SEEADLER stand mehr als 28 Jahre im Dienst der Bundesmarine und der späteren Deutschen Marine. Das Boot erlebte den Kalten Krieg, die deutsche Wiedervereinigung, die Verlegung des Schnellbootverbandes von Olpenitz nach Warnemünde und schließlich den Wechsel vom 2. zum 7. Schnellbootgeschwader.
Bau, Taufe und Indienststellung
S 68 SEEADLER wurde auf der Lürssen-Werft in Bremen-Vegesack gebaut.
Am 17. November 1975 wurde das Boot auf den Namen SEEADLER getauft. Taufpatin war Frau Rabe; die Taufrede hielt Kapitän zur See Rabe.
Die Indienststellung erfolgte am 28. März 1977. SEEADLER wurde dem
2. Schnellbootgeschwader unterstellt und erhielt seinen ersten Heimathafen in Olpenitz.
Das Boot führte die deutsche taktische Bezeichnung S 68, die internationale NATO-Kennung P 6118 sowie zunächst das Rufzeichen DSDR und später DRCB.
Dienst im 2. Schnellbootgeschwader
Von seiner Indienststellung am 28. März 1977 bis zum 30. September 1999 gehörte SEEADLER zum 2. Schnellbootgeschwader.
Der erste Heimathafen des Bootes war der Marinestützpunkt Olpenitz an der Ostsee. Von dort aus nahm SEEADLER an der Geschwaderausbildung, an taktischen Verbandsfahrten, Schießabschnitten sowie nationalen und multinationalen Übungen teil.
Während des Kalten Krieges waren die Schnellboote der Klasse 143 vor allem für den Einsatz in Nord- und Ostsee vorgesehen. Ihre Hauptaufgabe bestand darin, gegnerische Überwasserstreitkräfte mit hoher Geschwindigkeit überraschend anzugreifen.
Die Boote operierten dabei möglichst im geschlossenen Verband. Geschwindigkeit, geringe Reaktionszeiten, moderne Sensoren und die starke Flugkörperbewaffnung bildeten die Grundlage ihres taktischen Einsatzes.
Verlegung nach Warnemünde
Im November 1994 verlegte das 2. Schnellbootgeschwader mit seinen Booten der Klasse 143 von Olpenitz zum Marinestützpunkt Warnemünde/Hohe Düne.
Damit wurde Warnemünde auch der neue Heimathafen von S 68 SEEADLER. Das Boot blieb dort bis zu seiner Außerdienststellung stationiert.
Die Verlegung war Teil der Neuordnung der Schnellbootwaffe nach der deutschen Wiedervereinigung. Zunächst zogen der Stab der Schnellbootflottille und das 2. Schnellbootgeschwader nach Warnemünde. Im folgenden Jahr wurde auch das zuvor in Kiel stationierte 7. Schnellbootgeschwader nach Hohe Düne verlegt.
Damit waren die beiden verbliebenen Schnellbootgeschwader schließlich an einem gemeinsamen Typstützpunkt zusammengeführt.
SEEADLER selbst war während seiner Dienstzeit nicht in Kiel stationiert.
Wechsel zum 7. Schnellbootgeschwader
Zum 1. Oktober 1999 tauschten das 2. und das 7. Schnellbootgeschwader jeweils fünf Boote miteinander.
Durch diese Neuordnung verfügten anschließend beide Geschwader über jeweils fünf Boote der Albatros-Klasse 143 und fünf Boote der weiterentwickelten Gepard-Klasse 143A.
S 68 SEEADLER wechselte gemeinsam mit
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S 66 GREIF
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S 67 KONDOR
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S 69 HABICHT
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S 70 KORMORAN
vom 2. Schnellbootgeschwader zum 7. Schnellbootgeschwader.
Im Gegenzug übernahm das 2. Schnellbootgeschwader die Boote S 76 FRETTCHEN, S 77 DACHS, S 78 OZELOT, S 79 WIESEL und S 80 HYÄNE der Klasse 143A.
Der Geschwaderwechsel führte für SEEADLER nicht zu einem erneuten Wechsel des Heimathafens. Beide Geschwader waren zu diesem Zeitpunkt bereits in Warnemünde stationiert.
Vom 1. Oktober 1999 bis zu seiner Außerdienststellung gehörte SEEADLER zum 7. Schnellbootgeschwader.
Auftrag und Ausrüstung
Die Schnellboote der Klasse 143 waren für den schnellen und überraschenden Angriff auf gegnerische Überwasserstreitkräfte entwickelt worden.
