Mit der Tiger-Klasse erhielt die Schnellbootwaffe der Bundesmarine eine neue Generation moderner Flugkörperschnellboote. Im Gegensatz zu den früheren Torpedoschnellbooten stand nun der Seezielflugkörper MM38 Exocet im Mittelpunkt. Damit konnten gegnerische Überwassereinheiten auf größere Entfernung bekämpft werden.
Die Löwe gehörte zunächst zum 3. Schnellbootgeschwader in Flensburg. Gemeinsam mit den Booten Tiger, Iltis, Luchs, Marder, Leopard, Fuchs, Jaguar, Wolf und Panther bildete sie den 148er-Bestand dieses Geschwaders.
Nach der Auflösung des 3. Schnellbootgeschwaders wechselte die Löwe mit den verbliebenen Booten zum 5. Schnellbootgeschwader nach Olpenitz. Sie gehörte damit zu den Booten, die die letzte Phase der Tiger-Klasse in der Deutschen Marine noch mitprägten.
Am 16. Dezember 2002 wurde die Löwe bei der Deutschen Marine außer Dienst gestellt. Danach wurde sie an die ägyptische Marine abgegeben.
Aufgabe und Besonderheiten
Die Löwe war als Flugkörperschnellboot für den schnellen Angriff gegen gegnerische Überwasserstreitkräfte vorgesehen. Ihre Stärke lag in hoher Geschwindigkeit, kleiner Silhouette, kurzer Reaktionszeit und der Fähigkeit, mit Exocet-Flugkörpern Ziele auf größere Entfernung zu bekämpfen.
Eine sichtbare Besonderheit der Klasse 148 waren spätere Nachrüstungen im Bereich der elektronischen Kampfführung. Einige Boote erhielten die EloKa-Anlage OCTOPUS, die besonders im Mastbereich erkennbar war. Dadurch konnten sich Boote derselben Klasse je nach Zeitraum äußerlich unterscheiden. Für diese Beschreibung wird OCTOPUS als wichtige spätere Nachrüstung der Tiger-Klasse erwähnt, ohne jeden einzelnen Bauzustand gesondert darzustellen.
Technische Daten
Klasse: 148, Tiger-Klasse
Typ: Flugkörperschnellboot
Kennung: S48 / P6148
Indienststellung: 9. Januar 1974
Außerdienststellung: 16. Dezember 2002
Länge: ca. 47 m
Breite: ca. 7 m
Tiefgang: ca. 2,7 m
Verdrängung: ca. 265 t
Antrieb: 4 MTU-Dieselmotoren
Leistung: ca. 14.400 PS
Geschwindigkeit: ca. 38 kn
Besatzung: etwa 30 Soldaten
Bewaffnung:
4 × MM38 Exocet-Seezielflugkörper
1 × 76-mm-OTO-Melara-Geschütz
1 × 40-mm-Bofors L/70
Minenlegevorrichtung optional
Geschwaderzugehörigkeit
Die Löwe gehörte zunächst zum 3. Schnellbootgeschwader in Flensburg.
Nach der Auflösung des 3. Schnellbootgeschwaders wechselte sie zum 5. Schnellbootgeschwader nach Olpenitz.
Rufzeichen
Internationales Funkrufzeichen: DRBH.
Verbleib
Nach ihrer Außerdienststellung wurde die Löwe an die ägyptische Marine abgegeben und dort als 21. October weitergeführt.
Von Kameraden für Kameraden
Die Löwe gehörte zu jenen Booten der Klasse 148, die den Weg vom
3. Schnellbootgeschwader in Flensburg bis in die letzte Einsatzphase beim
5. Schnellbootgeschwader in Olpenitz mitgingen. Damit steht sie für fast drei Jahrzehnte Schnellbootdienst im Zeichen moderner Flugkörpertechnik.
Für ihre Besatzungen bedeutete der Dienst auf der Löwe hohe Fahrt, enge Räume, starke Maschinen, moderne Waffenanlage und das sichere Zusammenspiel im Verband. Sie war ein Boot jener Generation, die den Übergang von der klassischen Schnellbootwaffe zur modernen Flugkörper-Schnellbootflottille sichtbar machte – von Kameraden für Kameraden. ⚓