Kategorie: P6111 S61 ALBATROS

P 6111 / S 61 ALBATROS – Flugkörperschnellboot der Klasse 143

Das Schnellboot S 61 ALBATROS mit der NATO-Kennung P 6111 war das namensgebende Typboot der Albatros-Klasse, Klasse 143. Die zehn Flugkörperschnellboote dieser Klasse gehörten zu den leistungsfähigsten Einheiten der Schnellbootwaffe der Bundesmarine und späteren Deutschen Marine.

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ALBATROS wurde für den schnellen, konzentrierten Einsatz gegen gegnerische Überwasserstreitkräfte entwickelt. Mit seinen Flugkörpern, zwei schweren Geschützen und einer für Schnellboote umfassenden Führungs- und Feuerleitanlage verband das Boot hohe Geschwindigkeit mit erheblicher Kampfkraft.

Bau und Indienststellung

ALBATROS wurde auf der Lürssen-Werft in Bremen-Vegesack gebaut. Die Taufe des Bootes fand am 22. Oktober 1973 statt. Taufpatin war Frau Thäter; die Taufrede hielt Kapitän zur See Thäter, seinerzeit Kommandeur der Schnellbootflottille.

Am 1. November 1976 wurde S 61 ALBATROS in Dienst gestellt. Das Boot führte die deutsche taktische Bezeichnung S 61 und die internationale NATO-Kennung P 6111. Als Rufzeichen sind zunächst DSDK und später DRBU überliefert.

Das 2. Schnellbootgeschwader

Nach der Indienststellung wurde ALBATROS dem 2. Schnellbootgeschwader unterstellt. Das Geschwader ersetzte seine älteren Boote der Seeadler-Klasse schrittweise durch die zehn Neubauten der Klasse 143.

Heimathafen des Geschwaders und damit auch von ALBATROS war zunächst der Marinestützpunkt Olpenitz an der Ostsee. Das 2. Schnellbootgeschwader war bereits 1970 von Wilhelmshaven nach Olpenitz verlegt worden.

Im September beziehungsweise Herbst 1994 verlegte das vollständige Geschwader mit seinen Booten und dem Tender DONAU von Olpenitz in den Marinestützpunkt Warnemünde. Warnemünde blieb anschließend bis zur Außerdienststellung der Heimathafen von ALBATROS.

Ein Wechsel von ALBATROS zu einem anderen Schnellbootgeschwader ist nicht belegt. Das Boot blieb während seiner gesamten aktiven Dienstzeit Bestandteil des 2. Schnellbootgeschwaders.

Auftrag und Ausrüstung

Die Klasse 143 war während des Kalten Krieges insbesondere für die Verteidigung der deutschen Küstengewässer und der Ostseezugänge vorgesehen. Zu ihren Aufgaben gehörten der Angriff auf gegnerische Überwassereinheiten, die Sicherung eigener Seeverbindungen sowie der Schutz eigener Verbände und Minenabwehrkräfte.

ALBATROS verfügte über vier leistungsstarke MTU-Dieselmotoren, die vier Wellen antrieben. Damit erreichten die Boote der Klasse Geschwindigkeiten von etwa 40 bis 42 Knoten.

Die Hauptbewaffnung bestand aus:

  • vier Seezielflugkörpern MM 38 EXOCET

  • zwei vollautomatischen 76-mm-Geschützen OTO Melara

  • zwei nach achtern gerichteten Torpedorohren im Kaliber 533 Millimeter

  • zusätzlichen Maschinenwaffen zur Nahbereichssicherung

Zur elektronischen Ausstattung gehörten unter anderem ein kombiniertes Such- und Feuerleitradar, ein Navigationsradar, das Datenübertragungssystem Link 11 sowie Anlagen zur elektronischen Kampfführung und zum Ausbringen von Täuschkörpern.

Die Klasse 143 besaß als erste deutsche Schnellbootklasse ein weitgehend integriertes Waffensystem, das die Sensoren, die Feuerleitung und die eingesetzten Waffen miteinander verband.

Dienst in der Bundesmarine und Deutschen Marine

Während des Kalten Krieges lag das hauptsächliche Einsatz- und Übungsgebiet von ALBATROS in der Nord- und Ostsee. Das Boot nahm im Rahmen des 2. Schnellbootgeschwaders regelmäßig an Geschwaderausbildungen, nationalen Übungen sowie multinationalen NATO-Manövern teil.

Nach der deutschen Wiedervereinigung änderten sich die sicherheitspolitischen Rahmenbedingungen. Die Schnellboote wurden nun verstärkt auch für längere Ausbildungsreisen, internationale Manöver und maritime Präsenzaufgaben eingesetzt.

Für April 1994 ist eine mehrmonatige Ausbildungsreise des 2. Schnellbootgeschwaders in das Mittelmeer dokumentiert. An dieser Reise nahmen acht Schnellboote der Klasse 143 teil, darunter auch S 61 ALBATROS, sowie der Tender DONAU. Die Reise dauerte rund zweieinhalb Monate und gehörte zu den bis dahin längsten geschlossenen Ausbildungsreisen des Geschwaders.

