Kategorie: Mij.-Boot M1063 BAD BEVENSEN

M 1063 BAD BEVENSEN – Minenjagdboot und Führungsboot für Hohlstab-Räumboote der Frankenthal-Klasse

Das Boot M 1063 BAD BEVENSEN gehört zur Frankenthal-Klasse, Klasse 332. Es wurde zunächst als klassisches Minenjagdboot in Dienst gestellt und später zur Variante 332 CL weiterentwickelt. Seitdem kann es neben der gezielten Minenjagd auch ferngelenkte Hohlstablenkboote einsetzen.

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Bau und Indienststellung

Die BAD BEVENSEN wurde bei der Lürssen-Werft in Bremen-Vegesack gebaut. Sie trägt die Baunummer 6434 und innerhalb der Klasse die Seriennummer 332/04.

Der Baubeginn erfolgte am 19. November 1990, der Stapellauf am 21. Januar 1993. Am 9. Dezember 1993 wurde M 1063 BAD BEVENSEN in Dienst gestellt. Das Rufzeichen des Bootes lautet DREV.

Verwendung als Minenjagdboot

Die ursprüngliche Hauptaufgabe der BAD BEVENSEN bestand im gezielten Aufspüren, Identifizieren und Vernichten von Seeminen.

Mit ihrem Minenjagdsonar kann die Besatzung den Meeresboden systematisch absuchen. Verdächtige Kontakte werden ausgewertet und anschließend mit ferngelenkten Unterwasserfahrzeugen genauer untersucht. Zur Bekämpfung bestätigter Minen stehen unter anderem Einwegdrohnen des Typs Seefuchs zur Verfügung.

Der Rumpf besteht aus nicht magnetisierbarem Stahl. Zusammen mit der Magnet-Eigenschutzanlage und einer besonders langsamen, geräuscharmen Schleichfahrt verringert dies die Gefahr, magnetisch oder akustisch wirkende Seeminen auszulösen.

Verbandszugehörigkeit

Nach ihrer Indienststellung gehörte die BAD BEVENSEN zunächst zum 1. Minensuchgeschwader in Olpenitz.

Nach der Auflösung dieses Verbandes wechselte das Boot Ende 2005 zum 5. Minensuchgeschwader. Später wurde es dem 3. Minensuchgeschwader in Kiel unterstellt. Dort sind heute die verbliebenen deutschen Einheiten der Frankenthal-Klasse zusammengefasst.

Umbau zur Variante 332 CL

Die BAD BEVENSEN gehört gemeinsam mit der GRÖMITZ und der DATTELN zur Variante 332 CL. Diese Boote wurden so angepasst, dass sie neben ihrer Minenjagdausrüstung auch ferngelenkte Hohlstablenkboote vom Typ Seehund führen und einsetzen können.

Der Umbau der drei Einheiten erfolgte ab der zweiten Hälfte der 2010er-Jahre. Für die BAD BEVENSEN sind Umrüstungsarbeiten an Bewaffnung und Minenräumausstattung ab Ende 2016 dokumentiert. Die vollständige Einordnung als Minenjagd- und Hohlstablenkboot der Klasse 332 CL ist spätestens für die folgenden Jahre belegt.

Einsatz der Hohlstablenkboote

Die unbemannten beziehungsweise ferngelenkten Seehund-Boote dienen zur Bekämpfung von Magnet- und Akustikminen.

Sie erzeugen gezielt magnetische und akustische Signaturen, die denen größerer Schiffe ähneln. Entsprechend eingestellte Minen sollen dadurch ausgelöst werden, während sich das bemannte Führungsboot außerhalb des unmittelbaren Gefahrenbereichs befindet.

Die BAD BEVENSEN übernimmt dabei die Führung, Überwachung und Koordination der eingesetzten Räumboote. Durch diese Fähigkeit verbindet sie zwei unterschiedliche Verfahren der Seeminenabwehr:

  • die präzise Minenjagd gegen einzelne geortete Objekte,

  • das Räumen größerer Seegebiete mit ferngelenkten Hohlstablenkbooten.

Damit ist das Boot vielseitiger einsetzbar als ein ausschließlich für die Minenjagd ausgerüstetes Fahrzeug.

