S 71 GEPARD wurde am 7. Dezember 1982 in Dienst gestellt und gehörte während seiner gesamten aktiven Dienstzeit zum 7. Schnellbootgeschwader. Mit einer Dienstzeit von mehr als 32 Jahren zählte das Boot zu den langlebigen Einheiten der deutschen Schnellbootwaffe.
Entwicklung und Auftrag
Die Gepard-Klasse wurde aus der unmittelbar vorausgegangenen Albatros-Klasse 143 weiterentwickelt. Beide Klassen waren hinsichtlich Rumpfform, Antriebsanlage und grundlegender Konzeption eng miteinander verwandt. Die Klasse 143A erhielt jedoch keine Torpedobewaffnung mehr. Stattdessen verfügten die Boote wieder über die Fähigkeit zum Legen von Seeminen.
Der ursprüngliche Auftrag von S 71 GEPARD lag im schnellen und überraschenden Einsatz gegen gegnerische Überwasserkräfte. Die Einsatzschwerpunkte befanden sich während des Kalten Krieges vor allem in der Ostsee und ihren Zugängen. Dabei sollte das Boot gemeinsam mit weiteren Schnellbooten operieren und seine hohe Geschwindigkeit, geringe Größe und starke Flugkörperbewaffnung nutzen.
Das automatische Gefechts- und Informationssystem AGIS ermöglichte den Austausch taktischer Informationen innerhalb eines Schnellbootverbandes und einen koordinierten Waffeneinsatz. Die Gepard-Klasse verband damit hohe Geschwindigkeit und starke Bewaffnung mit einer für ihre Zeit modernen elektronischen Gefechtsführung.
Bewaffnung und Nachrüstung
Die Hauptbewaffnung von S 71 GEPARD bestand aus vier französischen Seezielflugkörpern des Typs MM 38 Exocet. Hinzu kam auf dem Vorschiff ein vollautomatisches 76-mm-Mehrzweckgeschütz OTO Melara Compact, das sowohl gegen See- als auch gegen Luft- und Landziele eingesetzt werden konnte.
Auf dem Achterschiff war von Beginn an der Einbau eines Flugkörperabwehrsystems vorgesehen. Da sich die Entwicklung des deutsch-amerikanischen Rolling Airframe Missile – RAM erheblich verzögerte, fuhren die Boote zunächst ohne dieses geplante Waffensystem. Erst ab 1993 konnte die Klasse schrittweise mit dem RAM-Nahbereichsabwehrsystem ausgerüstet werden.
Der RAM-Starter diente insbesondere der Abwehr anfliegender Seezielflugkörper und verbesserte den Eigenschutz der Boote erheblich. Ergänzt wurde die Bewaffnung durch Maschinengewehre sowie die Möglichkeit, Seeminen mitzuführen und auszubringen.
Dienst im 7. Schnellbootgeschwader
S 71 GEPARD wurde als erstes Boot seiner Klasse dem 7. Schnellbootgeschwader zugeteilt. Der Verband stellte zwischen 1982 und 1984 insgesamt zehn Boote der Klasse 143A in Dienst.
Der ursprüngliche Heimathafen des Geschwaders war Kiel. Nach der deutschen Wiedervereinigung und der Umstrukturierung der Marine verlegte das 7. Schnellbootgeschwader 1995 nach Warnemünde. Die Boote lagen zunächst im Bereich des ehemaligen Marinestützpunktes Hohe Düne; der Standort wurde anschließend zum modernen Marinestützpunkt Warnemünde ausgebaut.
S 71 GEPARD blieb dem Geschwader und damit auch seinem neuen Heimathafen bis zur Außerdienststellung verbunden.
Vom Ostseeschnellboot zum Einsatzboot
Mit dem Ende des Kalten Krieges veränderte sich das Aufgabenspektrum der Deutschen Marine grundlegend. Die klassische Landes- und Bündnisverteidigung in Nord- und Ostsee trat zunehmend hinter internationale Einsätze zur Krisenbewältigung, Seeraumüberwachung und Sicherung der Schifffahrt zurück.
Für solche lang andauernden Einsätze in weit entfernten Seegebieten waren Schnellboote ursprünglich nicht konstruiert worden. Ihre begrenzte Reichweite, die kleine Besatzung, das Einwachensystem und die Abhängigkeit von Tendern erschwerten längere Einsatzfahrten. In küstennahen Gewässern konnten die Boote ihre hohe Geschwindigkeit, starke Bewaffnung und geringe Silhouette jedoch weiterhin wirkungsvoll einsetzen.
Operation Enduring Freedom
S 71 GEPARD gehörte zu den deutschen Schnellbooten, die im Rahmen der Operation Enduring Freedom am Horn von Afrika eingesetzt wurden. Für die Verlegung in das Einsatzgebiet wurden die beteiligten Schnellboote mit einem Dockschiff nach Dschibuti transportiert.
