Kategorie: P6125 S75 ZOBEL

P 6125 / S 75 ZOBEL – Flugkörperschnellboot der Gepard-Klasse

Das Flugkörperschnellboot S 75 ZOBEL mit der NATO-Kennung P 6125 war das fünfte von zehn Booten der Gepard-Klasse, marineintern als Klasse 143A bezeichnet. Die Boote waren eigenständige Neubauten, deren Konstruktion auf einer Weiterentwicklung des Entwurfs der vorausgegangenen Albatros-Klasse beruhte.

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S 75 ZOBEL wurde bei der Kröger-Werft in Schacht-Audorf bei Rendsburg gebaut und am 28. September 1983 für die Bundesmarine in Dienst gestellt. Während seiner gesamten aktiven Laufbahn gehörte das Boot zum 7. Schnellbootgeschwader.

Auftrag und Konzeption

S 75 ZOBEL war ursprünglich für den schnellen und überraschenden Einsatz gegen gegnerische Überwasserkräfte vorgesehen. Das hauptsächliche Operationsgebiet der Gepard-Klasse lag während des Kalten Krieges in der Ostsee und ihren Zugängen.

Die Boote sollten vor allem gemeinsam in taktischen Verbänden operieren. Ihre hohe Geschwindigkeit, geringe Silhouette und starke Flugkörperbewaffnung ermöglichten es, gegnerische Einheiten überraschend anzugreifen und sich anschließend schnell aus dem Gefechtsraum zurückzuziehen.

Das automatische Gefechts- und Informationssystem AGIS unterstützte den Austausch taktischer Lageinformationen zwischen mehreren Schnellbooten. Dadurch konnten Ziele gemeinsam erfasst, bewertet und bekämpft werden.

Die Klasse 143A unterschied sich von der vorausgegangenen Klasse 143 insbesondere durch den Verzicht auf Torpedorohre und auf das zweite 76-mm-Geschütz am Heck. Stattdessen war dort von Beginn an die Aufnahme eines Flugkörperabwehrsystems vorgesehen. Außerdem besaßen die Boote die Fähigkeit zum Legen von Seeminen.

Bewaffnung und Ausrüstung

Die Hauptbewaffnung von S 75 ZOBEL bestand aus vier französischen Seezielflugkörpern des Typs MM 38 Exocet. Diese dienten der Bekämpfung größerer gegnerischer Überwassereinheiten.

Auf dem Vorschiff befand sich ein vollautomatisches 76-mm-Mehrzweckgeschütz OTO Melara Compact. Es konnte gegen See- und Luftziele sowie begrenzt gegen Ziele an Land eingesetzt werden.

Auf dem Achterschiff war das Flugkörperabwehrsystem RIM-116 Rolling Airframe Missile – RAM vorgesehen. Da sich dessen Entwicklung verzögerte, wurden die Boote zunächst ohne den geplanten Starter in Dienst gestellt. Die Nachrüstung erfolgte erst in den 1990er-Jahren.

Der RAM-Starter mit 21 Flugkörpern verbesserte den Eigenschutz insbesondere gegen anfliegende Seezielflugkörper erheblich. Ergänzt wurde die Bewaffnung durch zwei schwere Maschinengewehre sowie die Fähigkeit, Seeminen mitzuführen und auszubringen.

Dienst im 7. Schnellbootgeschwader

S 75 ZOBEL gehörte von seiner Indienststellung bis zur Außerdienststellung zum 7. Schnellbootgeschwader. Das Geschwader war vollständig mit den zehn Booten der Gepard-Klasse ausgerüstet.

Der ursprüngliche Heimathafen des Verbandes war Kiel. Im Zuge der Neuordnung der Deutschen Marine nach der Wiedervereinigung verlegte das 7. Schnellbootgeschwader 1995 nach Warnemünde. Dort lag S 75 ZOBEL bis zum Ende seiner aktiven Dienstzeit.

Die Laufbahn des Bootes umfasste damit sowohl die letzten Jahre des Kalten Krieges als auch den grundlegenden Wandel der Deutschen Marine hin zu internationalen Krisen- und Stabilisierungseinsätzen.

