Kategorie: P6119 S69 HABICHT

P 6119 / S 69 HABICHT – Flugkörperschnellboot der Klasse 143

Das Schnellboot S 69 HABICHT mit der NATO-Kennung P 6119 gehörte zur Albatros-Klasse, Klasse 143. Es war das neunte der zehn Flugkörperschnellboote, mit denen das 2. Schnellbootgeschwader seine älteren Boote der Jaguar- und Seeadler-Klasse ersetzte.

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HABICHT stand fast 28 Jahre im Dienst der Bundesmarine und der späteren Deutschen Marine. Während seiner langen Laufbahn erlebte das Boot den Kalten Krieg, die deutsche Wiedervereinigung, den Wechsel des Heimathafens von Olpenitz nach Warnemünde und schließlich den Übergang vom 2. zum 7. Schnellbootgeschwader.

Eine technische Besonderheit hob HABICHT von seinen Schwesterschiffen ab: Das Boot diente zeitweise als Erprobungsträger für das Flugabwehrsystem Rolling Airframe Missile – RAM, das später serienmäßig auf den Schnellbooten der Klasse 143A eingebaut wurde.

Bau, Taufe und Indienststellung

S 69 HABICHT wurde bei der Kröger-Werft in Schacht-Audorf gebaut.

Die Kiellegung erfolgte am 25. Januar 1974. Am 5. Juni 1975 lief das Boot vom Stapel und wurde auf den Namen HABICHT getauft. Taufpatin war Frau Ruppelt; die Taufrede hielt Ministerialrat Ruppelt.

Bereits während der Werfterprobung kam es zu einer Grundberührung, die Reparaturen notwendig machte und die Fertigstellung des Bootes verzögerte.

Am 23. Dezember 1977 wurde S 69 HABICHT in Dienst gestellt und dem 2. Schnellbootgeschwader unterstellt. Das Boot führte die deutsche taktische Bezeichnung S 69, die internationale NATO-Kennung P 6119 sowie zunächst das Rufzeichen DSDS und später DRCC.

Mit dem Zulauf von HABICHT war die Umrüstung des 2. Schnellbootgeschwaders auf die zehn modernen Flugkörperschnellboote der Klasse 143 abgeschlossen.

Dienst im 2. Schnellbootgeschwader

Von seiner Indienststellung bis zum 30. September 1999 gehörte HABICHT zum 2. Schnellbootgeschwader.

Der erste Heimathafen des Bootes war der Marinestützpunkt Olpenitz an der Ostsee. Von dort aus nahm HABICHT an der Geschwaderausbildung, an Schießabschnitten, taktischen Verbandsfahrten sowie an nationalen und multinationalen NATO-Manövern teil.

Die Ausbildung umfasste unter anderem:

  • Gefechts- und Schadensabwehr

  • seemännische Manöver

  • Artillerie- und Flugkörpereinsatz

  • Torpedoschießen

  • taktisches Zusammenwirken im Schnellbootverband

  • Navigation und Maschinenbetrieb unter Einsatzbedingungen

Die Reisen von HABICHT führten durch Nord- und Ostsee, in das Mittelmeer, in den Atlantik und in das Europäische Nordmeer. Dabei besuchte das Boot verschiedene Häfen in europäischen NATO- und Partnerstaaten.

Der Name HABICHT

Die Boote der Klasse 143 wurden zunächst vor allem unter ihren taktischen Bezeichnungen S 61 bis S 70 geführt.

Im Dezember 1981 erhielten sie offiziell die traditionellen Namen von Greifvögeln. Aus S 69 wurde damit offiziell S 69 HABICHT.

Der Name setzte die Tradition früherer deutscher Schnellboote gleichen Namens fort und stellte zugleich die Verbindung zur Namensgebung der gesamten Albatros-Klasse her.

Torpedo- und RAM-Erprobung

Im November 1981 wurde von HABICHT erstmals ein scharfer beziehungsweise „nasser“ Torpedoschuss durchgeführt.

Eine besondere Rolle übernahm das Boot Anfang der 1980er-Jahre bei der Erprobung des Flugabwehrsystems RAM – Rolling Airframe Missile.

