Kategorie: M-Boot M1082 WOLFSBURG (HL)

M 1082 WOLFSBURG – Küstenminensuchboot der Lindau-Klasse und Hohlstablenkboot der Schleswig-Klasse

Die WOLFSBURG mit der Kennung M 1082 gehörte zu den 18 Küstenminensuchbooten der Lindau-Klasse, Klasse 320. Nach fast 20 Jahren im klassischen Minensuchdienst wurde sie zum Hohlstablenkboot der Klasse 351 umgebaut. Als Teil des TROIKA-Systems führte sie ferngelenkte SEEHUND-Räumdrohnen und gehörte damit zur später als Schleswig-Klasse bezeichneten Umbaugruppe.

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Die WOLFSBURG entstand bei der Burmester-Werft in Bremen-Burg unter der Baunummer 5493. Der Stapellauf erfolgte am 10. Dezember 1958. Am 8. Oktober 1959 wurde das Boot bei der Bundesmarine in Dienst gestellt.

Dienst als Küstenminensuchboot

Die WOLFSBURG wurde ursprünglich für die klassische Minenräumung in Küstengewässern, Hafenzufahrten und wichtigen Schifffahrtswegen gebaut. Sie gehörte in ihrer ersten Dienstphase zum 4. Minensuchgeschwader in Wilhelmshaven.

Wie alle Einheiten der Lindau-Klasse besaß sie einen weitgehend amagnetischen Holzrumpf. Oberhalb der Wasserlinie bestand die Außenhaut aus mehreren verleimten Holzschichten, unterhalb der Wasserlinie kam eine zusätzliche Eichenschicht hinzu. Durch diese Bauweise und die Verwendung amagnetischer Materialien sollte das Eigenmagnetfeld des Bootes möglichst gering gehalten werden.

Als Küstenminensuchboot konnte die WOLFSBURG mechanische, magnetische und akustische Räumgeräte einsetzen. Ihre Aufgabe bestand darin, verschiedene Arten von Ankertauminen und Grundminen zu bekämpfen und sichere Wege durch verminte Seegebiete zu schaffen.

Umbau zum Hohlstablenkboot

Am 27. April 1979 endete die erste Dienstphase der WOLFSBURG als Küstenminensuchboot. Anschließend wurde sie zum Hohlstablenkboot der Klasse 351/03 umgebaut.

Am 4. März 1982 wurde sie als Hohlstablenkboot wieder in Dienst gestellt und zunächst dem Minenabwehrgeschwader Nordsee zugeordnet. Nach der Neuordnung der Verbände gehörte sie ab Juli 1984 zum 6. Minensuchgeschwader in Wilhelmshaven.

Mit dem Umbau änderte sich ihre Aufgabe grundlegend. Statt selbst mit klassischem Räumgerät durch das gefährdete Seegebiet zu fahren, diente die WOLFSBURG nun als Führungs- und Steuerungsplattform für ferngelenkte Räumdrohnen.

Das TROIKA-System

Die WOLFSBURG war als Hohlstablenkboot Bestandteil des deutschen Fernräumsystems TROIKA. Dieses bestand aus einem bemannten Führungsschiff und mehreren unbemannten Räumdrohnen des Typs SEEHUND.

Die SEEHUND-Drohnen erzeugten starke magnetische und akustische Signaturen, die denen eines größeren Schiffes ähnelten. Dadurch sollten entsprechend eingestellte Grundminen ausgelöst werden, während das bemannte Führungsschiff möglichst außerhalb des gefährlichsten Bereichs blieb. Die sechs Boote der Klasse 351 bildeten zusammen den Kern dieses deutschen Fernräumsystems.

Zu den Aufgaben der WOLFSBURG gehörten insbesondere:

  • die Fernsteuerung und Führung der SEEHUND-Räumdrohnen,

  • die Navigation des Räumverbandes,

  • die Festlegung und Überwachung der Räumwege,

  • die technische Betreuung der Drohnen,

  • die Auswertung der Räumergebnisse,

  • die Unterbringung und Versorgung des Bedien- und Wartungspersonals.

Dienst im 6. Minensuchgeschwader

Nach der Auflösung des Minenabwehrgeschwaders Nordsee gehörte die WOLFSBURG zum 6. Minensuchgeschwader in Wilhelmshaven. Dort diente sie gemeinsam mit den weiteren Hohlstablenkbooten der Schleswig-Klasse als Führungseinheit für das TROIKA-System.