Verändertes Einsatzprofil nach 1990

Nach dem Ende des Ost-West-Konfliktes verlor der ursprünglich vorgesehene Einsatz gegen gegnerische Überwasserverbände in der Ostsee an Bedeutung. Die Schnellboote wurden nun zunehmend zur Überwachung von Seegebieten, zur Kontrolle des Schiffsverkehrs und in internationalen Marineverbänden eingesetzt.

Für lang andauernde Auslandseinsätze waren die Boote ursprünglich nicht konstruiert worden. Ihre geringe Reichweite, das Einwachensystem, die kleine Besatzung und die räumliche Enge stellten Mannschaft und Material vor besondere Herausforderungen.

In küstennahen und stark befahrenen Seegebieten konnten die Schnellboote jedoch weiterhin ihre hohe Geschwindigkeit, geringe Größe und gute Manövrierfähigkeit wirkungsvoll einsetzen.

UNIFIL-Einsatz 2007 bis 2008

Am 22. Oktober 2007 lief S 75 ZOBEL gemeinsam mit S 72 PUMA aus Warnemünde zu einem Einsatz im Rahmen der United Nations Interim Force in Lebanon – UNIFIL aus.

Auftrag des internationalen Marineverbandes war die Überwachung der libanesischen Küste. Die Einheiten kontrollierten den Schiffsverkehr, identifizierten Fahrzeuge und unterstützten die libanesischen Behörden beim Aufbau eines maritimen Lagebildes sowie bei der Sicherung ihrer Seegrenzen.

Nach fast fünf Monaten kehrten S 75 ZOBEL und S 72 PUMA am 16. März 2008 in ihren Heimathafen Warnemünde zurück.

UNIFIL-Einsatz 2011

S 75 ZOBEL wurde 2011 erneut im Rahmen von UNIFIL eingesetzt. Das Boot lief am 3. Januar 2011 von Wilhelmshaven aus und kehrte am 25. Oktober 2011 nach Deutschland zurück.

Auch bei diesem Einsatz lagen die Schwerpunkte in der Seeraumüberwachung, der Kontrolle von Schiffsbewegungen und der Unterstützung des internationalen Marineverbandes vor der libanesischen Küste.

Letzter Schnellbooteinsatz bei UNIFIL

Am 9. Mai 2014 verließ S 75 ZOBEL erneut Deutschland mit Kurs auf das östliche Mittelmeer. Gemeinsam mit S 79 WIESEL bildete das Boot den letzten deutschen Schnellbootbeitrag zur UNIFIL-Mission.

Auf dem Weg in das Einsatzgebiet geriet S 75 ZOBEL Anfang Mai im Ärmelkanal in schweres Wetter. Dabei entstanden Schäden an der Reling und an Teilen der Aufbauten. Nach der erforderlichen Begutachtung und Reparatur konnte das Boot seine Verlegung fortsetzen.

Am 28. September 2014 übergaben S 75 ZOBEL und S 79 WIESEL ihre Aufgaben an die Korvette BRAUNSCHWEIG. Damit endete der Einsatz deutscher Schnellboote bei UNIFIL.

Die beiden Boote kehrten am 17. Oktober 2014 nach Warnemünde zurück. S 75 ZOBEL gehörte damit zu den Einheiten, die den letzten operativen Auslandseinsatz der deutschen Schnellbootwaffe getragen hatten.

Patenschaft mit Bad Hersfeld

S 75 ZOBEL unterhielt eine langjährige Patenschaft mit der hessischen Stadt Bad Hersfeld.

Die Verbindung ging auf das frühere Schnellboot ZOBEL der Klasse 142 zurück. Die ursprüngliche Patenschaft war bereits 1973 begründet und später auf das neue Boot S 75 ZOBEL der Gepard-Klasse übertragen worden.

Über Jahrzehnte wurde die Patenschaft durch Besuche der Besatzung in Bad Hersfeld, Gegenbesuche an Bord und gemeinsame Veranstaltungen gepflegt. Sie endete erst mit der Außerdienststellung des Bootes im November 2016.

Letzte Jahre im Dienst

Nach der Rückkehr aus dem letzten UNIFIL-Einsatz nahm S 75 ZOBEL weiterhin an Ausbildungs-, Geschwader- und Verbandsfahrten teil.

Im Juli 2016 war das Boot nicht mehr fahrbereit. Die verbleibenden Besatzungsangehörigen bereiteten die Außerdienststellung und die Auflösung des Geschwaders vor.