Im ersten Quartal 1983 wurde auf HABICHT versuchsweise ein RAM-Starter aufgebaut. Damit war HABICHT das einzige Boot der Klasse 143, das mit diesem modernen Nahbereichs-Flugabwehrsystem zur See fuhr.

Die Erprobung diente der Vorbereitung des späteren Serieneinbaus auf den weiterentwickelten Schnellbooten der Gepard-Klasse 143A. Dort ersetzte RAM das hintere 76-mm-Geschütz und verbesserte den Eigenschutz gegen anfliegende Flugkörper und Luftziele.

HABICHT nahm damit innerhalb der deutschen Schnellbootentwicklung eine besondere technische Rolle ein.

Auftrag und Bewaffnung

Die Schnellboote der Klasse 143 waren für den schnellen und überraschenden Einsatz gegen gegnerische Überwasserstreitkräfte konzipiert.

Zu ihren Aufgaben gehörten:

  • Bekämpfung gegnerischer Überwassereinheiten

  • Schutz eigener Marineverbände

  • Sicherung eigener Seeverbindungen

  • maritime Aufklärung und Überwachung

  • Präsenz- und Sicherungsaufgaben

  • Unterstützung anderer Kräfte in küstennahen Seegebieten

Die Hauptbewaffnung von HABICHT bestand regulär aus:

  • vier Seezielflugkörpern MM 38 EXOCET

  • zwei vollautomatischen 76-mm-Geschützen OTO Melara

  • zwei fest eingebauten Torpedorohren im Kaliber 533 Millimeter

  • Maschinenwaffen zur Nahbereichssicherung

Die Torpedorohre waren fest eingebaut und nach achtern ausgerichtet. Die Torpedos wurden rückwärts ausgestoßen und nahmen anschließend ihren vorgesehenen Kurs auf.

Vier MTU-Dieselmotoren wirkten auf vier Wellen. Mit einer Gesamtleistung von rund 18.000 PS erreichte HABICHT Geschwindigkeiten von mehr als 40 Knoten.

Führungs- und Waffeneinsatzsystem

Die Klasse 143 verfügte über ein für ihre Zeit fortschrittliches, weitgehend integriertes Führungs- und Waffeneinsatzsystem.

Radar, Lagebilddarstellung, Feuerleitung und Waffen waren miteinander verbunden. Erkannte Ziele konnten dadurch rasch ausgewertet und den verfügbaren Waffen zugewiesen werden.

Über das taktische Datenübertragungssystem Link 11 konnten Lageinformationen mit anderen Einheiten und übergeordneten Führungsstellen ausgetauscht werden.

Zur elektronischen Ausstattung gehörten unter anderem:

  • Seeraumüberwachungs- und Feuerleitradar

  • Navigationsradar

  • automatisiertes Gefechts- und Informationssystem

  • Link 11

  • elektronische Kampfführungsanlage OCTOPUS

  • Düppelausstoßanlage WOLKE

  • Täuschkörperwurfanlage HOT DOG

  • magnetischer Eigenschutz

OCTOPUS diente der Erfassung, Auswertung und Einordnung fremder Radarsignale. Die Anlage unterstützte die frühzeitige Erkennung möglicher Bedrohungen.

Verlegung nach Warnemünde

Im November 1994 verlegte HABICHT gemeinsam mit dem 2. Schnellbootgeschwader von Olpenitz zum Marinestützpunkt Warnemünde/Hohe Düne.

Warnemünde blieb anschließend bis zur Außerdienststellung der Heimathafen des Bootes.

Die Verlegung war Teil der Neuordnung der Schnellbootverbände nach der deutschen Wiedervereinigung. Auch das zuvor in Kiel beheimatete 7. Schnellbootgeschwader wurde nach Warnemünde verlegt, sodass beide Geschwader schließlich an einem gemeinsamen Typstützpunkt lagen.

HABICHT selbst wurde nicht dauerhaft in Kiel stationiert. Hafenaufenthalte, Ausbildungsabschnitte oder Werftliegezeiten in Kiel sind von einem formellen Heimathafenwechsel zu unterscheiden.

