GREIF stand mehr als 28 Jahre im Dienst der Bundesmarine und der späteren Deutschen Marine. Während dieser Zeit erlebte das Boot den Kalten Krieg, die deutsche Wiedervereinigung, die Verlegung des Schnellbootverbandes nach Warnemünde und schließlich den Wechsel vom 2. zum 7. Schnellbootgeschwader.
Bau, Taufe und Indienststellung
S 66 GREIF wurde auf der Lürssen-Werft in Bremen-Vegesack gebaut.
Der Baubeginn erfolgte am 13. Juli 1972, die Kiellegung am 12. Dezember 1973. Am 4. September 1975 lief das Boot vom Stapel und wurde auf den Namen GREIF getauft. Taufpatin war Frau Ruth von Schroeter; die Taufrede hielt Konteradmiral von Schroeter.
Am 25. November 1976 wurde S 66 GREIF in Dienst gestellt und dem 2. Schnellbootgeschwader unterstellt. Erster Kommandant war Korvettenkapitän Hermann Cassens.
Das Boot führte die deutsche taktische Bezeichnung S 66, die internationale NATO-Kennung P 6116 sowie zunächst das Rufzeichen DSDP und später DRBZ.
Dienst im 2. Schnellbootgeschwader
Von seiner Indienststellung im November 1976 bis zum 30. September 1999 gehörte GREIF zum 2. Schnellbootgeschwader.
Erster Heimathafen war der Marinestützpunkt Olpenitz an der Ostsee. Von dort aus nahm das Boot an der Geschwaderausbildung, an Schießabschnitten, Verbandsfahrten sowie an nationalen und multinationalen NATO-Manövern teil.
Die Schnellboote der Klasse 143 waren vor allem für den Einsatz in der Nord- und Ostsee vorgesehen. Im Mittelpunkt standen der schnelle, überraschende Angriff auf gegnerische Überwasserstreitkräfte, die Sicherung eigener Seeverbindungen und die Unterstützung anderer Marineverbände.
Verlegung von Olpenitz nach Warnemünde
Im November 1994 verlegte das 2. Schnellbootgeschwader mit seinen zehn Booten der Klasse 143 und dem Tender DONAU von Olpenitz zum Marinestützpunkt Warnemünde/Hohe Düne.
Damit wurde Warnemünde der neue Heimathafen von S 66 GREIF.
Die Verlegung war Teil der Neuordnung der deutschen Schnellbootverbände nach der Wiedervereinigung. Der Stab der Schnellbootflottille war bereits im Oktober 1994 von Flensburg nach Warnemünde gezogen. Das bis dahin in Kiel stationierte 7. Schnellbootgeschwader folgte 1995.
Mit der Zusammenführung der Verbände entwickelte sich Warnemünde zum zentralen Typstützpunkt der deutschen Schnellbootwaffe.
GREIF blieb von der Verlegung im Jahr 1994 bis zu seiner Außerdienststellung in Warnemünde stationiert. Eine spätere Verlegung des Bootes nach Kiel erfolgte nicht.
Wechsel zum 7. Schnellbootgeschwader
Zum 1. Oktober 1999 tauschten das 2. und das 7. Schnellbootgeschwader jeweils fünf Boote miteinander.
Ziel dieser Neuordnung war es, beide Geschwader mit jeweils fünf Booten der Albatros-Klasse 143 und fünf Booten der weiterentwickelten Gepard-Klasse 143A auszustatten.
S 66 GREIF wechselte dabei gemeinsam mit
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S 67 KONDOR
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S 68 SEEADLER
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S 69 HABICHT
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S 70 KORMORAN
vom 2. Schnellbootgeschwader zum 7. Schnellbootgeschwader.
Im Gegenzug übernahm das 2. Schnellbootgeschwader die Boote S 76 FRETTCHEN, S 77 DACHS, S 78 OZELOT, S 79 WIESEL und S 80 HYÄNE der Klasse 143A.
Der Geschwaderwechsel war für GREIF nicht mit einem Standortwechsel verbunden. Beide Verbände lagen zu diesem Zeitpunkt bereits in Warnemünde. Das Boot blieb dort bis zu seiner Außerdienststellung Angehöriger des 7. Schnellbootgeschwaders.
Auftrag und Ausrüstung
Die Flugkörperschnellboote der Klasse 143 waren für schnelle Angriffe auf gegnerische Überwasserstreitkräfte und für Einsätze in küstennahen Seegebieten konzipiert.
Zu ihren Aufgaben gehörten:
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Bekämpfung gegnerischer Überwassereinheiten
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Sicherung eigener Seeverbindungen
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Schutz eigener Marineverbände
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maritime Aufklärung und Überwachung
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Präsenz- und Sicherungsaufgaben
GREIF verfügte über vier leistungsstarke MTU-Dieselmotoren, die auf vier Wellen wirkten. Die Gesamtleistung betrug etwa 18.000 PS. Damit erreichte das Boot Geschwindigkeiten von ungefähr 42 Knoten.
