Die WETZLAR entstand bei der Burmester-Werft in Bremen-Burg unter der Baunummer 5434. Der Stapellauf erfolgte am 24. Juni 1957. Am 20. August 1958 wurde das Boot bei der Bundesmarine in Dienst gestellt.
Dienst als Küstenminensuchboot
Nach ihrer Indienststellung gehörte die WETZLAR zum 6. Minensuchgeschwader und wurde dort zunächst unter der internen Bezeichnung KM 4 geführt. Der Verband war anfangs in Cuxhaven stationiert und verlegte am 4. Juni 1969 nach Wilhelmshaven.
Die Aufgabe der WETZLAR bestand zunächst in der klassischen Minenräumung. Dazu gehörten die Sicherung von Küstengewässern, Hafenzufahrten und wichtigen Schifffahrtswegen sowie die Teilnahme an Übungen und Ausbildungsfahrten.
Wie alle Boote der Lindau-Klasse besaß die WETZLAR einen weitgehend amagnetischen Holzrumpf. Dadurch sollte das Eigenmagnetfeld des Bootes möglichst gering bleiben, um das Risiko beim Einsatz gegen magnetisch ausgelöste Seeminen zu vermindern.
Im Jahr 1960 wurde das Boot umgebaut. Dabei entfiel das zweite Brückendeck, außerdem erhielt die WETZLAR ein verändertes Heck.
Umbau zum Minenjagdboot
Am 30. April 1976 wurde die WETZLAR als Küstenminensuchboot außer Dienst gestellt und anschließend zum Minenjagdboot der Klasse 331B umgebaut. Am 6. Oktober 1978 kehrte sie als modernisierte Einheit in den aktiven Dienst zurück.
Mit dem Umbau veränderte sich das Einsatzverfahren grundlegend. Während die WETZLAR zuvor größere Seegebiete mit Räumgeräten bearbeitet hatte, konnte sie nun einzelne Unterwasserobjekte gezielt suchen, untersuchen und bekämpfen.
Zur neuen Ausrüstung gehörten:
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ein Minenjagdsonar,
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zwei ferngelenkte Minenjagddrohnen des Typs PAP 104,
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die präzise Navigationsanlage SYLEDIS,
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modernisierte elektronische Führungs- und Abwehranlagen.
Die Minenjagddrohnen konnten zu verdächtigen Objekten geführt werden, um diese zu identifizieren und erkannte Minen mit Sprengladungen unschädlich zu machen.
Einsatz als Minenjagdboot
Nach ihrer Wiederindienststellung gehörte die WETZLAR zunächst zum Minenabwehrgeschwader Nordsee. Nach dessen Auflösung wurde sie am 29. Juni 1984 dem 4. Minensuchgeschwader in Wilhelmshaven unterstellt.
Die WETZLAR nahm während ihrer Dienstzeit an zahlreichen Übungen und Minenabwehrvorhaben teil. Ihre Aufgabe bestand dabei insbesondere in der gezielten Suche nach Grund- und Ankertauminen sowie in der Sicherung von Seewegen.
Minenabwehrverband Südflanke
Am 16. August 1990 lief die WETZLAR mit dem deutschen Minenabwehrverband Südflanke in Richtung östliches Mittelmeer aus. Der Verband wurde im Zusammenhang mit der Krise am Persischen Golf aufgestellt.
Die WETZLAR musste den Einsatz jedoch am 29. Oktober 1990 wegen technischer Probleme abbrechen und nach Kiel zurückkehren. Sie nahm deshalb nicht an den späteren Minenräumarbeiten im Persischen Golf teil.
Dieser Punkt ist wichtig, weil mehrere ihrer Schwesterschiffe später tatsächlich im Golf eingesetzt wurden. Die WETZLAR gehörte zwar zum auslaufenden Verband, schied aber noch vor dessen Verlegung in das eigentliche Einsatzgebiet aus.
Außerdienststellung und Verbleib
Am 30. Juni 1995 wurde die WETZLAR nach fast 37 Dienstjahren endgültig außer Dienst gestellt. Sie wurde anschließend aufgelegt und noch im selben Jahr zum Abbruch abgegeben.
Anders als mehrere Schwesterschiffe wurde die WETZLAR nicht an eine ausländische Marine verkauft und blieb auch nicht als Museumsschiff erhalten.
Technische und historische Einordnung
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Name: WETZLAR
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Kennung: M 1075
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Ursprüngliche Klasse: Klasse 320 – Lindau-Klasse
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Ursprüngliche Verwendung: Küstenminensuchboot
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Spätere Klasse: Klasse 331B
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Spätere Verwendung: Minenjagdboot
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Bauwerft: Burmester-Werft, Bremen-Burg
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Baunummer: 5434
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Stapellauf: 24. Juni 1957
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Indienststellung: 20. August 1958
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Erster Verband: 6. Minensuchgeschwader
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Interne Bezeichnung: KM 4
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Außerdienststellung vor dem Umbau: 30. April 1976
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Wiederindienststellung als Minenjagdboot: 6. Oktober 1978
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Späterer Verband: 4. Minensuchgeschwader
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Endgültige Außerdienststellung: 30. Juni 1995
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Verbleib: 1995 aufgelegt und abgebrochen
Die WETZLAR steht beispielhaft für den Wandel der Lindau-Klasse vom klassischen Küstenminensuchboot zum spezialisierten Minenjagdboot. Fast vier Jahrzehnte lang diente sie in der deutschen Minenabwehr und erlebte dabei sowohl die Aufbauzeit der Bundesmarine als auch die technische Weiterentwicklung zur modernen Minenjagd.
Ein Stück deutscher Marinegeschichte – für alle, die auf der WETZLAR, im 6. Minensuchgeschwader oder später im 4. Minensuchgeschwader ihren Dienst geleistet haben.