SPERBER verband eine Geschwindigkeit von mehr als 40 Knoten mit vier Seezielflugkörpern, zwei 76-mm-Geschützen, Torpedorohren und einem integrierten Führungs- und Waffeneinsatzsystem. Während des Kalten Krieges war das Boot vor allem für den Einsatz in Nord- und Ostsee vorgesehen. Nach 1990 erweiterten sich die Aufgaben um internationale Übungen, längere Ausbildungsfahrten und maritime Präsenzaufgaben.
Bau, Taufe und Indienststellung
S 65 SPERBER wurde bei der Kröger-Werft in Schacht-Audorf gebaut.
Die Taufe fand am 15. Januar 1974 statt. Taufpatin war Frau Tetzlaff. Die Taufrede hielt Fregattenkapitän Tetzlaff, der zu dieser Zeit Kommandeur des 2. Schnellbootgeschwaders war.
Am 27. September 1976 wurde das Boot in Dienst gestellt. Es führte die deutsche taktische Bezeichnung S 65, die internationale NATO-Kennung P 6115 sowie zunächst das Rufzeichen DSDO und später DRBY.
Erster Kommandant war Korvettenkapitän Pohlmann.
Das 2. Schnellbootgeschwader
SPERBER wurde mit seiner Indienststellung dem 2. Schnellbootgeschwader unterstellt und blieb während seiner gesamten aktiven Dienstzeit Angehöriger dieses Verbandes.
Erster Heimathafen war der Marinestützpunkt Olpenitz an der Ostsee. Von dort aus nahm das Boot an der Geschwaderausbildung, an nationalen Übungen und an multinationalen NATO-Manövern teil.
Im Herbst 1994 verlegte das 2. Schnellbootgeschwader mit seinen Booten von Olpenitz zum Marinestützpunkt Warnemünde. Warnemünde blieb anschließend bis zur Außerdienststellung Heimathafen von S 65 SPERBER.
Zum 1. Oktober 1999 tauschten das 2. und das 7. Schnellbootgeschwader jeweils fünf Boote miteinander. Danach verfügten beide Geschwader über jeweils fünf Schnellboote der Klasse 143 und fünf Einheiten der weiterentwickelten Klasse 143A.
S 65 SPERBER gehörte nicht zu den getauschten Booten. Es verblieb gemeinsam mit S 61 ALBATROS, S 62 FALKE, S 63 GEIER und S 64 BUSSARD beim 2. Schnellbootgeschwader.
Auftrag und Ausrüstung
Die Schnellboote der Klasse 143 waren ursprünglich für die Küstenverteidigung und den Einsatz in den engen und stark gegliederten Seegebieten der Ostsee vorgesehen.
Ihr Hauptauftrag bestand im schnellen und überraschenden Angriff auf gegnerische Überwasserstreitkräfte. Daneben konnten sie eigene Seeverbindungen und Verbände sichern, Seegebiete überwachen sowie Aufklärungs- und Präsenzaufgaben übernehmen.
Die Hauptbewaffnung von SPERBER bestand aus:
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vier Seezielflugkörpern MM 38 EXOCET
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zwei vollautomatischen 76-mm-Geschützen OTO Melara
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zwei fest eingebauten Torpedorohren im Kaliber 533 Millimeter
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Maschinenwaffen zur Sicherung im Nahbereich
Vier MTU-Dieselmotoren wirkten auf vier Wellen. Mit einer Gesamtleistung von etwa 18.000 PS erreichte das Boot Geschwindigkeiten von mehr als 40 Knoten.
Zur elektronischen Ausrüstung gehörten Radar- und Feuerleitanlagen, Navigationssysteme, Link 11 sowie Einrichtungen zur elektronischen Aufklärung und Kampfführung. Im Laufe der Dienstzeit verfügten die Boote außerdem über die Anlage OCTOPUS zur Erfassung und Auswertung gegnerischer Radarsignale.
Dienst in Bundesmarine und Deutscher Marine
Während des Kalten Krieges lag der Schwerpunkt der Ausbildung von SPERBER in Nord- und Ostsee. Das Boot nahm an Geschwaderausbildungen, Schießabschnitten, Verbandsfahrten und multinationalen Übungen teil.
Der Dienst auf einem Flugkörperschnellboot verlangte von der Besatzung ein besonders enges Zusammenspiel. Bei hoher Geschwindigkeit, begrenztem Raum und oft schwerer See mussten Brücke, Operationszentrale, Waffen, Decksdienst und Maschinenanlage zuverlässig zusammenarbeiten.
Nach der deutschen Wiedervereinigung änderten sich die Aufgaben der Marine. Die Boote wurden nun auch für weiter entfernte Ausbildungsfahrten und internationale Präsenzaufgaben eingesetzt.
Für SPERBER werden hier bewusst nur allgemein belegte Dienstabschnitte aufgeführt. Einzelne Übungen oder Auslandseinsätze werden nicht einem bestimmten Boot zugeschrieben, solange eine eindeutige bootsbezogene Bestätigung fehlt.
Patenschaft mit Münster
Patenstadt von S 65 SPERBER war die Stadt Münster in Nordrhein-Westfalen.
