Die Flugkörperschnellboote der Klasse 143 verbanden hohe Geschwindigkeit mit einer für ihre Größe außerordentlich starken Bewaffnung. Mit vier Seezielflugkörpern EXOCET, zwei 76-mm-Geschützen und einer modernen Führungs- und Feuerleitanlage bildeten sie über Jahrzehnte einen wesentlichen Bestandteil der deutschen Schnellbootwaffe.
Bau und Indienststellung
S 62 FALKE wurde auf der Lürssen-Werft in Bremen-Vegesack gebaut.
Am 13. April 1976 wurde das Boot in Dienst gestellt und dem 2. Schnellbootgeschwader unterstellt. Es führte die deutsche taktische Bezeichnung S 62, die internationale NATO-Kennung P 6112 sowie zunächst das Rufzeichen DSDL und später DRBV.
Da sich die Fertigstellung des vorgesehenen Typschiffes ALBATROS verzögerte, war FALKE das erste tatsächlich in Dienst gestellte Boot der Klasse 143.
Am 26. April 1976 lief das neue Schnellboot erstmals in seinem Heimathafen Olpenitz ein.
Das 2. Schnellbootgeschwader
FALKE gehörte während seiner gesamten aktiven Dienstzeit zum 2. Schnellbootgeschwader.
Der erste Heimathafen des Bootes war der Marinestützpunkt Olpenitz an der Ostsee. Von dort aus nahm FALKE gemeinsam mit den übrigen Booten des Geschwaders an der Einsatz- und Gefechtsausbildung sowie an nationalen und multinationalen Manövern teil.
Im Herbst 1994 verlegte das 2. Schnellbootgeschwader von Olpenitz in den Marinestützpunkt Warnemünde. Warnemünde blieb anschließend bis zur Außerdienststellung der Heimathafen von S 62 FALKE.
Zum 1. Oktober 1999 wurden jeweils fünf Boote zwischen dem 2. und dem 7. Schnellbootgeschwader ausgetauscht. Dadurch verfügten beide Geschwader anschließend über Boote der Klassen 143 und 143A.
S 62 FALKE gehörte nicht zu den getauschten Einheiten. Das Boot verblieb gemeinsam mit S 61 ALBATROS, S 63 GEIER, S 64 BUSSARD und S 65 SPERBER beim 2. Schnellbootgeschwader.
Auftrag und Ausrüstung
Die Boote der Klasse 143 waren ursprünglich für die Verteidigung der deutschen Küstengewässer und der Ostseezugänge vorgesehen. Ihr Hauptauftrag bestand im schnellen und überraschenden Angriff auf gegnerische Überwasserstreitkräfte.
Darüber hinaus konnten sie eigene Seeverbindungen, Küstenräume und maritime Verbände sichern sowie Aufklärungs- und Überwachungsaufgaben übernehmen.
Die Hauptbewaffnung von FALKE bestand aus:
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vier Seezielflugkörpern MM 38 EXOCET
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zwei vollautomatischen 76-mm-Geschützen OTO Melara
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zwei fest eingebauten Torpedorohren im Kaliber 533 Millimeter
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Maschinenwaffen zur Sicherung im Nahbereich
Vier leistungsstarke MTU-Dieselmotoren wirkten auf vier Wellen. Damit erreichte das Boot Geschwindigkeiten von mehr als 40 Knoten.
Die Klasse 143 verfügte über ein integriertes Führungs- und Waffeneinsatzsystem. Radar-, Feuerleit- und Navigationsanlagen sowie das Datenübertragungssystem Link 11 ermöglichten die gemeinsame Lageauswertung und den koordinierten Einsatz innerhalb eines Verbandes.
Zur elektronischen Ausrüstung gehörte später auch die Anlage OCTOPUS, die der Erfassung gegnerischer Radarstrahlung und der elektronischen Kampfführung diente.
Übungen und Ausbildungsfahrten
Während des Kalten Krieges lagen die hauptsächlichen Übungsgebiete von FALKE in der Nord- und Ostsee. Das Boot nahm regelmäßig an Geschwaderausbildungen sowie an nationalen und multinationalen NATO-Manövern teil.
Mit den veränderten Aufgaben der Bundeswehr nach 1990 wurden die Boote zunehmend auch außerhalb ihrer ursprünglichen Einsatzräume verwendet. Ausbildungsfahrten führten das Geschwader unter anderem in den Atlantik und das Mittelmeer.
Der Dienst auf einem Schnellboot verlangte der Besatzung ein besonders enges Zusammenspiel ab. Die hohe Geschwindigkeit, die geringe Größe des Bootes und der begrenzte Raum an Bord stellten hohe Anforderungen an Navigation, Maschinenbetrieb, Waffenbedienung und seemännisches Können.
Operation Enduring Freedom
Ein besonders bedeutender Abschnitt der Dienstzeit von FALKE war die Teilnahme an der Operation Enduring Freedom im Jahr 2002.
Das Boot wurde als Bestandteil eines deutschen Marinekontingents an das Horn von Afrika verlegt. Ausgangspunkt für die Einsätze war Dschibuti. Von dort aus beteiligten sich die eingesetzten deutschen Marineeinheiten an der Überwachung des Seegebietes und der internationalen Schifffahrtswege.
Die Schnellboote eigneten sich aufgrund ihrer Geschwindigkeit und Manövrierfähigkeit insbesondere für Aufklärungs-, Kontroll- und Präsenzaufgaben in küstennahen Gewässern.
