Kategorie: M-Boot M1083 ULM (HL)

M 1083 ULM – Küstenminensuchboot der Lindau-Klasse und Hohlstablenkboot der Schleswig-Klasse

Die ULM mit der Kennung M 1083 gehörte zu den 18 Küstenminensuchbooten der Lindau-Klasse, Klasse 320. Nach fast 19 Jahren im klassischen Minensuchdienst wurde sie zum Hohlstablenkboot der Klasse 351 umgebaut. In dieser Funktion führte sie ferngelenkte SEEHUND-Räumdrohnen des TROIKA-Systems und gehörte damit zur später als Schleswig-Klasse bezeichneten Umbaugruppe.

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Die ULM entstand bei der Burmester-Werft in Bremen-Burg unter der Baunummer 5494. Der Stapellauf erfolgte am 10. Februar 1959. Am 7. November 1959 wurde das Boot bei der Bundesmarine in Dienst gestellt.

Dienst als Küstenminensuchboot

Die ULM wurde ursprünglich für die klassische Minenräumung in Küstengewässern, Hafenzufahrten und wichtigen Schifffahrtswegen gebaut. Ihre Aufgabe bestand darin, sichere Wege durch verminte Seegebiete zu schaffen und die Bewegungsfreiheit der eigenen sowie der verbündeten Seestreitkräfte zu gewährleisten.

Wie alle Einheiten der Lindau-Klasse besaß die ULM einen weitgehend amagnetischen Holzrumpf. Durch die Verwendung von Holz und möglichst wenig magnetischen Materialien sollte das Eigenmagnetfeld des Bootes gering gehalten werden. Dies verringerte das Risiko, magnetisch ausgelöste Grundminen während der Räumarbeiten unbeabsichtigt zur Detonation zu bringen.

Als Küstenminensuchboot konnte die ULM mechanische, magnetische und akustische Räumgeräte einsetzen. Damit war sie für die Bekämpfung unterschiedlicher Ankertau- und Grundminen ausgelegt.

Die Boote der Lindau-Klasse waren während ihrer gesamten deutschen Dienstzeit in der Nordsee stationiert. Als Küstenminensucher gehörten sie zum 4., 6. oder 8. Minensuchgeschwader.

Umbau zum Hohlstablenkboot

Am 28. Juli 1978 endete die erste Dienstphase der ULM als Küstenminensuchboot. Anschließend wurde sie zum Hohlstablenkboot der Klasse 351/02 umgebaut. Am 11. November 1981 wurde sie in ihrer neuen Verwendung wieder in Dienst gestellt.

Mit dem Umbau änderte sich ihre Aufgabe grundlegend. Statt selbst mit herkömmlichem Räumgerät durch ein gefährdetes Seegebiet zu fahren, wurde die ULM zur Führungs- und Steuerungsplattform für ferngelenkte Minenräumdrohnen.

Nach der Neuordnung der Minenabwehrverbände gehörten die sechs Hohlstablenkboote der Klasse 351 zum 6. Minensuchgeschwader in Wilhelmshaven.

Das TROIKA-System

Als Hohlstablenkboot war die ULM Bestandteil des deutschen Fernräumsystems TROIKA. Dieses bestand aus einem bemannten Führungsschiff und mehreren unbemannten Räumdrohnen des Typs SEEHUND.

Die SEEHUND-Boote erzeugten künstliche magnetische und akustische Signaturen, die denen eines größeren Schiffes ähnelten. Dadurch sollten entsprechend eingestellte Grundminen ausgelöst werden, während das bemannte Hohlstablenkboot möglichst außerhalb des gefährlichsten Bereichs blieb.

Zu den Aufgaben der ULM gehörten insbesondere:

  • die Fernsteuerung der SEEHUND-Räumdrohnen,

  • die Navigation und Führung des Räumverbandes,

  • die Festlegung und Überwachung der Räumwege,

  • die technische Betreuung der Drohnen,

  • die Auswertung der Räumergebnisse,

  • die Unterbringung und Versorgung des Bedien- und Wartungspersonals.