Bewaffnung und Eigenschutz

Die BAD BEVENSEN war ursprünglich mit einem 40-mm-Geschütz auf dem Vorschiff bewaffnet. Im Zuge der Modernisierung erhielt sie das 27-mm-Marineleichtgeschütz MLG 27.

Ergänzend stehen schwere Maschinengewehre und tragbare Flugabwehrwaffen für den Eigenschutz zur Verfügung. Die entscheidenden Fähigkeiten des Bootes liegen jedoch in seiner Sonar-, Führungs-, Minenjagd- und Minenräumausrüstung.

Übungen und NATO-Verbände

Die BAD BEVENSEN nahm wiederholt an nationalen und internationalen Minenabwehrübungen teil.

Im Jahr 2017 beteiligte sie sich am Ostseemanöver Squadex. Im Februar 2018 wurde sie der Standing NATO Mine Countermeasures Group 1 unterstellt. Im Mai desselben Jahres nahm sie an der internationalen Minenräumoperation Open Spirit in der Irbenstraße zwischen Lettland und Estland teil.

Auch in späteren Jahren stellte das Boot regelmäßig einen deutschen Beitrag zu den ständigen Minenabwehrverbänden der NATO. Im Juli 2023 verließ es Kiel für eine mehrmonatige Unterstellung unter einen der beiden NATO-Minenabwehrverbände. Diese Verbände operieren vor allem in Nord- und Ostsee, im Nordatlantik sowie im Mittelmeer.

Suche nach Altmunition vor Lubmin

Vom 24. bis 28. Oktober 2022 suchte die BAD BEVENSEN gemeinsam mit dem Minentaucher-Einsatzboot BAD RAPPENAU den Meeresboden vor Lubmin ab.

Der Einsatz erfolgte im Rahmen der Amtshilfe für die Vorbereitung eines schwimmenden Flüssigerdgas-Terminals. Die Boote untersuchten das vorgesehene Gebiet auf mögliche Altmunition und andere gefährliche Hinterlassenschaften.

Dieser Auftrag zeigt, dass die Fähigkeiten der Minenabwehrboote nicht nur für militärische Einsätze benötigt werden. Sie können auch zur Untersuchung ziviler Baugebiete, von Hafenzufahrten und kritischer maritimer Infrastruktur eingesetzt werden.

Patenschaft mit der Stadt Bad Bevensen

Namensgeberin des Bootes ist die niedersächsische Stadt Bad Bevensen im Landkreis Uelzen.

Die Patenschaft schafft eine dauerhafte Verbindung zwischen Stadt und Besatzung. Sie wird durch gegenseitige Besuche, Veranstaltungen und persönliche Kontakte gepflegt und folgt der langen Tradition, deutsche Minenabwehrboote nach Städten und Gemeinden zu benennen.

Technische Daten

  • Klasse: 332 CL – Frankenthal-Klasse

  • Typ: Minenjagd- und Hohlstablenkboot

  • Kennung: M 1063

  • Rufzeichen: DREV

  • Seriennummer: 332/04

  • Bauwerft: Lürssen-Werft, Bremen-Vegesack

  • Baunummer: 6434

  • Baubeginn: 19. November 1990

  • Stapellauf: 21. Januar 1993

  • Indienststellung: 9. Dezember 1993

  • Länge: 54,4 Meter

  • Breite: 9,2 Meter

  • Tiefgang: etwa 2,6 Meter

  • Verdrängung: etwa 644 Tonnen

  • Geschwindigkeit: etwa 18 Knoten

  • Heimathafen: Kiel

  • Verband: 3. Minensuchgeschwader

Verbleib

M 1063 BAD BEVENSEN befindet sich weiterhin im Dienst der Deutschen Marine. Sie gehört zum 3. Minensuchgeschwader in Kiel und wird als Minenjagd- und Hohlstablenkboot der Variante 332 CL eingesetzt.

Bedeutung

Die BAD BEVENSEN verbindet die Fähigkeiten eines modernen Minenjagdbootes mit der Möglichkeit, ferngelenkte Hohlstablenkboote zu führen.

Dadurch kann sie sowohl einzelne Sonarkontakte identifizieren und bekämpfen als auch größere Seegebiete gegen magnetisch und akustisch auslösende Minen räumen. Diese Kombination macht sie zu einer besonders vielseitigen Einheit innerhalb der Frankenthal-Klasse und der deutschen Seeminenabwehr.