Kategorie: P6128 S78 OZELOT

P 6128 / S 78 OZELOT – Flugkörperschnellboot der Gepard-Klasse

Das Flugkörperschnellboot S 78 OZELOT mit der NATO-Kennung P 6128 war das achte von zehn Booten der Gepard-Klasse, marineintern als Klasse 143A bezeichnet. Die Boote dieser Klasse waren eigenständige Neubauten und keine umgebauten Einheiten der vorausgegangenen Albatros-Klasse.

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S 78 OZELOT wurde bei der Lürssen-Werft in Bremen-Vegesack gebaut. Der Stapellauf erfolgte am 7. Juni 1983, die Indienststellung für die Bundesmarine am 25. Mai 1984. Das internationale Rufzeichen des Bootes lautete DRCL. Während seiner gesamten aktiven Laufbahn gehörte S 78 OZELOT zum 7. Schnellbootgeschwader.

Auftrag und Konzeption

Die Gepard-Klasse war ursprünglich für den schnellen und überraschenden Kampf gegen gegnerische Überwassereinheiten vorgesehen. Das hauptsächliche Einsatzgebiet lag während des Kalten Krieges in der Ostsee und ihren Zugängen.

S 78 OZELOT sollte gemeinsam mit weiteren Schnellbooten in taktischen Verbänden operieren. Seine hohe Geschwindigkeit, geringe Silhouette und starke Flugkörperbewaffnung ermöglichten schnelle Angriffe gegen größere gegnerische Einheiten.

Das automatische Gefechts- und Informationssystem AGIS unterstützte den Austausch taktischer Lageinformationen und den koordinierten Waffeneinsatz mehrerer Schnellboote.

Im Unterschied zur vorausgegangenen Klasse 143 besaßen die Boote der Klasse 143A keine Torpedorohre und kein zweites 76-mm-Geschütz auf dem Achterschiff. Stattdessen war dort die Aufnahme eines Flugkörperabwehrsystems vorgesehen. Außerdem konnten die Boote Seeminen mitführen und ausbringen.

Bewaffnung und Ausrüstung

Die Hauptbewaffnung von S 78 OZELOT bestand aus vier französischen Seezielflugkörpern des Typs MM 38 Exocet. Sie dienten der Bekämpfung größerer gegnerischer Überwassereinheiten.

Auf dem Vorschiff befand sich ein vollautomatisches 76-mm-Mehrzweckgeschütz OTO Melara Compact. Es konnte gegen See- und Luftziele sowie begrenzt gegen Ziele an Land eingesetzt werden.

Auf dem Achterschiff wurde später das Flugkörperabwehrsystem RIM-116 Rolling Airframe Missile – RAM eingebaut. Der Starter verfügte über 21 Flugkörper und verbesserte insbesondere den Eigenschutz gegen anfliegende Seezielflugkörper.

Ergänzt wurde die Bewaffnung durch zwei schwere Maschinengewehre sowie die Fähigkeit zum Minenlegen. Die RAM-Nachrüstung der Klasse begann erst ab 1993, nachdem sich die Entwicklung des Systems erheblich verzögert hatte.

Dienst im 7. Schnellbootgeschwader

S 78 OZELOT gehörte von seiner Indienststellung bis zur Außerdienststellung zum 7. Schnellbootgeschwader. Gemeinsam mit den neun Schwesterbooten der Klasse 143A bildete es den Kern dieses Verbandes.

Der ursprüngliche Heimathafen war Kiel. Im Zuge der Neuordnung der Deutschen Marine nach der Wiedervereinigung verlegte das 7. Schnellbootgeschwader 1995 nach Warnemünde.

Die aktive Laufbahn von S 78 OZELOT umfasste damit sowohl die letzten Jahre des Kalten Krieges als auch den späteren Wandel der Deutschen Marine von der Landes- und Bündnisverteidigung hin zu internationalen Einsätzen.

Wandel des Einsatzprofils

Nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes verlor der ursprünglich vorgesehene Einsatz gegen gegnerische Überwasserverbände in der Ostsee an Bedeutung. Die Schnellboote wurden zunehmend zur Seeraumüberwachung, zur Kontrolle des Schiffsverkehrs und innerhalb multinationaler Marineverbände eingesetzt.