Brand im Maschinenraum

Mitte August 1995 brach im Maschinenraum von HABICHT ein Feuer aus.

Durch das schnelle und professionelle Eingreifen der Schiffssicherungsgruppe konnte der Brand gelöscht werden. Dennoch entstanden erhebliche technische Schäden.

Bei der späteren Untersuchung zeigte sich, dass eine umfangreiche Erneuerung der elektrischen Verkabelung erforderlich war. Die daraus resultierende Werft- und Arsenalliegezeit dauerte bis in den Sommer 1997.

Der Vorfall stellte Besatzung und technische Dienste vor große Herausforderungen und führte zu einer ungewöhnlich langen Unterbrechung der aktiven Fahrzeit.

Wechsel zum 7. Schnellbootgeschwader

Zum 1. Oktober 1999 tauschten das 2. und das 7. Schnellbootgeschwader jeweils fünf Boote miteinander.

Dadurch verfügten anschließend beide Geschwader über jeweils fünf Boote der Albatros-Klasse 143 und fünf Boote der weiterentwickelten Gepard-Klasse 143A.

S 69 HABICHT wechselte gemeinsam mit

  • S 66 GREIF

  • S 67 KONDOR

  • S 68 SEEADLER

  • S 70 KORMORAN

vom 2. Schnellbootgeschwader zum 7. Schnellbootgeschwader.

Im Gegenzug übernahm das 2. Schnellbootgeschwader die Boote S 76 FRETTCHEN, S 77 DACHS, S 78 OZELOT, S 79 WIESEL und S 80 HYÄNE der Klasse 143A.

Der Geschwaderwechsel führte für HABICHT nicht zu einem Wechsel des Heimathafens. Beide Verbände lagen zu diesem Zeitpunkt in Warnemünde.

Vom 1. Oktober 1999 bis zu seiner Außerdienststellung gehörte HABICHT zum 7. Schnellbootgeschwader.

Patenschaft mit Schönau am Königssee

Patenkommune von S 69 HABICHT war Schönau am Königssee in Bayern.

Die Patenschaft schuf eine dauerhafte Verbindung zwischen der Besatzung des Schnellbootes und der Gemeinde am Königssee. Sie wurde durch gegenseitige Besuche, Veranstaltungen und persönliche Begegnungen gepflegt.

Besatzungsangehörige besuchten die Patenkommune, während Delegationen und Gäste aus Schönau am Königssee das Boot und seine Besatzung kennenlernen konnten.

Solche Patenschaften verbanden die Marine mit der Bevölkerung und gaben den Besatzungen neben ihrem militärischen Heimathafen einen zusätzlichen Bezugspunkt an Land.

Außerdienststellung

S 69 HABICHT gehörte gemeinsam mit S 70 KORMORAN zu den letzten beiden aktiven Booten der Albatros-Klasse.

Am 13. Dezember 2005 wurden beide Schnellboote in Warnemünde außer Dienst gestellt. Damit endete nach fast drei Jahrzehnten die Dienstzeit der Klasse 143 in der Deutschen Marine.

Für HABICHT schloss sich eine fast 28-jährige Laufbahn, die von technischen Erprobungen, intensiver Geschwaderausbildung, internationalen Fahrten und zwei unterschiedlichen Schnellbootgeschwadern geprägt war.

Verbleib und Dienst in Tunesien

Nach der Außerdienststellung wurde das ehemalige S 69 HABICHT an die tunesische Marine verkauft.

Dort erhielt das Boot den Namen HASDRUBAL und die Kennung 509.

Der Name erinnert an mehrere bedeutende Heerführer und Politiker des antiken Karthago. Unter tunesischer Flagge wurde das ehemalige deutsche Schnellboot für maritime Patrouillen-, Überwachungs- und Sicherungsaufgaben weiterverwendet.

Mit der Übergabe begann für HABICHT nach fast 28 Jahren deutscher Dienstzeit eine zweite Laufbahn unter neuer Flagge.

