Kategorie: P6129 S79 WIESEL

P 6129 / S 79 WIESEL – Flugkörperschnellboot der Gepard-Klasse

Das Flugkörperschnellboot S 79 WIESEL mit der NATO-Kennung P 6129 war das neunte von zehn Booten der Gepard-Klasse, marineintern als Klasse 143A bezeichnet. Die Boote dieser Klasse waren eigenständige Neubauten und keine umgebauten Einheiten der vorausgegangenen Albatros-Klasse.

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S 79 WIESEL wurde am 12. Juli 1984 für die Bundesmarine in Dienst gestellt. Während seiner gesamten aktiven Laufbahn gehörte das Boot zum 7. Schnellbootgeschwader.

Auftrag und Konzeption

Die Gepard-Klasse war ursprünglich für den schnellen und überraschenden Kampf gegen gegnerische Überwassereinheiten vorgesehen. Das hauptsächliche Einsatzgebiet lag während des Kalten Krieges in der Ostsee und ihren Zugängen.

S 79 WIESEL sollte gemeinsam mit weiteren Schnellbooten in taktischen Verbänden operieren. Seine hohe Geschwindigkeit, geringe Silhouette und starke Flugkörperbewaffnung ermöglichten schnelle Angriffe gegen größere gegnerische Einheiten.

Das automatische Gefechts- und Informationssystem AGIS unterstützte den Austausch taktischer Lageinformationen und den koordinierten Waffeneinsatz innerhalb eines Schnellbootverbandes.

Im Unterschied zur vorausgegangenen Klasse 143 besaßen die Boote der Klasse 143A keine Torpedorohre und kein zweites 76-mm-Geschütz auf dem Achterschiff. Stattdessen war dort die Aufnahme eines Flugkörperabwehrsystems vorgesehen. Außerdem konnten die Boote Seeminen mitführen und ausbringen.

Bewaffnung und Ausrüstung

Die Hauptbewaffnung von S 79 WIESEL bestand aus vier französischen Seezielflugkörpern des Typs MM 38 Exocet. Sie dienten der Bekämpfung größerer gegnerischer Überwassereinheiten.

Auf dem Vorschiff befand sich ein vollautomatisches 76-mm-Mehrzweckgeschütz OTO Melara Compact. Es konnte gegen See- und Luftziele sowie begrenzt gegen Ziele an Land eingesetzt werden.

Auf dem Achterschiff wurde später das Flugkörperabwehrsystem RIM-116 Rolling Airframe Missile – RAM eingebaut. Der Starter verfügte über 21 Flugkörper und verbesserte insbesondere den Eigenschutz gegen anfliegende Seezielflugkörper.

Ergänzt wurde die Bewaffnung durch zwei schwere Maschinengewehre sowie die Fähigkeit zum Minenlegen. Die vier MTU-Dieselmotoren leisteten zusammen rund 18.000 PS und ermöglichten eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 42 Knoten.

Dienst im 7. Schnellbootgeschwader

S 79 WIESEL gehörte von seiner Indienststellung bis zur Außerdienststellung zum 7. Schnellbootgeschwader. Gemeinsam mit den neun Schwesterbooten der Klasse 143A bildete es den Kern dieses Verbandes.

Der ursprüngliche Heimathafen war Kiel. Im Zuge der Neuordnung der Deutschen Marine nach der Wiedervereinigung verlegte das 7. Schnellbootgeschwader 1995 nach Warnemünde.

Die aktive Laufbahn von S 79 WIESEL umfasste damit sowohl die letzten Jahre des Kalten Krieges als auch den späteren Wandel der Deutschen Marine von der Landes- und Bündnisverteidigung hin zu internationalen Einsätzen.

Wandel des Einsatzprofils

Nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes verlor der ursprünglich vorgesehene Einsatz gegen gegnerische Überwasserverbände in der Ostsee an Bedeutung. Die Schnellboote wurden zunehmend zur Seeraumüberwachung, zur Kontrolle des Schiffsverkehrs und innerhalb multinationaler Marineverbände eingesetzt.