Zu ihren weiteren Aufgaben gehörten:
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Sicherung eigener Seeverbindungen
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Schutz eigener Marineverbände
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maritime Aufklärung
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Überwachung von Küsten- und Seegebieten
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internationale Präsenz- und Sicherungsaufgaben
Vier leistungsstarke MTU-Dieselmotoren wirkten auf vier Wellen. Mit einer Gesamtleistung von etwa 18.000 PS erreichte SEEADLER Geschwindigkeiten von mehr als 40 Knoten.
Die Hauptbewaffnung bestand aus:
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vier Seezielflugkörpern MM 38 EXOCET
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zwei vollautomatischen 76-mm-Geschützen OTO Melara
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zwei fest eingebauten Torpedorohren im Kaliber 533 Millimeter
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Maschinenwaffen zur Sicherung im Nahbereich
Die Torpedorohre waren nach achtern ausgerichtet. Die Torpedos wurden rückwärts ausgestoßen und liefen anschließend auf den vorgesehenen Kurs ein.
Führungs- und Waffeneinsatzsystem
Die Albatros-Klasse gehörte zu den ersten deutschen Schnellbootklassen mit einem weitgehend integrierten Führungs- und Waffeneinsatzsystem.
Radar, Lagebilddarstellung, Feuerleitung und Waffen waren miteinander verbunden. Dadurch konnten erkannte Ziele schnell ausgewertet und den verfügbaren Waffen zugewiesen werden.
Über das taktische Datenübertragungssystem Link 11 konnten Lageinformationen mit anderen Marineeinheiten und übergeordneten Führungsstellen ausgetauscht werden.
Zur elektronischen Ausstattung gehörten unter anderem:
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kombiniertes Such- und Feuerleitradar
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Navigationsradar
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Link 11
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Anlagen zur elektronischen Kampfführung
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Täuschkörperwurfanlagen
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elektronische Aufklärungsanlage OCTOPUS
OCTOPUS diente der Erfassung und Auswertung fremder Radarsignale. Die Anlage erhöhte die Fähigkeit der Boote, elektronische Aktivitäten anderer Einheiten frühzeitig zu erkennen und einzuordnen.
Dienst in Bundesmarine und Deutscher Marine
Während des Kalten Krieges lag der Schwerpunkt der Ausbildung von SEEADLER in der Nord- und Ostsee.
Das Boot nahm an Geschwaderausbildungen, Artillerieschießen, taktischen Verbandsfahrten und multinationalen NATO-Manövern teil. Hinzu kamen Ausbildungsreisen und Hafenbesuche im Ausland.
Der Dienst auf einem Flugkörperschnellboot stellte hohe Anforderungen an die Besatzung. Bei hoher Geschwindigkeit mussten Navigation, Maschinenanlage, Waffen, Operationszentrale und Decksdienst eng zusammenarbeiten.
Nach dem Ende des Kalten Krieges veränderten sich die Aufgaben der Deutschen Marine. Internationale Übungen, maritime Präsenz, Überwachung und Einsätze außerhalb der traditionellen Operationsgebiete gewannen an Bedeutung.
Einzelne Fahrten oder Operationen werden SEEADLER hier nur dann ausdrücklich zugeschrieben, wenn eine eindeutige bootsbezogene Bestätigung vorliegt.
Patenschaft mit Bocholt
Patenstadt von S 68 SEEADLER war die nordrhein-westfälische Stadt Bocholt.
Die Patenschaft knüpfte an die Verbindung Bocholts mit dem Vorgängerboot S 6 SEEADLER der Klasse 141 an. Nach dessen Außerdienststellung wurde die Patenschaft auf das neue Flugkörperschnellboot der Klasse 143 übertragen.
Die Verbindung zwischen Boot und Patenstadt wurde durch gegenseitige Besuche, Veranstaltungen und persönliche Begegnungen gepflegt.
Besatzungsangehörige besuchten Bocholt, während Delegationen und Besuchergruppen aus der Patenstadt das Boot und seine Besatzung kennenlernen konnten.
Solche Patenschaften gaben den Booten neben ihrem militärischen Heimathafen einen zusätzlichen Bezugspunkt an Land. Für viele Besatzungsangehörige entstanden daraus langjährige persönliche Verbindungen.
Außerdienststellung
Nach mehr als 28 Jahren im Dienst wurde S 68 SEEADLER am 29. September 2005 außer Dienst gestellt.
Die Außerdienststellung erfolgte in Warnemünde unter dem letzten Kommandanten des Bootes. Am selben Tag endete auch die deutsche Dienstzeit des Schwesterschiffes S 63 GEIER.
SEEADLER gehörte damit zu den letzten Booten der Albatros-Klasse, die aus dem aktiven Dienst der Deutschen Marine ausschieden.
Im Rahmen der Zeremonie wurde das Boot unmittelbar für seine weitere Verwendung unter tunesischer Flagge übergeben.
