Kategorie: Mij.-Boot M1061 ROTTWEIL

M 1061 ROTTWEIL – Minenjagdboot und Minentaucher-Einsatzboot der Frankenthal-Klasse

Das Boot M 1061 ROTTWEIL gehört zur Frankenthal-Klasse, Klasse 332. Es wurde zunächst als klassisches Minenjagdboot in Dienst gestellt und später umfassend zum Minentaucher-Einsatzboot der Variante 332B umgebaut. Damit erhielt die ROTTWEIL eine besondere Rolle innerhalb der deutschen Seeminenabwehr.

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Bau und Indienststellung

Die ROTTWEIL wurde bei der Kröger-Werft in Schacht-Audorf bei Rendsburg gebaut. Der Bauauftrag war am 24. November 1988 erteilt worden. Der Baubeginn erfolgte am 17. April 1990, der Stapellauf am 12. März 1992.

Am 7. Juli 1993 wurde M 1061 ROTTWEIL in Dienst gestellt. Das Boot gehörte zunächst zum 1. Minensuchgeschwader in Olpenitz.

Verwendung als Minenjagdboot

In seiner ursprünglichen Ausführung war die ROTTWEIL für das gezielte Aufspüren, Identifizieren und Vernichten von Seeminen ausgerüstet. Dazu suchte die Besatzung den Meeresboden mit dem Minenjagdsonar systematisch nach verdächtigen Kontakten ab.

Für die nähere Untersuchung und Bekämpfung erkannter Minen standen zunächst ferngelenkte Unterwasserfahrzeuge des Typs Pinguin B3 zur Verfügung. Ab Mitte der 2000er-Jahre wurde die Ausrüstung durch die Minenbekämpfungsdrohne Seefuchs ergänzt.

Der nicht magnetisierbare Stahlrumpf und die Magnet-Eigenschutzanlage verringern die magnetische Signatur des Bootes. Eine besonders leise Schleichfahrt mit etwa zwei Knoten ermöglicht zudem das vorsichtige Manövrieren in minengefährdeten Gewässern.

Wechsel zum 3. Minensuchgeschwader

Nach der Auflösung des 1. Minensuchgeschwaders wurde die ROTTWEIL am 21. Dezember 2005 dem 3. Minensuchgeschwader in Kiel unterstellt.

Mit dieser Umgliederung wechselte auch der Heimathafen des Bootes von Olpenitz nach Kiel. Dort wurden die verbliebenen Minenjagdboote der Frankenthal-Klasse schrittweise zusammengeführt.

Umbau zum Minentaucher-Einsatzboot

In den Jahren 2007 und 2008 wurde die ROTTWEIL auf der Peene-Werft in Wolgast und in Kiel zum Minentaucher-Einsatzboot der Variante 332B umgebaut.

Dabei erhielt das Boot zusätzliche Einrichtungen für die Aufnahme und den Einsatz einer größeren Minentauchergruppe. Dazu gehören insbesondere:

  • eine Taucherdruck- und Dekompressionskammer,

  • eine Taucherplattform,

  • zusätzliche Arbeits- und Unterkunftsbereiche,

  • ein Lage- und Planungsraum,

  • Einrichtungen zur Vorbereitung und Durchführung von Unterwassereinsätzen.

Nach dem Umbau konnte die ROTTWEIL neben ihrer bisherigen Minenjagdausrüstung eine deutlich größere Zahl von Minentauchern aufnehmen. Die Deutsche Marine gibt für die Variante 332B bis zu zwölf zusätzliche Minentaucher an; bei besonderen Einsätzen sind je nach Ausrüstung auch größere Gruppen möglich.

Aufgaben als Minentaucher-Einsatzboot

Minentaucher werden vor allem dort eingesetzt, wo Sonar und ferngelenkte Unterwasserfahrzeuge an ihre Grenzen stoßen. Dazu gehören:

  • flache Küstengewässer,

  • Häfen und Hafeneinfahrten,

  • Strände und Anlandungsbereiche,

  • Wracks und schwer zugängliche Unterwasserstrukturen,

  • Bereiche nahe Pipelines, Kabeln und Hafenanlagen.

Die Taucher können verdächtige Objekte unmittelbar untersuchen, Kampfmittel identifizieren und kontrollierte Sprengungen vorbereiten. Die ROTTWEIL dient dabei als schwimmende Basis für Einsatzplanung, Ausrüstung, medizinische Absicherung und Dekompression.

