KONDOR stand fast 28 Jahre im Dienst der Bundesmarine und der späteren Deutschen Marine. Während dieser Zeit erlebte das Boot den Kalten Krieg, die deutsche Wiedervereinigung, die Verlegung der Schnellbootverbände nach Warnemünde und den späteren Wechsel vom 2. zum 7. Schnellbootgeschwader.
Bau, Taufe und Indienststellung
S 67 KONDOR wurde bei der Kröger-Werft in Schacht-Audorf gebaut.
Am 6. März 1975 lief das Boot vom Stapel und wurde auf den Namen KONDOR getauft. Taufpatin war Frau Kleve; die Taufrede hielt Kapitän zur See Kleve.
Am 17. Dezember 1976 wurde S 67 KONDOR in Dienst gestellt und dem 2. Schnellbootgeschwader unterstellt. Erster Kommandant war Korvettenkapitän Lüneburg.
Das Boot führte die deutsche taktische Bezeichnung S 67, die internationale NATO-Kennung P 6117 sowie zunächst das Rufzeichen DSDQ und später DRCA.
Dienst im 2. Schnellbootgeschwader
Von seiner Indienststellung im Dezember 1976 bis zum 30. September 1999 gehörte KONDOR zum 2. Schnellbootgeschwader.
Erster Heimathafen war der Marinestützpunkt Olpenitz an der Ostsee. Von dort aus nahm das Boot an der Geschwaderausbildung, an Schießabschnitten, taktischen Verbandsfahrten sowie an nationalen und multinationalen NATO-Übungen teil.
Während des Kalten Krieges waren die Schnellboote der Klasse 143 vor allem für den Einsatz in den engen und stark gegliederten Seegebieten der Ostsee vorgesehen. Ihre hohe Geschwindigkeit und starke Bewaffnung ermöglichten überraschende Angriffe auf gegnerische Überwasserstreitkräfte.
Verlegung nach Warnemünde
Am 1. November 1995 verlegte das 2. Schnellbootgeschwader auf Befehl des Führungsstabes der Marine von Olpenitz in seinen neuen Heimathafen Warnemünde/Hohe Düne.
Damit wurde Warnemünde auch der neue Heimathafen von S 67 KONDOR. Das Boot blieb dort bis zu seiner Außerdienststellung stationiert.
Der Stab der Schnellbootflottille und das 7. Schnellbootgeschwader wurden im Zuge der Neuordnung ebenfalls am neuen Typstützpunkt der Schnellbootwaffe zusammengeführt. Das 7. Schnellbootgeschwader hatte zuvor seinen Standort in Kiel.
KONDOR selbst war jedoch niemals in Kiel stationiert. Als das Boot 1999 zum 7. Schnellbootgeschwader wechselte, lagen beide Schnellbootgeschwader bereits in Warnemünde.
Wechsel zum 7. Schnellbootgeschwader
Zum 1. Oktober 1999 tauschten das 2. und das 7. Schnellbootgeschwader jeweils fünf Boote miteinander.
Ziel dieser Neuordnung war es, in beiden Geschwadern die unterschiedlichen Fähigkeiten der Albatros-Klasse 143 und der weiterentwickelten Gepard-Klasse 143A zusammenzuführen.
S 67 KONDOR wechselte gemeinsam mit
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S 66 GREIF
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S 68 SEEADLER
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S 69 HABICHT
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S 70 KORMORAN
vom 2. Schnellbootgeschwader zum 7. Schnellbootgeschwader.
Im Gegenzug übernahm das 2. Schnellbootgeschwader die Boote S 76 FRETTCHEN, S 77 DACHS, S 78 OZELOT, S 79 WIESEL und S 80 HYÄNE der Klasse 143A.
Der Geschwaderwechsel führte für KONDOR nicht zu einem erneuten Standortwechsel. Das Boot blieb im Marinestützpunkt Warnemünde beheimatet und gehörte dort bis zu seiner Außerdienststellung zum 7. Schnellbootgeschwader.
Auftrag und Ausrüstung
Die Schnellboote der Klasse 143 waren für den schnellen und überraschenden Einsatz gegen gegnerische Überwasserstreitkräfte entwickelt worden.
Zu ihren Aufgaben gehörten:
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die Bekämpfung gegnerischer Überwassereinheiten
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die Sicherung eigener Seeverbindungen
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der Schutz eigener Marineverbände
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maritime Aufklärung und Überwachung
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Präsenz- und Sicherungsaufgaben in küstennahen Seegebieten
Vier leistungsstarke MTU-Dieselmotoren wirkten auf vier Wellen. Mit einer Gesamtleistung von etwa 18.000 PS erreichte KONDOR Geschwindigkeiten von mehr als 40 Knoten.