Verbleib und Dienst in Tunesien
Nach der Außerdienststellung wurde das ehemalige S 68 SEEADLER an die tunesische Marine abgegeben.
Dort erhielt das Boot den Namen HANNIBAL, in einigen deutschsprachigen Quellen auch HANIBAL geschrieben, und die Kennung 508.
Der Name erinnert an den karthagischen Feldherrn Hannibal. Unter tunesischer Flagge wurde das ehemalige deutsche Schnellboot für maritime Sicherungs-, Patrouillen- und Überwachungsaufgaben weiterverwendet.
Mit der Übergabe begann für SEEADLER nach mehr als 28 Jahren deutscher Dienstzeit eine zweite Laufbahn.
Die weitere Verwendung unterstrich die robuste Konstruktion der Klasse 143 und den noch vorhandenen Nutzwert der Boote für die Überwachung von Küstengewässern und maritimen Wirtschaftsgebieten.
Technische Daten der Klasse 143
Bootstyp: Flugkörperschnellboot
Klasse: 143 – Albatros-Klasse
Bauwerft: Lürssen-Werft, Bremen-Vegesack
Länge: etwa 57,6 Meter
Breite: etwa 7,8 Meter
Tiefgang: etwa 2,6 Meter
Verdrängung: etwa 390 bis 405 Tonnen
Antrieb: vier MTU-Dieselmotoren auf vier Wellen
Gesamtleistung: etwa 18.000 PS
Höchstgeschwindigkeit: etwa 42 Knoten
Reichweite: etwa 600 Seemeilen
Besatzung: ungefähr 40 bis 43 Soldaten
Bewaffnung während der deutschen Dienstzeit:
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vier Seezielflugkörper MM 38 EXOCET
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zwei 76-mm-Geschütze OTO Melara
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zwei Torpedorohre im Kaliber 533 Millimeter
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Maschinenwaffen zur Nahbereichssicherung
Elektronische Ausstattung:
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kombiniertes Such- und Feuerleitradar
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Navigationsradar
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Link 11
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elektronische Aufklärungsanlage OCTOPUS
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Anlagen zur elektronischen Kampfführung
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Täuschkörperwurfanlagen
Dienstzeit im Überblick
Name: SEEADLER
Deutsche Bezeichnung: S 68
NATO-Kennung: P 6118
Klasse: 143 – Albatros-Klasse
Bauwerft: Lürssen-Werft, Bremen-Vegesack
Taufe: 17. November 1975
Indienststellung: 28. März 1977
Außerdienststellung: 29. September 2005
Rufzeichen: DSDR, später DRCB
Geschwader bis 30. September 1999: 2. Schnellbootgeschwader
Geschwader ab 1. Oktober 1999: 7. Schnellbootgeschwader
Erster Heimathafen: Olpenitz
Heimathafen ab November 1994: Warnemünde/Hohe Düne
Patenstadt: Bocholt
Späterer Name: HANNIBAL beziehungsweise HANIBAL
Spätere Kennung: 508
Spätere Marine: Tunesien
Von Kameraden für Kameraden
S 68 SEEADLER stand mehr als 28 Jahre im Dienst der Bundesmarine und der Deutschen Marine. In dieser Zeit erlebte das Boot den Kalten Krieg, die deutsche Wiedervereinigung, den Wechsel von Olpenitz nach Warnemünde und die spätere Übernahme in das 7. Schnellbootgeschwader.
Mit dem Geschwaderwechsel änderte sich für die Besatzung die organisatorische Zugehörigkeit, nicht jedoch der Heimathafen. SEEADLER blieb in Warnemünde und wurde dort bis zur Außerdienststellung gefahren, gewartet und einsatzbereit gehalten.
Der Dienst auf einem Schnellboot war von hoher Geschwindigkeit, begrenztem Raum, langen Wachen und der unmittelbaren Nähe aller Besatzungsbereiche geprägt.
Auf der Brücke, in der Operationszentrale, im Maschinenraum und an Deck musste sich jeder Kamerad auf die Kenntnisse und die Verlässlichkeit der anderen verlassen können.
Für die ehemaligen Besatzungen steht der Name SEEADLER deshalb nicht allein für ein Flugkörperschnellboot oder eine taktische Kennung. Er steht für gemeinsam gefahrene Seemeilen, anspruchsvolle Übungen, lange Seefahrten und eine besondere Form der Kameradschaft.
Mit der Übernahme als HANNIBAL begann für das Boot eine zweite Dienstphase unter tunesischer Flagge. Seine deutsche Geschichte bleibt jedoch dauerhaft mit Olpenitz, Warnemünde, dem 2. und dem 7. Schnellbootgeschwader, der Patenstadt Bocholt und den Kameraden verbunden, die auf S 68 SEEADLER ihren Dienst versahen.