Durch diese Fähigkeiten ergänzt das Boot die klassische Minenjagd um die Kampfmittelbeseitigung in besonders komplexen und räumlich begrenzten Einsatzgebieten.

Bewaffnung und Eigenschutz

Die ROTTWEIL war ursprünglich mit einem 40-mm-Geschütz bewaffnet. Im Zuge der Modernisierung der Frankenthal-Klasse wurde die ältere Bewaffnung durch das 27-mm-Marineleichtgeschütz MLG 27 ersetzt.

Ergänzend stehen schwere Maschinengewehre und tragbare Flugabwehrwaffen zur Verfügung. Die Boote können außerdem über Decksschienen Grund- oder Ankertauminen ausbringen.

Einsätze und internationale Verbände

Die ROTTWEIL nahm wiederholt an nationalen und multinationalen Minenabwehrübungen sowie an Einsätzen in NATO-Verbänden teil.

Im Jahr 2017 verlegte das Boot in das Mittelmeer und zeitweise auch in das Schwarze Meer. Im Januar 2023 lief die ROTTWEIL von Kiel nach Oslo aus, um sich der Standing NATO Mine Countermeasures Group 1 anzuschließen.

Im März 2024 beteiligte sie sich gemeinsam mit der BAD RAPPENAU an einer Munitionssuche vor der Hafeneinfahrt von Kiel.

Diese Unternehmungen zeigen das breite Einsatzspektrum des Bootes: von der klassischen Minenjagd über die Unterwasseraufklärung bis zur Suche nach Kampfmitteln in stark frequentierten Küsten- und Hafengebieten.

Patenschaft mit der Stadt Rottweil

Namensgeberin ist die baden-württembergische Stadt Rottweil. Die Patenschaft verbindet die Stadt mit der Besatzung und wird traditionell durch gegenseitige Besuche und gemeinsame Veranstaltungen gepflegt.

Der Bootsname setzt die in der Deutschen Marine übliche Tradition fort, Minenabwehreinheiten nach deutschen Städten und Gemeinden zu benennen.

Technische Daten

  • Klasse: 332B – Frankenthal-Klasse

  • Typ: Minenjagdboot und Minentaucher-Einsatzboot

  • Kennung: M 1061

  • Bauwerft: Kröger-Werft, Schacht-Audorf

  • Baunummer: 6433

  • Seriennummer: 332/03

  • Baubeginn: 17. April 1990

  • Stapellauf: 12. März 1992

  • Indienststellung: 7. Juli 1993

  • Umbau zum Minentaucher-Einsatzboot: 2007 bis 2008

  • Länge: 54,4 Meter

  • Breite: 9,2 Meter

  • Tiefgang: 2,6 Meter

  • Verdrängung: etwa 650 Tonnen

  • Geschwindigkeit: etwa 18 Knoten

  • Heimathafen: Kiel

  • Verband: 3. Minensuchgeschwader

Die Stammcrew der Frankenthal-Klasse umfasst 42 Soldatinnen und Soldaten. Bei der Variante 332B kommt zusätzlich eine größere Minentauchergruppe an Bord.

Verbleib

M 1061 ROTTWEIL befindet sich weiterhin im aktiven Dienst der Deutschen Marine. Sie gehört zum 3. Minensuchgeschwader in Kiel und ist eines von zwei Minentaucher-Einsatzbooten der Variante 332B.

Gemeinsam mit M 1067 BAD RAPPENAU stellt sie die schwimmende Einsatzplattform für größere Minentauchergruppen und besondere Unterwasser-Kampfmittelräumungen bereit.

Bedeutung

Die ROTTWEIL vereint zwei Fähigkeiten auf einer Plattform: die technische Minenjagd mit Sonar und Unterwasserdrohnen sowie den unmittelbaren Einsatz spezialisierter Minentaucher.

Durch den Umbau zur Variante 332B wurde das Boot zu einer wichtigen Plattform für Einsätze in Häfen, Küstengewässern, Wracks und infrastrukturell sensiblen Bereichen. Damit nimmt die ROTTWEIL innerhalb der Frankenthal-Klasse eine besonders spezialisierte und bis heute bedeutsame Rolle ein.