Die Patenschaft setzte die Verbindung Münsters mit dem Vorgängerboot SPERBER fort. Bereits das ältere Schnellboot gleichen Namens war mit der Stadt verbunden gewesen.
Am 3. September 1980 besuchte eine Abordnung der Patenstadt das Boot in Olpenitz. Die Patenschaft wurde auch in den folgenden Jahren durch gegenseitige Besuche, Veranstaltungen und persönliche Kontakte zwischen der Besatzung und Bürgern aus Münster gepflegt.
Solche Patenschaften stellten eine wichtige Verbindung zwischen den Soldaten der Marine und der Bevölkerung an Land dar. Für viele Besatzungsangehörige blieben die Begegnungen mit der Patenstadt auch über ihre aktive Dienstzeit hinaus in Erinnerung.
Außerdienststellung
Nach nahezu 29 Jahren im Dienst wurde S 65 SPERBER am 4. Juli 2005 außer Dienst gestellt.
Die Außerdienststellung fand gemeinsam mit dem Schwesterschiff S 66 GREIF statt. Beide Boote gehörten zu den letzten noch aktiven Einheiten der Albatros-Klasse.
Mit dem Ende der Klasse 143 schloss sich ein bedeutendes Kapitel der deutschen Schnellbootgeschichte. Die Aufgaben der kleineren und schnellen Angriffsboote wurden zunehmend von größeren, ausdauernderen und vielseitiger einsetzbaren Einheiten übernommen.
Verbleib und Dienst in Tunesien
Nach der Außerdienststellung wurde das ehemalige S 65 SPERBER an die tunesische Marine verkauft.
Dort erhielt das Boot den Namen HAMILCAR und die Kennung 506. Es wurde für Aufgaben der Küstenüberwachung und maritimen Sicherung weiterverwendet.
Mit der Übergabe an Tunesien begann für das Boot nach fast drei Jahrzehnten deutscher Dienstzeit eine zweite Laufbahn unter neuer Flagge. Die weitere Verwendung belegte die robuste Konstruktion der Klasse 143 und den noch vorhandenen Nutzwert der Boote für küstennahe Patrouillen- und Überwachungsaufgaben.
Technische Daten der Klasse 143
Bootstyp: Flugkörperschnellboot
Klasse: 143 – Albatros-Klasse
Bauwerft: Kröger-Werft, Schacht-Audorf
Länge: etwa 57,6 Meter
Breite: etwa 7,6 Meter
Tiefgang: etwa 2,6 Meter
Verdrängung: etwa 405 Tonnen
Antrieb: vier MTU-Dieselmotoren auf vier Wellen
Gesamtleistung: etwa 18.000 PS
Höchstgeschwindigkeit: etwa 42 Knoten
Besatzung: ungefähr 43 Soldaten
Bewaffnung während der deutschen Dienstzeit:
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vier Seezielflugkörper MM 38 EXOCET
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zwei 76-mm-Geschütze OTO Melara
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zwei Torpedorohre im Kaliber 533 Millimeter
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Maschinenwaffen zur Nahbereichssicherung
Dienstzeit im Überblick
Name: SPERBER
Deutsche Bezeichnung: S 65
NATO-Kennung: P 6115
Klasse: 143 – Albatros-Klasse
Bauwerft: Kröger-Werft, Schacht-Audorf
Taufe: 15. Januar 1974
Indienststellung: 27. September 1976
Außerdienststellung: 4. Juli 2005
Geschwader: während der gesamten Dienstzeit 2. Schnellbootgeschwader
Heimathafen bis 1994: Olpenitz
Heimathafen ab 1994: Warnemünde
Patenstadt: Münster
Späterer Name: HAMILCAR
Spätere Kennung: 506
Spätere Marine: Tunesien
Von Kameraden für Kameraden
S 65 SPERBER stand fast 29 Jahre im Dienst der Bundesmarine und der Deutschen Marine. Das Boot erlebte den Kalten Krieg, die deutsche Wiedervereinigung, den Wechsel von Olpenitz nach Warnemünde und die zunehmende internationale Ausrichtung der Marine.
Das Leben auf einem Schnellboot war von begrenztem Raum, langen Wachen, hoher Geschwindigkeit und der unmittelbaren Nähe aller Besatzungsbereiche geprägt. Jeder Kamerad musste sich auf den anderen verlassen können – auf der Brücke, im Maschinenraum, in der Operationszentrale und an Deck.
Für die ehemaligen Besatzungen steht der Name SPERBER deshalb nicht nur für ein leistungsfähiges Flugkörperschnellboot. Er steht für gemeinsame Seefahrten, anspruchsvolle Übungen, persönliche Erinnerungen und eine Kameradschaft, die auch nach der Außerdienststellung fortbesteht.
Mit der späteren Übernahme als HAMILCAR setzte das Boot seine Laufbahn unter tunesischer Flagge fort. Seine deutsche Geschichte bleibt jedoch untrennbar mit dem 2. Schnellbootgeschwader und den Kameraden verbunden, die auf S 65 SPERBER ihren Dienst versahen.