Kategorie: Torpedo-Schnellboot P6068 S6 SEEADLER

P 6068 / S 6 SEEADLER – Schnellboot der Klasse 141

Das Schnellboot SEEADLER war das erste Boot der Klasse 141 und zugleich Namensgeber der später als Seeadler-Klasse bezeichneten Schnellbootserie. Gemeinsam mit seinen neun Schwesterbooten gehörte es zur ersten Generation moderner Torpedo-Schnellboote, die nach dem Zweiten Weltkrieg für die Bundesmarine gebaut wurden.

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Bau und Indienststellung

SEEADLER wurde bei der Lürssen-Werft in Bremen-Vegesack unter der Baunummer 276 gebaut. Der Stapellauf erfolgte am 1. Februar 1958.

Am 29. August 1958 wurde das Boot als S 6 SEEADLER für die Bundesmarine in Dienst gestellt. Die internationale NATO-Kennung lautete P 6068, das Rufzeichen des Bootes war DBWE.

Nur wenige Tage nach der Indienststellung traf SEEADLER am 3. September 1958 in Wilhelmshaven ein und wurde dem neu aufgestellten 2. Schnellbootgeschwader unterstellt.

Dienst im 2. Schnellbootgeschwader

Das 2. Schnellbootgeschwader war am 1. Juni 1958 mit Heimathafen Wilhelmshaven aufgestellt worden. SEEADLER war das erste Boot der Klasse 141, das dem Verband zulief. Bis November 1959 folgten die übrigen neun Boote.

Die Einheiten der Klasse 141 erhielten Namen von Greif- und Seevögeln. Sie bildeten über viele Jahre den Kern des 2. Schnellbootgeschwaders und wurden für die schnelle, überraschende Bekämpfung gegnerischer Überwasserstreitkräfte ausgerüstet.

SEEADLER nahm während seiner Dienstzeit an der regulären Einsatz- und Ausbildungsfahrt des Geschwaders teil. Dazu gehörten insbesondere:

  • Torpedoschießabschnitte

  • Gefechts- und Verbandsübungen

  • NATO-Manöver

  • Sicherungs- und Aufklärungsaufgaben

  • Ausbildungsfahrten in Nord- und Ostsee

  • Hafenbesuche im In- und Ausland

Die Boote operierten häufig in geschlossenen Schnellbootverbänden. Ihre hohe Geschwindigkeit, der geringe Tiefgang und die starke Torpedobewaffnung ermöglichten ihnen insbesondere in küstennahen Gewässern überraschende Angriffe.

Verlegung nach Olpenitz

Ursprünglicher Heimathafen des 2. Schnellbootgeschwaders war Wilhelmshaven. Im Zuge der Konzentration der Schnellbootverbände an der Ostsee wurde das Geschwader zum 1. November 1970 nach Olpenitz verlegt.

Auch SEEADLER wechselte damit von der Nordsee an die Ostsee. Von Olpenitz aus versah das Boot seine letzten Dienstjahre innerhalb des 2. Schnellbootgeschwaders.

Patenstadt Bocholt

Die Stadt Bocholt übernahm die Patenschaft für SEEADLER. Zwischen der Besatzung des Schnellbootes und der Patenstadt entwickelten sich langjährige kameradschaftliche Verbindungen.

Die Erinnerung an das Boot wurde in Bocholt auch nach dessen Außerdienststellung weiter gepflegt. Später unterstützten ehemalige Besatzungsangehörige und Mitglieder der Marinekameradschaft Bemühungen, das Boot als Museumsschiff nach Deutschland zurückzuholen.

Außerdienststellung

Nach fast 18 Jahren in der Bundesmarine wurde P 6068 / S 6 SEEADLER am 30. Juli 1976 außer Dienst gestellt.

Die Boote der Klasse 141 wurden innerhalb des 2. Schnellbootgeschwaders schrittweise durch die moderneren Flugkörperschnellboote der Albatros-Klasse 143 ersetzt.

Weiterer Dienst in Griechenland

Nach der Außerdienststellung wurde SEEADLER an die griechische Marine abgegeben. Dort erhielt das Boot den Namen ESPEROS – griechisch ΕΣΠΕΡΟΣ.

Das Boot führte zunächst die Kennung P 196, später wurde diese in P 50 geändert. ESPEROS wurde 1977 in den aktiven Dienst der griechischen Marine übernommen.

Während die Klasse 141 in Deutschland bereits vollständig ausgemustert war, blieb das ehemalige Schnellboot SEEADLER in Griechenland noch mehrere Jahrzehnte in Verwendung. Erst am 21. Dezember 2004 wurde ESPEROS nach insgesamt mehr als 46 Dienstjahren endgültig außer Dienst gestellt.

Versuche einer privaten Initiative, das stark gealterte Boot anschließend nach Deutschland zurückzuholen und als Museumsschiff zu erhalten, konnten nicht verwirklicht werden.

Technische Daten der Klasse 141

  • Typ: Torpedo-Schnellboot

  • Klasse: 141, Seeadler-Klasse

  • Werft: Lürssen, Bremen-Vegesack

  • Länge: etwa 42,6 Meter

  • Breite: etwa 7,1 Meter

  • Tiefgang: etwa 2,3 Meter

  • Einsatzverdrängung: etwa 190 Tonnen

  • Antrieb: vier Maybach-Dieselmotoren auf vier Wellen

  • Höchstgeschwindigkeit: über 40 Knoten

  • Besatzung: etwa 39 Mann

Bewaffnung

Die ursprüngliche Hauptbewaffnung bestand aus:

  • vier Torpedorohren für Torpedos im Kaliber 53,3 Zentimeter

  • zwei 40-mm-Flugabwehr- und Mehrzweckgeschützen

  • Vorrichtungen zur Mitführung von Wasserbomben

Die Torpedos wurden aus fest eingebauten Rohren abgefeuert. Zum Zielen musste daher das gesamte Boot auf den errechneten Angriffskurs gebracht werden.

Von Kameraden für Kameraden

Das Schnellboot SEEADLER stand fast 18 Jahre im Dienst der Bundesmarine und anschließend noch weitere Jahrzehnte unter griechischer Flagge. Generationen von Schnellbootfahrern leisteten auf diesem Boot ihren Dienst und hielten den anspruchsvollen Bordalltag unter oft schwierigen Bedingungen gemeinsam durch.

Unsere Artikel zu P 6068 / S 6 SEEADLER erinnern an das Boot, seine Besatzungen und die Kameradschaft im 2. Schnellbootgeschwader.

Willkommen im Heimathafen der grauen Flotte.