Die Hauptbewaffnung bestand aus:
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vier Seezielflugkörpern MM 38 EXOCET
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zwei vollautomatischen 76-mm-Geschützen OTO Melara
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zwei fest eingebauten Torpedorohren im Kaliber 533 Millimeter
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zwei schweren Maschinengewehren zur Nahbereichssicherung
Die Torpedorohre waren nach achtern ausgerichtet. Die eingesetzten Torpedos wurden im Einsatz rückwärts ausgestoßen und nahmen anschließend ihren vorgegebenen Kurs auf.
Zur elektronischen Ausstattung gehörten ein kombiniertes Such- und Feuerleitradar, ein Navigationsradar, das taktische Datenübertragungssystem Link 11, Anlagen zur elektronischen Kampfführung sowie Systeme zum Ausbringen von Täuschkörpern.
Im Laufe ihrer Dienstzeit erhielten die Boote außerdem die elektronische Aufklärungsanlage OCTOPUS, mit der gegnerische Radarsignale erfasst, ausgewertet und klassifiziert werden konnten.
Das integrierte Waffensystem
Die Klasse 143 besaß als erste deutsche Schnellbootklasse ein weitgehend integriertes Führungs- und Waffeneinsatzsystem.
Radar, Lagebilddarstellung, Feuerleitung und Waffen konnten dadurch eng miteinander verbunden werden. Informationen ließen sich außerdem über Link 11 mit anderen Schiffen und übergeordneten Führungsstellen austauschen.
Für die Besatzung bedeutete diese Technik eine deutliche Verbesserung der Reaktionsfähigkeit. Gleichzeitig stellte sie hohe Anforderungen an Ausbildung, Wartung und das Zusammenspiel zwischen Brücke, Operationszentrale, Waffenbereich und Maschinenanlage.
Dienst in Bundesmarine und Deutscher Marine
Während des Kalten Krieges lag der Schwerpunkt der Ausbildung von GREIF in der Nord- und Ostsee.
Das Boot nahm regelmäßig an Geschwaderausbildungen, Artillerie- und Flugkörperschießabschnitten, taktischen Verbandsfahrten sowie nationalen und multinationalen Übungen teil.
Der Einsatz der Schnellboote beruhte auf hoher Geschwindigkeit, überraschendem Auftreten und dem koordinierten Vorgehen mehrerer Einheiten. Die Boote sollten sich gegnerischen Kräften schnell nähern, ihre Flugkörper einsetzen und sich anschließend ebenso schnell wieder aus dem Gefechtsraum lösen.
Nach der deutschen Wiedervereinigung veränderte sich das Aufgabenspektrum der Marine. Neben der klassischen Landes- und Bündnisverteidigung gewannen internationale Übungen, Ausbildungsreisen und maritime Präsenzaufgaben an Bedeutung.
Einzelne Einsätze oder Auslandsfahrten werden GREIF nur dann ausdrücklich zugeschrieben, wenn sie eindeutig und zuverlässig für das Boot belegt sind.
Patenschaft mit Mannheim
Patenstadt von S 66 GREIF war die baden-württembergische Stadt Mannheim.
Die Patenschaft knüpfte an die Verbindung Mannheims mit einem früheren Schnellboot gleichen Namens an. Mit der Indienststellung des neuen Flugkörperschnellbootes wurde diese Tradition fortgeführt.
Die Verbindung zwischen Boot und Patenstadt wurde durch gegenseitige Besuche, offizielle Veranstaltungen und persönliche Begegnungen gepflegt. Besatzungsangehörige besuchten Mannheim, während Delegationen aus der Patenstadt das Boot und seinen Heimathafen kennenlernten.
Solche Patenschaften stärkten die Verbindung zwischen der Marine und der Bevölkerung und gaben den Besatzungen neben ihrem militärischen Heimathafen auch einen festen Bezugspunkt an Land.
Außerdienststellung
Nach mehr als 28 Jahren im Dienst wurde S 66 GREIF am 4. Juli 2005 in Warnemünde außer Dienst gestellt.
Die Außerdienststellung erfolgte gemeinsam mit dem Schwesterschiff S 65 SPERBER. Mit dem Niederholen von Flagge und Wimpel endete die deutsche Dienstzeit beider Boote.
GREIF hatte bis dahin insgesamt rund 241.721 Seemeilen zurückgelegt. Dies entspricht einer Strecke von etwa 447.000 Kilometern.
Die Außerdienststellung war Teil der schrittweisen Auflösung der Albatros-Klasse. Bis Ende 2005 wurden sämtliche zehn Boote der Klasse 143 aus dem aktiven Dienst der Deutschen Marine genommen.