S 75 ZOBEL gehörte gemeinsam mit S 73 HERMELIN, S 76 FRETTCHEN und S 80 HYÄNE zu den vier letzten Schnellbooten der Deutschen Marine.

Außerdienststellung

Am 16. November 2016 wurde S 75 ZOBEL im Marinestützpunkt Warnemünde gemeinsam mit den drei übrigen Booten außer Dienst gestellt.

Gleichzeitig wurde das 7. Schnellbootgeschwader aufgelöst. Mit diesem Tag endete die aktive Geschichte der Schnellboote in der Deutschen Marine.

S 75 ZOBEL hatte zu diesem Zeitpunkt mehr als 33 Jahre im Dienst der Bundesmarine und der Deutschen Marine gestanden.

Verbleib

Nach der Außerdienststellung wurde S 75 ZOBEL gemeinsam mit weiteren ehemaligen Booten der Gepard-Klasse im Marinearsenal Kiel aufgelegt.

Im Jahr 2023 wurden sieben der noch vorhandenen Boote durch die VEBEG zur Verwertung angeboten. Bestandteil der Verkaufsbedingungen war die Verpflichtung, die Einheiten zu verschrotten und eine erneute zivile oder militärische Nutzung auszuschließen.

Ein erster geplanter Abtransport mit dem Schwergutschiff HAPPY SKY scheiterte im November 2024. Eine Taucheruntersuchung hatte starken Muschelbewuchs an den Rümpfen festgestellt, wodurch eine sichere Verladung mit Hebegurten zunächst nicht möglich war.

Im August 2025 wurden S 75 ZOBEL und sechs weitere ehemalige Schnellboote schließlich auf die HAPPY SKY verladen und von Kiel nach Aliağa in der Türkei transportiert. Dort waren die Boote zum Abbruch bestimmt.

Technische Daten

Klasse: Gepard-Klasse, Klasse 143A
Typ: Flugkörperschnellboot
Kennung: P 6125
Name: S 75 ZOBEL
Werft: Kröger-Werft, Schacht-Audorf
Indienststellung: 28. September 1983
Außerdienststellung: 16. November 2016
Verbandszugehörigkeit: 7. Schnellbootgeschwader
Heimathäfen: Kiel, ab 1995 Warnemünde
Länge über alles: 57,60 Meter
Breite: 7,76 Meter
Tiefgang: 2,60 Meter
Einsatzverdrängung: rund 391 Tonnen
Antrieb: vier MTU-Dieselmotoren auf vier Wellen
Gesamtleistung: etwa 18.000 PS
Höchstgeschwindigkeit: etwa 42 Knoten
Reichweite: etwa 600 Seemeilen
Besatzung: etwa 34 Soldaten
Bewaffnung: ein 76-mm-Geschütz, vier Seezielflugkörper MM 38 Exocet, ein RAM-Starter, zwei schwere Maschinengewehre und Minenlegefähigkeit
Patenschaft: Stadt Bad Hersfeld
Verbleib: 2025 zum Abbruch in die Türkei transportiert

Von Kameraden für Kameraden

S 75 ZOBEL stand mehr als 33 Jahre im Dienst der Bundesmarine und der Deutschen Marine. Das Boot erlebte die letzten Jahre des Kalten Krieges, die Verlegung des 7. Schnellbootgeschwaders von Kiel nach Warnemünde und den Wandel vom klassischen Ostseeschnellboot zum international eingesetzten Überwachungsfahrzeug.

Besondere Bedeutung erhielt S 75 ZOBEL durch seine mehrfachen UNIFIL-Einsätze. Gemeinsam mit S 79 WIESEL beendete das Boot 2014 den operativen Einsatz deutscher Schnellboote vor der libanesischen Küste.

Der Dienst an Bord bedeutete Arbeiten, Leben und Wachegehen auf engstem Raum. Jeder Kamerad war unmittelbar auf die Erfahrung, Verlässlichkeit und Einsatzbereitschaft der übrigen Besatzung angewiesen – auf der Brücke, im Maschinenraum, an den Waffenstationen und unter Deck.

Unser Motiv erinnert an S 75 ZOBEL und an alle Kameraden, die auf diesem Boot gefahren sind. Es bewahrt die Erinnerung an gemeinsame Seefahrten, harte Wachen, internationale Einsätze und die letzten Jahre einer traditionsreichen Epoche der deutschen Marinegeschichte.