Für lang andauernde Auslandseinsätze waren die Boote nur eingeschränkt ausgelegt. Die kleine Besatzung, das Einwachensystem, die räumliche Enge und die begrenzte Durchhaltefähigkeit stellten Mannschaft und Material vor besondere Herausforderungen.

In küstennahen und stark befahrenen Seegebieten konnten sie jedoch weiterhin ihre hohe Geschwindigkeit, geringe Größe und gute Manövrierfähigkeit wirkungsvoll einsetzen.

UNIFIL-Einsatz 2013 bis 2014

Am 5. August 2013 verließ S 79 WIESEL seinen Heimathafen Warnemünde mit Kurs auf das östliche Mittelmeer. Nach einer rund zweiwöchigen Verlegung sollte das Boot im maritimen Einsatzverband der United Nations Interim Force in Lebanon – UNIFIL die Korvette BRAUNSCHWEIG ablösen.

Der Auftrag des internationalen Marineverbandes bestand in der Überwachung der libanesischen Küste. Dazu gehörten die Identifizierung und Kontrolle von Schiffsbewegungen, der Aufbau eines maritimen Lagebildes und die Unterstützung der libanesischen Behörden bei der Sicherung ihrer Seegrenzen.

S 79 WIESEL blieb als Plattform über einen besonders langen Zeitraum im Einsatzgebiet. Währenddessen wurde die Besatzung ausgetauscht, damit das Boot ohne vollständige Rückverlegung weiter eingesetzt werden konnte.

Letzter deutscher Schnellbooteinsatz bei UNIFIL

Im Mai 2014 stieß S 75 ZOBEL zu S 79 WIESEL. Beide Boote bildeten anschließend den letzten deutschen Schnellbootbeitrag zur UNIFIL-Mission.

Am 28. September 2014 übergaben die beiden Schnellboote ihre Aufgaben an die Korvette BRAUNSCHWEIG. Damit endete die operative Beteiligung deutscher Schnellboote an UNIFIL.

S 79 WIESEL und S 75 ZOBEL kehrten am 17. Oktober 2014 nach Warnemünde zurück. S 79 WIESEL hatte seit dem 5. August 2013 mehr als 14 Monate als Einsatzplattform im östlichen Mittelmeer verbracht. Bei der Rückkehr führte das Boot einen rund 30 Meter langen Heimatwimpel.

Dieser Einsatz markierte einen historischen Einschnitt: S 79 WIESEL gehörte zu den letzten deutschen Schnellbooten, die an einem internationalen Auslandseinsatz teilnahmen.

Patenschaft mit der Stadt Ratingen

S 79 WIESEL unterhielt eine langjährige Patenschaft mit der nordrhein-westfälischen Stadt Ratingen.

Die Verbindung war ursprünglich bereits 1973 mit einem älteren Schnellboot namens WIESEL begründet und später auf S 79 WIESEL übertragen worden. Die offizielle Zuordnung des Bootes zu Ratingen ist durch Veröffentlichungen der Deutschen Marine und die über Jahrzehnte gepflegten Kontakte mit der Stadt belegt.

Die Patenschaft wurde durch gegenseitige Besuche und gemeinsame Veranstaltungen mit Leben gefüllt. Besatzungsangehörige nahmen regelmäßig am gesellschaftlichen Leben der Stadt teil, unter anderem am Ratinger Karneval. Im Jahr 2013 bestand die Verbindung bereits seit 40 Jahren.

Mit der Außerdienststellung des Bootes endete die offizielle Patenschaft 2015. Die persönlichen und kameradschaftlichen Beziehungen zwischen ehemaligen Besatzungsmitgliedern, der Marinekameradschaft und der Stadt blieben jedoch bestehen.

Letzte Fahrt und Abgabe der Munition

Am 28. September 2015 verließen S 79 WIESEL und S 72 PUMA frühmorgens den Marinestützpunkt Warnemünde. Die Boote liefen nach Jägersberg, um vor ihrer Außerdienststellung die noch an Bord befindliche Gefechtsmunition abzugeben.

Diese Fahrt gehörte zu den letzten aktiven Bewegungen der beiden Boote. Anschließend wurden sie auf ihre Übergabe an das Marinearsenal und die formelle Außerdienststellung vorbereitet.