Während ihrer langen Laufbahn nahm sie an zahlreichen Ausbildungsfahrten sowie nationalen und internationalen Minenabwehrübungen teil. Die WOLFSBURG gehörte jedoch nicht zu den beiden TROIKA-Führungsschiffen SCHLESWIG und PADERBORN, die 1991 im Persischen Golf eingesetzt wurden.

Außerdienststellung und Übergabe an Südafrika

Bei der endgültigen deutschen Außerdienststellung bestehen unterschiedliche Datumsangaben. Der Minensucher-Datensatz des Historischen Marinearchivs und die Klassenchronik nennen den 29. Juni 2000. Ein weiterer Datensatz des Historischen Marinearchivs sowie mehrere Klassenübersichten führen dagegen den 29. September 2000. Sicher belegt ist damit, dass die aktive deutsche Dienstzeit der WOLFSBURG im Jahr 2000 endete.

Im Jahr 2001 wurde das ehemalige Hohlstablenkboot an die südafrikanische Marine übergeben. Dort erhielt es den Namen THEKWINI und die Kennung M 1225. Die südafrikanische Indienststellung erfolgte am 5. September 2001.

Die südafrikanische Marine führte die übernommenen Boote der Klasse 351 als City-Klasse. Die THEKWINI blieb allerdings nur kurze Zeit im aktiven Dienst und wurde nach der verfügbaren Klassenchronik bereits 2003 wieder außer Dienst gestellt.

Zivile Nutzung als Motoryacht

Nach einigen Jahren der Aufliegezeit wurde die ehemalige WOLFSBURG 2009 verkauft. Anschließend erfolgte der Umbau zu einer privaten Motoryacht. Die Chronik der Klasse nennt hierfür den Namen GREY FOX und führt das Schiff 2010 beziehungsweise 2011 als Motoryacht.

Der Datensatz des Historischen Marinearchivs nennt dagegen für 2010 den Namen SNOW PETREL und bewertet den weiteren Verbleib als ungeklärt. Da sich die verfügbaren Angaben an diesem Punkt widersprechen, sollte kein späterer Name als vollständig gesichert dargestellt werden.

Nach der Klassenchronik war die ehemalige WOLFSBURG noch im Jahr 2015 vorhanden. Für ihren heutigen Zustand und Aufenthaltsort liegen jedoch keine ausreichend gesicherten aktuellen Angaben vor.

Technische und historische Einordnung

  • Name: WOLFSBURG

  • Kennung: M 1082

  • Ursprüngliche Klasse: Klasse 320 – Lindau-Klasse

  • Ursprüngliche Verwendung: Küstenminensuchboot

  • Spätere Klasse: Klasse 351/03 – Schleswig-Klasse

  • Spätere Verwendung: Hohlstablenkboot

  • Bauwerft: Burmester-Werft, Bremen-Burg

  • Baunummer: 5493

  • Stapellauf: 10. Dezember 1958

  • Indienststellung: 8. Oktober 1959

  • Erster Verband: 4. Minensuchgeschwader

  • Ende der ersten Dienstphase: 27. April 1979

  • Wiederindienststellung als Hohlstablenkboot: 4. März 1982

  • Späterer Verband: 6. Minensuchgeschwader

  • Deutsche Außerdienststellung: 2000

  • Übergabe an Südafrika: 2001

  • Südafrikanischer Name: THEKWINI

  • Südafrikanische Kennung: M 1225

  • Südafrikanische Indienststellung: 5. September 2001

  • Spätere Nutzung: Verkauf und Umbau zur privaten Motoryacht

  • Letzter belegter Hinweis: 2015 noch vorhanden

  • Heutiger Verbleib: nicht eindeutig dokumentiert

Die WOLFSBURG steht beispielhaft für die außergewöhnliche Wandlungsfähigkeit der Lindau-Klasse. Aus einem klassischen Küstenminensuchboot wurde ein Führungsschiff für ferngelenkte Räumdrohnen, das über viele Jahre im 6. Minensuchgeschwader diente.

Nach mehr als vier Jahrzehnten unter deutscher Flagge setzte sie ihre Laufbahn kurzzeitig bei der südafrikanischen Marine fort und wurde anschließend zu einem privaten Schiff umgebaut.

Ein Stück deutscher und südafrikanischer Marinegeschichte – für alle, die auf der WOLFSBURG, im 4. Minensuchgeschwader oder später im 6. Minensuchgeschwader ihren Dienst geleistet haben.