Kategorie: Mij.-Boot M1064 GRÖMITZ

M 1064 GRÖMITZ – Minenjagdboot und Führungsboot für Hohlstab-Räumboote der Frankenthal-Klasse

Das Boot M 1064 GRÖMITZ gehört zur Frankenthal-Klasse, Klasse 332. Es wurde zunächst als klassisches Minenjagdboot in Dienst gestellt und später zur Variante 332 CL weiterentwickelt. Dadurch kann die GRÖMITZ neben der gezielten Minenjagd auch ferngelenkte Hohlstablenkboote des Typs SEEHUND führen und einsetzen.

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Bau und Indienststellung

Die GRÖMITZ wurde bei der Kröger-Werft in Schacht-Audorf bei Rendsburg gebaut. Sie trägt die Baunummer 6436 und innerhalb der Frankenthal-Klasse die Seriennummer 332/06.

Der Baubeginn erfolgte am 1. April 1991, der Stapellauf am 29. April 1993. Am 23. August 1994 wurde M 1064 GRÖMITZ in Dienst gestellt. Dieses Datum wird sowohl vom Historischen Marinearchiv als auch von der Deutschen Marine geführt.

Verwendung als Minenjagdboot

Die ursprüngliche Hauptaufgabe der GRÖMITZ war das gezielte Aufspüren, Identifizieren und Vernichten von Seeminen.

Mit ihrem Minenjagdsonar sucht die Besatzung den Meeresboden systematisch nach verdächtigen Objekten ab. Erkannte Kontakte werden klassifiziert und anschließend mit ferngelenkten Unterwasserfahrzeugen näher untersucht. Zur heutigen Ausrüstung der Frankenthal-Klasse gehören Drohnen des Typs SEEFUCHS, die je nach Ausführung zur Identifizierung oder zur Vernichtung einer Mine eingesetzt werden.

Wo Sonar und Unterwasserdrohnen an ihre Grenzen stoßen, können zusätzlich Minentaucher eingesetzt werden. Dies betrifft insbesondere flache Gewässer, Häfen sowie Fundstellen in der Nähe von Pipelines oder Unterwasserkabeln.

Schutz im Minenfeld

Der Rumpf der GRÖMITZ besteht aus nicht magnetisierbarem Stahl. Dadurch wird ihre magnetische Signatur reduziert und die Gefahr verringert, magnetisch wirkende Seeminen auszulösen.

Zusätzlich besitzt das Boot eine Magnet-Eigenschutzanlage, die verbliebene Magnetfelder der elektrischen und elektronischen Anlagen an Bord weitgehend unterdrückt.

Für die Arbeit im Minenfeld kann die GRÖMITZ besonders langsam und geräuscharm fahren. Diese Schleichfahrt ermöglicht ein präzises Manövrieren und reduziert zugleich die akustische Signatur des Bootes.

Umbau zur Variante 332 CL

Die GRÖMITZ gehört gemeinsam mit der BAD BEVENSEN und der DATTELN zur Variante 332 CL.

Diese drei Boote wurden so angepasst, dass sie zusätzlich bis zu vier ferngelenkte Minenräumboote vom Typ SEEHUND einsetzen können. Die GRÖMITZ verbindet damit zwei unterschiedliche Verfahren der Seeminenabwehr:

  • die gezielte Minenjagd gegen einzelne geortete Minen,

  • das großflächigere Räumen von Magnet- und Akustikminen mit ferngelenkten Räumbooten.

Die Bezeichnung „Hohlstab“ geht auf die große Magnetspule im Rumpf der SEEHUND-Boote zurück. Diese erzeugt ein künstliches Magnetfeld, das dem eines größeren Schiffes ähnelt. Ergänzend können die Räumboote akustische Signaturen erzeugen. Dadurch sollen entsprechend eingestellte Minen ausgelöst werden, ohne dass sich das bemannte Führungsboot unmittelbar im gefährdeten Bereich befindet.

Führung der SEEHUND-Boote

Die GRÖMITZ dient beim Hohlstabeinsatz als Führungs- und Kontrollplattform. Von Bord aus werden die ferngelenkten Räumboote gesteuert, überwacht und koordiniert.

Die SEEHUND-Boote fahren ohne reguläre Besatzung in das zu räumende Gebiet. Dort simulieren sie die magnetischen und akustischen Eigenschaften größerer Schiffe. Das bemannte Führungsboot kann dabei außerhalb des unmittelbaren Minengefahrenbereichs bleiben.

Diese Fähigkeit ergänzt die präzise, aber vergleichsweise zeitaufwendige Minenjagd und ermöglicht es, auch größere Seegebiete gegen bestimmte Minenarten zu bearbeiten.