Außerdienststellung

S 79 WIESEL wurde am 14. Dezember 2015 gemeinsam mit S 72 PUMA außer Dienst gestellt.

Das Boot hatte zu diesem Zeitpunkt mehr als 31 Jahre im Dienst der Bundesmarine und der Deutschen Marine gestanden. Nach seiner Außerdienststellung verblieben dem 7. Schnellbootgeschwader noch vier aktive Boote.

Die letzten Einheiten der Gepard-Klasse wurden am 16. November 2016 außer Dienst gestellt. Gleichzeitig wurde das 7. Schnellbootgeschwader aufgelöst und die Geschichte der Schnellboote in der Deutschen Marine beendet.

Verbleib

Nach der Außerdienststellung wurde S 79 WIESEL im Marinearsenal Kiel aufgelegt.

Gemeinsam mit sechs weiteren ehemaligen Schnellbooten der Gepard-Klasse wurde das Boot später durch die VEBEG zur Verwertung angeboten. Bestandteil der Verkaufsbedingungen war die Verpflichtung, die Einheiten zu verschrotten und eine erneute zivile oder militärische Nutzung auszuschließen.

Ein für November 2024 vorgesehener Abtransport in die Türkei scheiterte zunächst. Starker Muschelbewuchs an den Unterwasserrümpfen verhinderte eine sichere Verladung mit Hebegurten.

Im August 2025 wurden S 79 WIESEL und die sechs übrigen Boote schließlich auf das Schwergutschiff HAPPY SKY verladen. Das Schiff brachte die ehemaligen Schnellboote von Kiel nach Aliağa in der Türkei, wo sie zum Abbruch bestimmt waren.

Technische Daten

Klasse: Gepard-Klasse, Klasse 143A
Typ: Flugkörperschnellboot
Kennung: P 6129
Name: S 79 WIESEL
Indienststellung: 12. Juli 1984
Außerdienststellung: 14. Dezember 2015
Verbandszugehörigkeit: 7. Schnellbootgeschwader
Heimathäfen: Kiel, ab 1995 Warnemünde
Länge über alles: 57,60 Meter
Breite: 7,76 Meter
Tiefgang: 2,60 Meter
Einsatzverdrängung: rund 391 Tonnen
Antrieb: vier MTU-Dieselmotoren auf vier Wellen
Gesamtleistung: rund 18.000 PS
Höchstgeschwindigkeit: etwa 42 Knoten
Reichweite: etwa 600 Seemeilen bei hoher Marschfahrt
Besatzung: etwa 34 bis 36 Soldaten
Bewaffnung: ein 76-mm-Geschütz, vier MM-38-Exocet-Seezielflugkörper, ein RAM-Starter, zwei schwere Maschinengewehre und Minenlegefähigkeit
Patenschaft: Stadt Ratingen
Verbleib: 2025 zum Abbruch in die Türkei transportiert

Von Kameraden für Kameraden

S 79 WIESEL stand mehr als 31 Jahre im Dienst der Bundesmarine und der Deutschen Marine. Das Boot erlebte die letzten Jahre des Kalten Krieges, die Verlegung des 7. Schnellbootgeschwaders von Kiel nach Warnemünde und den Wandel vom klassischen Ostseeschnellboot zum international eingesetzten Überwachungsfahrzeug.

Besondere Bedeutung erhielt S 79 WIESEL durch seinen mehr als 14 Monate dauernden UNIFIL-Einsatz. Gemeinsam mit S 75 ZOBEL gehörte es zu den letzten deutschen Schnellbooten, die vor der libanesischen Küste eingesetzt wurden.

Der Dienst an Bord bedeutete Leben, Arbeiten und Wachegehen auf engstem Raum. Jeder Kamerad musste sich auf die Erfahrung, Verlässlichkeit und Einsatzbereitschaft der übrigen Besatzung verlassen können – auf der Brücke, im Maschinenraum, an den Waffenstationen und unter Deck.

Unser Motiv erinnert an S 79 WIESEL und an alle Kameraden, die auf diesem Boot gefahren sind. Es bewahrt die Erinnerung an gemeinsame Seefahrten, lange Wachen, internationale Einsätze und die letzten Jahre einer traditionsreichen Epoche der deutschen Marinegeschichte.