Die sechs umgebauten Boote der Klasse 351 bildeten den Kern dieses Fernräumsystems. Ab Herbst 1988 wurden die Einheiten offiziell wieder als Minensuchboote geführt, ihre technische Aufgabe als Führungsschiffe des TROIKA-Systems blieb jedoch bestehen.

Dienst im 6. Minensuchgeschwader

Die ULM nahm während ihrer Zeit als Hohlstablenkboot an zahlreichen Ausbildungsfahrten sowie nationalen und internationalen Minenabwehrübungen teil. Sie gehörte jedoch nicht zu den beiden TROIKA-Führungsschiffen SCHLESWIG und PADERBORN, die 1991 im Persischen Golf eingesetzt wurden.

Über viele Jahre bildete sie gemeinsam mit den weiteren Hohlstablenkbooten und den SEEHUND-Drohnen einen wesentlichen Bestandteil der deutschen Fähigkeit zur ferngelenkten Minenräumung.

Außerdienststellung und Übergabe an Südafrika

Am 21. September 1999 wurde die ULM nach fast 40 Jahren unter deutscher Flagge endgültig außer Dienst gestellt.

Im Jahr 2001 wurde sie zusammen mit den weiteren Hohlstablenkbooten der Klasse 351 an Südafrika abgegeben. Die südafrikanische Marine übernahm alle sechs Boote und führte die Bauart als City-Klasse. Die ehemaligen ULM und KONSTANZ waren jedoch nicht für einen regulären aktiven Dienst vorgesehen, sondern dienten hauptsächlich als Ersatzteilspender für die übrigen übernommenen Einheiten.

Die ULM erhielt daher keine aktive Laufbahn unter einem neuen südafrikanischen Schiffsnamen.

Verbleib

Nach mehreren Jahren als Material- und Ersatzteilreserve wurde die ehemalige ULM im Jahr 2009 verkauft. Das Historische Marinearchiv führt anschließend ihren Abbruch im Jahr 2017.

Damit endete die Geschichte eines Bootes, das fast vier Jahrzehnte in der deutschen Minenabwehr gedient und dabei den technischen Wandel vom klassischen Küstenminensuchboot zum Führungsschiff für ferngelenkte Räumdrohnen vollzogen hatte.

Technische und historische Einordnung

  • Name: ULM

  • Kennung: M 1083

  • Ursprüngliche Klasse: Klasse 320 – Lindau-Klasse

  • Ursprüngliche Verwendung: Küstenminensuchboot

  • Spätere Klasse: Klasse 351/02 – Schleswig-Klasse

  • Spätere Verwendung: Hohlstablenkboot

  • Bauwerft: Burmester-Werft, Bremen-Burg

  • Baunummer: 5494

  • Stapellauf: 10. Februar 1959

  • Indienststellung: 7. November 1959

  • Ende der ersten Dienstphase: 28. Juli 1978

  • Wiederindienststellung als Hohlstablenkboot: 11. November 1981

  • Späterer Verband: 6. Minensuchgeschwader

  • Deutsche Außerdienststellung: 21. September 1999

  • Übergabe an Südafrika: 2001

  • Nutzung in Südafrika: Material- und Ersatzteilspender

  • Verkauf: 2009

  • Verbleib: 2017 abgewrackt

Die ULM steht beispielhaft für die technische Entwicklung der deutschen Minenabwehr. Aus einem klassischen Küstenminensuchboot wurde ein Führungsschiff des TROIKA-Systems, das ferngelenkte Räumdrohnen in gefährdete Minengebiete schicken konnte.

Ein Stück deutscher Marinegeschichte – für alle, die auf der ULM, im ursprünglichen Minensuchdienst oder später im 6. Minensuchgeschwader ihren Dienst geleistet haben.