Kategorie: Torpedo-Schnellboot P6070 S8 KONDOR

P 6070 / S 8 KONDOR – Schnellboot der Seeadler-Klasse

Das Schnellboot KONDOR gehörte zu den zehn Torpedo-Schnellbooten der Klasse 141. Die auch als Seeadler-Klasse bezeichneten Boote waren für schnelle Torpedoangriffe gegen gegnerische Überwasserstreitkräfte vorgesehen und bildeten über viele Jahre den Kern des 2. Schnellbootgeschwaders der Bundesmarine.

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Bau und Indienststellung

KONDOR wurde bei der Lürssen-Werft in Bremen-Vegesack unter der Baunummer 278 gebaut.

Am 24. Februar 1959 wurde das Boot als S 8 KONDOR in Dienst gestellt. Die internationale NATO-Kennung lautete P 6070, das Rufzeichen des Bootes war DBRT.

KONDOR war das dritte Boot der Klasse 141, das nach SEEADLER und ALBATROS zur Bundesmarine kam.

Dienst im 2. Schnellbootgeschwader

KONDOR wurde dem 2. Schnellbootgeschwader zugeteilt, das am 1. Juni 1958 aufgestellt worden war. Sein erster Heimathafen war Wilhelmshaven.

Der Auftrag der Schnellboote bestand vor allem darin, gegnerische Überwasserverbände frühzeitig aufzuklären, mit hoher Geschwindigkeit anzugreifen und ihre Torpedos möglichst überraschend zum Einsatz zu bringen. Die Boote operierten dabei häufig in Rotten oder größeren Schnellbootverbänden.

Zum regelmäßigen Dienstbetrieb von KONDOR gehörten:

  • Torpedo- und Artillerieschießen

  • Gefechts- und Verbandsausbildung

  • Nacht- und Schlechtwetterfahrten

  • Aufklärungs- und Sicherungsaufgaben

  • nationale und internationale Manöver

  • Ausbildungsfahrten in Nord- und Ostsee

  • Hafenbesuche im In- und Ausland

Die vergleichsweise kleinen Boote verlangten ihren Besatzungen viel ab. Hohe Geschwindigkeiten, starke Bewegungen bei Seegang, enge Räume und ein dichter Wach- und Übungsbetrieb prägten den Bordalltag.

Von Wilhelmshaven nach Olpenitz

Während des größten Teils seiner frühen Dienstzeit war KONDOR mit dem 2. Schnellbootgeschwader in Wilhelmshaven stationiert.

Zum 1. November 1970 verlegte das Geschwader nach Olpenitz. Damit wechselte auch KONDOR von der Nordsee an die Ostsee. Von dort aus versah das Boot seine letzten Dienstjahre innerhalb des Verbandes.

Die Verlegung entsprach der strategischen Ausrichtung der Schnellbootflottille während des Kalten Krieges. Die engen und küstennahen Gewässer der Ostsee galten als besonders geeignetes Einsatzgebiet für schnelle, wendige Torpedoboote.

Patenschaft mit Mönchengladbach

Patenstadt von S 8 KONDOR war die nordrhein-westfälische Stadt Mönchengladbach.

Die Patenschaft verband die Besatzung mit Bürgern und Vertretern der Stadt. Gegenseitige Besuche, offizielle Empfänge und persönliche Kontakte trugen dazu bei, die Marine auch fernab der Küstenregionen in der Öffentlichkeit sichtbar zu machen.

Der Traditionsname KONDOR wurde später beim Flugkörperschnellboot S 67 KONDOR der Klasse 143 erneut verwendet.

Außerdienststellung

Nach mehr als 17 Jahren im Dienst der Bundesmarine wurde P 6070 / S 8 KONDOR am 25. Juni 1976 außer Dienst gestellt.

Die Torpedo-Schnellboote der Seeadler-Klasse wurden im 2. Schnellbootgeschwader schrittweise durch die moderneren Flugkörperschnellboote der Albatros-Klasse 143 ersetzt.

Mit der Einführung der neuen Boote änderte sich auch das Einsatzkonzept. An die Stelle des unmittelbaren Torpedoangriffs trat zunehmend die Bekämpfung gegnerischer Schiffe mit weitreichenden Flugkörpern.

Weiterer Dienst in Griechenland

Nach seiner Außerdienststellung wurde KONDOR an die griechische Marine abgegeben. Dort erhielt das Boot den Namen LAILAPS und die Kennung P 54.

LAILAPS wurde weiterhin als Schnellboot verwendet und blieb noch fast drei Jahrzehnte unter griechischer Flagge im aktiven Dienst. Erst im Jahr 2004 endete die militärische Laufbahn des ehemaligen KONDOR.

Damit erreichte das Boot eine Gesamtdienstzeit von rund 45 Jahren. Diese außergewöhnlich lange Nutzung zeigt die robuste Konstruktion der bei Lürssen gebauten Schnellboote, obwohl sie ursprünglich für hohe Geschwindigkeit und nicht für eine derart lange Lebensdauer ausgelegt worden waren.

Technische Daten der Klasse 141

  • Typ: Torpedo-Schnellboot

  • Klasse: 141, Seeadler-Klasse

  • Werft: Lürssen, Bremen-Vegesack

  • Baunummer: 278

  • Länge: etwa 42,6 Meter

  • Breite: etwa 7,1 Meter

  • Tiefgang: etwa 2,3 Meter

  • Einsatzverdrängung: etwa 190 Tonnen

  • Antrieb: vier schnelllaufende Dieselmotoren auf vier Wellen

  • Höchstgeschwindigkeit: mehr als 40 Knoten

  • Besatzung: etwa 39 Mann

Bewaffnung

Die ursprüngliche Bewaffnung bestand aus:

  • vier fest eingebauten Torpedorohren im Kaliber 53,3 Zentimeter

  • zwei 40-mm-Bofors-Geschützen

  • Vorrichtungen zur Mitführung und zum Einsatz von Wasserbomben

Da die Torpedorohre nicht seitlich geschwenkt werden konnten, musste das gesamte Boot auf den berechneten Schusskurs gebracht werden. Navigation, Geschwindigkeit, Entfernungsschätzung und der richtige Abfeuerzeitpunkt mussten daher exakt aufeinander abgestimmt sein.

Von Kameraden für Kameraden

P 6070 / S 8 KONDOR stand mehr als 17 Jahre unter deutscher und anschließend fast drei Jahrzehnte unter griechischer Flagge im Dienst. Das Boot gehörte damit zu den besonders langlebigen Einheiten seiner Generation.

Unsere Artikel zu P 6070 / S 8 KONDOR erinnern an das Boot, seine Besatzungen, die Patenstadt Mönchengladbach und die Kameradschaft im 2. Schnellbootgeschwader.

Willkommen im Heimathafen der grauen Flotte.