Im Einsatz dienten die Boote der Überwachung des Seegebietes, der Kontrolle von Schiffsbewegungen und der Sicherung der internationalen Seeverbindungen. Die Operation stellte für die ursprünglich für Nord- und Ostsee konzipierten Schnellboote eine besondere technische und personelle Herausforderung dar.
UNIFIL-Einsatz vor dem Libanon
Am 11. Februar 2007 lief S 71 GEPARD zu einem rund sechsmonatigen Auslandseinsatz im Rahmen der United Nations Interim Force in Lebanon – UNIFIL aus. Auftrag des internationalen Marineverbandes war die Überwachung der libanesischen Küste und die Unterstützung der libanesischen Behörden bei der Sicherung ihrer Seegrenzen.
Ein weiterer belegter UNIFIL-Einsatz begann am 24. Mai 2012, als S 71 GEPARD gemeinsam mit S 73 HERMELIN den Heimathafen Warnemünde mit Kurs auf das östliche Mittelmeer verließ. Dort wurden die Schnellboote erneut zur Seeraumüberwachung vor der libanesischen Küste eingesetzt.
Patenschaft mit Röthenbach an der Pegnitz
Mit S 71 GEPARD bestand eine enge Verbindung zur Stadt Röthenbach an der Pegnitz. Die Patenschaft war ursprünglich bereits in der Zeit eines früheren Schnellbootes mit dem Namen GEPARD begründet worden und wurde mit dem neuen Boot der Klasse 143A fortgeführt.
Über viele Jahre entstanden persönliche Kontakte zwischen der Besatzung, der Stadt und den dortigen Marinekameraden. Besuche der Besatzung in der Patenstadt sowie Gegenbesuche an Bord hielten die Verbindung lebendig. Auch nach der Außerdienststellung blieb die Erinnerung an das Boot in Röthenbach erhalten.
Außerdienststellung
Nach mehr als 32 Dienstjahren wurde S 71 GEPARD am 12. Dezember 2014 außer Dienst gestellt. Damit endete die aktive Laufbahn des Typschiffes der letzten deutschen Schnellbootklasse.
Das 7. Schnellbootgeschwader blieb noch bis zum 16. November 2016 bestehen. Mit der Außerdienststellung seiner letzten vier Boote endete schließlich die mehr als einhundertjährige Geschichte der Schnellboote in deutschen Marinen.
Verbleib
S 71 GEPARD blieb als einziges Boot seiner Klasse dauerhaft erhalten. Nach der Außerdienststellung wurde es für eine museale Nutzung vorbereitet und nach Wilhelmshaven überführt.
Seit dem 18. Juni 2016 gehört das Boot zur Sammlung des Deutschen Marinemuseums in Wilhelmshaven. Es liegt dort als begehbares Museumsschiff im Museumshafen und erinnert sowohl an die Gepard-Klasse als auch an die gesamte Geschichte der deutschen Schnellbootwaffe.
Der ursprünglich ausgebaute RAM-Starter wurde später wieder auf dem Achterschiff montiert, sodass das Boot heute weitgehend in seinem letzten aktiven Ausrüstungszustand gezeigt werden kann.
Technische Daten
Klasse: Gepard-Klasse, Klasse 143A
Typ: Flugkörperschnellboot
Kennung: P 6121
Name: S 71 GEPARD
Indienststellung: 7. Dezember 1982
Außerdienststellung: 12. Dezember 2014
Verbandszugehörigkeit: 7. Schnellbootgeschwader
Heimathäfen: Kiel, später Warnemünde
Länge: etwa 57,6 Meter
Breite: etwa 7,8 Meter
Tiefgang: etwa 2,6 Meter
Einsatzverdrängung: rund 390 Tonnen
Antrieb: vier MTU-Dieselmotoren auf vier Wellen
Gesamtleistung: etwa 18.000 PS
Höchstgeschwindigkeit: etwa 40 Knoten
Besatzung: rund 36 Soldaten
Bewaffnung: ein 76-mm-Geschütz, vier Seezielflugkörper MM 38 Exocet, ein RAM-Starter, Maschinengewehre und Minenlegefähigkeit
Verbleib: Museumsschiff im Deutschen Marinemuseum Wilhelmshaven
Von Kameraden für Kameraden
S 71 GEPARD steht für mehr als drei Jahrzehnte Schnellbootdienst – für Geschwindigkeit, Enge, harte Seefahrt und eine besonders intensive Form der Kameradschaft. Auf einem Schnellboot war jeder Einzelne unmittelbar auf den anderen angewiesen. Die kleine Besatzung arbeitete, lebte und fuhr gemeinsam auf engstem Raum.
Unser Motiv erinnert an das Typschiff der letzten deutschen Schnellbootklasse und an alle Kameraden, die auf S 71 GEPARD ihren Dienst geleistet haben. Es bewahrt die Erinnerung an gemeinsame Seefahrten, lange Wachen, internationale Einsätze und eine Zeit, in der die Schnellboote das Bild der deutschen Marine entscheidend mitprägten.