Konkrete Auslandseinsätze von ALBATROS, die sich mit ausreichend belastbaren Quellen eindeutig dem einzelnen Boot zuordnen lassen, werden hier bewusst nicht aufgeführt.

Patenschaft mit Remscheid

Patenstadt von S 61 ALBATROS war die nordrhein-westfälische Stadt Remscheid.

Die Patenschaft knüpfte an das Vorgängerboot S 7 ALBATROS der Seeadler-Klasse an, das bereits von 1959 bis 1975 mit Remscheid verbunden gewesen war. Mit der Indienststellung von S 61 ALBATROS wurde diese Verbindung fortgeführt.

Solche Patenschaften dienten dem regelmäßigen Austausch zwischen Marine und Bevölkerung. Besatzungsangehörige nahmen an Veranstaltungen in der Patenstadt teil, während Delegationen und Besuchergruppen aus Remscheid das Boot und seine Besatzung kennenlernen konnten.

Außerdienststellung

Nach fast 29 Jahren im Dienst wurde S 61 ALBATROS am 24. März 2005 außer Dienst gestellt.

Die Außerdienststellung war Teil der schrittweisen Auflösung der Klasse 143. Neue maritime Aufgaben, veränderte Einsatzprofile und das hohe Alter der Boote führten dazu, dass die Schnellboote der Albatros-Klasse bis Ende 2005 vollständig aus dem Dienst der Deutschen Marine ausschieden.

Verbleib und Dienst in Ghana

Nach der Außerdienststellung wurde ALBATROS zunächst an die Lürssen-Werft verkauft und zeitweise als Ersatzteilträger beziehungsweise für eine spätere Weiterverwendung vorgehalten.

Gemeinsam mit dem ehemaligen Schnellboot S 64 BUSSARD wurde das Boot anschließend für die Marine Ghanas umgebaut. Dabei erfolgte eine Anpassung an die neuen Aufgaben als Patrouillenboot. Teile der ursprünglichen deutschen Bewaffnung und der militärischen Systeme wurden entfernt oder ersetzt.

Im Jahr 2012 wurde das ehemalige S 61 ALBATROS unter dem Namen NAA GBEWAA und mit der Kennung P 39 an die ghanaische Marine übergeben.

Das Boot wurde dort insbesondere für maritime Überwachungsaufgaben, den Schutz der Hoheitsgewässer und die Kontrolle der Fischereizonen vorgesehen. Das Historische Marinearchiv führt die ehemalige ALBATROS als erhaltenes Fahrzeug der ghanaischen Marine.

Technische Daten der Klasse 143

Bootstyp: Flugkörperschnellboot
Klasse: 143 – Albatros-Klasse
Werft: Lürssen-Werft, Bremen-Vegesack
Länge: etwa 57,6 Meter
Breite: etwa 7,8 Meter
Tiefgang: etwa 2,6 Meter
Verdrängung: etwa 390 bis 400 Tonnen
Antrieb: vier MTU-Dieselmotoren auf vier Wellen
Gesamtleistung: etwa 18.000 PS
Höchstgeschwindigkeit: etwa 40 bis 42 Knoten
Besatzung: ungefähr 40 bis 43 Soldaten

Bewaffnung während der deutschen Dienstzeit:

  • vier Seezielflugkörper MM 38 EXOCET

  • zwei 76-mm-Geschütze OTO Melara

  • zwei Torpedorohre, Kaliber 533 Millimeter

  • Maschinenwaffen zur Nahbereichssicherung

Dienstzeit im Überblick

Name: ALBATROS
Deutsche Bezeichnung: S 61
NATO-Kennung: P 6111
Klasse: 143 – Albatros-Klasse
Bauwerft: Lürssen-Werft, Bremen-Vegesack
Taufe: 22. Oktober 1973
Indienststellung: 1. November 1976
Außerdienststellung: 24. März 2005
Geschwader: 2. Schnellbootgeschwader
Heimathafen bis 1994: Olpenitz
Heimathafen ab 1994: Warnemünde
Patenstadt: Remscheid
Späterer Name: NAA GBEWAA
Spätere Kennung: P 39
Spätere Marine: Ghana

Von Kameraden für Kameraden

S 61 ALBATROS steht stellvertretend für eine Schnellbootgeneration, die über fast drei Jahrzehnte das Bild der deutschen Schnellbootwaffe prägte.

Für die Besatzungen bedeutete der Dienst auf einem Boot der Klasse 143 Arbeiten und Leben auf engstem Raum, hohe Geschwindigkeiten, lange Seewachen und eine besonders enge Abhängigkeit voneinander. Jeder Mann an Bord musste seine Aufgabe beherrschen, denn Technik, Navigation, Waffen und Maschinenanlage konnten nur als gemeinsames System funktionieren.

Viele ehemalige Besatzungsangehörige verbinden mit ALBATROS nicht nur Übungen, Seefahrten und wechselnde Heimathäfen, sondern vor allem die Kameradschaft an Bord. Mit der späteren Weiterverwendung als NAA GBEWAA setzte das Boot seine Laufbahn unter neuer Flagge fort – die Erinnerungen seiner deutschen Besatzungen bleiben jedoch untrennbar mit dem Namen ALBATROS verbunden.