieb.

Von Wilhelmshaven nach Olpenitz

Der erste Heimathafen von HABICHT und des 2. Schnellbootgeschwaders war Wilhelmshaven.

Zum 1. November 1970 verlegte das Geschwader nach Olpenitz an die Ostsee. Dort absolvierte HABICHT die letzten Jahre seines Dienstes in der Bundesmarine.

Die engen Seegebiete und küstennahen Fahrwasser der Ostsee galten während des Kalten Krieges als besonders geeignetes Operationsgebiet für schnelle und wendige Torpedoboote.

Patenschaft mit Wanne-Eickel

Patenstadt von S 26 HABICHT war die nordrhein-westfälische Stadt Wanne-Eickel, die seit 1975 zur Stadt Herne gehört. Die Patenschaft ist in der Überlieferung des 2. Schnellbootgeschwaders ausdrücklich dokumentiert.

Solche Patenschaften schufen eine dauerhafte Verbindung zwischen den Besatzungen und der Bevölkerung der jeweiligen Städte. Sie wurden durch gegenseitige Besuche, offizielle Empfänge und persönliche Kontakte gepflegt.

Der Traditionsname HABICHT wurde später vom Flugkörperschnellboot S 69 HABICHT der Klasse 143 übernommen.

Außerdienststellung

Nach mehr als 17 Jahren im Dienst der Bundesmarine wurde P 6075 / S 26 HABICHT am 24. September 1976 außer Dienst gestellt.

Die Torpedo-Schnellboote der Seeadler-Klasse wurden im 2. Schnellbootgeschwader durch die moderneren Flugkörperschnellboote der Albatros-Klasse 143 ersetzt.

Damit änderte sich auch das Einsatzkonzept der Schnellbootwaffe. An die Stelle des unmittelbaren Angriffs mit ungelenkten Torpedos trat zunehmend die Bekämpfung gegnerischer Schiffe mit weitreichenden Seezielflugkörpern.

Weiterer Dienst in Griechenland

Nach seiner Außerdienststellung wurde HABICHT an die griechische Marine abgegeben. Dort erhielt das Boot den Namen KENTAVROS, griechisch ΚΕΝΤΑΥΡΟΣ.

Das ehemalige HABICHT führte zunächst die Kennung P 198 und später P 52. Es wurde 1977 in den aktiven Dienst der griechischen Marine übernommen.

KENTAVROS blieb bis 1995 im Dienst. Damit erreichte das Boot eine militärische Gesamtdienstzeit von rund 36 Jahren unter deutscher und griechischer Flagge.

Technische Daten der Klasse 141

  • Typ: Torpedo-Schnellboot

  • Klasse: 141, Seeadler-Klasse

  • Baunummer: 1146

  • Länge: etwa 42,6 Meter

  • Breite: etwa 7,1 Meter

  • Tiefgang: etwa 2,1 Meter

  • Konstruktionsverdrängung: etwa 183 Tonnen

  • Antrieb: vier Dieselmotoren auf vier Wellen

  • Maschinenleistung: etwa 12.000 bis 14.400 PS

  • Höchstgeschwindigkeit: etwa 42 Knoten

  • Besatzung: etwa 39 Mann

Bewaffnung

Die ursprüngliche Bewaffnung bestand aus:

  • vier fest eingebauten Torpedorohren im Kaliber 53,3 Zentimeter

  • zwei 40-mm-Bofors-Geschützen

  • Vorrichtungen zur Mitführung von Wasserbomben

  • je nach Auftrag die Möglichkeit zur Mitführung von Seeminen

Da die Torpedorohre nicht geschwenkt werden konnten, musste das gesamte Boot auf den errechneten Angriffskurs gebracht werden. Ein erfolgreicher Torpedoschuss erforderte deshalb präzise Navigation, hohe Geschwindigkeit und eine eng abgestimmte Zusammenarbeit der gesamten Besatzung.

Von Kameraden für Kameraden

P 6075 / S 26 HABICHT stand mehr als 17 Jahre im Dienst der Bundesmarine und anschließend weitere 18 Jahre unter griechischer Flagge. Das Boot gehörte damit zu den langlebigen Einheiten der Seeadler-Klasse.

Unsere Artikel zu P 6075 / S 26 HABICHT erinnern an das Boot, seine Besatzungen, die Patenstadt Wanne-Eickel und die Kameradschaft im 2. Schnellbootgeschwader.

Willkommen im Heimathafen der grauen Flotte.