Die SCHLESWIG entstand bei der Burmester-Werft in Bremen-Burg unter der Baunummer 5436. Der Stapellauf erfolgte am 2. Oktober 1957. Am 30. Oktober 1958 wurde sie bei der Bundesmarine in Dienst gestellt.
Dienst als Küstenminensuchboot
Nach ihrer Indienststellung wurde die SCHLESWIG dem 6. Minensuchgeschwader zugeteilt. Innerhalb des Verbandes wurde sie zunächst unter der internen Bezeichnung KM 6 geführt.
Ihre ursprüngliche Aufgabe bestand in der klassischen Minenräumung in den Küstengewässern von Nord- und Ostsee. Dazu gehörten die Sicherung von Hafenzufahrten, Schifffahrtswegen und militärisch wichtigen Seegebieten.
Wie alle Boote der Lindau-Klasse besaß die SCHLESWIG einen weitgehend amagnetischen Holzrumpf. Dadurch sollte das Eigenmagnetfeld des Bootes möglichst gering gehalten werden, um magnetisch ausgelöste Seeminen nicht unbeabsichtigt zur Detonation zu bringen.
Im Jahr 1960 wurde das Arbeitsdeck des Bootes um rund 2,1 Meter verlängert. Diese Änderung verbesserte die Arbeitsmöglichkeiten beim Einsatz der Minenräumausrüstung.
Umbau zum Hohlstablenkboot
Am 1. Februar 1979 wurde die SCHLESWIG für den Umbau zum Hohlstablenkboot außer Dienst gestellt. Die Arbeiten erfolgten bei der Krögerwerft in Schacht-Audorf bei Rendsburg.
Der Umbau war Teil der Einführung des Minenabwehrsystems TROIKA. Dabei dienten die umgebauten Boote der Klasse 351 als Führungsplattformen für ferngelenkte Minenräumdrohnen.
Am 27. Mai 1981 wurde die SCHLESWIG als erstes Hohlstablenkboot der Klasse 351 wieder in Dienst gestellt. Durch ihre Rolle als erstes fertiggestelltes Boot erhielt die Klasse die Bezeichnung Schleswig-Klasse.
Das TROIKA-System
Zu jedem Hohlstablenkboot gehörten mehrere ferngelenkte Räumdrohnen des Typs SEEHUND. Diese unbemannten Fahrzeuge wurden vom Führungsschiff aus gesteuert und sollten durch künstlich erzeugte Magnetfelder und Geräusche magnetisch sowie akustisch ausgelöste Grundminen zur Detonation bringen.
Die SEEHUNDE waren so konstruiert, dass sie ein größeres Schiff simulierten. Das eigentliche Hohlstablenkboot konnte dabei außerhalb des besonders gefährdeten Minenfeldes bleiben.
Die SCHLESWIG übernahm unter anderem:
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die Führung und Fernsteuerung der SEEHUND-Räumdrohnen,
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die Navigation des Räumverbandes,
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die Auswertung der Räumergebnisse,
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die Koordination des gesamten TROIKA-Einsatzes,
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die Versorgung und technische Betreuung der zugeordneten Räumdrohnen.
Nach dem Ende des zeitweilig bestehenden Minenabwehrgeschwaders Nordsee gehörte die SCHLESWIG ab Juni 1984 wieder zum 6. Minensuchgeschwader in Wilhelmshaven. Die sechs Hohlstablenkboote der Klasse 351 bildeten gemeinsam mit insgesamt 18 SEEHUND-Räumdrohnen den Kern des TROIKA-Systems.
Einsatz im Persischen Golf
Zu den bedeutendsten Einsätzen der SCHLESWIG gehörte ihre Teilnahme am Minenabwehrverband Südflanke.
Am 22. Januar 1991 lief sie gemeinsam mit weiteren deutschen Minenabwehrfahrzeugen in das östliche Mittelmeer aus. Nach dem Ende des Zweiten Golfkriegs wurde der Verband in den Persischen Golf verlegt, um dort irakische Seeminen zu räumen.
Die SCHLESWIG und die PADERBORN setzten dabei ihre ferngelenkten SEEHUND-Räumdrohnen ein. Das TROIKA-System bewährte sich im scharfen Einsatz: Auch in Seegebieten, die zuvor durch Minenjagdboote abgesucht worden waren, konnten mit den SEEHUNDEN weitere Grundminen festgestellt und geräumt werden.
Dieser Einsatz war der wichtigste praktische Nachweis für die Leistungsfähigkeit des deutschen Fernräumsystems.
Außerdienststellung und Übergabe an Südafrika
Nach mehr als vier Jahrzehnten unter deutscher Flagge wurde die SCHLESWIG am 29. Juni 2000 endgültig außer Dienst gestellt.
Im Jahr 2001 wurde das ehemalige Hohlstablenkboot an die südafrikanische Marine abgegeben. Dort erhielt es den Namen TSHWANE und die Kennung M 1221.
Die südafrikanische Marine übernahm auch weitere ehemalige Hohlstablenkboote der Schleswig-Klasse. Die Boote wurden allerdings nicht dauerhaft im gleichen Umfang eingesetzt wie zuvor bei der Deutschen Marine.
Verbleib
Die ehemalige SCHLESWIG wurde schließlich außer Dienst gestellt und im Jahr 2012 abgewrackt.
Damit endete die Geschichte eines Bootes, das zunächst als klassischer Küstenminensucher diente, später einer völlig neuen Form der ferngelenkten Minenräumung den Namen gab und sich 1991 im realen Einsatz im Persischen Golf bewährte.
Technische und historische Einordnung
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Name: SCHLESWIG
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Kennung: M 1073
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Ursprüngliche Klasse: Klasse 320 – Lindau-Klasse
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Ursprüngliche Verwendung: Küstenminensuchboot
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Spätere Klasse: Klasse 351 – Schleswig-Klasse
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Spätere Verwendung: Hohlstablenkboot
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Bauwerft: Burmester-Werft, Bremen-Burg
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Baunummer: 5436
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Stapellauf: 2. Oktober 1957
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Indienststellung: 30. Oktober 1958
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Erster Verband: 6. Minensuchgeschwader
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Außerdienststellung vor dem Umbau: 1. Februar 1979
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Umbauwerft: Krögerwerft, Schacht-Audorf
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Wiederindienststellung als Hohlstablenkboot: 27. Mai 1981
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Deutsche Außerdienststellung: 29. Juni 2000
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Übergabe an Südafrika: 2001
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Südafrikanischer Name: TSHWANE
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Südafrikanische Kennung: M 1221
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Verbleib: 2012 abgewrackt
Die SCHLESWIG nimmt innerhalb der Lindau-Klasse eine besondere Stellung ein. Aus dem früheren Küstenminensuchboot wurde das erste Hohlstablenkboot der Klasse 351 und damit die Namensgeberin der Schleswig-Klasse.
Mit dem TROIKA-System führte sie ferngelenkte Räumdrohnen in besonders gefährdete Seegebiete und trug dazu bei, das Risiko für die Besatzungen erheblich zu verringern.
Ein Stück deutscher Marinegeschichte – für alle, die auf der SCHLESWIG oder im 6. Minensuchgeschwader ihren Dienst geleistet haben.