Kategorie: Mij.-Boot M1087 VÖLKLINGEN

M 1087 VÖLKLINGEN – Küstenminensuchboot und Minenjagdboot der Lindau-Klasse

Die VÖLKLINGEN mit der Kennung M 1087 war die letzte der insgesamt 18 Einheiten der Lindau-Klasse, Klasse 320. Nach mehr als 16 Jahren als Küstenminensuchboot wurde sie zum Minenjagdboot der Klasse 331B umgebaut. Nach dem Ende ihrer deutschen Dienstzeit setzte sie ihre Laufbahn bei der lettischen Marine unter dem Namen NAMEJS fort.

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Die VÖLKLINGEN entstand bei der Burmester-Werft in Bremen-Burg unter der Baunummer 5498. Der Stapellauf erfolgte am 20. Oktober 1959. Am 21. Mai 1960 wurde das Boot bei der Bundesmarine in Dienst gestellt.

Dienst als Küstenminensuchboot

Nach ihrer Indienststellung gehörte die VÖLKLINGEN zunächst zum 8. Minensuch-geschwader und wurde innerhalb des Verbandes unter der Bezeichnung KM 24 geführt.

Nach der Auflösung des 8. Minensuchgeschwaders am 30. Juni 1963 wechselte sie zum
4. Minensuchgeschwader in Wilhelmshaven. Dort blieb sie auch nach ihrem späteren Umbau zum Minenjagdboot beheimatet.

Ihre ursprüngliche Aufgabe bestand in der klassischen Minenräumung in Küstengewässern, Hafenzufahrten und wichtigen Schifffahrtswegen. Hierfür konnte sie mechanische, magnetische und akustische Räumgeräte einsetzen.

Wie alle Einheiten der Lindau-Klasse besaß die VÖLKLINGEN einen weitgehend amagnetischen Holzrumpf. Durch die mehrschichtige Holzbauweise und die Verwendung möglichst weniger magnetischer Materialien sollte das Eigenmagnetfeld des Bootes gering gehalten werden. Dadurch verringerte sich die Gefahr, magnetisch ausgelöste Grundminen während der Räumarbeiten unbeabsichtigt zur Detonation zu bringen.

Umbau zum Minenjagdboot

Am 20. August 1976 endete die erste Dienstphase der VÖLKLINGEN als Küstenminensuchboot. Anschließend wurde sie umfassend zum Minenjagdboot der Klasse 331B umgebaut.

Am 15. Mai 1979 wurde die modernisierte VÖLKLINGEN wieder in Dienst gestellt. Innerhalb der Umbaufolge wurde sie als Klasse 331/10B geführt.

Mit dem Umbau änderte sich das Einsatzverfahren grundlegend. Während ein klassisches Minensuchboot größere Seegebiete mit Räumgeräten bearbeitete, konnte die VÖLKLINGEN nun einzelne verdächtige Unterwasserobjekte gezielt suchen, klassifizieren und bekämpfen.

Zur neuen Minenjagdausrüstung gehörten insbesondere:

  • ein Minenjagdsonar zur Ortung von Unterwasserobjekten,

  • zwei ferngelenkte Minenjagddrohnen des Typs PAP 104,

  • die hochpräzise Navigationsanlage SYLEDIS,

  • ein Kran zum Aussetzen und Einholen der Drohnen,

  • modernisierte Führungs- und Ortungssysteme.

Die PAP-104-Drohnen konnten zu einem georteten Objekt gesteuert werden. Wurde eine Mine erkannt, legte die Drohne eine Sprengladung ab, die anschließend aus sicherer Entfernung gezündet werden konnte.

Dienst als Minenjagdboot

Nach ihrer Wiederindienststellung gehörte die VÖLKLINGEN zunächst zum zeitweilig bestehenden Minenabwehrgeschwader Nordsee. Nach dessen Auflösung wurde sie am 29. Juni 1984 wieder dem 4. Minensuchgeschwader zugeordnet.

Während ihrer langen Dienstzeit nahm die VÖLKLINGEN an zahlreichen Ausbildungsfahrten sowie nationalen und internationalen Minenabwehrübungen teil.