Für lang andauernde Auslandseinsätze waren die Boote nur eingeschränkt ausgelegt. Die kleine Besatzung, das Einwachensystem, die räumliche Enge und die begrenzte Durchhaltefähigkeit stellten Mannschaft und Material vor besondere Herausforderungen.

In küstennahen und stark befahrenen Seegebieten konnten sie jedoch weiterhin ihre hohe Geschwindigkeit, geringe Größe und gute Manövrierfähigkeit wirkungsvoll einsetzen.

Einsatz im Mittelmeer

S 78 OZELOT nahm bereits vor Beginn der UNIFIL-Mission an Fahrten und Übungen im Mittelmeer teil. Für den 13. Juni 2001 ist das Boot während einer Übung in diesem Seegebiet fotografisch dokumentiert.

Weitergehende Einzelheiten zu dieser Fahrt werden bewusst nicht genannt, da eine belastbare bootsbezogene Zuordnung zu einer konkreten Operation aus den verfügbaren Quellen nicht eindeutig hervorgeht.

UNIFIL-Einsatz 2006 bis 2007

S 78 OZELOT gehörte zum ersten deutschen Schnellbootkontingent, das im Rahmen der United Nations Interim Force in Lebanon – UNIFIL eingesetzt wurde.

Das Boot lief am 19. September 2006 aus seinem Heimathafen aus. Mit dem Überschreiten des 15. Längengrades Ost am 1. Oktober 2006 wurden die beteiligten Einheiten dem Einsatzführungskommando der Bundeswehr unterstellt. Zum ersten Kontingent gehörten neben S 78 OZELOT unter anderem S 74 NERZ, S 77 DACHS, S 80 HYÄNE und der Tender ELBE.

Vor der libanesischen Küste dienten die Schnellboote der Überwachung des Seeverkehrs, der Identifizierung von Schiffen und der Unterstützung beim Aufbau eines maritimen Lagebildes.

S 78 OZELOT kehrte am 17. März 2007 nach Deutschland zurück.

Weitere UNIFIL-Verwendungen

S 78 OZELOT war auch nach dem ersten Kontingent wiederholt mit dem UNIFIL-Einsatz verbunden. Die Geschwaderchronik beschreibt das Boot als nahezu ständig an der Operation beteiligt, wobei Besatzungen und Plattformen innerhalb des Verbandes teilweise wechselten.

Bei diesen langen Einsätzen wurden die Schnellboote durch Tender mit Kraftstoff, Betriebsstoffen, Ersatzteilen und Versorgungsgütern unterstützt. Erst diese logistische Unterstützung ermöglichte einen längeren Betrieb der ursprünglich für kurze Einsätze in Nord- und Ostsee entworfenen Boote.

Da die zugänglichen Übersichten nicht jeden Zeitraum eindeutig einer bestimmten Besatzung oder Plattform zuordnen, werden hier keine weiteren Einsatzdaten genannt, die nicht zweifelsfrei bootsbezogen belegt sind.

Patenschaft mit der Stadt Duisburg

S 78 OZELOT unterhielt eine offizielle Patenschaft mit der nordrhein-westfälischen Stadt Duisburg. Die Verbindung war ursprünglich am 4. September 1974 mit dem älteren Schnellboot S 37 OZELOT begründet und später auf S 78 OZELOT übertragen worden.

Die Patenschaft wurde durch gegenseitige Besuche und gemeinsame Veranstaltungen mit Leben gefüllt. Besatzungsmitglieder des Schnellbootes nahmen unter anderem an der Drachenbootregatta im Duisburger Innenhafen teil.

Solche Patenschaften schufen über viele Jahre persönliche Verbindungen zwischen der Besatzung und der Bevölkerung der Patenstadt und blieben für zahlreiche ehemalige Schnellbootfahrer ein wichtiger Teil ihrer Dienstzeiterinnerung.

Außerdienststellung

Nach mehr als 30 Dienstjahren wurde S 78 OZELOT am 18. Dezember 2014 um 10 Uhr außer Dienst gestellt.