Die Hauptbewaffnung bestand aus:
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vier Seezielflugkörpern MM 38 EXOCET
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zwei vollautomatischen 76-mm-Geschützen OTO Melara
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zwei fest eingebauten Torpedorohren im Kaliber 533 Millimeter
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schweren Maschinengewehren zur Nahbereichssicherung
Die nach achtern gerichteten Torpedorohre waren für drahtgelenkte Torpedos vorgesehen. Diese wurden rückwärts ausgestoßen und nahmen anschließend ihren programmierten beziehungsweise gelenkten Kurs auf.
Führungs- und Waffeneinsatzsystem
Die Klasse 143 verfügte über ein für ihre Zeit modernes und weitgehend integriertes Führungs- und Waffeneinsatzsystem.
Radar, Feuerleitung, Lagebilddarstellung und Waffen waren eng miteinander verbunden. Über das taktische Datenübertragungssystem Link 11 konnten Informationen mit anderen Einheiten und übergeordneten Führungsstellen ausgetauscht werden.
Zur weiteren elektronischen Ausstattung gehörten:
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kombiniertes Such- und Feuerleitradar
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Navigationsradar
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Anlagen zur elektronischen Kampfführung
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Täuschkörperwurfanlagen
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elektronische Aufklärungsanlage OCTOPUS
OCTOPUS diente der Erfassung, Auswertung und Einordnung gegnerischer Radarsignale. Die Anlage verbesserte die Fähigkeit der Boote, Bedrohungen frühzeitig zu erkennen und auf elektronische Aktivitäten anderer Einheiten zu reagieren.
Dienst in Bundesmarine und Deutscher Marine
Während des Kalten Krieges lag der Schwerpunkt der Ausbildung von KONDOR in Nord- und Ostsee.
Das Boot nahm regelmäßig an Geschwaderausbildungen, Artillerie- und Flugkörperschießabschnitten, taktischen Übungen und multinationalen NATO-Manövern teil.
Der taktische Einsatz der Schnellboote beruhte auf Geschwindigkeit, überraschendem Auftreten und dem geschlossenen Vorgehen mehrerer Boote. Nach dem Waffeneinsatz sollten sich die Einheiten schnell wieder aus dem Gefechtsraum lösen können.
Nach der deutschen Wiedervereinigung veränderten sich die Aufgaben der Marine. Internationale Übungen, längere Ausbildungsfahrten, maritime Überwachung und Präsenzaufgaben gewannen an Bedeutung.
Einzelne Einsätze oder Auslandsfahrten werden KONDOR hier bewusst nur dann zugeschrieben, wenn sie durch belastbare bootsbezogene Quellen eindeutig nachgewiesen sind.
Patenschaft mit Mönchengladbach
Patenstadt von S 67 KONDOR war die nordrhein-westfälische Stadt Mönchengladbach.
Die Verbindung knüpfte an die Patenschaft der Stadt mit dem früheren Schnellboot S 8 KONDOR der Jaguar-Klasse an. Dieses Boot hatte von 1959 bis 1976 im Dienst der Bundesmarine gestanden.
Mit der Indienststellung von S 67 KONDOR wurde die Patenschaft auf das neue Flugkörperschnellboot der Klasse 143 übertragen.
Die Beziehung zwischen Boot und Patenstadt wurde durch gegenseitige Besuche, Veranstaltungen und persönliche Begegnungen zwischen der Besatzung und Bürgern aus Mönchengladbach gepflegt.
Solche Patenschaften stellten eine wichtige Verbindung zwischen der Marine und der Bevölkerung her. Für die Besatzungen bedeuteten sie einen zusätzlichen Bezugspunkt an Land, der häufig über viele Jahre und verschiedene Besatzungsgenerationen erhalten blieb.
Außerdienststellung
Nach nahezu 28 Jahren im Dienst wurde S 67 KONDOR am 16. Dezember 2004 außer Dienst gestellt.
Die Außerdienststellung erfolgte am selben Tag wie beim Schwesterschiff S 62 FALKE. Beide Boote gehörten zu den ersten Einheiten der Klasse 143, die im Rahmen der schrittweisen Auflösung der Albatros-Klasse aus dem aktiven Dienst ausschieden.
Mit dem Niederholen von Flagge und Wimpel endete die Dienstzeit von KONDOR in der Deutschen Marine.