Im Jahr 1997 gehörte sie beispielsweise zu einem Verband aus Booten des 4. und 6. Minensuchgeschwaders, der zu einer Auslandsausbildungsreise nach Gent und Brügge auslief. Die Fahrt musste wegen schlechter Wetterbedingungen vorzeitig abgebrochen werden.

Als eine der zuletzt verbliebenen Einheiten ihrer Klasse diente die VÖLKLINGEN bis Ende der 1990er-Jahre in der deutschen Minenabwehr.

Außerdienststellung und Übergabe an Lettland

Am 24. März 1999 wurde die VÖLKLINGEN nach fast 39 Jahren unter deutscher Flagge endgültig außer Dienst gestellt.

Im Jahr 2000 wurde das ehemalige Minenjagdboot gemeinsam mit der GÖTTINGEN an Lettland abgegeben. Beide Boote wurden mit ihrer vollständigen Minenjagdausrüstung einschließlich der PAP-104-Drohnen übernommen.

Während die GÖTTINGEN lediglich als Material- und Ersatzteilspender diente, wurde die ehemalige VÖLKLINGEN bei der lettischen Marine aktiv eingesetzt. Sie erhielt den Namen NAMEJS und die Kennung M 03. Stationiert war sie in Liepāja, dem früheren Libau.

Die NAMEJS unterstützte den Aufbau der lettischen Minenabwehr und nahm an Ausbildungsfahrten sowie an nationalen und internationalen Übungen in der Ostsee teil.

Verwendung als Schulboot

Die ehemalige VÖLKLINGEN wurde nach den vorliegenden Angaben im Jahr 2008 außer Dienst gestellt beziehungsweise 2009 aus der Fahrbereitschaft genommen.

Am 8. April 2009 begann ihre weitere Verwendung als stationäres Schulboot der lettischen Marineschule in Liepāja. Damit blieb sie auch nach dem Ende ihrer aktiven Seefahrt für die Ausbildung des lettischen Marinenachwuchses erhalten.

Ein aktuellerer, eindeutig belegter Verbleib ist in den verfügbaren Quellen nicht dokumentiert. Daher führen wir die letzte gesicherte Nutzung als stationäres Schulboot auf.

Technische und historische Einordnung

  • Name: VÖLKLINGEN

  • Kennung: M 1087

  • Ursprüngliche Klasse: Klasse 320 – Lindau-Klasse

  • Ursprüngliche Verwendung: Küstenminensuchboot

  • Spätere Klasse: Klasse 331/10B

  • Spätere Verwendung: Minenjagdboot

  • Bauwerft: Burmester-Werft, Bremen-Burg

  • Baunummer: 5498

  • Stapellauf: 20. Oktober 1959

  • Indienststellung: 21. Mai 1960

  • Erster Verband: 8. Minensuchgeschwader

  • Interne Bezeichnung: KM 24

  • Ab 1963: 4. Minensuchgeschwader

  • Außerdienststellung vor dem Umbau: 20. August 1976

  • Wiederindienststellung als Minenjagdboot: 15. Mai 1979

  • Zwischenzeitlicher Verband: Minenabwehrgeschwader Nordsee

  • Endgültige deutsche Außerdienststellung: 24. März 1999

  • Übergabe an Lettland: 2000

  • Lettischer Name: NAMEJS

  • Lettische Kennung: M 03

  • Stationierung: Liepāja

  • Ende der aktiven lettischen Nutzung: 2008 beziehungsweise 2009

  • Letzte gesicherte Verwendung: seit 8. April 2009 stationäres Schulboot der lettischen Marineschule in Liepāja

Die VÖLKLINGEN schloss als letzte gebaute Einheit die Reihe der 18 Küstenminensuchboote der Lindau-Klasse ab. Aus einem klassischen Minensuchboot wurde ein leistungsfähiges Minenjagdboot, das fast vier Jahrzehnte bei der Bundesmarine und Deutschen Marine diente.

Anschließend unterstützte sie als NAMEJS den Aufbau der lettischen Minenabwehr und blieb zuletzt als Schulboot erhalten.

Ein Stück deutscher und lettischer Marinegeschichte – für alle, die auf der VÖLKLINGEN, im 8. Minensuchgeschwader, im 4. Minensuchgeschwader, im Minenabwehrgeschwader Nordsee oder später auf der NAMEJS ihren Dienst geleistet haben.