Verbandszugehörigkeit

Die GRÖMITZ gehörte nach ihrer Indienststellung zunächst zu den deutschen Minenstreitkräften in Olpenitz. Im Zuge der mehrfachen Umgliederungen der Minenabwehrverbände wechselte sie später zum 3. Minensuchgeschwader.

Heute sind die zehn verbliebenen Boote der Frankenthal-Klasse in Kiel zusammengefasst. Das 3. Minensuchgeschwader bündelt dort die Fähigkeiten zur Minenjagd, zum Minentauchen und zum großflächigen Minenräumen.

Bewaffnung und weitere Fähigkeiten

Die GRÖMITZ war ursprünglich mit einem 40-mm-Geschütz auf dem Vorschiff bewaffnet. Im Zuge der Modernisierung der Klasse wurde dieses durch das 27-mm-Marineleichtgeschütz MLG 27 ersetzt.

Zum weiteren Eigenschutz gehören schwere Maschinengewehre und tragbare Flugabwehrsysteme. Zusätzlich können die Boote der Frankenthal-Klasse mit Minenschienen ausgerüstet werden und selbst Seeminen legen.

Die besondere Leistungsfähigkeit der GRÖMITZ liegt jedoch in ihrer Kombination aus Sonartechnik, Unterwasserdrohnen, Minentaucherausstattung und der Führung ferngelenkter SEEHUND-Boote.

Einsätze außerhalb der klassischen Minenjagd

Die GRÖMITZ wurde nicht ausschließlich für Minenabwehraufgaben eingesetzt. Anfang 2024 übernahm sie zeitweise die Aufgabe als deutsches Flaggschiff im NATO-Unterstützungseinsatz in der Ägäis.

Damit diente ein vergleichsweise kleines Minenjagdboot als Führungsplattform eines multinationalen Verbandes. Der Einsatz zeigt, dass die Boote der Frankenthal-Klasse neben ihrer spezialisierten Hauptaufgabe auch für Überwachung, Lagebilderstellung, Verbindungsaufgaben und die Führung kleinerer maritimer Verbände genutzt werden können.

Patenschaft mit der Gemeinde Grömitz

Namensgeberin des Bootes ist die schleswig-holsteinische Ostseegemeinde Grömitz.

Die Patenschaft verbindet die Gemeinde mit der Besatzung des Bootes. Sie wird traditionell durch gegenseitige Besuche, Veranstaltungen und persönliche Kontakte gepflegt. Durch den Namen besteht zugleich eine unmittelbare Verbindung zwischen dem Minenjagdboot und einem bekannten deutschen Küstenort.

Technische Daten

  • Klasse: 332 CL – Frankenthal-Klasse

  • Typ: Minenjagd- und Hohlstablenkboot

  • Kennung: M 1064

  • Seriennummer: 332/06

  • Bauwerft: Kröger-Werft, Schacht-Audorf

  • Baunummer: 6436

  • Baubeginn: 1. April 1991

  • Stapellauf: 29. April 1993

  • Indienststellung: 23. August 1994

  • Länge: 54,4 Meter

  • Breite: 9,2 Meter

  • Tiefgang: 2,6 Meter

  • Verdrängung: etwa 650 Tonnen

  • Antriebsleistung: rund 4.100 Kilowatt

  • Geschwindigkeit: mehr als 18 Knoten

  • Stammbesatzung: etwa 42 Soldatinnen und Soldaten

  • Heimathafen: Kiel

  • Verband: 3. Minensuchgeschwader

  • Zusätzliche Räumboote: bis zu vier SEEHUND-Boote

Die technischen Grunddaten und die Zuordnung der GRÖMITZ zur Variante 332 CL werden von der Deutschen Marine und dem Historischen Marinearchiv übereinstimmend angegeben.

Verbleib

M 1064 GRÖMITZ befindet sich weiterhin im aktiven Dienst der Deutschen Marine. Sie gehört zum 3. Minensuchgeschwader in Kiel und wird als Minenjagd- und Hohlstablenkboot der Variante 332 CL geführt.

Bedeutung

Die GRÖMITZ gehört zu den vielseitigsten Booten der Frankenthal-Klasse. Sie kann einzelne Seeminen mit Sonar und Unterwasserdrohnen gezielt aufspüren und bekämpfen. Gleichzeitig kann sie ferngelenkte SEEHUND-Boote führen und dadurch auch größere Seegebiete gegen Magnet- und Akustikminen räumen.

Durch diese Verbindung aus Minenjagd und ferngelenktem Minenräumen nimmt M 1064 GRÖMITZ eine besondere Stellung innerhalb der deutschen Seeminenabwehr ein.