Kategorie: SM-Boot M1094 ENSDORF

M 1094 ENSDORF – Schnelles Minensuchboot der Hameln-Klasse und Hohlstablenkboot der Ensdorf-Klasse

Die M 1094 ENSDORF gehörte zu den zehn Einheiten der Hameln-Klasse (Klasse 343), die als neue Generation von Minenkampfbooten für die Deutsche Marine entwickelt wurden. Ihr Schwerpunkt lag auf dem schnellen Verlegen von Seeminen unter Bedrohung, gleichzeitig verfügte sie jedoch bereits über Einrichtungen zur Minenabwehr. Nach dem Ende des Kalten Krieges änderten sich die Anforderungen grundlegend. Anstatt das Boot außer Dienst zu stellen, entschied sich die Marine für einen umfassenden Umbau zum Hohlstablenkboot der Ensdorf-Klasse (Klasse 352). Damit begann für die ENSDORF eine zweite, langjährige Einsatzphase innerhalb der deutschen Minenabwehrkräfte.

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Bau und Indienststellung

Die ENSDORF wurde auf der Lürssen gebaut. Der Stapellauf erfolgte am 8. Dezember 1989, die Indienststellung bei der Deutschen Marine am 16. Oktober 1990. Sie war eines der modernsten Minenkampfboote ihrer Zeit und verfügte über einen amagnetischen Stahlrumpf, der den Einsatz in minengefährdeten Gewässern erheblich sicherer machte.

Einsatz als Schnelles Minensuchboot

Als Boot der Hameln-Klasse war die ENSDORF in erster Linie für das Minenlegen unter Bedrohung vorgesehen. Sie konnte bis zu 60 Seeminen verschiedener Typen aufnehmen und verfügte zusätzlich über mechanisches Räumgerät, akustische Räumbojen sowie Einrichtungen zum Schleppen magnetischer Hohlstäbe. Ein Minenmeidesonar unterstützte die Navigation in verminten Seegebieten. Durch ihre Führungs- und Kommunikationsausstattung war die Klasse zudem in der Lage, eng mit anderen Marineeinheiten zusammenzuarbeiten.

Umbau zum Hohlstablenkboot

Mit dem Ende des Ost-West-Konflikts verlor das großflächige Minenlegen erheblich an Bedeutung. Die ENSDORF wurde deshalb ohne Außerdienststellung zur Klasse 352 umgebaut. Dabei entfiel die ursprüngliche Minenlegeausrüstung zugunsten der Fernlenktechnik für die unbemannten Hohlstabräumboote vom Typ Seehund. Gleichzeitig erhielt das Boot moderne Systeme zur Minenabwehr und wurde schrittweise an den technischen Stand der übrigen Minenabwehrfahrzeuge angepasst.

Dienst in der Ensdorf-Klasse

Als Hohlstablenkboot führte die ENSDORF mehrere Seehund-Räumboote in Minengebiete. Diese unbemannten Fahrzeuge erzeugten magnetische und akustische Signaturen, um Seeminen kontrolliert zur Detonation zu bringen, ohne das Führungsschiff selbst zu gefährden. Die ENSDORF gehörte zunächst zum 5. Minensuchgeschwader und nach dessen Auflösung zum 3. Minensuchgeschwader in Kiel. Damit blieb sie über viele Jahre ein wichtiger Bestandteil der deutschen Minenabwehr.

Außerdienststellung und Verbleib

Nach fast 24 Dienstjahren wurde die M 1094 ENSDORF am 31. Juli 2014 außer Dienst gestellt. Anders als viele andere Einheiten blieb sie der Marine jedoch erhalten. Das Boot wird seitdem als Ausbildungshulk an der Marinetechnikschule in Parow genutzt und dient dort der praktischen Ausbildung von Marineangehörigen.

Technische Daten

  • Klasse bei Indienststellung: 343 – Hameln-Klasse
  • Spätere Klasse: 352 – Ensdorf-Klasse
  • Kennung: M 1094
  • Bauwerft: Lürssen
  • Stapellauf: 8. Dezember 1989
  • Indienststellung: 16. Oktober 1990
  • Außerdienststellung: 31. Juli 2014
  • Länge: 54,40 m
  • Breite: 9,20 m
  • Verdrängung: ca. 650 t
  • Besatzung: 37–42 Soldaten
  • Antrieb: 2 MTU-Dieselmotoren
  • Höchstgeschwindigkeit: ca. 18 kn

Beispiel: Die ENSDORF zeigt den grundlegenden Wandel der deutschen Minenabwehr nach 1990. Während sie ursprünglich für das offensive Verlegen großer Minensperren gebaut wurde, verbrachte sie den überwiegenden Teil ihrer Dienstzeit als Führungsboot für unbemannte Seehund-Räumboote – ein eindrucksvolles Beispiel für die Anpassung der Marine an veränderte sicherheitspolitische Rahmenbedingungen.