Für FALKE bedeutete der Einsatz eine außergewöhnlich weite Verlegung fernab der traditionellen Einsatzgebiete in Nord- und Ostsee. Die Fahrt führte durch das Mittelmeer, den Suezkanal und das Rote Meer bis nach Dschibuti.
Auf der Rückreise nach Warnemünde wurden erneut das Rote Meer, der Suezkanal und das Mittelmeer durchfahren. Dabei liefen Boot und Besatzung mehrere ausländische Häfen an.
Die Teilnahme an Operation Enduring Freedom gehörte zu den letzten großen Aufgaben von S 62 FALKE vor dem Ende seiner fast drei Jahrzehnte dauernden Dienstzeit.
Patenschaft mit Coesfeld
Patenstadt von S 62 FALKE war die nordrhein-westfälische Stadt Coesfeld.
Die Patenschaft knüpfte an die Verbindung der Stadt mit dem Vorgängerboot S 10 FALKE der Jaguar-Klasse an. Nach der Außerdienststellung dieses Bootes wurde die Patenschaft mit dem neuen S 62 FALKE fortgesetzt.
Die Beziehung zwischen Boot und Patenstadt wurde durch gegenseitige Besuche, Veranstaltungen und Begegnungen zwischen der Besatzung und Bürgern aus Coesfeld gepflegt.
Solche Patenschaften stärkten die Verbindung zwischen der Marine und der Bevölkerung und begleiteten viele Besatzungen über Jahrzehnte hinweg.
Außerdienststellung
Am 13. Oktober 2004 trat S 62 FALKE seine letzte Verlegungsfahrt von Warnemünde nach Wilhelmshaven an.
Am 16. Dezember 2004 wurde das Boot nach mehr als 28 Jahren Dienstzeit außer Dienst gestellt. FALKE gehörte damit zu den ersten Booten der Klasse 143, die aus dem aktiven Dienst der Deutschen Marine ausschieden.
Nach der Außerdienststellung wurde das Boot im Marinearsenal Wilhelmshaven aufgelegt.
Verbleib
S 62 FALKE wurde nach der Außerdienststellung zunächst als Ersatzteilträger genutzt. Bauteile und Ausrüstungsgegenstände dienten insbesondere der weiteren technischen Versorgung der noch im Dienst stehenden Boote der Klasse 143A.
Das Boot wurde später im Marinearsenal Wilhelmshaven abgebrochen.
Mehrere erhaltene Bereiche und Ausrüstungsgegenstände von FALKE wurden in die militärhistorische Sammlung der Schnellboot- und Korvettenverbände im Marinestützpunkt Warnemünde übernommen. Dazu gehören unter anderem Teile der Brücke, der Fahrstand und Einrichtungen des Gefechts- und Leitbereiches.
Damit blieben zumindest Teile des Bootes als Zeugnisse der deutschen Schnellbootgeschichte erhalten.
Technische Daten der Klasse 143
Bootstyp: Flugkörperschnellboot
Klasse: 143 – Albatros-Klasse
Bauwerft: Lürssen-Werft, Bremen-Vegesack
Länge: etwa 57,6 Meter
Breite: etwa 7,6 Meter
Tiefgang: etwa 2,6 Meter
Verdrängung: etwa 400 Tonnen
Antrieb: vier MTU-Dieselmotoren auf vier Wellen
Gesamtleistung: etwa 18.000 PS
Höchstgeschwindigkeit: mehr als 40 Knoten
Besatzung: etwa 40 bis 43 Soldaten
Bewaffnung während der deutschen Dienstzeit:
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vier Seezielflugkörper MM 38 EXOCET
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zwei 76-mm-Geschütze OTO Melara
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zwei Torpedorohre im Kaliber 533 Millimeter
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Maschinenwaffen zur Nahbereichssicherung
Dienstzeit im Überblick
Name: FALKE
Deutsche Bezeichnung: S 62
NATO-Kennung: P 6112
Klasse: 143 – Albatros-Klasse
Bauwerft: Lürssen-Werft, Bremen-Vegesack
Indienststellung: 13. April 1976
Außerdienststellung: 16. Dezember 2004
Geschwader: 2. Schnellbootgeschwader
Heimathafen bis 1994: Olpenitz
Heimathafen ab 1994: Warnemünde
Patenstadt: Coesfeld
Verbleib: Nach Nutzung als Ersatzteilträger im Marinearsenal Wilhelmshaven abgebrochen
Von Kameraden für Kameraden
S 62 FALKE gehörte zu jener Generation von Schnellbooten, die den Dienst in der Bundesmarine und der späteren Deutschen Marine über fast drei Jahrzehnte prägte.
Von den engen Küstengewässern der Ostsee bis zum Einsatz am Horn von Afrika erlebten die Besatzungen einen grundlegenden Wandel der Aufgaben. Aus einem für die Landes- und Bündnisverteidigung konzipierten Schnellboot wurde eine Einheit, die auch weit entfernt von ihren deutschen Heimathäfen eingesetzt werden konnte.
Der Dienst an Bord verlangte fachliches Können, schnelle Entscheidungen und absolutes Vertrauen in die Kameraden. Auf dem begrenzten Raum eines Schnellbootes war jeder Einzelne auf den anderen angewiesen – auf der Brücke ebenso wie im Maschinenraum, im Gefechtsstand oder an Deck.
Für die ehemaligen Besatzungsangehörigen bleiben daher nicht allein Übungen, Einsätze und lange Seefahrten mit dem Namen FALKE verbunden, sondern vor allem die gemeinsam erlebte Zeit und die Kameradschaft an Bord.