Das Boot gehörte damit zu den Einheiten, die bereits zwei Jahre vor der endgültigen Auflösung des 7. Schnellbootgeschwaders aus dem aktiven Dienst ausschieden.

Die verbliebenen vier Boote der Gepard-Klasse wurden am 16. November 2016 außer Dienst gestellt. Gleichzeitig wurde das letzte Schnellbootgeschwader der Deutschen Marine aufgelöst.

Verbleib

Nach der Außerdienststellung wurde S 78 OZELOT zunächst im Marinearsenal Kiel aufgelegt.

Im August 2022 wurde das ehemalige Schnellboot über die VEBEG zur Verwertung angeboten. Eine erneute militärische oder zivile Nutzung war ausgeschlossen; der Käufer musste die Verschrottung garantieren.

Der zunächst für November 2024 vorgesehene Abtransport in die Türkei scheiterte. Eine Taucheruntersuchung hatte starken Muschelbewuchs an den Rümpfen der sieben aufgelegten Schnellboote festgestellt, wodurch eine sichere Verladung mit Hebegurten nicht möglich war.

Im September 2025 wurde S 78 OZELOT schließlich gemeinsam mit sechs weiteren ehemaligen Booten der Gepard-Klasse auf dem Schwergutschiff HAPPY SKY von Kiel in die Türkei transportiert. Ziel war ein Abwrackbetrieb in Aliağa, wo die Boote verschrottet werden sollten.

Technische Daten

Klasse: Gepard-Klasse, Klasse 143A
Typ: Flugkörperschnellboot
Kennung: P 6128
Name: S 78 OZELOT
Internationales Rufzeichen: DRCL
Werft: Lürssen-Werft, Bremen-Vegesack
Stapellauf: 7. Juni 1983
Indienststellung: 25. Mai 1984
Außerdienststellung: 18. Dezember 2014
Verbandszugehörigkeit: 7. Schnellbootgeschwader
Heimathäfen: Kiel, ab 1995 Warnemünde
Länge über alles: 57,60 Meter
Breite: etwa 7,80 Meter
Tiefgang: etwa 2,60 Meter
Einsatzverdrängung: rund 391 Tonnen
Antrieb: vier MTU-Dieselmotoren auf vier Wellen
Höchstgeschwindigkeit: etwa 40 bis 42 Knoten
Reichweite: etwa 2.600 Seemeilen bei 16 Knoten beziehungsweise rund 600 Seemeilen bei 33 Knoten
Besatzung: etwa 34 bis 36 Soldaten
Bewaffnung: ein 76-mm-Geschütz, vier MM-38-Exocet-Seezielflugkörper, ein RAM-Starter, zwei schwere Maschinengewehre und Minenlegefähigkeit
Patenschaft: Stadt Duisburg
Verbleib: 2025 zur Verschrottung in die Türkei transportiert

Von Kameraden für Kameraden

S 78 OZELOT stand mehr als 30 Jahre im Dienst der Bundesmarine und der Deutschen Marine. Das Boot erlebte die letzten Jahre des Kalten Krieges, die Verlegung des 7. Schnellbootgeschwaders von Kiel nach Warnemünde und den Wandel vom klassischen Ostseeschnellboot zum international eingesetzten Überwachungsfahrzeug.

Besonders der frühe UNIFIL-Einsatz stellte hohe Anforderungen an die Besatzung. Lange Einsatzzeiten, Hitze, räumliche Enge und die dauerhafte Bereitschaft prägten den Alltag an Bord.

Auf einem Schnellboot waren die Wege kurz und die Verantwortung unmittelbar. Jeder Kamerad musste sich auf den anderen verlassen können – auf der Brücke, im Maschinenraum, an den Waffenstationen und während der wenigen Ruhezeiten unter Deck.

Unser Motiv erinnert an S 78 OZELOT und an alle Kameraden, die auf diesem Boot gefahren sind. Es bewahrt die Erinnerung an gemeinsame Seefahrten, lange Wachen, internationale Einsätze und eine besondere Epoche der deutschen Marinegeschichte.