Technische Daten der Klasse 143

Bootstyp: Flugkörperschnellboot
Klasse: 143 – Albatros-Klasse
Bauwerft: Kröger-Werft, Schacht-Audorf
Länge: etwa 57,6 Meter
Breite: etwa 7,8 Meter
Tiefgang: etwa 2,6 Meter
Verdrängung: etwa 390 bis 400 Tonnen
Antrieb: vier MTU-Dieselmotoren auf vier Wellen
Gesamtleistung: etwa 18.000 PS
Höchstgeschwindigkeit: etwa 42 Knoten
Besatzung: etwa 40 Soldaten

Reguläre Bewaffnung:

  • vier Seezielflugkörper MM 38 EXOCET

  • zwei 76-mm-Geschütze OTO Melara

  • zwei Torpedorohre im Kaliber 533 Millimeter

  • Maschinenwaffen zur Nahbereichssicherung

Besondere Erprobung:

  • zeitweiliger Einbau eines RAM-Flugabwehrstarters

Elektronische Ausstattung:

  • Seeraumüberwachungs- und Feuerleitradar

  • Navigationsradar

  • automatisiertes Gefechts- und Informationssystem

  • Link 11

  • elektronische Aufklärungsanlage OCTOPUS

  • Täuschkörperanlagen WOLKE und HOT DOG

  • magnetischer Eigenschutz

Dienstzeit im Überblick

Name: HABICHT
Deutsche Bezeichnung: S 69
NATO-Kennung: P 6119
Klasse: 143 – Albatros-Klasse
Bauwerft: Kröger-Werft, Schacht-Audorf
Kiellegung: 25. Januar 1974
Taufe und Stapellauf: 5. Juni 1975
Indienststellung: 23. Dezember 1977
Außerdienststellung: 13. Dezember 2005
Rufzeichen: DSDS, später DRCC
Geschwader bis 30. September 1999: 2. Schnellbootgeschwader
Geschwader ab 1. Oktober 1999: 7. Schnellbootgeschwader
Erster Heimathafen: Olpenitz
Heimathafen ab November 1994: Warnemünde/Hohe Düne
Patenkommune: Schönau am Königssee
Technische Besonderheit: Erprobung des RAM-Flugabwehrsystems
Späterer Name: HASDRUBAL
Spätere Kennung: 509
Spätere Marine: Tunesien

Von Kameraden für Kameraden

S 69 HABICHT war innerhalb der Albatros-Klasse ein besonderes Boot. Die Erprobung des RAM-Flugabwehrsystems machte es zu einem wichtigen Bindeglied zwischen der Klasse 143 und der späteren Gepard-Klasse 143A.

Seine Geschichte war jedoch nicht nur von moderner Technik geprägt. Grundberührungen, der Brand im Maschinenraum und die lange Reparaturzeit stellten die Besatzungen vor besondere Herausforderungen.

Gerade in solchen Situationen zeigte sich, was Kameradschaft an Bord bedeutete. Auf einem Schnellboot musste jeder seine Aufgabe beherrschen und sich zugleich auf das Können der anderen verlassen können.

Brücke, Operationszentrale, Maschinenraum, Waffenbereich und Decksdienst bildeten eine Gemeinschaft, in der Fehler unmittelbare Folgen haben konnten. Vertrauen, Erfahrung und Zusammenhalt waren daher ebenso wichtig wie Geschwindigkeit und Bewaffnung.

Für die ehemaligen Besatzungen steht der Name HABICHT für lange Seewachen, anspruchsvolle Übungen, technische Herausforderungen und gemeinsam bestandene Situationen. Er steht für Olpenitz und Warnemünde, für das 2. und das 7. Schnellbootgeschwader und für eine Kameradschaft, die weit über die aktive Dienstzeit hinausreicht.

Mit der Übernahme als HASDRUBAL begann für das Boot eine zweite Laufbahn unter tunesischer Flagge. Seine deutsche Geschichte bleibt jedoch untrennbar mit den Kameraden verbunden, die auf S 69 HABICHT ihren Dienst versahen.