Verbleib
Nach der Außerdienststellung wurde das ehemalige S 67 KONDOR im Marinearsenal Wilhelmshaven aufgelegt.
Das Boot wurde zeitweise als Ersatzteilträger für noch im Dienst befindliche Einheiten genutzt. Eine Übernahme durch eine ausländische Marine erfolgte nicht.
KONDOR wurde später im Marinearsenal Wilhelmshaven abgebrochen. Damit endete die Geschichte des Bootes nach fast drei Jahrzehnten aktiver Dienstzeit und einer anschließenden Aufliegezeit.
Technische Daten der Klasse 143
Bootstyp: Flugkörperschnellboot
Klasse: 143 – Albatros-Klasse
Bauwerft: Kröger-Werft, Schacht-Audorf
Länge: etwa 57,6 Meter
Breite: etwa 7,6 Meter
Tiefgang: etwa 2,6 Meter
Verdrängung: etwa 400 Tonnen
Antrieb: vier MTU-Dieselmotoren auf vier Wellen
Gesamtleistung: etwa 18.000 PS
Höchstgeschwindigkeit: mehr als 40 Knoten
Besatzung: etwa 40 bis 43 Soldaten
Bewaffnung während der deutschen Dienstzeit:
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vier Seezielflugkörper MM 38 EXOCET
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zwei 76-mm-Geschütze OTO Melara
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zwei Torpedorohre im Kaliber 533 Millimeter
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schwere Maschinengewehre zur Nahbereichssicherung
Elektronische Ausstattung:
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kombiniertes Such- und Feuerleitradar
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Navigationsradar
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Link 11
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elektronische Aufklärungsanlage OCTOPUS
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Anlagen zur elektronischen Kampfführung
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Täuschkörperwurfanlagen
Dienstzeit im Überblick
Name: KONDOR
Deutsche Bezeichnung: S 67
NATO-Kennung: P 6117
Klasse: 143 – Albatros-Klasse
Bauwerft: Kröger-Werft, Schacht-Audorf
Taufe und Stapellauf: 6. März 1975
Indienststellung: 17. Dezember 1976
Außerdienststellung: 16. Dezember 2004
Geschwader bis 30. September 1999: 2. Schnellbootgeschwader
Geschwader ab 1. Oktober 1999: 7. Schnellbootgeschwader
Heimathafen bis 31. Oktober 1995: Olpenitz
Heimathafen ab 1. November 1995: Warnemünde/Hohe Düne
Patenstadt: Mönchengladbach
Rufzeichen: DSDQ, später DRCA
Verbleib: Nach Aufliegezeit im Marinearsenal Wilhelmshaven abgebrochen
Von Kameraden für Kameraden
S 67 KONDOR stand fast 28 Jahre im Dienst der Bundesmarine und der Deutschen Marine. Das Boot erlebte den Kalten Krieg, die deutsche Wiedervereinigung, den Wechsel von Olpenitz nach Warnemünde und den späteren Übergang vom 2. zum 7. Schnellbootgeschwader.
Für die Besatzung änderte sich mit dem Geschwaderwechsel die organisatorische Zugehörigkeit, nicht jedoch der Heimathafen. KONDOR blieb in Warnemünde und wurde dort bis zu seiner Außerdienststellung gefahren, gewartet und einsatzbereit gehalten.
Der Dienst auf einem Schnellboot verlangte von jedem Besatzungsmitglied Aufmerksamkeit, Fachkenntnis und Verlässlichkeit. Auf engem Raum mussten Brücke, Operationszentrale, Waffenbereich, Decksdienst und Maschinenanlage als eine Einheit zusammenarbeiten.
Bei hoher Geschwindigkeit, langen Seewachen und schwerem Wetter war jeder Kamerad unmittelbar auf das Können und die Verlässlichkeit der anderen angewiesen. Diese besondere Nähe prägte das Leben an Bord und schuf eine Kameradschaft, die häufig weit über die gemeinsame Dienstzeit hinaus erhalten blieb.
Für die ehemaligen Besatzungen steht der Name KONDOR deshalb nicht allein für ein Flugkörperschnellboot oder eine taktische Kennung. Er steht für gemeinsam gefahrene Seemeilen, anspruchsvolle Übungen, lange Wachen und persönliche Erinnerungen an eine besondere Zeit auf See.
Auch wenn das Boot später abgebrochen wurde, bleiben seine Geschichte und die Erinnerungen seiner Besatzungen mit Olpenitz, Warnemünde, dem 2. und dem 7. Schnellbootgeschwader sowie der Patenstadt Mönchengladbach verbunden.