Verbleib und Dienst in Tunesien
Nach der Außerdienststellung wurde das ehemalige S 66 GREIF an die tunesische Marine verkauft.
Dort erhielt das Boot den Namen HANNON und die Kennung 505.
Der Name erinnert an den karthagischen Seefahrer Hannon. Unter tunesischer Flagge wurde das ehemalige deutsche Schnellboot für maritime Sicherungs-, Patrouillen- und Überwachungsaufgaben eingesetzt.
Mit der Übernahme durch Tunesien begann für das Boot nach mehr als 28 Jahren deutscher Dienstzeit eine zweite militärische Laufbahn.
Die Weiterverwendung zeigte, dass die robuste Konstruktion der Klasse 143 auch nach jahrzehntelangem Dienst noch einen Einsatz als Patrouillen- und Sicherungsboot ermöglichte.
Technische Daten der Klasse 143
Bootstyp: Flugkörperschnellboot
Klasse: 143 – Albatros-Klasse
Bauwerft: Lürssen-Werft, Bremen-Vegesack
Länge: 57,58 Meter
Breite: 7,62 Meter
Tiefgang: 2,60 Meter
Verdrängung: etwa 405 Tonnen
Antrieb: vier MTU-Dieselmotoren auf vier Wellen
Gesamtleistung: etwa 18.000 PS
Höchstgeschwindigkeit: etwa 42 Knoten
Besatzung: ungefähr 43 Soldaten
Bewaffnung während der deutschen Dienstzeit:
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vier Seezielflugkörper MM 38 EXOCET
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zwei 76-mm-Geschütze OTO Melara
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zwei Torpedorohre im Kaliber 533 Millimeter
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zwei schwere Maschinengewehre Browning M2
Elektronische Ausstattung:
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kombiniertes Such- und Feuerleitradar
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Navigationsradar
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Link 11
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elektronische Aufklärungsanlage OCTOPUS
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Anlagen zur elektronischen Kampfführung
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Täuschkörperwurfanlagen
Dienstzeit im Überblick
Name: GREIF
Deutsche Bezeichnung: S 66
NATO-Kennung: P 6116
Klasse: 143 – Albatros-Klasse
Bauwerft: Lürssen-Werft, Bremen-Vegesack
Baubeginn: 13. Juli 1972
Kiellegung: 12. Dezember 1973
Taufe und Stapellauf: 4. September 1975
Indienststellung: 25. November 1976
Außerdienststellung: 4. Juli 2005
Geschwader bis 30. September 1999: 2. Schnellbootgeschwader
Geschwader ab 1. Oktober 1999: 7. Schnellbootgeschwader
Heimathafen bis November 1994: Olpenitz
Heimathafen ab November 1994: Warnemünde/Hohe Düne
Patenstadt: Mannheim
Gefahrene Strecke: rund 241.721 Seemeilen
Späterer Name: HANNON
Spätere Kennung: 505
Spätere Marine: Tunesien
Von Kameraden für Kameraden
S 66 GREIF stand mehr als 28 Jahre im Dienst der Bundesmarine und der Deutschen Marine. Das Boot erlebte den Kalten Krieg, die deutsche Wiedervereinigung, die Verlegung von Olpenitz nach Warnemünde und den späteren Wechsel vom 2. zum 7. Schnellbootgeschwader.
Für die Besatzungen änderte sich mit dem Geschwaderwechsel das Verbandswappen, nicht jedoch der Heimathafen. GREIF blieb in Warnemünde und wurde dort weiterhin von Kameraden gefahren, gewartet und einsatzbereit gehalten.
Der Dienst auf einem Schnellboot verlangte von jedem Besatzungsmitglied Aufmerksamkeit, Können und Verlässlichkeit. Hohe Geschwindigkeit, begrenzter Raum, schwere See und die komplexe Technik machten ein enges Zusammenspiel unverzichtbar.
Auf der Brücke, im Maschinenraum, in der Operationszentrale und an Deck musste sich jeder auf den anderen verlassen können. Diese unmittelbare Abhängigkeit prägte eine besondere Form der Kameradschaft.
Für die ehemaligen Besatzungen steht der Name GREIF deshalb nicht nur für ein leistungsfähiges Flugkörperschnellboot. Er steht für gemeinsam gefahrene Seemeilen, lange Wachen, anspruchsvolle Übungen und Erinnerungen, die weit über die aktive Dienstzeit hinausreichen.
Mit der Übernahme als HANNON begann für das Boot eine zweite Laufbahn unter tunesischer Flagge. Seine deutsche Geschichte bleibt jedoch untrennbar mit Olpenitz, Warnemünde, dem 2. und dem 7. Schnellbootgeschwader sowie den Kameraden verbunden, die auf S 66 GREIF ihren Dienst versahen.